Originalbild
  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    5 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Öffentliche Wertung

Ich habe lange überlegt, was ich meiner Mama dieses Jahr zu Weihnachten schenken könnte. Es sollte auf jeden Fall etwas Selbstgemachtes sein. Nur was?

Beim Fotos durchstöbern fiel mir ein Bild meines, im April diesen Jahres verstorbenen Vaters in die Hände, aufgenommen im Familienurlaub im August 2009 in der Nähe von Rom. Was ein schöner Abend das doch war!

Ob ich das Bild als Vorlage für ein Holzportrait nehmen kann? Und bin ich überhaupt dazu fähig, dieses Bild an der Dekupiersäge auszusägen?
Versuchen will ich es auf jeden Fall!

Das erste Jahr Weihnachten ohne meinen Papa. Der Gedanke daran ist komisch.

Du brauchst

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Werkzeuge
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Materialliste
  • Sperrholz | Buche (22,5 cm x 22,5 cm x 0,6 cm )
  • Abschnitt | Nussbaum
  • Holzleim
  • Bildaufhänger
  • Siebdruckplatte (22,5 cm x 22,5 cm x 0,9 cm)

Los geht's - Schritt für Schritt

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Aus einem Bild eine Vorlage machen

Mein Versuch mit Photoshop
gemeinsam mit meiner Schwester entwickelt

Ich glaube, dies war der für mich schwierigste Arbeitsschritt, bei dem ich irgendwann auch die Hilfe meiner Schwester in Anspruch genommen habe.

Ich habe das Original mit Photoshop soweit bearbeitet, dass ich den Hintergrund habe verschwinden lassen und das Farbbild in ein Schwarz-Weiß Bild "posterisiert" habe.

An dieser Stelle kam ich mit Photoshop leider nicht weiter - Meine Fähigkeiten bezüglich digitaler Bildbearbeitung sind so gut wie nicht vorhanden.
Aber wozu hat man eine Schwester in der Werbebranche?

Mit ihrer Hilfe (und mit Adobe Illustrator) haben wir gemeinsam eine sägbare Vektorvorlage geschaffen.

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Vorarbeit

Markierung

Lange habe ich überlegt, welches Holz ich nehmen soll.

Zuviel gemasert darf es nicht sein, sonst wirkt das Bild nicht mehr, ztu wenig darf es aber auch nicht sein.
Zum sägen ist kurzfaseriges Hartholz besser geeignet als weiches Holz, dafür dauert es länger und die Sägeblätter sind deutlich schneller stumpf.

Schließlich habe ich mich für ganz profanes Buche-Sperrholz entschieden: das kenne ich und ich weiß, wie ich zu sägen hab.
Auf Experimente hatte ich in diesem Fall wirklich keine Lust, dazu war die Zeit auch etwas zu knapp.

An der Tischkreissäge säge ich mir ein passendes Stück zurecht. Die Dimension 22,5 cm x 22,5 cm habe ich der Vorlage entsprechend gewählt: so ist an den Rändern jeweils noch genug Platz und das Bild wirkt meiner Meinung nach besser.

Dann schleife ich mir dem Excenterschleifer erst mit Körnung 180 und dann noch mit Körnung 240 über die Oberfläche.

Als nächstes klebe ich eine Schicht durchsichtiges Paketband auf das Holz (Vorder- und Rückseite).

Damit ich die Vorlage mit gleichem Abstand zum Rand oben und unten aufklebe, messe ich erst aus und markiere mir die spätere Lage mit Bleistift.

Meine Vorlage schneide ich mit der Schere auf Maß zurecht und sprühe die Rückseite mit Sprühkleber ein. Ein paar Minuten ablüften lassen bis der Kleber angetrocknet ist und dann die Vorlage auf das Sperrholz kleben. Darüber kommt dann wieder eine Schicht klares Paketband, ebenso wieder auf Vorder- und Rückseite.

