Restauration antiker Kleiderschrank

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  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    40 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

Für meine jüngste Tochter restauriere ich aktuell einen antiken Kleiderschrank. Ein typisch schwäbischer Kleiderschrank wie diese in der vorindustriellen Zeit gefertigt wurden. Er ist rund 100 Jahre alt, in teils gutem Zustand und handgefertigt. Woher ich das letztere weiß? Lasst Euch überraschen. Neben verschiedenen Handwerkstechniken gehe ich im Projekt auch auf Details des Schrankes ein und informiere über allerhand Wissenswertes.

Wem das zu viel ist, der schaut sich einfach ein paar Bilder an und schaut das Ergebnis am Schluss. Es ist niemand gezwungen alles zu lesen, aber ich bin mir sicher, wer es dennoch tut, der wird viel interessantes lesen und auch sicher noch das eine oder andere hinzulernen. Zur besseren Übersicht werde ich im ersten Absatz jedes Arbeitsschrittes den Inhalt desselben etwas zusammen fassen.

Besonders Interesse verdient Schritt 15 mit einem Praxistipp zu den verschiedenen Schleiferarten, Schritt 16 mit einer Lösung für den Schleifstaub und Schritt 17 mit einem neuartigen Helferlein zum Ölauftrag.

Los geht's - Schritt für Schritt

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Die bisherige Veredelung der Oberfläche

Mit der Gründerzeit oder der Zeit des Biedermeiers zogen auch stilvolle Möbel in die einfacheren Häuser ein. Doch konnte sich nicht jedermann teure und hochwertige Möbel leisten. Also wurden günstige Möbel einfach aufgepeppt. Durch die Lackierung versuchte man noblere Möbel zu imitieren.

Auf den Bildern erkannt man sehr gut, dass hier eine Holzmaserung kunstvoll auf das Holz aufgetragen wurde. Man sieht es nicht aus einiger Entfernung, aber es handelt sich hier um einfaches und günstiges Weichholz wie Tanne oder Fichte, das auf wertvolleren Nussbaum getrimmt wurde. Es wurden mehrere Schichten Lack aufgetragen, wobei hier mit etwas Erfahrung und mittels Bürste oder Kamm die Maserung durch überfahren des Lackes erzeugt wurde. Stellenweise wurde der braune Lack abgezogen, in den Zwischenräumen sammelt sich so der weggeschobene Lack und erzeugt die Jahresringe, Betrachtet man die Bilder sorgfältig, erkennt man, dass die Maserung an einem Hokzstück durchaus abwechselnd verlaufen kann, was in der Natur unmöglich sein kann. Ich habe das in Bild 4 und Bild 5 eingezeichnet. Die Illusion ist aber dennoch durchaus beeindruckend.

Die Lackierung hat durchaus Gebrauchsspuren, Kratzer und Schadstellen. Ich könnte natürlich diese Stellen ausbessern, aber meiner Tochter gefällt diese Farbgebung nicht. Sie möchte einen schönen Naturholzschrank. Also muss der komplette Lack ab,

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Der Lack muss ab

Um Lack auf Weichholz zu entfernen gibt es mehrere Varianten. Ich versuche alles, aber zum Schluss bleibe ich beim Schleifen der Flächen und beim Abziehen der Profilleisten und Kanten.

Das alles habe oder hätte ich gerne ausprobiert:

- Lackfräse - sicher die beste aller Varianten. Aber ich habe keine Lackfräse
- Ablaugen - Chemische Behandlung des Lackes. Ich müsste das im Freien machen - Chemie, Wasserschlauch. Es ist Winter und das ist mir bei diesen Temperaturen einfach zu kalt
- Abziehen/Abkratzen - Je nach Lack kann man diesen mit einer Ziehklinge oder Farbschabern entfernen. Habe ich versucht, ist zum einen sehr anstrengend, stellenweise aber nicht praktikabel. Der Lack ist spröde und man kämpft um jeden Zentimeter. Also auf der Fläche nicht, an Kanten und Profilen die beste Wahl.
- Schleifen, schleifen, schleifen - zwar sehr zeitraubend und anstrengend, aber schleifen ist auf der Fläche das Mittel der Wahl.

