Kunststeinsimse für die Küche

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    100 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Öffentliche Wertung

Bei unserem derzeitigen Hausumbau haben wir einige Wanddurchbrüche und da sollten ursprünglich die halbhohen Wände mit Holz abgedeckt werden. Allerdings sind diese an der Küche und lackiertes Holz ist da vermutlich nicht erste Wahl. Stein wie Marmor wäre schön, aber zur Bearbeitung doch nicht ganz so einfach.

Ich habe dann im Internet gesucht und festgestellt, dass das wohl eher nicht typische Heimwerkerarbeit ist. Man findet nicht wirklich viel zum Thema. Also hilft leider nur das Ausprobieren.

Im Projekt will ich Euch zeigen, wie ich vorgegangen bin und was ich dabei gelernt habe. Viel Spaß!

Du brauchst

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Werkzeuge
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Materialliste
  • Kunststeinsimse (101 x 20/25 cm)
  • Natursteinsilikon

Los geht's - Schritt für Schritt

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Neuer Fenstersims für die Toilette

Angefangen hat alles mit den neuen Fliesen in der Toilette. Bisher war dort ein Holzsims und dieser passte nicht mehr zur Optik. Zuerst dachte ich, ich lege dort auch Fliesen. Aber dann ging ich auf die Suche nach nem weißen Fenstersims. Im Baumarkt wurde ich fündig: Bauhaus und Hornbach haben weiße Kunststeinsimse im Sortiment. Der Preis ist in Ordnung: 101 cm kosten bei 20 cm Breite 19,90 Euro und bei 25 cm Breite 29,90 Euro. Obi bietet Simse im Zuschnitt an. Auch interessant, aber im Ergebnis um einiges teurer.

Also einen Sims gekauft und direkt losgelegt. Zunächst mit dem großen 230er Winkelschleifer und Steintrennscheibe. Die Scheibe hat sich ziemlich durchs Material gequält. Es hat ziemlich gerochen aufgrund des hohen Kunststoffanteils des Bindemittels im Kunststein und teils ist das Material eher geschmolzen als geschnitten worden. Also schlechte Wahl.

Also Wechsel auf eine Segment-Diamantscheibe. Das ging weitaus besser. Nun die Wahl des richtigen Winkelschleifers: 230 mm ist ziemlich heftig - schwer und entsprechend schwer zu führen. 125 mm ist kleiner und leichter - dadurch einfacher zu führen und geht genau so schnell. Bei 2 cm Schnitttiefe ist das auch vollkommen ausreichend,

Also: Kleiner Winkelschleifer mit Diamantblatt.

Zunächst die Fensterbank zugeschnitten. Dann habe ich noch eine quadratische Säule in der ein Eckventil für den Spülkasten versteckt ist. Oben brauche ich auch eine Abdeckung. Also habe ich nen Deckel aus dem Rest der Fensterbank geschnitten. Wird mit Silikon aufgeklebt. Passt super.

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Sims - erster Versuch

Ermutigt vom Sims für die Toilette habe ich gleich noch nen Fenstersims ans Küchenfenster eingepasst. (Bild 1 im Hintergrund). Abgelängt und auf Tiefe geschnitten.

Dann der Versuch einen Sims auszuklinken und in einen halbhohen Wandausbruch als Abdeckung verbauen.

Zunächst exakt Maß nehmen und auf den Sims übetragen. Dann mit dem Winkelschleifer die Linien abfahren. Gar nicht so einfach, aber nach dem zweiten, dritten Schnitt bekommt man das sehr gut und exakt hin.

Wichtig: Auf dem Sims ist eine Kunststofffolie. Darauf darf man gerne mit Kugelschreiber markieren. Aber niemals direkt auf dem Stein. Denn Kugelschreiber geht nicht mehr weg. Nur durch schleifen und polieren. Ohne Folie also besser Bleistift verwenden! Ich hatte so nen blauen Streifen, den ich mühsam entfernen musste ...

