Farbmuster für Dekorwachse und Öle

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    1 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Wertung

In Farbfachgeschäften und Baumärkten gibt es häufig von den Farbenherstellern von Wachsen, Ölen und Lasuren Farbmusterkarten oder Tafeln an denen man die Farbtöne und die Oberflächen der Produkte sehen kann. Häufig werden hierzu sehr neutrale Holzsorten wie Limba, Ahorn oder Birke verwendet. Wie die Wirkung aber auf den hierzulande üblichen Holzarten wie Fichte, Kiefer, Buche oder Douglasie ist, bleibt dem Anwender als Überraschung vorenthalten. 


Sodann hat man als ambitionierter Heimwerker, Häusles- und Gartenbesitzer nach kurzer Zeit ein Sammelsurium der unterschiedlichsten Arten der Oberflächenbehandlungsmittel und meist davon halb volle Dosen. Bei RAL-Farben ist das ja kein Problem, aber was bei dem einen Hersteller sich Eiche nennt, kann beim anderen durchaus Teak heißen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. 

Wenn man doch nur solche Farbtafeln zuhause hätte ... Warum macht man sich solche nicht einfach selbst? Ich habe mir vor längerer Zeit vorgenommen, künftig immer ein Holzstück mit entsprechendem Farbmuster auf die Dose mit in den Farbenschrank zu legen. Aber wenn man dann malert ist alles andere wichtiger. Und so blieb es bisher wie es war. 

Aber dieser Tage hatte ich wirklichen Handlungsbedarf. Mein Sortiment an Ölen und Wachsen hat per Restpostenausverkauf enormen Zuwachs bekommen. Und so habe ich mir einen Farbmusterstab erfunden. Erfunden deshalb, weil ich so etwas bisher noch nicht kannte. Täfelchen oder großformatige Platten mit Farbmustern sind mir zu ungeschickt. Klein sollte das Ergebnis sein und nicht wirklich Platz wegnehmen. 

Den Weg zum Farbmusterstab zeige ich Euch hier. Viel Spaß beim Lesen und vielleicht auch beim Nachbauen!




Los geht's - Schritt für Schritt

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Vorwort: Super-Schnäppchen - 500 Euro gespart

Dieser Tage ging mir mein Dekorwachs mit der Farbe „Schnee“ aus. Also rasch in den Baumarkt. Leider hatte unser Obi dieses Wachs nicht im Angebot. Also zum nächsten Markt: Toom. Ja, hier wird Osmo geführt, aber das Regal war ziemlich leer geräumt und interessanterweise alles extrem reduziert. Leider gibt es die Sorte „Schnee“ nicht mehr, aber dafür „Weiß“ und „Seide“. Am besten nehme ich einfach beides und schaue, was „Schnee“ am nächsten kommt.

Aber der Preis: Die kleine Dose kostet üblicherweise um die 18 Euro. Hier kostet sie nur 2,40 Euro! Wow! Da nehme ich doch direkt von jeder Variante eine Dose mit. Toom nimmt wohl Osmo komplett aus dem Sortiment.

Nach einem Tag Bedenkzeit und etwas Preisrecherche im Internet habe ich mich entschieden. Mit Osmo war ich bisher sehr zufrieden und so kaufe ich so ziemlich alles was noch verfügbar ist. Jede Farbtönung zumindest eine Dose - eine Dose reicht für 9 Quadratmeter. Das wird paar Jahre reichen. Dann noch paar Dosen Hartholzöl (6 statt 20 Euro) eine Dose High Solid Hartwachsöl ... Kann man eigentlich immer brauchen. 

Das farblose und weiße Dekorwachs kaufe ich gleich im 2,5 Liter-Eimer. Der kostet jeweils 10 Euro anstatt einem Regulärpreis beträgt von sonst 70 Euro. Insgesamt kaufe ich An den beiden Tagen Wachse und Öle für 60 Euro und habe so über 500 Euro gespart. Ein absolutes Baumarktschnäppchen. Das freut sich der Schwabe ;-)

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Platz finden und erstes Ausprobieren

Auf einem Hängeschrank finde ich noch ein Plätzchen für meine neue Sammlung - jetzt wird erst Mal gestapelt und sortiert, die bereits vorhandenen Osmo-Dosen hinzugestellt und auch zwei Leerdosen mit Wachsen aus den 2,5 Liter-Eimern abgefüllt. Ich denke, das ist viel praktikabler.

Bevor man aber irgendwann in einem Projekt Holz beschichtet, möchte man wissen, wie es später ausschauen wird. Also mache ich mir zunächst mal erste Farbmuster auf Hölzchen. So sieht man die Wirkung der verschiedenen Öle und Wachse. Soll die Wirkung intensiver sein, wird Öl bzw. Wachs nach einer Trocknungszeit ein zweites Mal aufgetragen.