Bild 1: Hier sieht man gut den Unterschied: Fake-Nussbaum und das darunter liegende Tannenholz.

Bild 2: Die Kanten der eingesetzten Kassetten kann ich nicht schleifen.

Bild 3: Die Ziehklinge schafft das unproblematisch

Bild 4: Vom Lack befreit.

Bilder 5 bis 7: Was mit der Zeihklinge leicht ab geht, wird abgezogen, der Rest wird abgeschliffen.

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Die Profile sind eine Herausforderung

Auch die hübschen Profile an den Schrankecken wurden auf Nussbaum getrimmt. Wenn ich gewusst hätte, was diese Profile für Arbeit machen, hätte ich sie besser so gelassen.

Schleifen war ein Ding der Unmöglichkeit. Die Schleifmittel hätten die Rundungen oben abgeschliffen und in den Vertiefungen wäre der Lack unmöglich zu entfernen. Ich dachte zunächst an einen Korkschleifklotz. Feines dünnes Schleifleinen auflegen und dann den Kork so lange schleifen, bis er die Negativform des Profiles hat. Dann aus den Kork Schleifleinen auflegen und mit diesem das Profil schleifen. Wohl dem, der einen Linearschleifer sein eigen nennt. Dann könnte man das Profil maschinell schleifen. Habe ich aber nicht. Also müsste ich von Hand schleifen. Und das ist mir dann doch zu anstrengend. Aber jetzt steht ein Linearschleifer ganz iben auf meinem Wunschzettel.

Also versuche ich das Abziehen mit der Ziehklinge. Funktioniert, aber kostet wirklich Zeit. Ich schätze, für beide Profile war ich etwa 2 Stunden beschäftigt. Der Rest wurde dann durch Abziehen mit Schraubenzieher und Stechbeitel in den engen Fugen gemacht. Dann mit Schleifschwämmen und feiner Drahtbürste. Ganz zum Schluss mit über die Ziehklinge gefaltetes Schleifpapier bis zu P320. So bekam ich die Profile irgendwann sauber und faserfrei.

Ich kann Euch sagen, das war eine elendige Schufterei!

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Oben hui, unten pfui

Wenn der Lack dann mal ab ist, denkt man, das meiste sei geschafft. Aber dann sieht man erst die wahren Schäden und die ziehen sich leider komplett durch. Abgestoßene Kanten und Ecken, morsche Stellen bis hin zu Fraß von Insekten und Holzwürmern. Jetzt beginnt Stück für Stück die Restauration ...

Hier zeige ich die beiden oberen Schrankecken. Warum diese angeschlagen sind, kann mir niemand sagen, aber es fehlen Stücke, andere wurden bereits verspachtelt und die obere rechte Ecke ist völlig morsch.

Also muss ich stellenweise das Holz ersetzen. Morsches Holz wird mit dem Stechbeitel ausgestochen, ein Holz wird mit viel Überstand eingeleimt und mit dem Stechbeitel bündig abgenommen. Dann wird geschliffen.

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Gespaltene Bretter

Einige Bretter sind an der Schmalseite gesprungen. Da haben die Verzapfungen mit der Zeit gepresst. So kann ich das unmöglich lassen. Deshalb trenne ich die Türen teilweise auf.

Sprünge werden mit dem Messer vorsichtig aufgeweitet, so kann ich zumindest etwas Leim einbringen. Andere Stellen muss ich mit einem Schlagholz und einem Hammer weitgehendst öffnen um richtig leimen zu können. Andere Stellen bearbeite ich mit Heißluft und warmem Wasser um den alten Knochenleim zu lösen. Dann ein paar Hammerschläge und Verzapfungen haben sich gelöst.

Der Knochenleim hat auf dem Holz eine glasartige Konsistenz. Da Weißleim darauf nicht bindet muss dieser zunächst wieder großflächig abgeschliffen werden. An den Innenstellen auch eine Herausforderung. Schmale Holzleisten mit aufgeklebtem Schleifpapier helfen den Leim abzunehmen. Aber auch da braucht es Geduld ...

