Knabens Kuller-Kurve

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  • Schwierigkeit
    leicht
  • Kosten
    30 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Öffentliche Wertung

Wahrscheinlich ist so ziemlich jeder Holzliebhaber, der selber Kinder hat oder aber auf der Suche nach pädagogisch wertvollem und umweltbewusstem Kinderspielzeug aus nachwachsenden Rohstoffen (...blablabla...) war schon mal auf dieses verdammt teure gebogene Brett mit dem lustigen Namen (Darf man hier rechtlich geschützte Eigennamen verwenden? - reimt sich auf "Hobbelboard") gestoßen. 

Mir, dem jungen Bubelpapa und Knabenvater, war es jedenfalls zu teuer...

Außerdem hatte ich kurz vor dem ersten Lockdown scheinbar eindeutig viel zu viel Angst davor, dass die Baumärkte niemals wieder öffnen würden und hatte dementsprechend auch viel zu viel Holz auf Vorrat gekauft.
Allerdings erweist es sich bei den stetig explodierenden Materialpreisen im Nachhinein immerhin doch noch als überaus vorausschauend!

Du brauchst

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Werkzeuge
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Materialliste
  • 1 x Einige Holzschrauben
  • 1 x Holzreste
  • 1 x 1mm Filz-Schubladeneinlage
  • 1 x Große Tube Holzleim
  • 1 x Handvoll Gummibänder
  • Einige Distanzhölzer
  • Handvoll Schrauben
  • Restholzplatten
  • Buche-Furnierplatten (4mm )
  • Viel Holzleim
  • Schmirgelpapier
  • Leinölfirnis
  • Malerkrepp
  • Holzleim

Los geht's - Schritt für Schritt

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Bau der Spannform

Um So ein Brett zu biegen werden einzelne dünne Platten miteinander verleimt und zum Trocknen auf eine Form, bzw. ein Gestell herunter gespannt.
Also galt es zu allererst die Form zu bauen.

Hierzu nahm ich zwei relativ große, ausgediente Regalböden aus dem Restefundus und brachte diese Mithilfe einer Stichsäge in Form.
Der Radius entstand eher zufällig.
Einfach so lange mit dem großen Zirkel (Nagel, Zwirn und Kugelschreiber - den Trick sollte wohl jeder kennen) spielen, bis man zufrieden ist.

- Will man das Board in einem ganz bestimmten Radius haben, sollte man beachten, dass das gebogene Board nach dem Trocknen des Leims beim Abspannen wieder etwas zurückfedert.
Sprich: Die Biegung des Boards ist etwas größer als der Radius am Gestell.

In beide Gestellhälften werden nun mit der Lochsäge viele viele Löcher gesägt/gebohrt in denen später die Spannzwingen angesetzt werden können.

Die Zwei Gestellhälften werden nun mit einigen Distanzhölzern stabil verschraubt.
Diese Distanzhölzer dienen gleichzeitig als Auflage für die zusammen verleimten Platten - also schön bündig an den Radiuskanten anbringen!

Und schon ist das Teil fertig.

Positiver Nebeneffekt: Ist das Gestell stabil genug, kann es auch zur Serienfertigung benutzt werden (Die Nichte bekommt auch ein "Hobbelboard" zur Taufe

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Verleimen und Aufspannen

Nun geben wir dem "Hobbelboard" die Form.

Dazu wurden 4mm dünne Buche-Furnierplatten 1200mm x 600mm erst einmal auf halbe Breite zugeschnitten, sodass man 1200mm x 300mm erhält.
In meinem Fall verleimte ich davon 3 Stück satt aufeinander und spannte diese dann Mithilfe einer ganzen Menge Spannzwingen und zwei Spanngurte auf das Formgestell herunter.
Sieht dann irgendwie aus wie ein merkwürdiger Igel...

Bei dem "Hobbelboard" für die kleine Nichte werde ich es mal mit 4 Stück Furnierplatten versuchen.
Sollte eigentlich genauso funktionieren, wenn auch vielleicht das Herunterspannen etwas anstrengender wird...

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Moment der Wahrheit und Besäumung

Ich weiß, "Besäumung" ist das falsche Wort, jedoch fand ich den Wortklang für die Überschrift etwas schöner als z.B. "Beschneidung"...

Dem Leim gönnte ich nun ca. 2 Tage Trocknungszeit bevor das Abspannen folgte.

Nun also der Moment der Wahrheit!
Es zeigte sich, dass diese Methode wunderbar funktionierte! 
Der Bogen ist wirklich makellos rund geworden und die Leimfugen ringsherum zeigten keinen einzigen Spalt - alles vollflächig verklebt!

