Neue Spannzange für die Werkbank

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    54 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Wertung

An meiner Werkbank habe ich schon seit längerer Zeit zwei Spannzangen an der Vorderkante. Das ist sehr hilfreich um lange Bretter an den Kanten zu bearbeite, Bretter zum Hobeln oder Schleifen zu befestigen, als Leimzwinge oder aber um egal was festzspannen. 


Die eine Spannzange habe ich aus einem ausgedienten Wolfcraft-Maschinentisch ausgebaut, die andere habe ich aus einem Scherenwagenheber selbst gebaut. Leider brach am Wolfcraft-Tisch die Spindel und mein Schwiegersohn konnte diese schweißen. Leider musste ich aber nach kurzer Zeit feststellen, dass das Material wirklich unbrauchbar ist. Die Spindel brach nun an einer anderen Stelle und wie beim ersten Mal waren im Guss Luftblaseneinschlüsse. Also musste eine andere Lösung her. Zunächst überlegte ich mir, nochmals eine Spannzange aus einem Scherenwagenheber zu bauen. Allerdings hat diese einen kleinen Nachteil, auch wenn sie vollauf zu 100 Prozent ihre Arbeit macht: Die Spindelsteigung ist sehr flach und so ist eine enorme Kurbelelei um diese weit zu öffnen oder zu schließen. Und ich hätte zunächst einen Scherenwagenheber kaufen müssen. 

Auf der Suche im Netz stieß ich auf ein tolles Angebot: Standard-Spannzange für 53,90 Euro bei Dictum.com. Absolut wertig, extrem stabil und aus schwerem Guss. Da konnte ich nicht widerstehen. Die Holzauflage ist nicht dabei und kann individuell gestaltet werden. Die Spannzange kam auf meinem Wunschzettel und das Christkind hat sie mir zu Weihnachten gebracht. Danke Schwiegermama! 

Das Einpassen, den Einbau und das Anbringen der Holzauflage beschreibe ich hier in diesem Projekt. 

[Übrigens mein Projekt 100 :-)]

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Im Projekt gelistet
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Materialliste
  • Spannzange

Los geht's - Schritt für Schritt

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Die Holzauflage

Das Auflageholz für die Spannzange existiert bereits. Ich verwende die von der vorigen inzwischen defekten Spannzange.

Im Bild die selbstgebaute Spannzange aus dem Scherenwagenheber - das Projekt dazu findet man hier - und eingespannt die Auflage der defekten Spannzange. Diese werde ich überarbeiten und wiederverwenden.

Man sieht drei große Löcher, durch diese wurde bisher die Spindel und die zwei Führungsstangen geführt. Dazu noch einige kleine Löcher der Schrauben zur Befestigung der Metallauflage der bisherigen Spannzange.

Die Auflagen habe ich aus aufgedoppeltem 20er Multiplex gemacht. Darauf habe ich 10 mm MDF aufgeschraubt. Dies dient als „Opferholz“ und könnte jederzeit rasch ausgetauscht werden, wenn dieses beschädigt sein sollte. Was aber bisher nicht notwendig wurde.

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Anpassung an die neue Spannzange

Spannzange ausgepackt, auf die Werkbank gelegt und die gebrauchte Holzauflage angesetzt. Die Führungsstangen und die  Spindel werden künftig unterhalb geführt und so muss an der Unterkante des Holzes ein Ausschnitt gemacht werden. Dieser wird angezeichnet und ausgesägt.

Naja, mehr schlecht als recht. Ich verwende meine alte und sehr einfache Dekupiersäge. Das Holz ist offenbar zu hart, zu dick und das Sägeblatt zu weich. Jedenfalls verläuft das Blatt und der Ausschnitt wird doppelt so breit wie er soll. Sieht man hinterher nicht, aber gefallen ist was anderes. Danach bemühe ich die Bandsäge. Das geht auch. Allerdings weniger rund als eckig. 


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Passprobe und festschrauben

Nun wird die Holzauflage aufgesetzt und auf Passung getestet. Dann werden die Löcher für die Befestigungsschrauben markiert und vorgebohrt. Ich verwende Sechskant-Holzschrauben (auch Schlüsselschrauben oder Wiener Schrauben genannt). Diese werden auch zunächst eingeschraubt. Passt. Also wieder losschrauben und weiter geht‘s. 


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Schleifen

Die Auflage wurde bereits mit Hartöl behandelt, das inzwischen auch etwas in die Jahre gekommen ist. Allerding fast keine Kratzer, dadür aber ziemlich verschmutzt. Also P80, P120, P180 und P240. Das genügt für Holzöl. 


