Steinofen --> Pizzaofen

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Pizzaofen
  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    500 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

Wir lieben Pizza! Unsere Kinder auch. 

Pizza aus dem Backofen, ob mit oder ohne Stein, auf dem Gitter oder dem Blech, ist nicht das wirklich Wahre (finden wir!)  Also überlegten wir mehrere Sommer und Winter, wie und wo wir einen eigenen Steinofen zum Pizzabacken bauen könnten. Nachdem wir einen vernünftigen Bauplatz ausgemacht hatten, haben wir alle bis dahin getätigte Planung doch wieder über den Haufen geschmissen und den Steinofen dort gebaut, wo wir uns gemeinsam zum Sitzen und auch zum Essen am meisten aufhalten. Dorthin, wo wir schon seit Jahren eine Terrasse bauen wollten.... An unsere Gartenmauer sollte der Ofen anschließen, nicht in einem bestimmten - schon gar nicht einem rechten :-) - Winkel, sondern einfach irgendwie, Hauptsache oben gerade. 
Die Kosten sind nicht unerheblich, denn feuerfester Beton, für den wir uns entschieden haben, ist nicht gerade günstig, Schamottsteine und entsprechender Mörtel auch nicht. 

Nachtrag wegen der Fragen zu den Kosten:
Die Schamottsteine, der feuerfeste Beton (*) und auch der Schamottmörtel kosten Geld, und zwar nicht wenig, dazu der Beton für das Podest, die Steine zum Verschönern und die Fugenmasse. Alles in allem ergibt es dann halt eine beachtliche Summe. Dabei sollte man aber berücksichtigen, wie schnell sich der Ofen amortisiert hat - zu zweit ist das sicherlich nicht so schnell erreicht, wie mit mehreren Kindern. 50,- Euro sind schnell weg, wenn die ganze Familie gute Pizza aus dem Steinofen essen will - 12-15 mal keine Pizza vom Italiener und der Pizzaofen ist wieder drin. Klar essen wir öfter mal Pizza, seit wir den Ofen haben und das kostet dann auch Geld - aber mal ehrlich: was kosten Hefeteig und Tomatensauce? Das teure daran ist eher noch der Käse :-)
Ich will mich nicht rechtfertigen, nur erklären, wie die Kosten zu Stande kommen. Uns war es das wert...

(*)
Das Kilogramm kostet in etwa so viel wie ein ganzer Sack normaler Beton, 2,50 bis 2,90. Temperaturbeständig bis 1300° und lebensmittelecht, für Backöfen gedacht.

Nachtrag:
Zu Schritt 9 und 10 habe ich noch Bilder eingefügt, von den bereits verfugten Steinen links und rechts vom Ofen, dem verfugten Ofen selber sowie den "Werkzeugen".

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Spitzhacke
  • Schaufel
  • Schubkarre
  • Kunststoffwanne für Beton und Mörtel
  • Holsteiner Schaufel =Betonmischer :-)
  • Brecheisen zum Anheben der Steine
  • Fugengummi und Fugenschwamm
  • Mut und Geduld!
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Materialliste
  • 10 x Sack | Beton (25 kg)
  • 5 x Stück | Schamottplatten
  • 4 x Sack | Feuerfester Beton (25 kg)
  • 10 x kg | Schamottmörtel
  • Viele x Stück | Steine und Felsen
  • Etwas x alter | Metallzaun ((Armierungseisen))
  • 300 x kg | Sand ((Negativform des Ofens))
  • 1 x Stück | Ofenrohrstutzen
  • 50 x cm | Ofenrohr ((10-12 cm Ø))
  • 400 x Stück | Mosaiksteine
  • 2-3 x kg | Fugenmasse

Los geht's - Schritt für Schritt

1 10

Bauplatz festlegen

Bauplatz neben der Mauer

Die Gartenmauer ist ja in einem anderen Projekt beschrieben, neben dieser war noch etwas Platz, genau ausreichend für den Steinofen. 

Wichtig ist hierbei, dass man die Windrichtung berücksichtigt. Zum einen möchte man ja nicht im Rauch sitzen, zum anderen sollte der Ofen halbwegs vor Wind geschützt werden, da man ja Feuer im Ofen hat, während die Pizza bäckt.

Dummerweise lag der Bauplatz am Hang, also sehr viel Erde mit vielen Steinen im Boden. Erstmal Spitzhacke und Schaufel geholt und viele Schubkarren Erde weggefahren.

2 10

Unterbau

Beton und große Steine
Teilweise schon fast Felsen
In die richtige Position gebracht und mit Beton aufgefüllt

Wir wollten an dieser Stelle keinen offenen Unterbau, auch wegen dem Hang. Also entschlossen wir uns, den Unterbau komplett aus Steinen und Beton anzufertigen. In unserem Fall habe ich auf ein tiefes Fundament verzichtet, da zum einen auf Rasenniveau sehr viel Gestein zum Vorschein kam und wir zum anderen ja einen massiven Klotz gebaut haben: 120 cm breit und 110 cm tief bei einer Höhe von 100 cm.

