Flaschenöffner

Auf Pinterest teilen per E-Mail teilen IC-send-mail Drucken IC-print-circle
  • Schwierigkeit
    leicht
  • Kosten
    3 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Wertung

Mein Nachbar, der Rudi, hat morgen Geburtstag - und ich noch kein Geschenk für ihn!

Mal überlegen was ich ihm schenken möchte:
- was persönliches
- mit hohem Gebrauchswert
- schnell gemacht
- hübsch anzusehen

Rudi ist leidenschaftlicher Gärtner. Als im letzten Jahr (ob der reichen Ernte) ein Ast von seinem heiß geliebten Apfelbaum brach, war er nahezu am Boden zerstört weil er es versäumte, den Ast rechtzeitig abzustützen. Den abgebrochenen Ast hat er damals in handliche Rundlinge zersägt und im Stadl nebenan gelagert.

Vor zwei Wochen habe ich mir einen lange gehegten Traum erfüllt und mir eine neue Drechselbank gekauft, die Miditec FU-175 und bin seitdem fleissig am üben, Eckiges rund zu machen.

Und so war die Idee geboren! Nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau ("kann ich ein Stück von dem Holz haben?") konnte ich auch schon mit der Arbeit beginnen.
Seht selbst:

Andere Projekte von mir findet ihr HIER

Du brauchst

Icon my-product Icon--my-product-black-48x48
Werkzeuge
  • Drechselbank
  • Drechseleisen
  • Schleifpapier in verschiedenen Körnungen
  • Schleifvlies
  • Baumwolltuch
Icon confirmation Icon--confirmation-black-48x48
Materialliste
  • 1 x Aststück | Apfelbaum
  • 1 x Kapselheber mit Angel | Zink-Druckguß
  • Carnaubawachs
  • CA-Kleber

Los geht's - Schritt für Schritt

1 6

Werkstück vorbereiten

Ankörnern
und auf der anderen Seite mit Nachdruck!
damit der Mitnehmer im Werkstück steckt
Schutzkleidung nicht vergessen!

Im Stadl finde ich ein hübsches Stück Ast vom Apfelbaum: gerade gross genug, ohne Untermieter und anscheinend rissfrei. Außerdem trocken genug wie mir scheint.

Zuerst markiere ich auf der einen Seite die Mitte (Pi mal Auge, muss nicht 100% genau sein). Auf der anderen Seite schlage ich den Vierzackmitnehmer mit einiger Vehemenz ins Holz, damit der auch sicher drin steckt.


ACHTUNG:
Wohl das wichtigste beim Drechseln ist die Schutzkleidung: Atemmaske und Schutzbrille sind die Mindestanforderung!

Auch eine an den Ärmelbündchen verstellbare Jacke macht Sinn, da man ansonsten den Ärmel bald voll Holzspäne hat.

Insgesamt sollte die Kleidung möglichst anliegend sein, wie immer bei drehenden Maschinen.

Auch sollten lange Haare zusammengebunden oder sonstwie aus der Gefahrenzone gebracht werden.
Da kann ich nur leider kaum mitreden wie man sieht...

2 6

Bohrung anbringen

Die Angel des Kapselhebers hat einen Durchmesser von 8mm. Folglich muss man ein 8mm Loch indas Aststück einbringen. Entweder an der Ständerbohrmaschine oder einfach an der Drechselbank!

In den Reitstock stecke ich ein Bohrfutter mit Morsekonus (MK) 2, darin habe ich bereits den 8mm Spiralbohrer eingespannt.

Während der Spindelstock mit ca. 500 Umdrehungen/Minute dreht, kann ich jetzt ganz gemütlich mittels Pinolenvorschub des Reitstocks den Bohrer 50mm in das Holz treiben, so lang ist nämlich die Angel des Kapselhebers.

Danach das Bohrfutter entfernen und den Mitlaufkörner einstecken. Jetzt kann ich den Ast bequem zwischen Vierzackmitnehmer und Mitlaufkörner (In die Bohrung gesetzt) einspannen.

3 6

Schruppen & grob formen

Zunächst stelle ich mir die Handauflage ein: die Höhe circa auf Höhe der Mittelachse und nur wenige mm vom Werkstück entfernt. Das Werkstück muss sich aber komplett drehen können, ohne irgendwo die Auflage zu berühren!
Also vor dem Anschalten der Drechselbank unbedingt immer nochmal per Hand durchdrehen!!

Unter "schruppen" versteht man den raschen, groben Materialabtrag.
Dazu nehme ich meine Schruppröhre, beginne kurz vor dem rechten Ende des Werkstücks und ziehe mit anliegender Schneidfase nach rechts aussen. Wichtig dabei ist, dass das Werkzeug immer auf der Handauflage (ist ja eigentlich eher eine Werkzeugauflage) aufliegt. So wie es der Name ja auch vermuten lässt.

Den nächsten Schnitt beginne ich dann etwas weiter links und ziehe die Schruppröhre wieder nach rechts. Und so weiter.
Den letzten Schnitt auf der Linken Seite mache ich dann genau anders herum und ziehe die Schruppröhre von rechts nach links.

Nachdem die Rinde ab ist, beginne ich damit, dem Holz bereits die grobe Form zu geben. Dabei arbeite ich immer "vom großen zum kleinen Durchmesser", d.h. das Werkzeug bewege ich immer von der großen Rundung zur Kleinen.