Im dritten Bild der Vergleich: Oben das geschliffene gleiche Holz wie das der Spannzange in das es eingespannt ist. Schon ein Unterschied!

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Neue Auflage aus MDF

Beim Schleifen stören mich die bisherigen Löcher in der MDF-Auflage. Das schaut nicht wirklich gut aus. Also wird eine neue zugesägt. Hierzu zeichne ich die Umrisse der abgeschraubten Auflage auf ein neues Stück MDF. Auf der KZS rasch zugesägt und Passprobe. Die Ecken werden später abgerundet. 

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Vorbohren und Ansenken

Die Bohrlöcher brauche ich nicht anzuzeichnen, ich übernehme einfach die vorhandenen, in dem ich die alte Platte auf die neue auflege und durchbohre. Lediglich in der Mitte unten kommt eine zusätzliche Schraube. Dort war bisher die alte Bohrspindel und es schaut optisch einfach besser aus, wenn dort eine Schraube sitzt.

Damit die Schraubenköpfe später beim Anspannen der Vorderzange keine Druckstellen im Werkstück hinterlassen können, werden die Schraublöcher angesenkt. Hierzu nehme ich die Senktiefe auch am alten Brett ab. PBD 40 absenken auf die bisherige Tiefe, einstellen und Vorsenken am neuen Brett.

Hierzu verwende ich einen Querlochsenker. Die Raspelsenker verwende ich seit ich diesen habe nur noch für Metalle. Dafür sind mir die Querlochsenker zu schade. Diese haben den Vorteil einer sehr hohen Schnittqualität, es gibt keinerlei Ausrisse und Raspelspuren.

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Kanten anpassen

Die neue Platte wird auf das Multiplex geschraubt und ich habe eine gute Anschlagkante. Ich könnte nun mit einem Bündigfräser arbeiten, die Bandsäge erfüllt aber ihren Zweck genauso. An der Kante entlang sägen und grob nachschleifen. Den Rest macht dann der Exzenterschleifer, 

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Schraublöcher füllen

Im Endzustand würde man zwei Schraubenlöcher im Multiplex noch sehen, die von den alten Verschraubungen der vorigen Spannzange stammen.

Diese Löcher fülle ich mit kleinen Holzstücken auf. In der Werkstatt habe ich zu solchen Zwecken immer Streichhölzer. Und für größere Löcher diese langen Kaminholz-Zündhölzer mit etwa 20cm Länge. Die letzteren sind für die Löcher hier perfekt. Ein Stück abgeschnitten, minimal angeschrägt und mit sanften Hammerschlägen in das Loch getrieben.

Der Überstand wird grob an der Bandsäge abgeschnitten und dann mit einem scharfen Stechbeitel bündig abgeschnitten. Wichtig ist dabei, dass der Stechbeitel hier eher wie ein Messer hin und herbewegt wird. Ein Trennen mit dem Klüpfel würde evtl. Fasern ausbrechen lassen. Also schneiden statt klopfen. Zwar sieht man die Ausbesserung jetzt noch leicht, aber nach dem Ölen wird man die Stellen nicht mehr wahrnehmen können.

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Hintere Auflageplatte

Diese Spannzange hat zwei Spannbacken aus Metall. Hier ist vorgesehen, dass auch auf die an der Werkbank sitzende Backe eine Auflage aus Holz erhält. Ich wähle hierfür auch MDF allerdings lediglich in 3 mm Stärke. Da die Spannbacke bzw. Die ganze Spannzange hier auch horizontal befestigt wird, spare ich die Bohrlöcher aus.

Falsch gedacht. Wenn die Spannzange angeschraubt ist, kann ich die Holzauflage später auch anbringen. Die Löcher sind also eher unnötig. Spare ich mir bei einem späteren Austausch.

Ich lege ein Stück MDf auf, zeichne die Kontur und die Schraublöcher ab. Dann wird zugesägt und gebohrt. Auch hier verwende ich einen Querlochsenker, allerdings einen sehr großen um nur die Kanten der Bohrlöcher minimal anzuschrägen.

Danach klebe ich die Platte einfach mit ein paar Streifen doppelseitigem Klebeband auf die hintere Spannbacke. Das sollte genügen. Es kommt nur eine Druckbelastung auf die Platte, so dass sich diese nicht verschieben kann. Später ist diese auch links und rechts in die Werkbank eingelassen und hat folgilch zusätzlichen Halt.
Zum Austausch wird die MDF-Platte einfach abgenommen, das Klebeband und die Platte werden einfach ausgetauscht. Also ein perfektes Opferholz, das sehr einfach ausgetauscht werden kann.


