Küchenschrank aus Buche Leimholz

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    300 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

In kleinen Küchen ist nicht immer ausreichend Platz. Dort gibt es so manche Ecken, die man maßvoll füllen kann, um das bisschen Platz sinnvoll zu nutzen. Was liegt also näher als Maß zu nehmen und voll-mundig zu verkünden: „Dafür baue ich Dir einen Schrank!“ Gesagt, getan. Tschä, das ist jetzt ungefähr ein Jahr her. Bis zur Winterpause (Werkstattinnentemperatur = Außentemperatur) hatte ich immerhin den Korpus und die Fronten fertig. Nach dem relativ langen Winter und einer Auszeit zugunsten einer Gartenumgestaltung (incl. neuer Terrasse) sowie der Beschaffung einer Zinkenfrässchablone wurde das gute Stück dann doch schon in diesem Sommer fertig. Kosten und Netto-Bauzeit sind natürlich nur geschätzt. Auf jedem Fall trennte ich mich nur ungerne von dem Schrank, umso lieber nahm ihn meine Freundin in Empfang. Gut, dass ich ihn regelmäßig sehen darf. Naja, nicht nur ihn …

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Frästisch
  • Oberfräse
  • Flachdübelfräse
  • Exzenterschleifer
  • Schlagbohrmaschine
  • Bohrständer
  • Schraubzwingen

Los geht's - Schritt für Schritt

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Der Korpus

Korpus 1
Korpus 2
Feste Verbindung 1
Feste Verbindung 2
Löcher für die Bodenträger
sauber gepfuscht

Die Abmessungen waren durch den Platz zwischen Sitzbank und Wandvorsprung vorgegeben. Die Seitenwände sind an drei Stellen fest miteinander verbunden werden: Dem Deckel, einem Zwischenboden und dem Basisboden, unter dem dann nur noch der Sockel sein sollte. Die Verbindung erfolgt über Flachdübel. Das Arbeiten mit der Flachdübelfräse erfordert schon etwas Übung, so langsam stellt sie sich aber ein. Allerdings bin ich immer wieder beeindruckt, dass dabei eine gewisse Holzverbrennung stattfindet und durch den Staubfangsack echt fette blaue Wolken durchkommen und durch die Werkstatttür nach draußen entweichen. Ich warte nur noch auf den Tag, an dem mein Nachbar mit einem Feuerlöscher vor der Tür steht. Zurück zum Thema: Sinnvoll war es, vor dem Verleimen die Löcher für die Bodenträger zu bohren. Der Wolfcraft-Winkel erwies sich dabei als hilfreich, ich konnte durch die Markierlöcher sehr leicht und gleichmäßig anzeichnen. Das Bohren selbst ist mit einem Bohrständer fast schon ein Kinderspiel, ein versehentliches Durchbohren, also ein GAU, ist ausgeschlossen.

Auf keinen Fall sollte man vergessen, die Nut für Rückwand zu fräsen. Hartfaser gibt es eigentlich nicht mehr, heutzutage sind die Platten aus MDF. Über die Schönheit des Buche-Dekors kann man ganz sicher streiten, auf alle Fälle sorgt sie dafür dass die Türen schnell wieder geschlossen werden. Worüber ich mich echt ärgerte war dass ich vergaß, als erstes (!) die Aussparung für die Fußleisten zu fräsen. Die kamen erst nach der Rückwand-Nut. Das war echt Pfusch! Gut, dass man das eigentlich gar nicht sieht. Ich empfehle an dieser Stelle eine andere Reihenfolge. Naja, learning-by-doing eben.

Beim Verleimen halfen mir meine XXXL-Schraubzwingen ganz gut, auch wenn sie schon eher unhandlich-zu-lang waren. Wie es bei Schränken nun mal so ist, sorgte die Rückwand für einen rechten Winkel, rechtwinklig also. Mir war das so schon ganz recht. Man sollte also rechtzeitig daran denken, sie mit einzuarbeiten.

