Gedrechselte Futterstation

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Rund gefällt mir besser
  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    4 €
  • Dauer
    1-2 Tage
  • Wertung

Beim Stöbern in mein Fundus fand ich ein altes Siloschauglas den ich seit etwa 25 Jahren mit mir herumgeschleppt habe. Das Schauglas hat ein Außendurchmesser von 20 cm, eine Wandstärke von 8 mm und ist 13 cm hoch. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern woher noch warum ich es habe aber, heute ergab sich (weil man ein langes Wochenende hat) die Frage, was soll ich damit anstellen?

Nach etwas überlegen schoss plötzlich und unerwartet ein Bild in mein Kopf. Boden dran, Deckel drauf und schon haben wir eine Futterstation für Vögel. Mein Gehirn brauchte etwas Zeit um das Bild zu vervollständigen doch alsbald das geschehen war, ging ich in meiner Werkstatt und legte auch gleich los.

Es gab für dieses Projekt so gut wie keine Planungsphase und folglich auch keine Skizzen oder dergleichen. Ich habe das ganze intuitiv hergestellt und habe mich voll und ganz auf das Bild im mein Kopf verlassen. Die einzige Vorüberlegung galt das vorhanden sein von alle Materialien die ich für dieses Vorhaben benötige. Das Holz fand ich ebenfalls im Fundus und es handelt sich hier um ein Stück einer alten Küchenplatte auf dem seinerzeit auf der Unterseite ein Aufkleber „Eukalyptus“ stand. Ob es sich hierbei wirklich um Eukalyptus handelt vermag ich nicht zu sagen. Die Platte ist Stabverleimt und ausreichend groß genug und dürfte also für mein Vorhaben geeignet sein.

Das einzige was ich dazu kaufen musste war eine Gewindestange M8 da ich diese nicht verfügbar hatte. Daher die geringe Kosten da ich alles andere bereits im Fundus hatte.

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Drechselbank
  • Schlagbohrmaschine
  • Akku-Bohrschrauber
  • Winkelschleifer
  • Stichsäge
  • Lineal
  • Bleistift
  • Zirkel
  • Woodcarverscheibe
  • Holzbohrer Ø9 mm Ø8 mm
  • Schleifpapier
  • Fächerschleifer
  • Vogelfutter
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Materialliste
  • 1 x Brett | Holz (60cm x 60cm x 4cm)
  • 1 x Augenmutter | Metall (M8)
  • 1 x Gewindestange | Metall (M8)
  • 1 x Unterlegscheibe | Metall (für M8)
  • 1 x Mutter mit Klemmteil | Metall / Kunststoff (M8)
  • 4 x Rundstab | Holz (Ø8 mm x 100 mm)
  • 1 x Schauglas | Glas (Ø20 cm x 13 cm)
  • 1 x Holzleim Wasserfest
  • 1 x Schnellschleifgrund

Los geht's - Schritt für Schritt

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Scheibenherstellung

Als erstes habe ich entscheiden müssen welchen Durchmesser der Deckel und Unterteil haben sollten. Beides musste sich an dem bereits vorhandene Schauglas orientieren. Bei dem Unterteil musste es ausreichend größer als das Schauglas sein damit eine Auffangvertiefung für das nachrutschende Futter eingebracht werden konnte. So kam es, dass ich mich auf 30 cm festlegte. Das Oberteil musste größer als das Unterteil sein damit Regenwasser nicht direkt auf das Futter fallen kann und so entschied ich mich hier für 40 cm Durchmesser.

Für das Unterteil hatte ich im inneren eine Kegelform vorgesehen. Diese sorgt dafür, dass das Futter in die Auffangvertiefung nachrutschen kann. Um diesen Kegel anbringen zu können mussten zwei weitere Scheiben geschnitten werden welche dann aufeinander verleimt werden. Ich habe diese beiden Scheiben für den Kegel mit Durchmesser 20 cm und 16 cm festgelegt. Hierbei habe ich bewusst in Kauf genommen, dass ich mehr Material zur Verfügung haben würde als vermutlich benötigt doch es war mir lieber mehr als zu wenig zu haben.

Ich markierte also alle Scheiben auf das Brett und sägte diese anschließend mit meiner Stichsäge aus.

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Scheiben für Unterteil

Die drei Scheiben für das Unterteil mussten ordentlich mit einander verbunden werden. Hier habe ich die Oberflächen zuvor sauber geschliffen und dann jeweils mit leim versehen. Diese habe ich dann gefügt und mittels Leimzwingen unter Druck gesetzt. Ich habe das Unterteil dann über Nacht stehen lassen damit der leim durchgehend binden konnte.