Der große Stein auf dem dritten Bild rechts positioniert hat eine Kantenlänge von über 50 cm - ein Kraftakt, den da raufzubringen. Nur mit Hebelwirkung und zu zweit zu schaffen.

3 10

Plattform

Angsteisen
Eine ebene Fläche
Eine Idee der Größe
In die Mauer integriert

Je weiter wir nach oben kamen, desto kleiner wurden die Steine. Den oberen Rand der Plattform haben wir dann noch mit Granitsteinen gestaltet. Der große Granitstein rechts auf der Plattform dient als erhöhte Abstellfläche - z.B. für eine Flasche.

Auch in die Plattform selber haben wir alte Steine reingepackt und Eisen, um die Fläche stabiler zu machen. Die Schalung ist einfach aus Brettern gestaltet, die von Steinen von allen Seiten und 2-3 Schrauben gehalten wurde.
Auf dem letzten Bild ist zu sehen, wie gut sich die Erweiterung bereits in die Mauer integriert.

4 10

Vorbereitung des Ofenbaus

Schamottplatten mit Schamottmörtel
Schamottplatten mit Schamottmörtel
Negativform der Kuppel
300 kg Sand - Holzstab als Markierung der Höhe
Sieht doch ganz gut aus

Nach dem Aushärten - also nach 3 Tagen ;-) - habe ich die Schamottplatten mit Schamottmörtel verlegt. Ich komme aus Bayern, wir sagen und schreiben hier Schamott und nicht Schamotte :-)

Eine Fuge von 2-3 mm zwischen den Platten soll man einplanen, wegen der Hitze, Ausdehnung und so, sagt der Hersteller. Die Schamottplatten dehnen sich bei Hitze nicht aus, sagt eben derselbe Hersteller. Schaden wird es ja wohl nichts, wenn ich kleine Fugen mache.
Dann ein schwieriger Arbeitsschritt: die Negativform der Kuppel aus ca. 300 kg feuchtem, aber nicht nassem Sand. 60 cm Innenhöhe wollte ich haben. Der Holzstab mit Markierungen dient als Orientierung. Immer schön die Oberfläche feucht halten und glatt streichen - irgendwann waren wir zufrieden. An die Platte vorne hatte ich mehrere Stangen gedübelt und in den Sand gesteckt, so dass sich diese von alleine hält - dachte ich, bis es dann doch leicht wegrutschte. Ich habe mir dann mit Steinen als Gegengewicht beholfen.

5 10

Ofenbau

Der feuerfeste Beton
Anschluss für das Ofenrohr

Der feuerfeste Beton, den wir gewählt hatten, sollte zügig in mehreren (drei) Schichten von 3-5 cm Stärke aufgetragen werden. Ich hatte beim Auftragen auf die Sandkuppel schon Bammel, dass mir der Sand wegrutscht oder irgendwas passiert, aber es ist gleich alles gut gegangen. Auch den Anschluss für das Ofenrohr haben wir nicht vergessen. 

Auf dem fünften Bild ist gut die neue Lage Beton zu erkennen. Ab da ging es deutlich leichter, da ich die Angst, dass mir der Sand wegrutscht, verloren habe. 
Am längsten Tag des Jahres habe ich bis 21.15 Uhr gebraucht, um die letzte Schicht zu vollenden. Nun ja, ich habe ja auch erst spät am Nachmittag angefangen.
Man soll den feuerfesten Beton, wie jeden anderen auch, leicht feucht halten. Da wir den Steinofen von außen noch mit Steinen verkleiden wollten, steht der Stutzen für das Ofenrohr noch ein Stück heraus.

6 10

Das lange Warten

Bis man weiterarbeiten oder gar das erste Feuer machen kann vergeht einiges an Zeit - der Beton muss durchtrocknen, ansonsten kann er ungünstig reißen.
Nach zwei Tagen Trocknungszeit habe ich langsam und vorsichtig begonnen, die Sandkuppel aus dem Innenraum zu entfernen, so trocknet es schneller, der Beton hält sich schon selber. Aufregend, man weiß ja nicht, ob alles hält. Aber es hat gehalten!

7 10

Das erste Anfeuern

Erstes kleines Feuer
Zweites Feuer am nächsten Tag
Es brennt und alles hält

Langsam und vorsichtig soll man den Beton einbrennen, damit etwaige Restfeuchte sich nicht zu schnell erwärmt und zu Rissen führt. 

Also haben wir mit kleinem Holz etwas Feuer gemacht und diesen Schritt am selben Tag noch mehrfach wiederholt und etwas gesteigert.
Am zweiten Tag haben wir dann noch etwas mehr Feuer gemacht und wiederum Geduld bewiesen und am dritten Tag das erste Mal mit kleineren Holzscheiten Feuer gemacht.

