Wissen: Arbeiten mit der Ziehklinge - Lack entfernen

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    0 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Wertung

Dieser Tage wollte ich eine alte Kellertüre überarbeiten und lackieren. Ein Teil des bisherigen Lackes war bereits ehr mitgenommen und anstatt zu schleifen habe ich diesen mit der Ziehklinge abgenommen.

Die Ziehklinge ist ein sehr altes Handwerkzeug, das über die Elektromaschinen nahezu in Vergessenheit geraten ist. Dabei hat diese große Vorteile: Die Staubbelastung ist deutlich geringer, kostet so gut wie nichts und man spart jede Menge zugesetztes Schleifpapier, die Ziehklinge braucht keinen Strom, eine Staubabsaugung ist nicht notwendig. Und meiner Meinung nach der beste Vorteil: Die Ziehklinge nimmt die Oberfläche wie ein Hobel ab, zerschneidet also das Material im Gegenzug zum Schleifpapier das die Oberfläche abkratzt. im Ergebnis liefert die Ziehklinge ein glatteres und vor allem faserfreieres Ergebnis.

Wie man die Ziehklinge nutzt und nachschärft zeige ich in diesem Projekt.

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Abziehstahl
  • Ziehklinge
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Materialliste
  • Bleche
  • Ziehklingen
  • Abziehstahl

Los geht's - Schritt für Schritt

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Ziehklingen

Zunächst möchte ich Euch verschiedene Ziehklingen vorstellen. Die wohl üblichste Form ist die rechteckige Ziehklinge. Mit einer solchen kann man gut Flächen abziehen.

Für Rundungen. Rundhölzer, Profile gibt es den Schwanenhals bzw. die Schwanenhalsklinge. Diese ist vielfach gerundet und hat so für sehr viele konkave und konvexe Flächen die richtige Kurvenform.

Wollte man zum Beispiel eine gedrechselte Schale abziehen, würde man für den abgerundeten Rand die innenrundung des Schwanenhalses verwenden können. Die Innenwölbung der Schale kann man mit einer gewölbten Seite des Schwanenhalses bearbeiten und die äußere Wölbung der Schale mit der Rechteckklinge.

Man kann sich natürlich für jede beliebige Form oder Rundung selbst eine Ziehklinge herstellen. Dazu verwendet man ein stabiles Blech mit der Stärke von etwa 0, 5 bis 1 mm Stärke. Idealerweise aus einem Edelstahl. Durch schleifen am Schleifbock ist die grobe Form schnell erstellt, danach muss gefeilt werden, bis man das Blech perfekt in Form gebracht hat. Wichtig ist dabei, dass die bearbeiteten Kanten exakt rechtwinklig sind.

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Ziehklingen schärfen

Ziehklinge abziehen

Vorbereitung:

Eine neue Ziehklinge muss zunächst zum Schärfvorgang vorbereitet werden. Hierzu wird die spätere Kante die geschärft werden soll exakt im rechten Winkel absolut plan geschliffen.

Ideal ist es ein Schleifpapier P 400 mit doppelseitigem Klebeband auf der Werkbank oder besser noch auf einer beschichteten Spanplatte vollflächig zu befestigen.

Bitte keinen Schleif- oder Abziehstein verwenden! Der Stein wäre bei ein paar Zügen um eine schöne Kerbe reicher.

Zuerst die schmale Seite der Ziehklinge schleifen, dann beide Flächen plan schleifen.

Abziehen im Schraubstock

Nun spannt man die Ziehklinge mit der zu schärfenden Seite nach oben in einen Schraubstock. Bei einem Metallschraubstock hat man in der Regel das Problem. Dass die Zeihklinge nicht tief genug in den Schraubstock gespannt werden kann. Hier muss man sich dann mit zwei Brettern behelfen zwischen die die Ziehklinge im Schraubstock gespannt wird. Je nach Festigkeit der Zeihklinge sollte die Klinge maximal 1 bis 2 cm aus dem Schraubstock herausragen.