4 6

Schlichten und fein ausformen

Durchmesser des Flaschenöffners an der Angel
...mit Bleistift auf das Holz übertragen
Wo gehobelt wird fallen Späne? Ich bin der Meinung: beim Drechseln noch viel mehr!

Die Schruppröhre hinterlässt (wenn stark angestellt) ein ziemlich rauhes Holzbild, daher gehe ich mit einem Ovalmeissel hier nochmal drüber. Muss nicht sein, aber ich bin ja noch in der Übungsphase!
Wenn man nicht abrutscht (ok, ich geb's ja zu!), bekommt man hierdurch ein Holzbild wie mit einem scharfen Hobeleisen!

Die endgültige Form gebe ich dem Holz im Anschluss mit einer 9mm Formröhre. Hiermit eine homogene Oberfläche, also ohne Rillen oder Riefen zu bekommen, ist schwieriger als gedacht!
Irgendwann bin ich aber zufrieden.

Damit der Kapselheber auch gut sitzt, übertrage ich jetzt den Durchmesser vom Flansch auf das Werkstück und drechsle die Rundung passend bis zu dieser Markierung.

Am linken Ende entdecke ich einen kleinen Riss im Holz. Kurz dahinter markiere ich mit dem Meissel und drehe mit dem Abstechstahl eine Sollbruchstelle an.

Jetzt erstmal Späne beseitigen...

5 6

Oberflächenfinish

Zwar sind auf der Holzoberfläche kaum Werkzeugspuren zu erkennen, allerdings möchte ich eine völlig glatte und weiche Oberfläche erreichen!
Deswegen greife ich zum Schleifpapier und Schleifvlies: Beginnend mit Korn 180, dann 240, 320, 400, 600 und zum Schluss noch mit Korn 1200. Jetzt ist das Holz richtig schön glatt.
Sicherheitshalber wird die Handauflage hierbei weggedreht bzw. entfernt, versteht sich ja von selbst.

Als nächstes stellt sich mir die Frage: Ölen oder wachsen?
Irgendeine Oberflächenbehandlung ist hier ratsam, der Flaschenöffner soll ja auch benutzt werden!
Ich entscheide mich für Wachs: die zu erwartende glänzende Oberfläche steht in einem netten Kontrast zum satinierten Metall des Kapselhebers.

Ein Stück Carnaubawachs wird sanft über das drehende Holz geführt, wobei die Reibungswärme das Wachs leicht anschmilz und sich mit dem Holz verbindet. Hier nur nicht zu viel Wachs auftragen, Carnauba ist sehr ergiebig! Im Anschluss daran wird mit einem Baumwolltuch (oder in meinem Fall einem alten Band T-Shirt) poliert.

Jetzt nur noch den Fuß vorsichtig fertig abstechen, diesmal nehme ich dafür die Spitze von meinem Meissel, während ich mit der anderen Hand das Werkstück stütze.
Den übrig gebliebenen "Dorn" entferne ich vorsichtig mit einem Cutter. Stechmeissel oder Schnitzmesser wären hierfür natürlich auch gegangen. Etwas Wachs auf den Fuß gegeben und mit dem Tuch nachgerubbelt.

6 6

Verkleben und Fazit

weitere Flaschenöffner aus Apfel, Walnuss, Kirsch, Esche und Douglasie
Tellerchen aus Hainbuche, Oberfläche unbehandelt

Zu guter Letzt die Angel des Kapselhebers mit dickflüssigem Sekundenkleber benetzen und zügig in das dafür vorgesehene Loch einstecken. Eventuell austretenden Kleber natürlich sofort abwischen.

Fertig ist der Flaschenöffner!

Dann kann ich ja morgen getrost gratulieren und mit dem Rudi auf seinen Geburtstag anstoßen! Das Getränk hierfür werden wir ja jetzt mit Sicherheit öffnen können.


Fazit:
Ich hatte es ja im Vorfeld schon mehrfach gehört: "Pass bloß auf, dass dich der Drechselvirus nicht befällt - den bekommst du nie wieder los!"
Darauf kann ich nur antworten: "Zu spät!"

Mannmannmann, macht das Spaß!
Der Geburtstag ist nun schon ein paar Tage her (Rudi hat sich tierisch gefreut und der Flaschenöffner hat sich gut bewährt), seitdem habe ich inzwischen einige andere Flaschenöffner und außerdem einen kleinen Teller (mein erster Versuch im Querholzdrechseln) gemacht.
Natürlich passieren mir immer mal wieder Fehler (z.B. Schneidfase liegt nicht an, zu viel Materialabtrag, Proportionen nicht ganz stimmig usw), aber mit Vorsicht und Ruhe bei der Arbeit lerne ich daraus und versuche, diese in Zukunft zu vermeiden.

Die von mir beschriebenen Drechseltechniken und damit verbundenen Gefahren habe ich mir in erster Linie über Videos von Holzwerken TV (Martin Adomat), sowie diverser YT Videos angeeignet.

Irgendwann (wenn ich dann wieder Geld übrig habe) mache ich auch einen Drechselkurs für Schalen/Schüsseln - Das ist nämlich doch ein ganz anderes Kaliber und ungleich gefährlicher.

Ich hoffe, euch gefällt mein kleines Projekt.



Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


Tags

Meinungen und Reaktionen

Wie hat dir das Projekt gefallen? Indem du deine Meinung mit uns teilst, hilfst du uns und anderen Community-Mitgliedern zukünftige Inhalte zu verbessern.

  • Wertung