8 10

Die erste Pizza

Tada!

An eben diesem dritten Tag Einfeuern haben wir uns langsam immer weiter gesteigert bis wir abends dann mit richtigen Holzscheiten Feuer gemacht haben. Natürlich haben wir gleich Teig angesetzt und einen ersten Test gemacht - eine wahre Freude!

Deswegen und wegen der vielen langen Wartezeiten verdient die erste Pizza auch einen eigenen Arbeitsschritt :-)
Hefeteig ausrollen und ziehen, nach Wunsch belegen und bei richtigem Feuer ist nach 3 Minuten die Pizza fertig.

9 10

Verschönern

Steinverkleidung
Granitbogen
Der Steinofen
Links neben dem Ofen
Und rechts neben dem Ofen

Leider, leider sind mir ein paar Bilder der letzten Arbeit verloren gegangen. Wir haben den Steinofen von außen noch mit Steinen beklebt, mit Ofenmörtel. Vorne dran kam dann noch ein Rundbogen aus Granitsteinen. Die restliche obere Fläche haben wir dann noch mit schwarzen und weißen Steinen, die Abstellfläche rechts mit Resten von Mosaiksteinen beklebt. Auch unten am Sockel sind ebenfalls Mosaiksteine. 

Verfugt haben wir mit einer hitze- und witterungsbeständigen weißen Fugenmasse. 
Ein Dach haben wir dem Steinofen an diesem Platz nicht gegönnt, ab Herbst decken wir ihn mit einer dicken Plane ab, damit er vor Wasser und später dem Frost geschützt ist.

Nachdem wir jetzt den dritten Sommer unseren Steinofen genießen, haben wir gut gebaut und vielleicht auch Glück gehabt. 

10 10

Informationen

Feuerschieber/Aschesammler
Besenstiel mit Nagel
Reste des ersten Pizzaschiebers sind noch dran

Wir haben bewusst und aus Kostengründen 5 cm starke Schamottplatten gewählt, tatsächlich wären mir eine 10 cm Starke Schamottschicht lieber gewesen, weil die Hitze dann besser gespeichert wird und von unten auch mehr Hitze an die Speisen kommt. Aber er ist größtenteils als Pizzaofen geplant und wenn man ihn eine Stunde oder etwas länger ordentlich einheizt und dann das Feuer zur Seite schiebt, ist dort für mindestens eine Stunde genug Hitze um auch knusprige Pizzen zu backen, die innerhalb von drei Minuten fertig sind. Eine Ofentür wird für Pizza schlicht nicht benötigt, für Braten oder Brot dürfte es in diesem Ofen schwierig sein, die Hitze konstant zu halten, kleinere Brote oder Fisch, Steaks etc. sind kein Problem. Eine ansteckbare Ofenklappe aus Eichenholz ist bereits seit zwei Jahren in Arbeit und wartet noch auf ihre Fertigstellung :-D


Zubehör
Aus einem alten Blech und einem Besenstiel habe ich mir einen Feuerschieber gebastelt, der auch als Aschesammler dien, um die Asche nach dem Backen aus dem Ofen herauszubekommen. Der erste selbstgebastelte Pizzaschieber hat ungefähr eine Woche gehalten, da er aus dem zweiten Besenstiel und einem drangebastelten runden Blech bestand - Nummer 2 und die Hitze sind nicht miteinander klargekommen. Ein Schieber aus Edelstahl mit angeschweißter Edelstahlplatte hält jetzt den dritten Sommer.
Aus dem kaputten Schieber habe ich Werkzeug Nummer 3 gemacht: einen Nagel schräg durch das Holz, das erleichtert das Anheben und Positionieren von verrutschten Holzscheiten im heißen Ofen.

Der Tunnel vorne
Bereits im ersten Sommer gab es relativ schnell einen Riss vom Ofenrohrstutzen bis nach vorne, durch den Granitbogen bzw. den Mörtel. Erst war ich entsetzt, dann habe ich an die große Hitze gedacht und später war mal ein Ofenbauer vor Ort, der mir versichert hat, dass es gar kein Problem sei, sondern im Gegenteil normal. 

Ablagefläche
Rechts neben den Pizzaofen habe ich noch eine Ablagefläche aus alten Eichenbohlen auf zwei Posten gebaut, um die neuen Pizzen gleich vor Ort zu haben. Dieses oder nächstes Jahr werden wir uns vielleicht an die Sommerterrasse machen und dann auch die Fläche unter der Ablage besser nutzbar gestalten. Ein richtiges Holzfach.
Der Lavendel, der alle Bauarbeiten überlebt hat, kitzelt immer an den Beinen, wenn man vor dem Ofen steht.

Als Fazit bleibt, dass dieser Steinofen schon für sehr viel Freude gesorgt hat. Bei einigen kleineren und größeren Feiern haben die Pizzen und das Selbermachen allen unheimlich Spaß gemacht.


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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