Nähkasterl

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    35 €
  • Dauer
    1-2 Tage
  • Öffentliche Wertung

Eine meiner Schwägerinnen (ich hab davon ein paar...) fragte mich letztes Jahr, ob ich ihr nicht ein Nähkasterl bauen könnte, welches Sie in einer Zeitschrift gesehen hätte, ich hätte doch so viel Freizeit gerade.

Mir kam da eine Idee:
Meine Eltern hatten doch auch mal genau so ein Nähkasterl in "Scherenfunktion"! Das bau ich einfach nach!
Aber wo ist das nur?


Dieses Jahr hatte besagte Schwägerin ihren 50. Geburtstag. Ganz im Zeichen der Zeit konnte leider nicht groß gefeiert werden, was die Schwägerin aber gar nicht so schlimm fand.
Sie feiert eh nicht so gerne...
Jetzt bekommt sie das Nähkasterl halt irgendwann einfach so als Überraschung...

Du brauchst

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Werkzeuge
  • PBD 40  - Bohrmaschine (stationär)
  • PSR 1800 LI-2  - Bohrschrauber, Bohrmaschine, Schlagbohrschrauber (Akku)
  • PTS 10  - Tischsäge, Unterflur-Zugsäge
  • PEX 300 AE  - Exzenterschleifer (elektrisch)
  • Arbeitstisch,  Miditec FU-175 Drechselbank
  • Hobel,  Dickenhobelmaschine Triton TPT125
  • Sägestation,  Bandsäge BS 350 Superior
  • Schleifroller,  Tellerschleifmaschine TSM 250
  • Putzhobel No 4
  • Einhandhobel
  • Simshobel
  • Schleifpapier in verschiedenen Körnungen
  • Hammer
  • Klebeband
  • Spannzwingen
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Materialliste
  • Leimholz | Fichte
  • Leimholz | Kiefer
  • Kantholz | Kiefer
  • Sperrholz | Birke
  • Schrauben
  • Holzleim

Los geht's - Schritt für Schritt

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Leimholz auf passende Dicke hobeln

aus 18mm
macht man langsam 12mm

Ausgangsmaterial waren ein paar übrige Leimholzplatten (Kiefer und Fichte gemischt) in unterschiedlicher Länge mit einer einheitlichen Stärke von je 18mm.
Damit das Nähkasterl nicht so wuchtig rüberkommt, hobel ich die Bretter durchgängig auf 12mm Dicke.


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Seitenteile für die Kästchen: Ablängen, auftrennen, Gehrungen sägen und auf Maß hobeln

45° Gehrung sägen
auf Endmaß hobeln
Sägehöhe einstellen
und Bodennut einsägen

Aus meinen Leimholzplatten säge ich als Erstes die Streifen für die Seiten der einzelnen Kästchen:
Für die Kleinen benötige ich jeweils 4 Leisten mit 20 cm x 6,5 cm, beim unteren Kästchen brauche ich für die langen Seiten zwei Leisten mit 40 cm x 6,5cm und Zwei mit 20cm x 6,5 cm.

Für die passende Länge säge ich die Leisten mit dem Schiebeschlitten an der Tischkreissäge. Das Auftrennen mache ich dann aber an der Bandsäge: ist nämlich deutlich materialsparender und Leimholz Fichte ist zur Zeit leider extrem teuer...
Die 45° Gehrung erledige ich aber wieder an der TKS, immer schön darauf achtend, dass die Teile gleich groß bleiben.

Die rauhen Sägekanten egalisiere ich jetzt per Putzhobel. Der nette Nebeneffekt dabei ist, dass ich damit gleichzeitig alle Seitenteile auf das gewünschte Endmaß von 64mm Höhe bringen kann.

Jetzt muss ich nur noch die Nut für die Böden machen:
Hierfür bringe ich das Sägeblatt der TKS auf 6mm Höhe, nehme eine alte Wasserwage als Parallelanschlag und säge fröhlich drauf los.
Wenn alle Böden einmal durch sind, wird der "Parallelanschlag" um einen Millimeter versetzt und alle Teile nochmal nachgesägt, damit ich eine durchgängige Nut von 3,6mm (=Sägeblattstärke +1mm) hinbekomme.


