Wickelkommode oder.. 120 Kilo Holz

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Mein Koloss von Rhodos
  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    300 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

Hallo ihr Lieben,

ich entschuldige mich vorab, da diese Beschreibung wahrscheinlich meinen üblichen Rahmen sprengen wird. Ich blende ab und zu mal Werbung ein oder tanze eine Runde. Mal schauen...

Ja, was war mein Ziel? Eine Wickelkommode zu bauen, die die nächsten 20 Jahre hält, Punkt!

Es sei zu erwähnen, dass ich 90% der Zuschnitte mit der Handkreissäge gemacht habe. Die ist einfach genauer als die PTS10. Was ich damit sagen möchte, es geht auch ohne Tischkreissäge!

Du brauchst

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Werkzeuge
  • PST 900 PEL  - Stichsäge, Feinschnittsäge/Säge mit NanoBlade-Technologie (elektrisch)
  • PTS 10  - Tischsäge, Unterflur-Zugsäge
  • Handkreissäge,  Skil Handkreissäge
  • Akku-Schrauber,  Parkside Akku-Schrauber 14V
  • Sonstiges,  Toolson Flachdübelfräse
  • Kapp- und Gehrungssäge,  Metabo KGS 254 M
  • Oberfräse,  Triton TRA001
  • Oberfräse,  Katsu MIDP-XT-10A-01
  • Tischbohrmaschine,  Workzone Tischbohrmaschine
  • Akku-Schrauber,  Makita HP457DWE10
  • Schwingschleifer,  Festo RS2-E Plus
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Materialliste
  • 4 x Platten | Multiplex (250cm x 125cm / 18MM)
  • 1/2 x Platte | Multiplex (119cm x 80cm / 21MM)
  • 5 x Vollauszüge SO-Tech | Metall (550mm )
  • Schrauben | diverse
  • Leim
  • Lamellos (Gr. 20)
  • Hartwachsöl

Los geht's - Schritt für Schritt

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Jede Menge Multiplex, jede Menge Zuschnitte

Mein Wunschpaket vom Großhändler

Für die ganzen Möbel die ich bauen möchte, habe ich vorab Holz bestellt. Nicht im Baumarkt, sondern beim Großhändler. 

Mal abgesehen davon, dass ich mir jetzt bei jeder Platte einen Bruch hebe, habe ich eine Menge Geld gespart. Für 25 Meter KVH in 100x80mm, 10 Platten Multiplex (250x125cm) in 18mm und eine in 21mm, musste ich "nur" knapp 1000€ auf den Tisch legen.

Umsonst gab es noch eine drei Meter breite und zwei Meter lange beschichtete Sperrholzplatte dazu. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich keine für meinen Werktisch gekauft. Egal, aus dem Ding wird jetzt meine Kappsäge-Station!

Im Baumarkt hätte ich für die Menge locker das Doppelte, wenn nicht mehr bezahlt. 

Nachteil: Kaputter Rücken und "spannende" Bearbeitung der Platten. Aber egal. Los geht's mit dem Korpus!

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Der Korpus (Teil 1)

Zuschnitt mit der 10€ Handkreissäge
30€ Flachdübelfräse
Den Korpus verleimen

Mein grober Plan bestand darin, eine Auflagefläche von 120x80cm zu haben, auf der ich die Kinder wickeln kann.

Also hab ich mir eine Platte auf meinen neuen Werktisch (Projekt folgt) gewuchtet und mit meiner kleinen Billig-Handkreissäge mit selbstgemachter Führungsschiene (Projekt folgt auch) geschnitten.

Grundsätzlich sägt die Kombi sehr genau, jedoch kam ich eines Abends rauf zu meiner Frau und sagte nur: Schatz? Die Auflagefläche wird 119cm breit.

Sie lachte und wusste Bescheid. Wenn man zu blöde zum messen ist, muss man eben flexibel sein.

Die Tiefe liegt bei 60cm.

Den Korpus habe ich mit meiner Flachdübelfräse (30€ aus den Kleinanzeigen, tolles Teil!) bearbeitet (das Blatt ist doof, deshalb hat es gequalmt ohne Ende ;-)) und die Lamellos (Gr. 20) eingesetzt. Zusätzlich habe ich ihn noch verschraubt. Sicher ist sicher.

Im Vergleich zum Meisterdübler ist die Flachdübelfräse in Sachen Geschwindigkeit unschlagbar. So schnell hab ich noch nie Korpusse gebaut. Super!

Danach habe ich alles (wasserfest) verleimt und mit verlängerten Einhandzwingen schön fest.. ja.. gezwungen (?!)

Als alles trocken war, habe ich die Rückwand geschnitten. 

Nu geht's los....

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Der Korpus und der Depp (ein Märchen in unzähligen Akten)

Öh, da fehlt was...
Ach guck, da isses ja!
Zusammen was zusammen gehört!
Ha! Geht doch!

Ein paar Tage vorher habe ich im Forum noch geprahlt, wie genau ich mit der selbstgebauten Schiene schneiden kann.


Kann ich wirklich! Ehrlich! Hey, nicht lachen! 