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Vorbereitung zum Einbau

Die Spannzange hat eine Einbauhöhe von etwa 6 cm, meine Arbeitsplatte aber nur 3 cm. Folglich muss ich 3 cm unterfüttern. Hierzu verwende ich eine Siebdruckplatte mit 2 cm und eine mit 1 cm Stärke. Diese schraube ich aufeinander.

Dann werden die Bohrlöcher angezeichnet und gebohrt.

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Werkbank ausklinken

Ich will, dass die hintere Spannbacke bündig mit der Werkbankkante abschließt. Da die andere Spannzange an der linken Seite der Werkbank ebenso bündig abschließt, kann ich später lange Werkstücke an beiden Spannzangen zugleich befestigen.

Dazu muss ich aber die Werkbank passend ausklinken. Das Maß mache ich mit Winkel und Anreissmesser bzw. die parallele Linie mit einem Streichmaß.

Der Ausschnitt wird mit der Stichsäge gemacht. Hierzu verwende ich ein starkes stabiles Sägeblatt (Festool Carvex/Gold, gibt es auch von Bosch, es muss eben sehr stabil sein - Fingerprobe kann man es leicht durchbiegen? Dann taugt es hierzu nichts). Diese Blätter verlaufen nicht und sind absolut winkeltreu.

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Befestigung

Die Auflage wird unter die Werkbank gehalten, angezeichnet und die Löcher passend zu den Schrauben vorgebohrt. Achtung! Bohrtiefenbegrenzung verwenden! Nicht dass man zu tief bohrt und man die Werkplatte durchbohrt oder man bohrt zu kurz und die Schraube stößt an und zerraspelt das von ihr ins Holz geschnittene Gewinde.

Dann werden die Schrauben angesetzt und festgezogen. Die Spannzange ist montiert. Das schaut schon mal gut aus.

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Erster Ölvorgang

Anleitung zum Ölen

Jetzt muss die Holzauflage noch frisch geölt werden. Ich verwende für die Holzauflage der Spannzange das „Festool Heavy Duty“-Öl. Dieses Hartöl ist für stark beanspruchte Oberflächen sehr gut geeignet. Und ich verwende es gerne für Arbeitsplatten

Hier das komplette Sicherheitsdatenblatt.
https://festoolcdn.azureedge.net/productmedia/Images/attachment/a67aaee3-e758-11e4-80ca-005056b31774.pdf

Dieses Öl feuert stark an, wird sehr hart und trocknet in rund 12 Stunden aus. Die Oberfläche ist gut gegen Kratzer geschützt.

Zum Vorgehen: Zunächst trage ich das Öl mit einem Lappen auf. Das MDF saugt wie ein Schwamm und ich muss zum einen viel auftragen, zum anderen innerhalb von Sekunden erneut auftragen. Das stört aber nicht wirklich. Das Öl härtet sehr schnell aus und verfestigt so nicht nur oberflächlich, sondern auch tief hinein in das MDF.

Nach einer Wartezeit von 15 Minuten wird das Öl mit einem grünen Vlies einmassiert bzw. eingeschliffen. Das grüne Schleifpad hat eine Körnung von P240 und schleift zum einen etwaigen Ölüberstand aber auch sich durch das Öl aufrichtende Holzfasern ab. Vlies deshalb, weil sich Schleifpapier sofort mit Öl zusetzen würde.

Absaugen vom Ölvlies Ja oder Nein?

Beim Schleifen von Öl mit einem Vlies scheiden sich die Geister. Die einen saugen dabei ab, andere lehnen dieses absolut ab. Auch die Firma Festool, die das Öl vertreibt, schreibt einerseits ohne Abzusaugen zu adbeiten, an anderer Stelle aber wiederum ohne Absaugung zu arbeiten. Also selbst dort Uneinigkeit. Die AntixAbsaugfraktion befürchtet, das Öl würde in die Maschine und den Saugschlauch kommen. Ich fände das aber nicht tragisch. Hat man noch viel nasses Öl als Überstand auf dem Holz, kann man das auch zunächst mit einem Tuch abnehmen bzw. verteilen. Man hat dann zuvor auch zu viel Öl aufgetragen.