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Bodenplatten

Die Bodenplatten fertige ich aus 3mm Birkensperrholz. An der Bandsäge säge ich mir diese zurecht.
Die kleinen Kästchen sollen ein Außenmaß von 20x20 cm bekommen. abzüglich der rundumlaufenden Nut von 6mm Tiefe ergibt das ein Maß für die Bodenplatten von 188 x 188 mm. Um etwas Luft zu haben, mache ich diese dann 186mm x 186mm groß.
Der untere große Kasten hat eine Abmessung von 40cm x 20 cm, hierfür muss ich die Bodenplatte folglich 386 mm x 186 mm groß machen.

Alle Kanten und Flächen dann natürlich noch mit Schleifpapier schön machen.

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Gelenkleisten

Auftrennen
hobeln
Mitte finden
Bohlöcher markiert
Stirnseiten angehübscht
und gebohrt
Querlochsenker sind was tolles!
so sind mir die Kanten einfach zu scharf
mit ein bisschen Schmirgel
sind sie gleich viel Griffel-freundlicher!
da hab ich mir was geleistet!

Damit die Gelenkleisten ein wenig filigraner wirken, hobel ich diese nach dem Ablängen an der Bandsäge auf eine Stärke von durchgängig 10mm. Hätte ich es mal besser umgekehrt gemacht, dann müsste ich hier nicht mit dem Einhandhobel arbeiten...

Ich markiere mir die Bohrungen mittig und je einen cm von den Leistenenden. Die vier längeren Gelenkleisten bekommen zudem noch eine Markierung in der Mitte.

Die Leistenenden schleife ich noch schnell am Tellerschleifer in eine gefällige Form.

Dann kann ich auch endlich die Bohrungen anbringen:
Damit später die 3,5 x 20 Spaxschrauben nicht die Mechanik blockieren, bohre ich mit einem 4mm Bohrer und senke die Löcher anschließend auch noch mit dem Querlochsenker.

Ganz zum Schluss kommt natürlich wieder Schleifpapier zum Einsatz: einmal für die Flächen, aber viel wichtiger: für die Kanten, die ich schön abrunde. Alternativ hätte ich die Kanten auch hobeln oder fräsen können, aber ich hatte den Schmirgel eh grad zur Hand...

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Deckel

Die Deckel säge ich mir an der TKS auf Maß: 20cm x 20 cm, davon 2 Stück.

Damit die Deckel später satt im Kästchen sitzen, möchte ich einen umlaufenden Absatz auf halbe Deckelstärke machen. Hierfür stelle ich das Sägeblatt der TKS wieder auf 6mm Höhe ein, stelle meinen Anschlag auf 13mm ein und schlitze das Holz entsprechend.
Die Überreste breche ich erst mit der Hand weg, mit dem Simshobel ebne ich dann die Schnittfläche.
Mit der Faser funktioniert das sehr gut, bei den anderen Seiten (Quer zur Faser) stelle ich fest, dass ich mein Hobelmesser scheinbar dringend mal wieder schleifen sollte.
Kann aber auch am weichen Fichtenholz gelegen haben, das lässt sich quer sehr schlecht hobeln. Dann halt mit Feile und Schleifpapier ein wenig aufhübschen...

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Zusammenbau der Kästchen

Klebeband
Leim dazu
fertig!

Bevor ich alles verleime, setze ich die Kästchen mal proberhalber zusammen: passt alles?
Ich geb's zu: eine Bodennut musste ich tatsächlich nachsägen... ;)

Die Seitenteile lege ich auf ein ausgerolltes Stück Klebeband direkt Stoß an Stoß. Natürlich mit den Bodennuten auf der gleichen Seite.
Dann Leim auf die Gehrungen und in die Bodennut geben (nicht zu viel, nicht zu wenig), Bodenplatte einsetzen, Seitenteile hoch- und umklappen und mit dem Klebeband fixieren. Die Eckwinkel unbedingt nochmal überprüfen, nicht dass sich etwas verschoben hat!
Beim großen Kästchen habe ich dann aber doch ein paar Einhandzwingen zur Unterstützung hergenommen.

Austretenden Leim am besten sofort mit einem feuchten Tuch abwischen, so spart man sich später einiges an mühevoller Nacharbeit!


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Schleifen

Upps! Da muss ich nochmal ran!
bissi schleifen
ja, so kann man's lassen.
Jetzt noch den Rest
schleifen
und Leimreste entfernen
So geht es!

Nachdem der Leim abgebunden hat, schaue ich mir nochmal die Ecken genauer an: Da muss ich nochmal nacharbeiten!
Mit Schleifpapier werden jetzt nochmal sämtliche Gehrungen, Flächen, Kanten, Ecken, Rundungen... schön gemacht. Erst mit 120er, dann mit 180er, zuletzt sogar noch mit 240er Korn.
Eine ziemlich staubige, langwierige und schweisstreibende Arbeit!