Da ich mit einem ziemlich feinen Sägeblatt (Pegas MGT Nr.1) sägen werde, dient das Paketband in erster Linie der Sägeblattkühlung und nicht so sehr der Verminderung von Ausrissen.

Als nächstes bohre ich an der Ständerbohrmaschine Löcher für die Innenschnitte. 

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Sägen

Sägeblatt gerade stellen
Zum ersten Advent habe ich von meiner Frau diese Handschuhe bekommen: jetzt frieren mir die Finger nicht mehr am Sägetisch fest!
die feinen Schnitte mache ich bereits mit dem MGT Nr.1
Der Bart ist knifflig zu sägen
fertig gesägt

Als allererstes prüfe ich nach, ob das Sägeblatt wirklich lotrecht zum Tisch steht.

Ich beginne mit dem einfachen Teil: die Streifen des T-Shirts und arbeite mich langsam von unten nach oben. Hierfür nehme ich auch ein Niquafix Sägeblatt Nr. 3: das Blatt produziert ein sauberes Schnittbild und sägt aber dennoch recht fix.

Ab Höhe des Bartes wechsel ich allerdings auf das vorgenannte Pegas MGT Nr. 1, da ich hierfür deutlich feiner arbeiten muss!

Obwohl Weihnachten immer näher rückt, arbeite ich an diesem Projekt immer nur dann, wenn ich die Ruhe hierfür habe. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass mich die Arbeit an dem Bild so dermaßen psychisch belastet - wenn auch auf eine gute Weise!

Mein Papa hatte zwar eine recht hohe Stirn, aber so wenig Haare, wie es auf der Vorlage erscheint hatte er dann doch nicht! Hier muss ich ein bisschen improvisieren.

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Entfernen der Kleberschicht und Feinschliff

Sobald etwas wärmer, geht das fast richtig gut ab!
fertig geschliffen

Beim Entfernen des Paketbandes muss ich ziemlich Vorsicht walten lassen - nicht, dass mir jetzt noch etwas abbricht!
Wegen der herrschenden Kälte habe ich einen Gasstrahler neben mir stehen. Je näher ich mein Werk Richtung Strahler halte, umso leichter geht der Kleber ab: Heureka!

Dennoch bleiben natürlich ein paar Holzfasern haften und ich muss nochmal mit Schleifpapier (K240) drüber gehen.
GANZ VORSICHTIG, natürlich!


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Rückwand


Wie bereits bei dem Wandbild für meine Frau zum Valentinstag, entscheide ich mich für einen Hintergrund aus Siebdruckplatte: Selber würde ich solch eine Oberfläche nicht produzieren können!

Damit sich das Sperrholz aber später nicht löst, sondern auf der Filmseite der Siebdruckplatte kleben bleibt, muss diese ein wenig abgeschliffen werden.
Hierfür messe ich beim Holzbild die Abstände der Sägeschnitte zur Kante und übertrage diese mit Bleistift grob auf die Siebdruckplatte.

Mit dem Dremel schleife ich anschließend die ermittelten Flächen leicht ab.

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Rahmen

Beim Rahmen entscheide ich mich zu einem gewissen Farbkontrast:
Ich habe in meiner Holzkiste ein Stück Nussbaum, welches mir passend erscheint.

Mittels Bandsäge trenne ich hier vier 8mm breite Streifen ab. Diese schmalen Leisten bearbeite ich noch mit dem Handhobel, bevor ich die Enden in passender Länge mit der Dekupiersäge auf 45° Gehrung säge.

Da ich den Winkel freihand nicht sonderlich gut treffe, schleife ich die letzten mm am Tellerschleifer mittels Anschlag zurecht.
Dann leime ich die Rahmenleisten ans Bild.

Wie der Leim fertig angezogen hat, egalisiere ich mittels Einhandhobel den Höhenunterschied der einzelnen Leisten. Die haben sich nämlich beim festleimen etwas verschoben...