Der Abziehstahl

Nun braucht man ein Stück Stahl um die Klinge abzuziehen. Der Stahl sollte härter als der der Klinge sein. Das merkt man rasch. Ist der Stahl zu weich, hat er nach dem Abziehen der Klinge Riefen.

Am besten kauft man sich gleich mit der Ziehklinge einen Ziehklingenstahl - jeweils rund 8 Euro - oder man geht einfach in der Werkstatt auf die Suche.

Dieser Stahl muss nicht zwingend rund sein, er kann auch eckig sein. Bei letzterem zieht man die Klinge nicht mit der Kante somdern der Fläche des Stahls ab. Ich selbst verwende meist einen kleinen Rundstahl mit Heft - lustigerweise von meinen Kindern der Klangstab für eine Triangel. Funktioniert perfekt. :-)

Das Schärfen

Nun nimmt man diesen Abziehstahl und fährt mit diesem möglichst in einem Zug mit gut Kraft einmal über die Kante der Zeihklinge. Ideal ist dabei einen Winkel von etwa 10 Grad zur Fläche der Kante einzuhalten. Das Ziel ist die Ecke der Kante so zu quetschen, dass ein feiner Grat hin zur Fläche der Zeihklinge entsteht.

Klappt das nicht auf dieser Seite auf Anhieb, kann man auf der anderen gleich noch einen Versuch starten. Ist man mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden, legt man die Ziehklinge flach an die Werkbamkkante und zieht die Klinge waagerecht ab und entfernt so den Grat wieder. Dieser kann dann im Schraubstock nochmals gezogen werden.

Man sieht diesen Grat fast nicht mit bloßem Auge. Er ist haarbreit und mit den Fingern gut zu fühlen.

Der Grat steht durch das schräge Ansetzen des Abziehstahl in entsprechendem Winkel von der Fläche der Klinge ab. In etwas stäekeren Winkel beim Abziehen hat man dann die größte Wirkung beim Abziehen.



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Das Arbeiten mit der Ziehklinge

Durchbiegen - man zieht später nur auf etwa 1 cm Breite ab!
Aber schon mit zwei Händen abziehen.
Abziehen - Klinge senkrecht
Wölbung der Ziehklinge

Dieser Tage wollte ich eine alte Kellertüre überarbeiten und lackieren. Ein Teil des bisherigen Lackes war bereits ehr mitgenommen und anstatt zu schleifen habe ich diesen mit der Ziehklinge abgenommen.

Die Ziehklinge ist ein sehr altes Handwerkzeug, das über die Elektromaschinen nahezu in Vergessenheit geraten ist. Dabei hat diese große Vorteile: Die Staubbelastung ist deutlich geringer, kostet so gut wie nichts und man spart jede Menge zugesetztes Schleifpapier, die Ziehklinge braucht keinen Strom, eine Staubabsaugung ist nicht notwendig. Und meiner Meinung nach der beste Vorteil: Die Ziehklinge nimmt die Oberfläche wie ein Hobel ab, zerschneidet also das Material im Gegenzug zum Schleifpapier das die Oberfläche abkratzt. im Ergebnis liefert die Ziehklinge ein glatteres und vor allem faserfreieres Ergebnis.

Wie man die Ziehklinge nutzt und nachschärft zeige ich in diesem Projekt.i der Handhabung ist es generell wichtig, dass man die Ziehklinge mit beiden Händen führt.

Im ersten Video mache ich es einhändig. Man sieht gut, dass die Zeihklinge teils über meine Werkbank hoppelt. Man hat einfach nicht genug Druck u die Fläche gleichmäßig abzuziehen. Ich führe hier die Klinge auch ohne Spannung, das heißt ohne die Klinge durchzubiegen über die Fläche. Im ertsen Bild sieht man, dass man die Klinge durchaus biegen und so unter Spannung führen kann. So wird die Auflagefläche deutlich verkleinert, die Klinge wird fester und der Grat schneidet so auf kleinerer Fläche.