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Die Fronten

1. Fräsgang
Nach 4 Fräsgängen
Innenseite
sauber geht anders

Gerade bei diesem Möbelstück zeigt es sich, dass es optisch einwandfrei wäre, wenn die Fronten aus einem Stück gefertigt werden. Ihr könnt deutlich sehen, dass die Schubladen und die untere Tür eine Herkunft haben, die Lichtausschnitttür allerdings nicht. O.K., es fällt nicht massivst ins Auge, aber aus diesem Punkt habe ich gelernt. Überhaupt ergab der Rahmen der oberen Tür für mich den größten Lerneffekt. So lernte ich die Grenzen meines bescheidenen Wissens kennen: war ich doch anfangs in dem Glauben, einen Lichtausschnitt durch das Heraussägen eines Rechtecks aus einer Leimholzplatte herstellen zu können. Tja, anfangs eben. Jedenfalls konnte ich fast schon zugucken, wie der Rahmen sich verzog. Wohl auch mein Gesicht.

Also fertigte ich den Rahmen aus Einzelstücken an. Für die Eckverbindung entschied ich mich für eine Quasi-Nut-und-Feder-Verbindung. Meine Oberfräse konnte sich auf das Allerfeinste austoben, das Ergebnis kann sich einigermaßen sehen lassen – aber bitte nicht aus zu großer Nähe.

Passend zu den Lichtausschnitten der Einbauküche musste natürlich eine satinierte Glasscheibe her. Die bekam ich bei der Glaserei, ich meine, ich habe so ca. 30 € dafür bezahlt. Nur, wie hält die im Lichtausschnitt? Da gibt es natürlich nur eins: Leisten fräsen. Dafür benötigt man natürlich nicht nur eine Oberfräse, sondern auch einen Frästisch. Dann geht so ziemlich alles. Zur Montage stellte ich dann fest, dass die Abmessungen der Leisten noch nicht optimal waren, aber mittels des auf dem Tisch fixierten Bandschleifers konnte alles, was nicht passte, passend gemacht werden. Und jetzt: „Sitzt, passt, wackelt und hat Luft“.

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Die Schubladen

Zinkenfräsen
Das Ergebnis: Naja
Schubladen
Innenansicht

Die Fronten sind ja das eine, das Innenleben etwas anderes. Schubladen aus Plastik oder irgendein anderes Hilfsmaterial befand ich für zu banal. Ich beschaffte mir eine Zinkenfrässchablone. Auf dem 1-2-do-Oberfräsen-Workshop vor anderthalb Jahren in Hamburg-Harburg hatte der Sigi uns das ja zum Schluss noch auf die Schnelle kurz gezeigt - aber selbst davor stehen? Oha! Wie auch immer, das Foto zeigt, dass ich da noch Übungsbedarf habe (wie war das: learning by doing?), aber das sieht man jetzt höchstens, wenn man die Schublade ganz herausnimmt.

Beim Festschrauben der Fronten stellte ich fest, dass ich doch einen IXO oder einen Select (ach, hätte ich mich doch bloß beworben, vielleicht wäre mir das Glück ja hold gewesen) ganz gut gebraucht hätte; die Schubladentiefe war einfach zu gering. Ich fand nämlich meinen Mini-Schraubendreher nicht wieder, es wurde schon etwas fummelig.

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Und sonst?

Innenleben 1
Innenleben 2

Im oberen Teil (hinter dem Lichtausschnitt) verwendete ich Glasböden. Im unteren Teil Böden aus dem Leimholz. Die Topfbänder und die Schubladenführungen stammen aus dem Baumarkt, der Hersteller ist Hettich. Für die Topfbohrungen nehme ich natürlich auch den Bohrständer (von wegen GAU, s.o.). Die Montage wird auch immer leichter, die Töpfe werden mittlerweile geclippt und nicht mehr geschraubt. Darauf muss man erst mal kommen! Als Oberflächenbehandlung habe ich Bienenwachs genommen. Das war leicht zu verarbeiten, macht auch erst mal einen ganz guten Eindruck. Aber wehe, Du wischt einen damit behandelten Boden mit etwas Rest-Spülmittel ab – oje oje! Das geht irgendwie gar nicht. Glatt ein Fehlgriff!

Das Beste aber sind die Griffe: Handgedrechselt, ich sah dabei meinem Bruder über die Schulter. Jedes Stück ist ein Unikum. Übrigens aus Kirsche. An dieser Stelle vielen, vielen Dank !!
Ich finde der Schrank passt ganz gut dazu.

Ach ja, für den geneigten Leser: Wesentliche Werkzeuge waren eine Oberfräse und ein Exzenterschleifer eines namhaften Herstellers aus Süddeutschland. Super! Da sieht man mal, dass Produkttests länger als nur einen Monat währen können – selbst nach anderthalb Jahren. Mit dem richtigen Werkzeug bringt es wirklich ausgesprochen viel Spaß.


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