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Leisten abnehmen und zerspringen lassen

An der Türe und an anderen Stellen sind Leisten und kleine Profile angebracht, diese sind teilweise zerstoßen oder gerissen. Ich will nicht mehr kaputt machen, als bisher schon defekt ist, aber die Leisten müssen ab.

Mit einer Ziehklinge und einem älteren Hobelmesser versuche ich die Leisten anzuheben und heraus zu hebeln. Zumindest so weit, dass ich mit einem Hammerschlag aufs Holz die Nägel per Beisszange ziehen kann. Aber auch hier gibt es Spaltungen und jede Menge Knochenleim der abgeschliffen werden muss.

Schmale Risse werden mit Leim benetzt und der Leim wird mit dem Cuttermesser in den Schlitz gestopft. Größere Risse werden aufgebogen oder ganz auseinander gebrochen um ordentlich Leimen zu können.

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Holzmasselösung - auch nicht das gelbe vom Ei

Noch feucht ...
Getrocknet.

An einer der Türen ist eine Ecke komplett abgestoßen. Hier möchte mit Borma Holzmasselösung mein Glück versuchen. Mit Schleifmehl vermischt gibt die Holzmasselösung eine aushärtende Masse, die so hart wird, dass sie gesägt und geschliffen werden kann. Das wird aber nichts ...

Leider gefällt mir die Farbe nach dem Trocknen überhaupt nicht. Deshalb steche ich das alles wieder ab und repariere mit einem Stück Fichtenholz in bewährter Manier.

Mit der Japansäge entferne ich den größten Überstand des eingeleimten Holzes. Dann wird mit dem Stechbeitel eben abgestochen und nachgeschliffen. Die Farbe passt nicht, aber jetzt ist es echtes Holz und mal abgesehen von der Farbe schaut es perfekt aus. Die Farbe kann man ja auch noch ändern.

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Dann mit Farbe retuschieren

Die Ecke fällt auf
Sie ist oben rechts genau in der Sichtebene

Was nicht passt, wird passend gemacht. Und wenn nicht mit der Säge, dann eben mit dem Pinsel. Ein echter Restaurator ist mit allen Wassern gewaschen. Ja, Wasserfarben sind ein guter Anfang, aber Filzschreiber, Buntstifte, Bleistift sind auch gute Hilfsmittel. Perfekt aber sind Aquarellfarben.

Im Herbst war ich bei Holzwerken Live und ich habe dort einen Workshop zur Oberflächenbearbeitung mit Melanie Kirchlechner besucht. Da wurden Retuschetechniken gezeigt, mit denen man Holzmaserungen nachbilden kann. Also was „die kann, kann ich allemal“.

Das heißt, ich bewaffne mich mit allerhand färbenden Stiften und Farben und fange koordiniert an Maserungen und Jahresringe nachzumalen. Naja, zum ersten Mal mache ich das nicht, aber mit besserem Gewissen. Bisher kam mir das eher wie etwas Pfusch vor - dann sucht man eben so lange, bis man ein passendes Holzstück findet, bei dem die Maserung passt. Jetzt nach dem Workshop sage ich mir, dass das höchste Restauratorenkunst sein könnte. Naja, kann man so oder so sehen. Aber Hauptsache, das Ergebis stimmt.

Das Holz wird eingefärbt, die Maserung nachempfunden - und schon sieht man von der Nachbesserung nichts mehr.

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Aquarellmalen Teil 2

Harzgalle in der Türe
Holz eingesetzt - aber auffällig
Einfärben

An dieser Türe habe ich eine hässliche Harzgalle. Diese wird gut ausgekratzt so dass man das besser sieht. Dann mit dem Stechbeitel schön viereckig ausstechen und ein Stück Holz einpassen. Nach dem Schleifen ist die Oberfläche schön, aber die Farbe! Viel zu hell.

