Grabkreuz

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Gute Reise!
Ständer aus Dachlatten
  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    60 €
  • Dauer
    3-4 Tage
  • Wertung

Vor kurzem verstarb mein Papa im Alter von 83 Jahren.

Vor etwas über vier Jahren erlitt er einen heftigen Schlaganfall und war seitdem ein Pflegefall (Pflegestufe 5). Er wurde die letzten Jahre seines Lebens liebevoll von meiner Mama und uns, seinen fünf Kindern betreut und daheim gepflegt.
In diesen Jahren konnte er kaum mehr verständlich sprechen, so dass leider vieles, was mir wichtig gewesen wäre, ungesagt blieb.

Meine Mutter hat mich am Tag seines Todes gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für meinen Papa odas Grabkreuz zu fertigen. Erst war ich erschrocken und bat um ein paar Minuten Bedenkzeit, weil ich mir nicht sicher war, ob ich das überhaupt schaffen würde! Dann aber dachte ich mir, dass genau dies meine Chance ist, meinem Papa noch einmal richtig nahe sein zu können. Ich sagte zu.

Im nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass ich das Kreuz gebaut habe. Einen geliebten Menschen zu verlieren ist nie leicht. Die Arbeit war für mich eine Art der Trauerbewältigung; ich habe in den insgesamt 5 Tagen viel mit meinem Papa "geredet" und ihm (bzw. dem Holz) bei der Arbeit vieles gesagt, wovon wir zu Lebzeiten immer geschwiegen hatten.
Durch meine Arbeit konnte ich ihm auf eine Art & Weise danken, wo Worte versagt hätten.

Ich wünsche ihm eine gute Reise.


P.S.:
Tod und Sterben sind in der Regel ein großes Tabu, obwohl es doch zum Leben gehört. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das Grabkreuz für meinen Papa überhaupt als Projekt veröffentlichen soll.
Aber: Das planen und bauen des Grabkreuzes haben mich wieder geerdet. Mir hat der Bau und meiner Mama und meinen Geschwistern der Anblick der fertigen Arbeit unglaublich geholfen. Ich glaube, einen persönlicheren letzten Gruß, ein besseres letztes "DANKE PAPA" konnte ich ihm nicht mitgeben.
Wenn ich mit dieser Bauanleitung jemandem eine Hilfestellung geben kann, der seine Trauer auf ähnliche Weise verarbeiten möchte, dann will ich das gerne tun.
Den Kreuzständer habe ich während der Lacktrocknungsphase aus Dachlatten schnell zusammengebaut, da nicht klar war, ob auf dem Friedhof etwas passendes vorhanden ist.

Du brauchst

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Werkzeuge
  • PEX 300 AE  - Exzenterschleifer (elektrisch)
  • th-js 85
  • Dekupiersäge SD1600V
  • 3000 - 15
  • TE-VC 2230 SA
  • KGS 216
  • Stechbeitel
  • Holzraspel
  • Holzfeile
  • Dübelspitzen
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Materialliste
  • 1 x Holzbalken | Eiche (170 cm x 10 cm x 3cm)
  • 1 x Holzbalken | Eiche (70cm x 10cm x 3cm)
  • 1 x Furnier | Mahagoni (0,6mm dick)
  • Bootslack
  • 3 x Holzdübel geriffelt | Buche (6mm)
  • Parkett-Fugen-Leim
  • Reststück MDF-Platte (4mm)
  • Klebeband

Los geht's - Schritt für Schritt

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Form und Maße des Kreuzes

Besuch im Holzhandel
Skizze meiner Schwester
Meine Skizze

Für die Form habe ich mich im Netz inspirieren lassen:
Das Kreuz sollte zwar einfach sein, sich aber von den windigen 08/15-Kreuzen der Bestattungsinstituten bereits von weitem abheben.

Bezüglich der Abmessungen hielt ich Rücksprache mit einer meiner Schwestern (gelernte Silberschmiedin). Sie schlug mir die klassische lateinische Form vor: der Querbalken sollte doppelt so lang sein, wie die Strecke von der Spitze des Längsbalken zur Mitte des Querbalkens misst, der Längsbalken soll so lang sein wie der Querbalken plus der Strecke von einem Ende des Querbalkens zur Mitte des Längsbalkens.
Häh? Was?

Ok, eine Zeichnung gibt Aufschluss darüber, was sie meinte.
In etwa habe ich mich dann auch daran gehalten.

Für das Holz bin ich zum Holzhändler meines Vertrauens gefahren und habe dort beim Rohholz ein schönes Stück Eiche (250cm x 14cm x 3,5cm) gefunden, welches für mich besäumt, abgerichtet und gehobelt und auch gleich auf Länge zugeschnitten wurde.
Das Furnier habe ich nach etwas längerer Suche bei einem Schreiner in der Nähe bekommen.

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Formgebung

Größe festlegen
Passprobe der Überblattung

Als erstes säge ich mir die passende Länge zurecht: 155cm Gesamtlänge sollten reichen damit das Kreuz ausreichend tief in der Erde steckt (ich rechne mit ca. 30 - 40 cm unter der Erde, damit es auch stabil steht). Am unteren Ende zeichne ich mir die Mitte an und säge von dort mit der Kappsäge im spitzen Winkel zu den Seiten. Diese Spitze kommt später in die Erde.