Weiter: Der Winkelschleifer kommt nicht komplett in die Ecken. (Bild 2 - man sieht, da bleibt in jeder Ecke eine Rundung unten stehen.) Also muss ich irgendwie nacharbeiten. Hierzu habe ich mir Stichsägeblätter besorgt. Bosch special ceramics. Ein Sägeblatt ohne Zähne, aber mit vielen Hartmetallsplittern. Das funktioniert sehr gut, relativ schnell und die Blätter sind sehr robust. Ich habe drei gekauft, da ich dachte, ich bräuchte diese und wohl noch mehr. Stimmt nicht, ich habe alle Schnitte mit dem einen Blatt gemacht.

Die scharfen Schnittkanten habe ich dann mit dem Schwingschleifer und 80er Schleifmittel etwas abgekantet. Ging auch ordentlich und schnell. Hatte ich mir so nicht gedacht.

Von Holzarbeiten bin ich exaktes Maß gewohnt. Entsprechend habe ich meine Ausschnitte gemacht. Schaut super aus, aber Stein sollte keinen Druck abbekommen. Also musste ich meine Ausschnitte noch etwas nacharbeiten, so dass mit Silikon genug Dehnungsfuge vorhanden ist.

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Das Problem: Die Kante - erst mal schleifen

Der große Nachteil der Fenstersimse ist, dass nur drei Seiten angefast und poliert sind. Klar, die vierte Seite kommt an den Fensterrahmen und da braucht es keinen Schönheitspreis.

Bei mir sind aber beide Längsseiten sichtbar. Also muss die lediglich geschnittene Seite auch angefast und poliert sein.

Das hat mir einige Sorgen bereitet, wie bekomme ich rauhen Stein poliert? Ermutigt durch das Entgraten mit dem Schwingschleifer fing ich einfach mal mit der Kantenbearbeitung an.

Exzenterschleifer und Versuche mit unterschiedlichen Schleifpapieren. Bewährt haben sich zum Kanten anfasen und Erstschliff der eigentlichen Kante P100. Gröber ist nicht notwendig. Danach P120, 180, 240 und 320. Auch auf den Fasen, danach ist der Kunststein schön glatt. Aber noch nicht glänzend.

Ich habe Schleifpapier mit 400 und 500. mit diesem schleife ich auf höchster Stufe alles richtig blank. Bei 500 stellt sich schon ein leichter Seidenglanz ein.

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Die Kantenpolitur

Autopolitur habe ich zuhause. Aber für Marmor soll man spezielle Politur verwenden. Aber für Kunststein? Da fand ich nicht wirklich etwas. Also habe ich mir Marmorpolitur gekauft. Die ist nicht alkalisch im Vergleich zur Autopolitur und soll deshalb für das Material besser sein.

Mein erster Versuch war ne Enttäuschung und ne wahre Sauerei. Ich habe ein Polierpad auf den Schleifer gelegt und gestartet. Die Politur sabberte und spritzte überall hin. Klar 2 cm Auflagefläche unter einem 15 cm Polierpad. Also Fehlversuch.

Da kam ich auf den Bosch Schleifer EasyCurv Sander 12. Dem hatte ich vor einiger Zeit eine besondere Auflage verpasst. Eine Stück passend zugeschnittenes Schleifpapier mit aufgeklebter Kartonauflage. So kann ich diesen Karton auf dem Klett einer Schleifplatte anbringen. Auf den Karton klebe ich Schleifblüten. Diese habe ich in Körnung 2000 und 3000. Damit schleift man üblicherweise kleine Körnchen aus Lackoberflächen (von Hand) aus. Am EasyCurv habe die vorteilhafte Rotation in hoher Geschwindigkeit.

Also den EasyCurv so ausgestattet, wie ich ihn hier brauchen kann: Ein Pad mit Schleifblüte, zwei Polierteller.