Jetzt kommen wieder die Aquarellfarben ins Spiel. Die große Herausforderung ist, dass das Holz bei Feuchte sofort dunkler wird. Man muss also malen und abschätzen. Nach dem Trocknen sieht man das Ergebnis. Ist es zu blass, muss nachgearbeitet werden. Ist es zu dunkel, wird nachgeschliffen und die Pigmente werden etwas entfernt. Da gehört etwas Erfahrung dazu. Aber ein Heißluftföhn hilft die Trocknungszeit auf ein Minimum zu reduzieren.


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Weiter geht die Restauration

An der Türe gibt es einen Ausriss. Auch dieser muss nach bewährter Manier geschlossen werden.

Mit dem Stecheisen werde ich von Mal zu Mal schneller. Also ausstechen, Hölzchen nach Maserung auswählen, einpassen, zusägen und einleimen. Dann glätten und schleifen. Fertig. Was zuvor locker ne halbe Stunde gedauert hat geht inzwischen schon mal in zehn Minuten.

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Beschläge müssen richtig befestigt werden

Die Türangeln sind reichlich verbogen und waren lediglich mit Nägeln befestigt. Klar, dass das eine wackelige Befestigung ist.

Also werden die Beschläge abmontiert. Dann etwas aufpoliert und Flugrost entfernt. Als nächstes senke ich die Löcher ordentlich an, so dass Senkkopfholzschrauben versenkt werden können.Das eine oder andere Nagelloch ist zu ausgeschlagen, dass ich noch Streichhölzer in die Löcher setzen muss, so dass diese ausreichend Halt bekommen.

Nur gut, dass ich nichts wegwerfen kann: Alte Schrauben habe ich genug aufgehoben. Für solche Projekte kann man einfach keine Spax-Schrauben verwenden ...

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Lackfüße

Standbohremaschine als Drechselbank
Stechbeitel als Drechseleisen

Die Füße waren auch mit der Farbe zugeschmiert. So geht das mal gar nicht. Nur wie bekommt man den harten Lack von den schön gedrechselten Füßen. Klar! Wegdrechseln.

Ich bohre einfach mit 5 mm vor und schneide ein M6-Gewinde in das Buchenholz. Dann kommt ein Stück Gewindestange rein und das ganze ins Bohrfutter der PBD 40.

Ein spitziger Stechbeitel mit einer Breite von 3 mm muss als Drechseleisen herhalten. Und das funktioniert sehr gut. Im Anschluss mit Schleifgitter verschiedener Körnungen glätten. Jetzt sind die Füße wunderschön.

Zum Abschluss werden die Füße mit Hartöl geschützt und etwas aufpoliert. Das geht auch wieder am besten in der Standbohrmaschine.

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Schon wieder eine Baustelle

Die Füße wurden einfach nur in Löcher gesteckt und dort verleimt. Ein Fuß wurde mal hoher Belastung ausgesetzt und hat die Bodenplatte ausgerissen. Das muss repariert werden.

Die ausgerissene Stelle wird wieder ausgestemmt, ein Brett eingepasst. Mit dem Bleistift die Höhe markiert. Das Holz dann auf der Bandsäge grob durchgesägt, dann gehobelt. Nach dem Einleimen wird noch gut geschliffen und nun ist der Boden wieder stabil.

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Spalten und lose Bretter

Die Bretter des Schrankbodens waren offenbar nicht geleimt. Die Bretter sind lediglich in Nuten geschoben und dort verleimt. Jetzt bilden sich dort zwei Spalten, die ich so nicht belassen will.

Also vergrößere ich zunächst mit Keilen die Spalte. Dann Leim rein und verzwingen. Damit auf der Innenseite kein Leim austritt klebe ich einfaches Paketband auf. Nach dem Trocknen kann ich dieses abziehen und habe nahezu keine Leimflecken. Und der Rest ist schnell abgeschliffen.

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Praxiswissen: 5 Schleifer zur Auswahl

Ich habe zwar noch weitere Schleifer, aber diese fünf Schleifer habe ich zur Oberflächenbearbeitung verwendet. Man muss die Unterschiede kennen und auf diese will ich hier kurz eingehen:

Kress Rotationsschleifer. Dieser Schleifer hat eine starke Rotation, der Schleifteller ist exzentrisch gelagert, im diesem Fall nicht mittig sondern etwas versetzt angebracht. Der Schleifteller eiert sozusagen über das Holz. Das Schleifkorn beschreibt eine reine Ellipsenform. Diese Art von Schleifer hat den stärksten Abtrag mit diesem Schleifer nehme ich die gröbste Lackschicht ab. Papier P40.