Ich empfehle das Absaugen. Man schleift ja nicht nur Öl, sondern auch kleine Holzfasern ab. Und diese werden von den üblichen Exzenterschleifern in die Raumluft verteilt. Mit feuchtem Öl gesättigten Schleifstaub will ich nicht unbedingt einatmen müssen. Und so viel ist das auch nicht, als dass der Saugschlauch hierbei Schaden nehmen könnte. Ich bin überzeugt, dass 100 Prozent durch die hohe Strömungsgeschwindigkeit im Staubbeutel des Saugers ankommen werden.

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Schleifpad reinigen

Nach auch nur sehr geringen Flächen setzt sich das Schleifpad auch mit Absaugung rasch zu bzw. verklebt das Vlies der Oberfläche. Auch das ist ein Zeichen, wenn zu viel Öl aufgetragen wurde. Der minimale Überstand verbindet sich sogleich mit dem Schleifstaub und verklebt das Pad. Aber man kann ein solches auch leicht säubern.

Ich verwende hierzu flüssige Gallseife. Ein starker Fettlöser, der beim Wäsche waschen verwendet wird um vorher Flecken anzulösen. Der Vorteil dieses Produktes, das meine Frau immer kauft, ist der Vorteil einer kleinen Bürste am Deckel. Mit diesem kann ich die Seife über das Pad streichen. Dann noch etwas mit der Hand durchgeknetet und mit Wasser gut ausgewaschen sind die Pads wieder nahezu sauber.

Der Nachteil ist, dass die Schleifwirkung der Vliese natürlich mit der Zeit nachlässt. Aber um Öl einzuarbeiten sind sie nach Trocknung allemal noch gut und insbesondere bei größeren Flächen kann man nachdem man mit einem alten Pad das Öl verrieben hat mit einem neuen Pad nochmals darüber gehen. Dabei setzt sich das neue dann aber auch wiederum weniger rasch zu. Und man kann die große Fläche ohne Wechsel ausführen. Das geht nämlich ganz schön ins Geld.

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Was ist schlimmer? Kleiner Spalt oder Farblosigkeit?

Zwischen den hinteren Spannbacke und der Werkbank zeigt sich ein minimaler Spalt von etwa einem halben Millimeter. Stärker anziehen hilft nicht, denn die Spannzange ist hinten wohl minimal ungerade. Ich mag sie nicht wieder abschrauben irgendwo herumschleifen und entschließe mich, den Spalt mit Sägemehl aufzufüllen,

Mit Borma Holzmasselösung habe ich inzwischen gute Erfahrungen gemacht. Den Tipp bekam ich hier im Forum (von wem eigentlich? Dog?). Dank an unbekannt! Statt mit Holzleim wird die Holzmasselösung zum Anrühren verwendet. Diese härtet richtig gut aus und lässt sich bereits nach kurzer Zeit schleifen, hobeln oder abziehen,

Leider stelle ich fest, das Zeug enthält richtig gut Lösungsmittel und die Farbe der Spannbacke löst sich auf. Hm. Was ist jetzt besser? Blankes Metall oder der feine Spalt, der sich ohnehin innerhalb weniger Tage mit Schmutz gefüllt hätte und dann auch unsichtbar geworden wäre? Hinterher ist man immer schlauer. Aber wenn ich mal Farbe entfernen will und nichts hilft, dann werde ich die Borma-Lösung gerne auch ausprobieren.

Immerhin ist die Spannzange nun eingebaut und genau so wie ich es mir vorgestellt habe.

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Einsatzmöglichkeiten

Vielleicht hat man sich bereits gewundert, warum in der Spannzange oben drei Löcher sind. Diese dienen zur Aufnahme von Bankhaken. Natürlich kann ich den in der neuen Vorderzange eingebauten Bankhaken verwenden, aber dieser ist nur etwa einen Zentimeter breit. Da sind zwei mit etwas Abstand voneinader schon besser.

Sodann kann ich nun lange Werkstücke an beiden Spannzangen links und rechts einspannen. Oder auch einfach den kleinen MFT-Systainer aufsetzen und anspannen. So habe ich eine kleine Lochplatte,

Dann kann ich wie bisher mein spezielles Item-Profil an den Spannzangen anbringen und mittels den Zwingen für die Führungsschienen Werkstücke flach oder auch senkrecht befestigen. Ich bin also künftig wieder sehr flexibel beim Verspannen.

Ich hoffe, ich habe Euch Lust auf den Ein- oder Anbau einer Spannzange an Eure Werkbank gemacht. Bei Fragen einfach melden!




Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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