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Aufrühren der Wachse und Öle

Beim Erstellen der ersten Farbmuster rühre ich auch mal alle Dosen ordentlich auf. Besonders bei den Dekorwachsen setzt sich schnell das Pigment ab.

Dazu habe ich schon seit langer Zeit spezielle Farbrührer im Einsatz, die ich Euch zeigen möchte:

Ich verwende ganz normalen Elektroleiter mit dem Querschnitt 2,5 Quadrat. Der ist deutlich stabiler als der normale Leiter. Man kann natürlich auch 3 Leiter mit 1,5 Quadrat miteinander verdrillen. Dann biegt man sich den Draht in eine Quirlform und spannt ihn in den Akkuschrauber. Bei kleinen Dosen lässt man den Schrauber auf Stufe 1, bei größeren Dosen auf Stufe 2 laufen.

Aus einem Bohrer mit Sechskantschaft habe ich mir einen kleinen Rührer für den IXO gebastelt, die Langsamkeit des IXO ist bei sehr kleinen Dosen perfekt damit es nicht spritzt.

Die anhaftende Farbschicht lasse ich in der Regel einfach trocknen und so kann der Quirl nach einigen Tagen wieder verwendet werden. Bei den Ölen wische ich diese einfach mit einem Tuch ab. Und von Zeit zu Zeit biege ich mir einfach neue. 

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Mein Farbmusterstab entsteht

Schnell stelle ich fest, ich brauche etwas dauerhafteres als irgendwelche Holzreste aus der Werkstatt. Schön wäre so eine Kette mit Farbtäfelchen wie im Baumarkt. Aber jetzt eine Menge Täfelchen zusägen? Und dann sollte das Holz ja auch nur paar Millimeter stark sein. Und relativ neutral, idealerweise mit Maserung. Schön wäre Fichte-Furnier. Habe ich aber nicht. Aber ich habe jede Menge Leisten.

Genau! Ich mache mir einen Farbmusterstab.

Ich suche mir also eine Leiste, säge die zu einem Quadratstab mit Seitenlänge von einem Zentimeter. Als nächstes markiere ich Abschnitte von 5 cm Länge auf dem Stab.

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Nuten auf der Kappsäge

Meine Festool Kapp-Zug-Säge KS 60 hat eine tolle Nutfunktion. Man kann die Schnitttiefe begrenzen. Und das mache ich auch. Ich säge etwa 2 mm ringsum in die Leiste. Und das alle 5 cm. So bekomme ich sehr ordentliche Abschnitte. So kann das jeweilige Öl nicht in den nächsten Abschnitt verlaufen und ich kann es problemlos auftragen. 



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Wachse und Öle auftragen

Der Stab hat vier Seitenflächen. Und so bietet es sich an, immer zwei für das gleiche Dekor zu verwenden. Eine Seite mit einem Auftrag, eine weitere mit einem zweiten Auftrag. So kann man die unterschiedliche Wirkung von einem oder zwei Aufträgen später gut erkennen. Die weiteren zwei Seiten werden dann für einen anderen Dekorauftrag genutzt.

Jedes zweite Feld bleibt unbeschichtet, denn dort wird die Beschriftung angebracht.

Wichtig ist, dass man die Dosen so aufreiht, wie man den Stab beschichtet, so dass man später auch noch weiß, was wo ist. Bei den sehr ähnlichen Beschichtungen ist das zwingend notwendig. Die Beschichtungen sind sich teils sehr ähnlich!

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Die Beschriftung

Hierzu verwende ich meinen Dymo mit Plastik-Aufklebern. Die Beschriftung ist dadurch wasserfest und ordentlich. Der Aufwand lohnt sich, da ich bei der Menge an unterschiedlichen Wachsen und Ölen auf viele Jahre versorgt sein werde. Und der Stab wird folglich auch viele Jahre gute Dienste leisten. 

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Die Etiketten

Auf jedes Etikett kommt die exakte Bezeichnung wie es auf der jeweiligen Dose steht. Da ich auch noch einige andere Öle gerne verwende werden diese auch auf den Stab aufgebracht und beschriftet. Dazu gehört das Festool Heavy Duty-Öl. Ein stark anfeuerndes Hartöl das auch für den Außenbereich sehr gut verwendet werden kann. Oder das PNZ Holzwachsöl das wirklich farblos aushärtet und bei einmaligem Auftrag praktisch unsichtbar ist. Eine absolute Seltenheit, denn Öle verdunkeln das Holz eigentlich immer.