Don't like.

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Zusammenbau

Als erstes wird das mittlere Loch der langen Gelenkleiste gebohrt. Damit später beim Öffnen des Nähkasterls kein Unglück geschieht, wird die Bohrung hierfür leicht außermittig des mittleren Kästchens gesetzt: 104mm vom Außenrand entfernt (in der Höhe natürlich schon mittig!).
Vorbohren mit 2mm und leicht anschrauben (3,5 x 20er Spax).

Jetzt die Gelenkleiste mittels Geodreieck auf 45° ausrichten, vorbohren und leicht anschrauben.
Die kleinen Leisten werden nun parallel dazu im Abstand von 17mm angebracht.

Nach und nach sind dann alle 12 Leisten an Ihrem Ort. Wenn man genau gearbeitet hat, lässt sich das Nähkasterl jetzt auch schon leicht auf und zu klappen ohne zu haken!

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Knöpfe drechseln & anbringen

Aus einem Reststück Kieferkantel drechsel ich mir nun die Knöpfe für die Deckel und Seiten:
Die Mitte anzeichnen, Mitnehmer ansetzen und Kantel rund schruppen ist schnell erledigt.

Damit mir die mitlaufende Körnerspitze nicht im Weg ist, spanne ich jetzt in ein Spannfutter um. Jetzt kann ich mit der Röhre wunderbar die Stirnseite leicht abrunden.
Den eigentlichen Griff forme ich dann ebenso mit der Detailröhre aus.

Jetzt noch mit dem schmalen Abstecher leicht konkav abstechen und mit dem Meißel den überstehenden Rest entfernen.
Der erste Knopf dient mir als Modell für die restlichen vier, die natürlich alle vor dem Abstechen auch noch kurz geschliffen werden.
Zum Glück ist der Kantel gerade groß genug...

Jetzt mit 2mm mittig die Deckel vorbohren, unten per Querlochsenker senken, Griffe ebenfalls mittig vorbohren und anschrauben.

Die oberen Kästchen ebenso mittig vorbohren.
Aber wie senke ich jetzt hier vernünftig? Geht bei dem weichen Holz ganz gut von Hand! Zum verschrauben nehme ich einfach die flexible Welle.

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Füße

Hier dienen mir Reststücke, die ich mir an der Bandsäge auf 35mm x 35mm zurechtsäge. Die Sägekanten schleife ich am Tellerschleifer zurecht.

Dann schleife ich freihand am Tellerschleifer eine tiefgezogene Fase an zwei Seiten der Füßchen.

Mit den Fasen an den Außenkanten des Nähkasterls werden hier jetzt wieder Löcher in die Seitenwände vorgebohrt, gesenkt und dann alles verschraubt.


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Griffstück

das kleine Griffstück schön rund schleifen!

Mir gefallen die Spaltmaße nicht. Also überhaupt nicht!
Aber was mach ich jetzt am besten damit?
Hmmm.....

Verstecken!

Schnell säge ich mir aus Restholz noch drei Leisten zurecht: zweimal 30cm x 2,5cm und einmal 20,5cm x 2,5 cm.
Nach hobeln, schleifen, vorbohren und senken kann ich die auch schon befestigen.

Schwupps: Spalt weg!
Und einen praktischen Griff hat's jetzt auch.


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Fazit

Spaß hat's mir gemacht!

Auch, wenn der Plan hierzu nicht auf meinem Mist gewachsen ist. Den habe ich nämlich irgendwann tatsächlich im Netz gefunden und mich auch recht genau daran gehalten.
Warum immer das Rad neu erfinden?


Meine Mutter hatte auch so ein Nähkasterl, welches aber leider irgendwo im Haus verschollen und trotz Ausräumaktionen durch uns Kinder immer noch nicht wieder aufgetaucht ist. Dieses wollte ich nämlich ursprünglich nachbauen -- so musste ich nun doch im Netz nach Anregungen suchen. Und bin wie gesagt fündig geworden.

Ehrlich gesagt, finde ich meist den Herstellungsprozess entspannender und auch interessanter als die vorangehende Planung.

Ich hoffe, euch gefällt mein kleines Projekt genauso gut wie mir (und hoffentlich meiner Schwägerin, wenn ich es ihr endlich mal übergeben kann)!


Rechtlicher Hinweis

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