Im Einsatz: Zunächst Schliff mit 2000 und 3000. Dann 2 Durchgänge mit Autopolitur, diese verfärbt den Kunststein nicht und poliert deutlich besser als das gekaufte Marmormittel. Ob diese alkalisch ist oder nicht, weiß ich nicht. Ich vermute und hoffe, dass Marmor da empfindlicher ist als der kunstharzgebundene Kunststein.

Danach kommt die Marmorpolitur in Einsatz. Aus der Flasche kommt eine fast klare Flüssigkeit. Was soll da eigentlich polieren? Man soll diese auftragen, kurz antrocknen lassen und dann mit Lappen kreisförmig einpolieren. Das liest sich viel eher wie eine Emulsion, die oberflächlich einen Film ergibt, der dann hübsch glänzt. Und so ist es vermutlich auch. Es glänzt hinterher etwas mehr, aber vermutlich nur durch einen Oberflächenfilm. Das stört mich nicht, denn der Marmor soll dadurch auch schmutzabweisender sein. Und man soll das nur alle paar Jahre anwenden. Klar, macht man das häufiger, blättert irgendwann eine Lackschicht ab. Also eher ein Fehlkauf unter der Bezeichnung „Politur“. Als Oberflächenschutz aber bestimmt gut brauchbar.

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Weitere Simse

Insgesamt brauche ich vier solcher Simse. Zwei am Durchgang, zwei weitere, die hin zum Flur gehen und diese umfassen einen Balken. Da bedarf es etwas komplexerer Ausschnitte, aber ich bekomme alle problemlos hin, die Angst, dass mir ein Sims brechen könnte war unbegründet, zumindest ist bei mir alles Heil geblieben.

Zum Schneiden habe ich die Simse auf ausgediente OSB-Platten gelegt, so dass sie eine ebene Auflage haben.

Die zwei langen Simse zum Flur musste ich leider auch noch auf Breite schneiden. Ich musste der Länge nach 1,5 cm abschneiden und dann die komplette Kante schleifen und polieren. Hierbei habe ich zunächst mit dem Bandschleifer die Kanten egalisiert. Beim Winkelschleifer bleibt es nicht aus, dass man minimale Kerben schneidet.

Aber mit dem Bandschleifer konnte ich relativ leicht 1 bis 2 mm abnehmen. Das hatte ich zuvor als Toleranz berücksichtigt. Der Bandschleifer hinterlässt leider leichte Schleifspuren. Und die muss man mit dem Exzenterschleifer auch wieder abschleifen.

Also bei den langen selbst geschnittenen Kanten hat man etwas mehr Aufwand, aber man sieht nur bei sehr genauem Hinschauen, dass es keine maschinell bearbeitete Originalkante ist.

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Polierte Kante

Im Bild eine von mir selbst geschnittene und polierte Kante.

Einziger Unterschied zur Originalkante: Letztere ist absolut plan. Meine Kante ist minimal bauchig, da man den Exzenterschleifer auf 2 cm breiter Auflagefläche einfach nie winkelig halten kann. Man schleift unwillkürlich immer etwas rund. Da ist aber im Zehntelbereich und sieht man nur in der Spiegelung wenn man sehr nahe an die Kante herangeht.

(Ja, es gibt von Festool einen Kantenschleifaufsatz. Habe ich mir sogar gekauft, aber wieder zurück gegeben. Der Aufsatz passt nicht auf meinen Exzenterschleifer. Schade!)

Das Ergebnis kann sich sehen lassen - erstens schaut niemand so genau hin und zum anderen ich selbst auch nur bei der Bearbeitung.

Und ich bin höchst zufrieden und stolz auf meine Simse. Ich dachte nicht, dass die Simse so gut wirken. Und sie passen perfekt zur späteren weißen Hochglanzküche. Im Wohnzimmer werde ich nun die braunen Fensterbänke auch gegen weiße austauschen. Schaut einfach besser aus.

Ich hoffe, meine Tipps und Erfahrungen können dem einen oder anderen helfen,


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