Der Bosch PEX-Exzenterschleifer ist so an die 20 Jahre alt. Zu dieser Zeit hatten die Exzenterschleifer ebenfalls eine Zwangsrotation. Starker Abtrag, grobes Schleifbild. Zur Zwangsrotation des Schleiftellers kommt eine kreisende Bewegung des Schleifkorns - sieht man gut in Bild 2.
Diesen Schleifer verwende ich mit P80 bis 120.

Darauf folgt der AdvancedOrbit mit 18 Volt-Akku. Mit einem Schwingkreis von 5 mm bereits feiner und dieser hat keine Zwangsrotation mehr. Der Schleifteller wird nicht vom Motor gedreht, sondern dreht sich ausschließlich durch Fliehkräfte und der exzentrischen Bewegung mit 5 mm. Läuft der Schleifer langsam und ohne Kontakt zum Werksück bleibt die Schleifscheibe stehen. Dann funktioniert er wie ein Schwingschleifer. Bei Kontakt zum Werkstück potenzieren sich die Kräfte der feinen Kreisbewegung und der Schleifteller beginnt zu rotieren. So ergibt sich ein verwischendes Schleifbild und das Holz hat hinterher nur sehr feine Kratzer. Mit diesem Schleifer schleife ich mit P180.

Jetzt verwende ich den Festool ETS 150. Dieser ist ein Typischer Exzenterschleifer wie der AdvancedOrbit 18 aber er hat einen feineren Schwingkreis von 3 mm. So wird die Oberfläche feiner, der Abtrag ist allerdings geringer. Bei P240 bis 320 spielt das aber keine Rolle mehr.

Zum Schluss und für die Ecken verwende ich einen Festool-Schwingschleifer. Dieser hat einen Schwingkreis von 2 mm und erzeugt hierbei ein super feines Schleifbild. Mit diesem schleife ich auch die Flächen noch bis P320 und an den wichtigen Stellen wie den Türen und der Front schleife ich sogar bis P400. Bei Weichholz geht das, es ist porös genug, als dass Wachs gut anhaften kann. Bei Buche oder Eiche habe ich damit schlechte Erfahrungen. Da ist manchmal alles über P240 zu viel des guten.




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Der Trick für den Schleifstaub

Man sollte den Schleifstaub bei der perfekten Oberfläche nicht vernachlässigen. Fährt man mit der trockenen Hand über eine sorgfältig geschliffene Fläche, stellt man gleich fest, dass auf der Oberfläche enorm viel feinster Schleifstaub liegt. Doch wie wird dieser effektiv entfernt?

- Man könnte ihn absaugen. Ja, aber es bleibt dennoch eine feine Schicht Staub liegen.

- Man könnte ihn feucht abwischen. Funktioniert, aber zum einen stehen feinste Fäserchen durch die Feuchte auf und die Oberfläche ist dann rauher als zuvor. Man müsste erneut schleifen.

- Man kann ihn mit einem feinen Tuch abstauben. Mikrofaser ist dafür prinzipiell gut geeignet, aber die Erfahrung zeigt: In Wuchsrichtung des Holzes gleitet das Tuch schön darüber, gegen die Wuchsrichtung und damit gegen die Faser spürt man Widerstand und die Mikrofaser zieht mikroskopisch feine Fasern vom Holz hoch. Also auch das ist wenig hilfreich um eine perfekte Oberfläche zu erhalten.

- Meine Lösung ist feiner Trikotstoff. Gut geeignet sind Abfallstücke von T-Shirts. Umso feiner das Gewebe umso besser. Nach dem letzten Feinschliff lege ich ein Stück Stoff unter den Schwingschleifer mit Absaugung. Dann fahre ich mit diesem über das Werkstück. Der Stoff ist fein genug um über die Fläche zu gleiten, aber grob genug um Staub vom Holz zu wischen, aber wiederum nicht fein genug um Holzfasern abzuziehen, die Absaugung zieht durch das Tuch und saugt Staub ab.