Na gut... Ich setzte also die Rückwand ein und oben fehlte ein Stück. Knapp 15 Millimeter. Läuft ja bei mir.

Hektisch gemessen, vielleicht war ja eine Seitenwand zu lang. Nix is, Pustekuchen! Ich hab die Schiene einfach schief angelegt und  somit schief gesägt.

Aber egal, das fehlende Stück schlummert ja noch im Brett!
Also habe ich gemessen (....), die Schiene angelegt und das "Missing Link" aus der Platte geholt. 

Danach ordentlich mit Leim eingekleistert und vorsichtig in den Spalt geschoben.  Passt! Sieht man auch nicht (ist ja hinten). 

Danach habe ich dann meine Art des Anzeichnens grundlegend geändert. Ich zeichne jetzt immer mit dem Cuttermesser an und ritze großzügig Striche ins Holz. Die sehe ich wohl besser als den dünnen Bleistift... 

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Seitenteile vorarbeiten

Seitenteile rund fräsen

Wahrscheinlich seid ihr es ja schon von mir gewohnt, dass ich nie mit einem vollständigen Plan an ein Projekt gehe. 

Hat für mich den Vorteil, dass ich flexibel reagieren und eventuelle Ideen spontan einbauen kann.

So sind auch die Seitenwände entstanden. Von der Höhe her sind wir bei 125cm und 80cm Tiefe. Bedeutet bei einem 60cm tiefen Korpus also, dass ich ihn, meinen Wünschen entsprechend, so zwischen die Seitenwände schrauben kann, wie ich möchte. 

Die Seitenteile habe ich also wieder mit meiner selbstgebauten Kreisschneidevorrichtung für die Triton geschnitten und danach die Platten beiseite gelegt, um am Kindertisch weiter zu arbeiten.(Das war immer so ein hin und her) 

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Projekt im Projekt (Schablone für die Auszüge)

Projekt im Projekt

Nachdem ich bei meiner Grillküche wirklich Spaß hatte (..*würg*), die Auszüge passend zu montieren, habe ich mir auf die Schnelle eine Schablone gebaut. Danach wieder zerlegt weil sie zu breit war und neu gebaut.


Dazu habe ich einfach ein Stück Restholz genommen, auf die richtige Länge und Breite geschnitten (die Breite sogar zweimal) und dann einen Stopper angeleimt. An die Seiten kamen dann noch zwei Stücke Siebdruck. 

Mit dieser Schablone konnte ich die Auszüge einfach anlegen und direkt montieren.  

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Auszüge

Von welchem Hersteller die Auszüge sind, habe ich in die Materialliste geschrieben.


Der Vorteil an ihnen ist, dass sie, wie bei der Grillküche, auf Druck zu öffnen sind. Ich kann sie also wieder einfach mit dem Knie öffnen und spare mir die Griffe an der Kommode. Nebenbei stoße ich mir nicht andauernd die Knie. Bei um die 20€ pro Stück sollte man sich den Einsatz in einen Werkstatt Schrank jedoch überlegen (ich überlege noch!). Aber für die Kommode sind sie genau richtig.

Mit der Schablone waren die Auszüge dann auch schnell montiert.
 Die einzige Schwierigkeit für mich bestand darin, die Schraube wirklich mittig zu setzen. Wer mein Video mit der ATC gesehen hat, weiß dass ich einen essentiellen Tremor in der linken Hand habe. Leider bin ich auch Linkshänder (wenn der schlimmer wird, mache ich mich später mit einem Bauchladen selbstständig und verkaufe geschüttelten Orangensaft). 

Direkt danach habe ich mir billige Scharnierbohrer gekauft (der erste Test an meiner Kücheninsel, Projekt folgt..., war erfolgreich).

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Schubladen (leider kaum Fotos)

Der Sohnemann hilft!
Der Pin..
..kommt da rein

Bei den Schubladen hat mir mein Sohn ein wenig geholfen. 

Leider habe ich dabei vergessen, Bilder zu machen.

Es sind im Endeffekt nur ein paar offene Kisten mit heruntergezogenen Seitenteilen. Die liegen dann auf den Auszügen und hinten bohrt man noch auf jede Seite ein Loch, wo der Befestigungspin der Auszüge ist. 

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Zum Test zusammensetzen und Maße für die Blenden nehmen

Es ist anzumerken, dass alleine der Korpus zu diesem Zeitpunkt schon ein Gewicht hatte, was jenseits von Gut und Böse war. 


Auch alleine die Seitenteile und die Auflagefläche ließen sich von mir alleine nicht vernünftig tragen (okay, ich bin ja auch eher nur ein halbes Hemd). 

Bei den Seitenteilen habe ich dann schon mal die Kanten abgerundet und danach die Maße für die Blenden genommen.

Danach ging es an den Zuschnitt für die Blenden.  

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Blenden montieren

Leider gibt es von diesem Schritt nur genau ein Foto. 

Im Endeffekt habe ich die Kanten der Blenden nach dem Zuschnitt abgerundet und dann relativ simpel von unten nach oben montiert.

