Vergleichstafel für Öle im Lebensmittelbereich

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Vergleich von Holzölen im Lebensmittelbereich, Kinderspielzeug und für Haustiere
  • Schwierigkeit
    leicht
  • Kosten
    10 €
  • Dauer
    1-2 Tage
  • Öffentliche Wertung

Hier im Forum stellte ich vor einiger Zeit die Frage, ob man wohl Danish Oil für den Lebensmittelbereich verwenden könne.

Es ergab sich eine Diskussion mit einigen Tipps, welche Öle, Wachse und Öl-Wachs-Gemische man stattdessen verwenden könne.

Die Möglichkeiten erschienen vielfältig. Eine Anfrage bei einem Hersteller von Ölen für den Maler/Holzbearbeitungsbereich ergab zwar Erkenntnisse, aber noch nichts greifbares.

Vor allem fehlte nach wie vor ein Vergleich, wie wohl die verschiedenen Öle auf verschiedenen Hölzern wirken.

Ich entschloss mich, hier einfach mal eine Versuchsreihe zu gestalten.

Nachdem ich mir die Zutaten besorgt hatte, erstellte ich für mich eine Schautafel, um auch für die Zukunft die Vergleiche zu haben.

Für den Fall, dass oben das Video dazu nicht angezeigt wird: https://youtu.be/4aJYxYPsTNs

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Tischkreissäge
  • Tellerschleifer
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Materialliste
  • diverse Hölzer
  • diverse Öle und Wachse

Los geht's - Schritt für Schritt

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Auswahl der Öle

In der Diskussion kamen verschiedene Tipps. Darunter natürlich Leinöl, aber auch Mohnöl und Walnussöl. Auch kamen Mischungen mit Wachs zur Sprache. So nahm ich noch Bienenwachs und Carnaubawachs mit auf. Diese sollten u.a. mit Kokosöl gemischt werden.
Zusätzlich nahm ich in die Reihe Tungöl mit auf, auf das ich bei meinen Recherchen gestoßen bin.
Zum weiteren Vergleich kamen noch Leinölfirnis und Danish Oil zum Einsatz.

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Unterschied Wachs / Öl

Bei einmaliger Behandlung zieht in der Regel das Öl ins Holz und ist dann nicht mehr an der Oberfläche.
Bei gut aushärtenden Ölen kann man mehrere Lagen mit entsprechender Trockungszeit aufbringen. Durch das mehrschichtige Auftragen und Aushärten entsteht eine glatte, relativ harte Oberfläche, die fast schon mit Lack vergleichbar ist.

Wachs bleibt auf der Oberfläche, ist ggf. empfindlich gegen Wasser und Reinigungsmittel, gibt aber einen schönen Glanz. Wenig bis keine Farbveränderung.
Die Komination: Wachsöle - sie vereinen beide Welten. Öl zieht ein, Wachs bleibt stehen und etwas Öl bleibt im Wachs und verhärtet. Das Ergebnis ist eine widerstandsfähigere Oberfläche.

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Warum nicht einfach Salatöl?

Unter den Pflanzenölen gibt für unsere Zwecke einen grundlegenden Unterschied.
Die einen oxidieren einfach nur und werden ranzig. Die härten auch nicht aus. Dazu gehören Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl. Die sind für die Oberflächenbehandlung von Holzarbeiten nicht zu empfehlen.
Die zweite Gruppe sind die Öle, die polimerisieren bei der oxidation. D.h. die werden nicht ranzig, sondern härten aus. Ähnlich einem Lack. Also nur zum Vergleich, es nicht wirklich ein Lack der entsteht.
Zu dieser Gruppe gehören die Öle, die ich hier verwende: Leinöl, Walnussöl, Mohnöl, Tungöl.
Manchmal werden diese Öle auch schon als Hartöl bezeichnet. Nach meiner Info trifft diese Bezeichnung aber nur für entsprechend vorbehandelte Öle zu. Also z.B. das gekochte Leinöl (unter Luftabschluss) und Öl mit Zugaben von Sikativen.

Nachfrage bei einem Hersteller ergab:
Das einzige aus deren Sortiment, was sie für Lebensmittelbereich empfehlen sei Walnußöl, unsikkativiert.

Sikkative sind Schwermetallseifen und diese seien gesundheitsschädlich, daher empfehlen sie nicht die Anwendung im Lebensmittelbereich.