In Bild 3 sieht man gut wie der Staub vor den Absauglöchern hängt. Es lohnt sich genug Stoffstücke parat zu haben. Ansonsten zwischendurch im Freien ausschütteln. Nach diesem Stoff-Endschliff kann man die Fingerprobe machen: Das Holz ist absolut staubfrei. Kommt nun Wachs oder Öl auf die Oberfläche bilden sich keine Staubklumpen und die Oberfläche bliebt extrem glatt.

Bild 4 zeigt eine solche geschliffene aber ansonsten unbearbeitete Oberfläche,

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Der optimierte Spülschwamm

In einem vorigen Projekt habe ich Euch bereits Spülschwämme vorgestellt. Für mich ist das das ideale Werkzeug um Holzöle oder Holzwachse aufzutragen. Mittlerweile habe ich diese bedeutend optimiert.

Da Schwämme dazu neigen sich voll zu saugen, hatte ich immer wieder das Problem, dass das Öl bis hinauf zu den Fingern gelangt. Zwar sind die meisten Öle nach Trocknung lebensmittelunbedenklich, aber in flüssigem Zustand können diese ziemlich aggressiv zur Haut sein und Allergien auslösen. Verwendet man Nitril-Handschuhe, lösen sich diese schon nach kurzer Zeit auf.

Ich habe nun eine super Lösung gefunden. Ein Stück Elektroverlegeschlauch aufgeschnitten und über den Schwamm gelegt. So ist der Schwamm viel besser zu halten und die Finger bleiben lange sauber.

Da ich etwa 8 Quadratmeter zweimal behandeln will ziehe ich dennoch Handschuhe an. Die hier gezeigten Handschuhe haben sich bewährt. Sie lösen sich durch Öle nicht auf.

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Kurzanleitung zum Holzwachs

Viele wissen, dass ich ein Fan der Osmo-Öle und -Wachse bin. Bei diesem Schrank verwende ich das Dekorwachs High Solid. Ein Holzöl mit Wachsanteil, das sehr zart glänzt, eine strapazierfähigere Oberfläche als reines Wachs ergibt und das minimal pigmentiert ist. Die Oberfläche ist wasserabweisend, was bei einem Garderobenschrank wichtig ist.

Das Dekorwachs Birke ist minimal heller als das abgeschliffene Holz. Nach der Bearbeitung ergibt sich nahezu keine Farbveränderung aber die Pigmente machen ein späteres Nachdunkeln des Weichholzes nicht sichtbar. Es bleibt viele Jahre so hell wie nach dem Schliff.

Ich zeige Euch meine Auftragtechnik: Absolut sparsam. Für die gezeigte Fläche genügt ein halber Teelöffel Dekorwachs. Dieses wird grob aufgetragen. Wenn man den Eindruck hat, dass der Schwamm nun „leer“ ist, beginnt man das Wachs in die verschiedensten Richtungen von der Mitte heraus zu streichen. Man glaubt es fast nicht, aber das „Nichts“ ist doch genug. Für die Fläche reicht es.

Dann verwende ich einen Borstenpinsel. Wohlbemerkt ohne Dekorwachs. Ich streiche einfach von der Fläche in die Ecken. Das genügt vollauf, ich muss eher aufpassen, dass ich nicht zu viel in die Ecken bringe, das bekommt man hinterher fast nicht mehr heraus. Also sanft arbeiten.

Hat man dann die ganze Fläche so gewachst, kann man bereits dort wo man angefangen hat mit einem Trikotstoff die Fläche abreiben. Damit verstriecht man letztlich nur Überstände. Der Lappen nimmt zwar anfangs etwas Wachs auf, aber dieser Lappen auf dem Bild hat schon gut 15 Quadratmeter gewachste Fläche hinter sich. Man verteilt lediglich das „Zu viel“ an Stellen mit „Zu wenig“.