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Herstellung des Deckels

Schraubfutter auf Rohling
Innenraumgestaltung
Außen (oben)

Da ich an dem Unterteil nun nichts mehr ausrichten konnte wandte ich mich dem Deckel zu. Als erstes musste ich schauen an welcher Drechselbank es passen würde und zum Glück passte es gerade so an meiner kleineren Maschine. Also, Schraubenfutter eingedreht, in die Maschine gespannt und schon konnte es losgehen.

Nachdem ich den Rohling rund gedreht hatte habe ich die Innenseite plan gedreht und dann stach ich eine Nut ein der das Schauglas aufnehmen sollte. Dies stellt zum einen sicher, dass das Glas immer zentriert wird und zum anderen wird das Eindringen von unerwünschtem verhindert. Die Wandstärke des Schauglases beträgt 8 mm und da ich das Ganze nicht zu eng werden lassen wollte habe ich die Nutbreite auf 10 mm gedreht.

Als nächstes habe ich eine Abtropfkante hergestellt. Hierzu habe ich ein Umlaufender Einstich etwa 5 mm tief eingebracht. Die Abtropfkante sorgt dafür das sich sammelnde Regenwasser an der Kante hängen bleibt und von dort aus dann zur Boden Fällt. So kann es nicht an der Unterseite des Deckels entlanglaufen und ans Futter gelangen. Anschließend habe ich die Außenkante mit einer Rundung versehen. Dann habe ich die Innenseite grob (Korn 120) geschliffen. Da es sich hier nicht um ein Möbelstück handelt habe ich nur grob gearbeitet damit die Funktion erfüllt werden kann.

Nachdem die Innenseite fertig bearbeitet wurde habe ich die Scheibe umgedreht und dann die Außenseite bearbeitet. Wie man im Profilbild sehen kann habe ich eine gewölbte Kontur angedreht damit das Regenwasser ablaufen kann. Normalerweise hätte ich diese noch stärker gehabt doch die Materialstärke von 4 cm lies dies nicht zu und von dem gleichen Holz hatte ich nichts mehr verfügbar. Die Außenseite wurde dann geschliffen und ich habe das Ganze dann mit Schnellschleifgrund behandelt.

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Herstellung des Unterteils

Verleimte Scheiben als Rohling
Jetzt kann es losgehen
Es wird. Kegel ist fertig.
Unterteil im Profil
Da muss noch ein Loch hinein.

Nun war es an der Zeit mich mit dem Unterteil zu beschäftigen. Dieser war über Nacht gut gebunden und konnte von den Leimzwingen befreit werden. Ich schraubte als nächstes den Schraubenfutter auf der Rückseite ein und spannte es dann in die Maschine. Ich setzte auch die Spitze ein um zusätzliche Stabilität während des Drechselns zu erhalten.

Als erstes drehte ich den Rohling rund und dann begann ich die Kegelform herzustellen. Ich habe ich hier vollends auf mein Augenmaß und Fantasie verlassen. Gemessen habe ich davon nichts und ich kann nicht einmal sagen welcher Winkel der Kegel hat.

Nachdem die grobe Kegelform gedreht wurde musste ich eine Fläche erzeuge auf dem die Unterseite des Schauglases zu ruhen kommen wird. Diese sollte so ausgebildet sein, dass es gleichzeitig als Zentrierung für das Schauglas dient. Anschließend habe ich die Auffangsmulde für das Futter hergestellt. Hier war es mir wichtig, keine scharfen Innenkanten zu haben damit es sich besser reinigen lässt.

An der Außenkante habe ich ein umlaufende ca. dreiviertelstab angedreht. Hieran können sich die Vögel festhalten. Die Außenfläche habe ich dann schräg nach hinten verlaufen lassen und dann die Unterkante mit einer Rundung versehen.

Zum Schluss habe ich an der Pinole eine Bohrfutter befestigt und von vorn mit einem Bohrer Ø9 mm ein Loch in der Mitte gebohrt. Diese kann aufgrund des Schraubenfutters nicht durchgehend ausgeführt werden und den Rest habe ich später mit dem Akkubohrschrauber erledigt. Der Bohrdurchmesser 9 mm soll gewährleisten das die Gewindestange M8 gut und ohne zu klemme durchgeführt werden kann.

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Futterdurchlass

Die richtige Form erarbeiten
Schauen ob es Funktioniert.

Wenn ich das Schauglas auf den Unterteil stelle dann ist zu erkennen, dass diese keinen einzigen Korn durchfließen lassen würde weil es rundum verschlossen ist. Damit also Futter durchfließen kann müssen Aussparungen eingearbeitet werden. Hierbei kam es mir nicht auf dem Millimeter an und ich habe diese Schritt möglichst einfach aber funktionell erledigt.