Den Querbalken habe ich auf 60cm Länge gekürzt.

Als nächstes säge ich mit der Stichsäge grob die Form der Kreuzspitze und der Querbalkenenden vor, der Rest wird mit der Holzraspel gemacht.

Wo später der Querbalken im Längsbalken per Überblattung eingepasst werden soll, zeichne ich ebenfalls an und klinke hier mit Hilfe der Kappsäge jeweils die Hälfte der Materialstärke aus:
Ich glaube, ich habe noch nie so vorsichtig und genau gearbeitet.

Jetzt noch die Seitenkonturen mit der Raspel herausarbeiten und mit der Feile nacharbeiten.

Ganz zum Schluss gehe ich noch mit dem Bandschleifer kurz über die Kanten.


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Beschriftung

Ausfräsung
Die Suche nach Alternativen
"Zero-clearance-insert"
Fertige Intarsien
Pressen

Auf dem Kreuz wollte ich den Namen, Geburts- und Todesjahr meines Papas als Intarsien verewigen.
Hierzu suchte ich mir eine passende Schrifttype im Netz, skalierte die Buchstaben und Zahlen entsprechend der gewünschten Größe und...

...bekam einen halben Nervenzusammenbruch, weil mein Drucker keine Tinte mehr hatte. (Der Drucker meiner Nachbarn war leider auch kaputt. Meine Frau war dann so lieb und ist losgefahren, neue Tinte zu kaufen. Samstag Abend. Zum Glück hat sie die passenden Patronen bekommen!)

Die Vorlage habe ich mir ausgeschnitten und mit Bleistift und Skalpell auf des Holz übertragen. Dann mit dem Dremel entlang den Konturen ausgefräst (hierbei habe ich verschiedene Gravier- und Fräsmesser genutzt).

Anfangs dachte ich, das Mahagonifurnier mit dem Skalpell schneiden zu können. Nach vielen Versuchen gab ich das allerdings ziemlich entmutigt auf.
An dieser Stelle völlig fertig mit den Nerven suchte ich nach Alternativen:
- Holzpaste?
- dunkler Lack?
- Beize?
- Holzpaste mit Lasur gefärbt?
Mit einem Reststück habe ich viel experimentiert, allerdings hat mich nichts davon überzeugt.

Endlich ein Geistesblitz: Dekupiersäge! Und damit das Funier nicht gleich bricht, lege ich es zwischen zwei MDF Platten (Reststücke).

Damit ich aber die kleinen Stückchen überhaupt sägen konnte, musste ich mir erstmal ein "zero-clearence-insert" für die Deku bauen - langsam geriet ich massiv in Zeitnot!

Dann halt Nachtschicht:
2 gleichgroße Stückchen MDF und für dazwischen ein Stückchen Furnier in Größe des Buchstabens zurechtsägen, Buchstaben drauflegen, mit Klebeband umwickeln, so dass ich kleine "Pakete" hatte die ich dann aussägen konnte.
Bei den filigranen Zahlen hatte ich die größten Probleme: für die 9 habe ich vier Anläufe gebraucht, bis ich auf die Idee kam, erst das "Loch" zu bohren und dann die Kontur zu sägen.

Die Buchstaben und Zahlen aus MDF habe ich dann noch benutzt, die Ausfräsungen behutsam den gesägten Konturen anzupassen, bevor ich das sensible Furnier hierbei wieder zerstöre.

Irgendwann war ich damit dann fertig.
Die Ausfräsungen habe ich zu 3/4 mit Fugenleim (wasserfest) gefüllt und dann die Furnierbuchstaben und -Zahlen eingebracht. Hierbei sei darauf geachtet, dass der Leim nicht heraustritt! Ein Holzreststück darauf gelegt und mit Leimzwingen zusammengepresst.

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Zusammenbau und Lackierung

Verkleben.
Trocknen des Endanstrichs

Ich habe drei 6mm Riffeldübel genommen und diese auf 2cm Länge gekürzt. Mit der Ständerbohrmaschine habe ich drei Löcher (1,2 cm tief) in die Ausklinkung des Längsbalken gebohrt und erst die Position mit Hilfe der Dübelspitzen in die Ausklinkung des Querbalkens übertragen, dann hier auch 1,2 cm tief gebohrt. Dübel eingeleimt und Leim großzügig auf die  Ausklinkung aufgetragen, dann mit Leimzwingen gepresst.

Nachdem der Leim fertig abgebunden war und ich das Holzkreuz mit dem Excenterschleifer (240er Körnung) noch etwas bearbeitet hatte, habe ich einen Grundanstrich aus 70% Bootslack und 30% Terpentinersatz aufgebracht. Den Zwischenanstrich habe ich mit 10% Terpentinersatz und 90% Bootslack gemacht. Vor dem Endanstrich (Bootslack unverdünnt) nochmal kurz mit 400er Körnung angeschliffen und diesen gerade noch rechtzeitig morgens um halb 5 Uhr am Tag vor der Beisetzung aufgetragen.

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Beisetzung

Ruhe in Frieden, Papa!

Du fehlst mir.


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