Ich beachte hier in der Regel auch keine Trocknungszeit. Wenn ich die Flache abgerieben habe mache ich einen weiteren Autrag aufs Holz. Die erste Schicht ist ins Holz eingezogen, der zweite Auftrag bringt die glänzende Schicht. Erneut sehr sparsam auftragen, verteilen und erneut abwischen. Und dann über Nacht trocknen lassen. So kommt ein Schrankteil zum anderen bis der Schrank so weit fertig behandelt ist.

Warum ich das Wachs gleich ohne Trocknen verteile? Ganz einfach Wachs zieht im Gegensatz zu Öl nicht ins Holz ein. Es bleibt in Vertiefungen hängen und bildet einen dünnen Film auf der Oberfläche. Ist zu viel Wachs auf der Oberfläche, wird diese stumpf und glänzt nicht. Und Staub oder sonstiger Schmutz bleibt am Wachs haften. hat man nur sehr wenig Wachs aufgetragen, ist der Schutz für das Holz vorhanden und es glänzt fein. Wird das Holz nur feucht abgewischt, hält diese Wachsschicht viele Jahre.

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Eine Deko sei erlaubt

Der Schrank wirkt sehr schlicht und elegant. Vielleicht etwas zu schlicht?

Im Internet stoße ich in ebay auf eine Schnitzerei eines Blumenmotives. Das spricht mich direkt an. Der Preis ist in Ordnung, 2,50 Euro inklusive Versand aus China. Zwei Wochen später ist das offenbar CNC-gefräste Holz bereits bei mir. Ich arbeite die Form mit feinem Schleifpapier noch etwas nach, trage Wachs auf und meine Tochter gibt Ihr „Super“ dazu. Also wird das Dekorelement mit drei Nägelchen an die Frontseite des Deckels befestigt.

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Letzte Arbeiten

Nun baue ich den Schrank provisorisch in der Werkstatt auf. Die Leisten für Einlegeböden habe ich zum Schleifen und Wachsen entfernt. Diese werden nun neu angenagelt.

Klasse finde ich die geschmiedeten Verbinder der Seitenteile mit Boden und Deckel (Bild 1). Die Messing Kleiderstange ist auf Eichenholzstücken gelagert.

Dann baue ich das alte Schloss wieder ein. Dieses habe ich entrostet, geschmiert und so wieder gangbar gemacht (Bild 4). Die Schlüsselrahmen habe ich Original belassen. Die Messingauflage ist nahezu komplett weg, aber das hat gerade Charme. Ich habe einen Abend lang im Netz nach vergleichbaren neuen Beschlägen gesucht, ohne Erfolg. Also bleiben die bisherige dran.

Da meine Tochter vier Fachböden möchte, hatte ich einen zu wenig. Also habe ich aus alten Brettern Leimholz hergestellt und daraus einen Fachboden gemacht. Auf gleiche Stärke gehobelt und entsprechend gewachst (Bild 7 und 8).

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Das Ergebnis - Außen

Die Bilder solltet Ihr zunächst anklicken. Ein Schrank im Hochformat lässt sich im Vorschau-Querformat schlecht sehen.

Hier seht Ihr den Schrank von Außen. Seidig glänzend, haptisch eine handschmeichlerische Oberfläche. Dass das rechte Schlossschild tiefer hängt als das linke liegt daran, dass der Schrank noch nicht ausgerichtet wurde. Eine 2 mm-Unterlagscheibe unter einem Fuß hat das später korrigiert.

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Das Ergebnis - Innen

Hier zeige ich Euch das Innenleben des Schrankes. Die Fächer haben unterschiedliche Höhen, da dort noch Holzkistchen angefertigt werden, die dann Schals, Mützen und Handschuhe aufnehmen sollen.

Fertig ist der restaurierte Schrank. Wer so etwas auch mal selbst machen möchte, der sei gewarnt. In diesem Schrank stecken rund 50 Arbeitsstunden. Aber die haben sich gelohnt. Und ich hoffe, der Schrank hat weitere schöne 100 Jahre vor sich.


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