Mit einem Bleistift habe ich alle 90° einen Strich gemacht und hiervon wieder jeweils ca. 1 cm rechts und links ein weiterer Strich. So habe ich Stege vorgezeichnet und alles was zwischen den Stegen liegt muss weichen. Um das Material zu entfernen bediente ich eines meiner Lieblingswerkezeuge, dem Winkelschleifer mit daran befestigte Woodcarverscheibe. Immer wieder stellte ich das Schauglas darauf und führte die „Erdnussprobe“ durch. Leider hatte ich übersehen diese bildlich fest zu halten doch es geht einfach darum, dass eine Erdnuss (möglichst eine große) ganz leicht durch den Spalt fallen muss. Klemmt der Erdnuss so muss mehr Material entfernt werden bis es passt. Wie komme ich auf „Erdnussprobe“? Wir kaufen unser Vogelfutter immer in 10kg Säcke und die darin enthaltene Erdnüsse sind die größten Bestandteile. Wenn also eine Erdnuss gut durchpasst so werden alle anderen Bestandteile ebenfalls durch passen.

Nachdem ich also alle vier Aussparungen mir der Woodcarverscheibe so hatte wie sie sein sollten habe ich diese Flächen anschließend mit einem Fächerschleifer (Korn 60) egalisiert. Dann habe ich das Schauglas draufgestellt und ein Glas Futter hinein gegeben und es passte und funktionierte alles perfekt.

Zum Schluss habe ich das Unterteil mit Schnellschleifgrund versehen. Hier geschah das nicht weil ich das Holz vor etwaige Witterungseinflüsse schützen möchte, sondern weil ich die Flächen am Kegel und Auffangmulde möglichst glatt haben möchte sodass das Futter gut nachrutschen kann.

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Sitzstangen anbringen

Die müssen nicht perfekt sitzen.

Die umlaufende dreiviertelstab an der Außenkante des Unterteils darf nicht das einzige auf das die Vögel landen können bzw. sich festhalten können. Daher habe ich jeweils mittig zur Austrittsöffnung eine Bohrung Ø8 mm eingebracht. Hierin habe ich dann Sitzstangen eingeschlagen. Ich habe diese nicht verleimt denn sie sitzen ausreichend Fest sodass dies nicht nötig ist. Da sie aus Buchenholz sind gehe ich davon aus, dass diese nicht sehr lange halten werden und da ist es einfacher sie zu ersetzen wenn kein Leim verwendet wird.

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Zusammenbau

Sitzt alles wunderbar
Die Metallteile
Ich bin sehr zufrieden.

Gleich beim ersten Mal zusammenbauen hat alles perfekt gepasst. Ich hatte keine Lust die Länge der Gewindestange mittels Messen zu ermitteln und habe es mir daher einfach gemacht. Unten an der Stange habe ich die Scheibe und Mutter angebracht und diese dann von Unten durch alle Teile geführt. Dann legte ich die Augenmutter daneben und Peilte wo ich die Flex ansetzen muss. Kurzer Moment danach und schon hatte die Gewindestange die richtige Länge.

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Aufhängen und Befüllen

Sieht soweit gut aus.
Die Vögel können kommen.

An unser Weindingens draußen habe ich einen Haken befestigt und dann die Futterstation zur Probe aufgehängt. Sah recht gut aus also habe ich es wieder abgenommen und mit Futter befüllt.

Da ich alles „aus dem Bauch“ heraus gefertigt habe wusste ich nicht wie viel Futter es fassen würde. Es fasst 1,5 kg Vogelfutter was mehr als ausreichend sein dürfte. Die Befüllung ist denkbar einfach. Station abnehmen, auf dem Boden stellen (damit die Gewindestange nicht herausfällt), Augenmutter abschrauben, Deckel abnehmen, Futter einfüllen, Deckel wieder drauf, Augenmutter draufschrauben, aufhängen und freuen.

Ich habe bewusst auf ein Wetterschutzanstrich verzichtet denn, die Vögel sollen keinen Schaden davon tragen. Wenn es also 5 Jahre halten sollte bin ich schon zufrieden und wenn es an der Zeit ist, dann mache ich einfach ein neues.

Wie zeitweilig bereits angemerkt, habe ich die Teile welche das Schauglas halten mit reichlich Spiel versehen. Das hängt einfach damit zusammen, dass ich nicht genau weiß welche Auswirkungen Temperaturwechsel auf das Holz haben wird. Hätte ich alles zu passgenau hergestellt und sich das Holz dehnt dann hätte das womöglich zur Folge, dass das Schauglas Schaden nehmen könnte.

Dieses Projekt entstammt eher einer Laune weil ich etwas Zeit und passendes Material zur Verfügung hatte. Es wird den wenigsten gelingen das gleiche nach zu bauen weil das passende Schauglas fehlen könnte doch es reicht aus um auf zu zeigen wie es mit anderen rohrähnlichen Werkstoffe funktionieren könnte.

Ich hoffe ihr hattet Freude daran diese Projekt zu betrachten und vielleicht habe ich hier den einen oder anderen neue Impulse für ein eigenes Projekt geliefert und selbstverständlich beantworte ich Fragen sollte jemand etwas wissen wollen.


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