Die Stellen, an denen der Leim hervorgequillt sind, bearbeite ich ganz vorsichtig mit dem Stechbeitel

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Zusammenkleben und Aufhängung anbringen

Auf die Rückseite des fertig gerahmten Bildes kann ich nun die vorher vorbereitete Siebdruckplatte kleben.

Ich verstreiche den Leim unter Aussparung der Ausschnitte auf der Bilderrückseite. Hier achte ich vor allem darauf, den Leim sparsam aufzutragen, damit er beim Zusammenpressen nicht rausquillt.
Das Ganze jetzt gut verzwingen und eventuell doch austretenden Leim gleich mit einem Zahnstocher entfernen.

Nach dem Abbinden kann ich nun noch die Aufhängung in Angriff nehmen.

Ich habe noch ein paar kleine goldfarbige Bildaufhänger übrig, zwei davon nehme ich hierfür her.

Mit Bleistift ziehe ich auf der Rückseite des Bildes, ca. 1cm vom Rand entfernt eine Linie. Oberhalb der Linie werden die Aufhänger 7,5 cm von der Außenkante entfernt angebracht.
Hierfür bohre ich mit einem 1mm Bohrer vor, damit mir die Siebruckplatte beim Nagel einschlagen nicht reisst.

Da meine Finger für den kleinen Nagel zu groß sind und diesen nicht vernünftig festhalten können, nehme ich hierfür einfach eine kleine Spitzzange.

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Schlusskontrolle und Lackieren

Meine "Lackierkabine"

Akribisch prüfe ich meine Arbeit:

Muss noch wo geschliffen werden? Wie sehen die Rahmenecken aus? Hier gehe ich nochmal kurz mit feinem Schmirgel (K240) drüber.

Sind die Sägeschnitte frei von Späne? Sicherheitshalber sauge ich hier nochmal mit dem Werkstattsauger vorsichtig aus.

Ist die Oberfläche frei von Schmutz?

Zu guter Letzt lackiere ich das Bild in drei Durchgängen mit glänzendem Klarlack.


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Fazit

Angefangen habe ich mit dem Projekt am 16. November, endlich fertig geworden bin ich am 19. Dezember, geschätzte Sägedauer: ca. 15 bis 20 Stunden.

Wie eingangs erwähnt, lag für mich die größte Schwierigkeit beim Erstellen der (sägefähigen) Vorlage!

Vielleicht habe ich hier einfach zu wenig Geduld: ich sitze in der Arbeit täglich 9 Stunden am Rechner. Mich dann abends noch mit Programmen wie Photoshop, Silhouette Studio, Inkscape o.ä. rumzuärgern steht mir der Sinn nicht.

Das eigentliche Sägen hatte fast schon etwas meditatives. Mal habe ich auch nur einen Innenschnitt gemacht und dann wieder aufgehört, mal habe ich 4 Stunden am Stück am Projekt gearbeitet (und dabei oft die Zeit vergessen). Allerdings habe ich hier nie etwas "schnell-schnell" fertig gemacht, eigentlich auch eine ganz tolle Erfahrung!

Der psychische Faktor hat mich allerdings zu Beginn und wie ich mit sägen fertig war, unvermutet völlig aus der Bahn geworfen!
Beispielsweise hatte ich beim Anbringen der Bohrungen gewaltige Skrupel, ein Loch ins Auge zu bohren.
Und als ich das Werk nach der Sägerei aus seiner Verpackung aus Paketkleber und Papier befreit habe, ohne etwas vom Bild zu zerstören, hatte ich vor Erleichterung ehrlich gesagt bisschen "Pipi in den Augen"!
Nie hätte ich gedacht, dass mir das Projekt so nah gehen würde.

Ich bin jedenfalls froh, diese "Grenzerfahrung" gemacht zu haben.
Froh und saumäßig stolz auf das Ergebnis.

Und ich bin mir relativ sicher, dass meiner Mama ihr diesjähriges Weihnachtsgeschenk gefallen wird.



Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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