Nachdem ich mir also den Angstschweiß hoch erfreut von der Stirn wischen konnte, machte ich mich daran alle Kanten zu beschneiden (...).

Für die langen Seiten schob ich das gebogene Brett am Anschlag der Tischkreissäge vorbei.
Die kurzen Seiten wurden per Führungsschiene und Handkreissäge im rechten Winkel direkt auf das Endmaß eingekürzt. 
Die Ecken wurden dann noch mittels Stichsäge in einem beliebigen, formschönen Radius abgerundet und mit Schmirgelpapier, Schleifklotz und Handkraft versäubert. 
Danach folgte die Abrundung der Kante mittels Oberfräse und r6mm Abrundfräser auf der konvexen und das Kantenbrechen der konkaven Seite.

An dieser Stelle schlich sich ein kleines Problemchen ein...
Der Schubladeneinlegeboden (tolles Wort!) aus Filz, den ich als Geräuschdämpfer und Bodenschoner aufkleben wollte, war ca. 20mm kürzer als mein gerade fertiggesägtes und -gefrästes Board! 
Das ließ ich nicht auf mir Sitzen!
Aber als stolzer Oberfräseneigentümer kann mich das auch nicht aufhalten! 
Also einen relativ breiten Nutfräser eingespannt, die Fräsertiefe auf 1-2mm eingestellt und noch mal das Board am Anschlag vorbeigeführt. So entstand quasi eine minimale Falz rund ums "Hobbelboard", die später dann den Filz sozusagen einrahmen wird.

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Schleifen und Ölen

Es folgten ein paar nervige und staubige Schleifgänge von K80 bis K360.


Aber wat mutt, dat mutt...
Und am Ende ist man ja dann doch immer wieder begeistert von der samtigweichen und handschmeichelnden Oberfläche!

Den gefrästen Absatz klebte ich mit ziemlich dichtem Malerkrepp ab und ölte fleißig mit Leinölfirnis drauf los.
Das Holz dunkelt vom Öl zwar immer etwas ab, aber die Maserung wird davon auch wunderbar angefeuert, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Insgesamt ölte ich drei mal, wobei ich nach den ersten beiden Durchgängen das Holz leicht anfeuchtete, wodurch sich die letzten Holzfasern noch einmal aufstellen.
Diese wurden dann wieder mit ganz feinem Schmirgel beigeschliffen und noch eine Schicht Öl drüber.
Es entsteht eine superglatte und wunderschöne Oberfläche. 

Wer mag kann das Öl noch mit einem Polierschwamm einmassieren, was der Oberfläche auch noch einen sehr schönen Glanz und noch etwas mehr Festigkeit verleiht. 
Dafür war ich dann aber doch irgendwie zu faul...

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Filz drunter und fertig ist das Ding!

Als letzter Schritt folgt nun das Bekleben mit Filz und die Endabnahme.

Der Filz stammt aus einem schwedischen Möbelhaus und ist eigentlich als Einlegeboden für große Schubladen verkauft worden.

Die Länge des Filzes konnte ja durch Anpassung des Boards bestehen bleiben.
Also die Breite Mithilfe von Lineal und Teppichmesser zuschneiden und aufbringen. 

Zum Aufkleben verwendete ich dann den letzten Rest aus der Holzleimtube.
Nach einer Testklebung auf einem Stück Restholz war ich überzeugt, dass das gut klappt.
Zum flächigen Andrücken nutzte ich die abgesägten Seitenstücke des Boards, eine Handvoll Gummibänder und noch ein paar Spannzwingen.
Und siehe da: Das hält mit dem Holzleim bombenfest!!!

Zu guter Letzt den Überstand mit dem Teppichmesser sauber abtrennen und fertig ist das gute Stück! 

Als das Öl vollständig eingezogen und die Kuller-Kurve nun endgültig fertiggestellt war überreichte ich es dem Endkunden, meinem Knaben, der es sofort für gut befand.

Mit diesem Hobbelboard kann man super schaukeln, balancieren, erste Kletterversuche unternehmen und 
sogar als Brücke für Spielzeugautos und -Tiere benutzen.
Auch als Abschussrampe (sowohl für Autos, als auch für alles andere) kann man sie hervorragend einsetzen, wie der etwas ältere Bubel sofort unter Beweis stellte...

Nach dem erfolgreich absolvierten Produkttest durch den kleinen Knaben und dem Bubel klopfte ich mir voller Eigenlob selbst auf die Schulter und hakte dieses Projekt hoch zufrieden auf meiner "Want-to-do"-Liste (1-2-do???--> Gedankenexplosion!) ab.


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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