Als Abstandhalter habe ich Spielkarten genommen. Immer sieben Stück auf jeder Seite.
Ich habe die unteren Karten weiterhin eingesteckt gelassen, da die Schubladen ein ordentliches Gewicht haben und dementsprechend die Auszüge nach unten ziehen. Hätte ich die Karten unten herausgezogen, hätte es mir die Abstände vermurkst. 


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Obere Rückwand vorbereiten

Richtig ausgefräst
Zuviel ausgefräst
Ausgebessert

Nachdem ich die Kommode mit meiner Frau zusammen in den passenden Raum gewuchtet habe (die bleibt da bitte jetzt für immer stehen!), habe ich die Seitenteile montiert. Vorher musste ich auf der linken Seite noch einen kleinen Teil heraustrennen, da an der Wand eine Doppelsteckdose ist. 


Davon benötige ich jedoch nur eine, dazu aber mehr im nächsten Schritt. 

Nach der Montage habe ich den gesamten Korpus mit Hartwachsöl behandelt. Während der ins Holz gezogen ist, bin ich runter und habe die obere Rückwand ausgeschnitten. 

Da ich natürlich keinerlei Schrauben von außen sichtbar haben wollte, kam ich auf die Idee, die Rückwand an den Seiten und unten mit einer Nut (Flachdübelfräse) zu versehen. Links und rechts habe ich die Nut fast durchgängig gemacht, unten nur an drei Stellen (links, rechts, mitte). 
Leider habe ich an der rechten Seite die Nut komplett durchgezogen, sodass ich den oberen Bereich flicken musste.
Allerdings trenne ich mich sehr selten von irgendwelchen Holzresten und konnte den "Flicken" aus meinem "Bestand" nehmen und direkt verarbeiten. 

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Rückwand für die Steckdose ausfräsen

Ich hoffe es klappt
Die "Kleine" macht die Vorarbeit
Die "Große" macht den Rest
Für mein erstes Mal ganz okay

Zuerst hatte ich die Idee, die in die Kommode schauende Steckdose zu verwenden. Für einen Fön oder so.

Allerdings wollte ich so wenige Gefahrenquellen wie möglich haben, also musste die Steckdose verschwinden.

Ich habe also Maß genommen und mir den zu verschwindenden Teil auf dem Brett angezeichnet.
Danach habe ich für die kleine Katsu Kantenfräse einen Käfig gebaut, in dem sie sich frei bewegen kann. 
Nachdem ich die Seiten bis zur gewünschten Tiefe ausgefräst habe, hat die Triton in einem Zug den Rest in der Mitte erledigt. Die Ausfräsung ist jetzt zwar nicht 100% sauber, aber die sieht eh niemand mehr (außer ihr jetzt). 

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Endlich die Rückwand einbauen!

So sieht der Gegenpart an der Kommode aus
Alles schön verleimt und ordentlich angeknallt
Es passt!

Der Einbau der Rückwand gestaltete sich sehr einfach.

Ich musste sie einfach über die bereits in den Korpus eingeleimten Lamellos schieben (vorher habe ich die Nuten gut mit Leim gefüllt) und mit verlängerten Einhandzwingen schön "anknallen".

Den überschüssigen Leim habe ich mit einem feuchten Lappen entfernt. 

Als am nächsten Tag alles trocken war, habe ich die Zwingen entfernt, die Schubladen eingesetzt und die Kommode an die richtige Stelle gerückt. 

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Ölen

Ich habe es jetzt nicht jedes Mal explizit gesagt, jedoch habe ich die ganzen Teile natürlich vorher richtig abgeschliffen und mehrfach eingeölt.

Beim ölen bin ich der "Bedienungsanleitung" auf der Packung gefolgt und habe brav nach 30 Minuten das überschüssige Öl abgetragen und danach die Fläche poliert.
Die Schritte habe ich so lange wiederholt, bis das Holz kein Öl mehr aufgenommen hat. 

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Fertig und Fazit

Sieht schief aus, ist aber gerade (an der Wand unten ist SiIikon)
Zusätzliche Verstärkung im Korpus (vorn und hinten)

Und damit ging auch mein nächstes Projekt zu Ende.

Wie hier im letzten Bild zu sehen ist, habe ich vorsichtshalber hinten und vorne noch zwei Verstärkungen eingebaut. Nur für den Fall, dass sich das Holz in den nächsten 20 Jahren mal verbiegen sollte. 

Ich habe bei diesem Projekt wieder sehr viel gelernt und, wie immer, einige Dinge auch zum ersten Mal gemacht. 

Wichtig ist natürlich, dass an der Kommode keinerlei scharfe Kanten sind und sich somit niemand verletzen kann. Oben kommt später noch eine Wickelauflage drauf und ich habe in den Schubladen genügen Platz für alle möglichen Utensilien. 

Ja, und jetzt hoffe ich, dass das Ding bis zur Rente hält..

Ich danke euch für's lesen (war dieses Mal wirklich viel) und wenn ihr wollt, lasst einen Kommentar da.

Und wie immer: Der, der immer fleißig einen Daumen vergibt (scheinbar als Hobby) hat wahrscheinlich einen klitzekleinen Nano*****. Und keine **** mal was zu schreiben. Tut mir leid :-(


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