Auch Leinöl empfehlen sie nicht, weil es nicht geschmacksneutral sei, Mohnöl trockne zu langsam.

Denkt mal an Obstschalen. Äpfel, Orangen enthalten Säure, manchmal schimmelt etwas. Da muss man dann schon gut spülen können um Hygiene einzuhalten. Die Hausfrau nimmt Essig gegen Schimmel. Das ist Essigsäure. Da macht Wachs einfach nicht mit. Oder ein nicht aushärtendes Öl verschließt die Holzfasern einfach nicht und das Holz saugt jegliche Feuchte ein und gibt sie durchaus wieder ab. Zwischenzeitlich haben sich auch mal Bakterien angesammelt.

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Wachs/Öl-Mischungen vorbereiten

Mischung 1: 2 Teile Kokosöl und 1 Teil Bienwachs.
Mischung 2: ca. 4g Bienenwachs, ca. 4g Carnaubawachs, ca.100ml Leinöl
Die Mischungen habe ich jeweils in einem ausgedienten Honigglas im Wasserbad erhitz bis sie gut durchmischt waren und dann wieder abkühlen lassen.

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Die Hölzer

Ich entschied mich dafür, 6 gängige Hölzer zu testen: Pappel, Kiefer und Birke, Buche und Eiche. Douglasie. Also helle und dunkle, weiche und harte Holzsorten.

Ich schnitt mir die Hölzer alle im gleichen Maß auf der Tischkreissäge zu.

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Schleifen

Ich wollte ja eine vergleichbare Oberfläche. Auf meinem improvisierten Tellerschleifer habe ich alle Hölzchen auf der zu behandelnden Seite zunächst mit 120er und dann mit 240er Schleifpapier geglättet.

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Vergleichstafel

Auf einer Pressspanplatte, die ich zufällig noch in passender Größe parat hatte, ordnete ich die Hölzchen in gleichen Abständen an und leimte sie auf.

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Die Ölung

Nun hatte ich 9 Spalten eines jeden Holzes. Also eines für jedes Öl/Wachs, und eines das roh blieb zum Vergleich.
Mit einem Tuch, natürlich separat für jede Ölart, brachte ich die Öle und Wachse auf.
Nach einigen Minuten nahm ich auch je mit einem separaten trockenen Tuch die Überstände, die nicht eingezogen waren, wieder ab.

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Warum die verschiedenen Öle?

Leinöl: sehr gebräuchlich, oft genannt, dauert aber ewig, bis es komplett aushärtet
Leinölfirnis: sollte ähnlich wie Leinöl sein, aber schneller aushärten
Mohnöl: härtet aus, und laut Forendiskussion wenig färbend
Walnussöl: härtet gut aus, unterschiedliche Aussagen zur „Anfeuerung“ des Holzes
Tungöl: härtet aus, ist sogar im Außenbereich anwendbar
Danish Oil: weil ich es schon oft verwendet habe, und den Vergleich sehen wollte
Die Wachs/Öl-Ansätze: weil sie in der Diskussion genannt wurden und ich neugierig war.

Alle Öle/Wachse sind für den Lebensmittelbereic, oder auch für Kinderspielzeug und Haustierzubehör geeignet. Außer Danish Oil und Leinölfirnis. Da hier ggf. Härtehilfmittel enthalten sein können, würde ich die nicht für diesen Anwendungsbereich empfehlen.

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Der Vergleich und das Fazit

Leinöl und Leinölfirnis haben meiner Meinung nach am Meisten das Holz angefeuert, sogar noch vor Danish Oil.
Mohnöl blieb relativ hell, außer bei Douglasie.
Walnussöl und Tungöl lagen dazwischen.
Die Öl/Wachs-Mischungen ergaben eine schöne Oberfläche. Beim Ansatz mit Leinöl schlug die Färbung des Leinöls durch.

Auffallend alle Oberflächen waren auch nach dem Ölen sehr glatt, außer beim Danish Oil, da hat die Fasern wieder aufgestellt.

Mein bisher oft genutztes Danish Oil wird bei mir nach diesem Test wohl ein Auslaufmodell.
Reines Leinöl wird mir in der Regel zu lange zum trocknen dauern.
Meine Wahl wird wohl für den Lebensmittelbereich bei Mohnöl oder Walnussöl landen. Die Wachs-Öl-Mischungen sind eine schöne Alternative für Möbeloberflächen.
Tungöl werde ich wohl auch für den Außenbereich verwenden.


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