Im zweiten Video führe ich die Klinge an der Breitseite gebogen über die Werkbank. Man sieht, dass ich viel mehr Material abtragen kann und auch der große Farbklecks schnell verschwindet. Nebenbei konnte man auch auf die Oberfläche der Wekbank achten. An den Stellen an denen ich abgezogen habe glänzt die Werkbank. Sie ist deutlich glatter als an den anderen Stellen. Das würde man mit Schleifpapier erst ab P 320 und erst nach längerem Schleifen erreichen können.

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Farbe entfernen mit der Ziehklinge

Lack entfernen 1
Lack abziehen 2
Lack entfernen 3

Wichtig auch hier die richtige Wölbung, der richtige Winkel der Klinge zum Werkstück, der richtige Anpressdruck und die zügige Bewegung. Durch das Zusammenspiel der Faktoren geht der Lack super ab.

Das sieht man in den Videos 1 bis 3. in Bild 5 sieht man den abgezogenen Lack von etwa der halben Fläche dieser Türenseite. Das ist schon immens und würde beim Schleifen zum Teil in der Atemluft, in der Schleifscheibe, auf dem Boden aber auch im Staubbeutel des Saugers landen. So nehme ich ihn auf und entsorge den Lack einfach im Abfalleimer.

Ich schätze, dass ich zum Lackabtrag einer Türenseite etwa 15 Minuten gebraucht habe. Mit dem Exzenterschleifer hätte ich das vielelicht auch geschafft, aber ich hätte mit P 80 begonnen, mit 180 und 220 weiter gemacht und bei P 320 aufgehört. Ich hätte etwa 5 Schleifpapiere verbraucht und hätte jede Menge Staub in der Werkstatt. So geht es viel besser. Und Bewegung ist gesund!

Vielleicht wundert Ihr Euch: das Werkzeug nennt sich ZIEHklinge. Dabei schiebe ich die Klinge über das Werkstück. Das ist jedem selbst überlassen. Ich schiebe lieber, andere ziehen lieber. Das Schieben finde ich einfacher, da ich so die Klinge leichter durchbiegen kann.

In den Videos sieht man aber auch, dass ich an hartnäckigen Stellen durchaus ziehe und schiebe.

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Auch an filigranen Stellen dem Schleifer überlegen

An meiner Türe sind Torbänder angebracht. Die Kanten wären mit einem Schleifer nicht lackfrei zu bekommen. Da wären Dreikant oder ein Stechbeitel von Nöten. Die Ziehklinge macht das perfekter!

In den Bildern sieht man, dass es unproblematisch ist beide Farbschichten vom Metall komplett zu entfernen.

Ohne meine Ziehklingen möchte ich nicht mehr sein. Diese sind immer direkt neben der Werkbank zu finden und ich nutze diese sehr häufig. Schleifpapier für Kanten, Ziehklingen für Flächen von Echtholz oder Multiplex. Das Ergebnis ist in der Regel mindestens genau so gut. Aber anstatt Holzfasern wie Schleifpapier abzureissen, schneidet die Ziehklingge diese ab. Angenommen man lackiert, beizt oder ölt die Fläche, stehen hinterher keine Holzfasern senkrecht in der Beschichtung. Man spart sich in der Regel den Zwischenschliff. Man fährt besser kurz mit der Zeihklinge ohne Druck und Wölbung darüber und da auch praktisch kein Staub anfällt, genügt es die Fläche abzufegen und man kann mit dem zweiten Auftrag weiter machen. Bei Schleifpapier sollte man mit feuchtem Tuch wischen und man könnte erst nach garantierter Trocknung weiter arbeiten.

Noch eine Anmerkung: Zeihklingen sind manchmal sehr scharf, deshalb empfiehlt sich das Tragen von leichten Schutzhandschuhen. Sodann werden die Klingen durchaus warm und wärmer. Wenn man eine zweite Ziehklinge hat, dann kann man immer wieder mal austauschen und bekommt nur Muskelkater anstatt Muskelkater und Brandblasen ;-)

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Fazit

Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Projekt etwas Wissen zu den Zeihklingen vermitteln. Kauft Euch eine und versucht es einfach aus!

Klar, man muss es einige Male versuchen, denn auch hier gilt „Übung macht den Meister“. Und mit jedem Mal wird es Euch mehr Spaß machen.


Rechtlicher Hinweis

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