Die Etiketten werden gedruckt und aufgeklebt. Der Überstand wird mit einem Cuttermesser bündig abgeschnitten. Zum Schluss werden die Kanten mit Schleifpapier P 320 noch gebrochen. So können die Etiketten beim Gebrauch des Farmusterstabes nicht so leicht abgerissen werden.

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Die einzelnen Farbmuster

Wer sich für die einzelnen Ergebnisse interessiert, hier die Muster. Allerdings ist die Farbe nicht wirklich dem Original entsprechend - dem iPhone und der Beleuchtung ist es geschuldet. 

Da ich die Trocknungszeit noch zu beachten hatte, ist momentan noch nur eine Schicht aufgetragen. Sobald ich Zeit habe werde ich auf einer Seite die zweite Schicht auftragen, so dass ich dann auch den direkten Vergleich habe.

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Ein paar Empfehlungen zu Wachsen und Ölen

Da ich ohnehin schon mitten im Thema bin, noch ein paar grundsätzliche Informationen zu Ölen und Wachsen.

Man kann durchaus mit Ölen und Wachsen experimentieren und je nach Vorarbeit und Reihenfolge unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Wasserfestigkeit, Glanzgrad, Färbung und Anfeuerung des Holzes variieren deutlich je nach Schliff, Zwischenschliff und anschließender Politur.

Bei einigen Wachsen ist es auch ratsam zunächst zu ölen und dann zu wachsen. Oder erst zu wachsen und danach ein Hartwachs aufzutragen. Das ist eine Wissenschaft für sich.

Aber ich experimentiere gerne und bevor ich zur Beschichtung von wertvolleren Projekten schreite, mache ich mir an einem Reststück des Holzes eigentlich immer vorher Versuche um das optimale Ergebnis zu finden.

Sodann ist der Grundschliff und der Zwischenschliff des Holzes zu beachten. Vor dem Auftrag des Wachses empfiehlt es sich nur bis P 240 zu schleifen. Sonst wird es zu glatt und das Wachs hat wenig „Halt“. Bei Ölen ist das unerheblich, da kann die Fläche spiegelglatt sein. Aber warum bis P 320 schliefen, wenn P 240 erst mal genügt. Nach Trocknung des ersten Ölauftrages kann man dann auf P 320 schleifen und den zweiten Schlussauftrag vornehmen.

Insofern sollte man bei hochwertigen Projekten sich die Zeit nehmen und vorher ein paar Tests zu machen, welche Variante einem dann am besten zusagt. Dazu ist mein Musterstab sehr hilfreich. Ich sehe zumindest die genaue Grundvariante des Auftrages und kann mich dann schon mal für den ersten und den zweiten Auftrag näherungsweise entscheiden. Den Rest ergeben dann die anschließenden Tests.

Im Bild: Eine perfekt glänzende Oberfläche - zweimal gewachst nach einem Endschliff mit P 320. Die Fläche wurde nach etwa 30 Minuten mit einer Rosshaarbürste poliert und nach Trocknung von 24 Stunden nochmals in Maserrichtung gebürstet und dann mit einem weichen Baumwolltuch aufpoliert. Die Oberfläche ist spiegelglatt und wasserabweisend (Staunässe wird Flecken geben).

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Der Farbmusterstab ist fertig

Nun habe ich also meinen Farbmusterstab fertig. Einfach auf die Farbdosen zu legen ist nicht mein Stil. Er braucht einen besonderen Platz, einen wo er nicht stört. Ich hänge ihn über den Dosen an die Decke.

Zwei kleine Schraubhaken in die Holzdecke und ich kann den Stab einfach aufhängen und bei Bedarf herunter nehmen. Für mich eine perfekte Lösung. (Bild 4)

In Bild 2 und 3 sieht man, dass der Aufdruck auf der Dose nicht der Wirklichkeit entsprechen muss. Matürlich könnte man sagen, da wurde mehr aufgetragen. Klar, aber zum einen schreibt Osmo dass man sehr sparsam auftragen soll, zum anderen will man ja nur eine minimale Wachsschicht. Zu viel klebt und lässt auch Staub kleben. Also weniger ist mehr!

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Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ...

Ja, ich brauche einen zweiten Stab. Weshalb? Man könnte nun von einer wundersamen Vermehrung sprechen:

Dieser Tage war ich auf der Internetseite von Osmo und dort gibt es das Angebot, sich Mustertütchen von Farben schicken zu lassen. Man kann sich 5 Varianten auswählen und bekommt diese kostenlos. „Naja“ denke ich, die Enkelkinder wollen ja auch mal buntes Spielzeug. Grün und Blau fehlen mir eigentlich. Dann bestelle ich mal Muster und kann mal testen wie solche Farben wirken. Ich habe dann noch ein paar Sätze zu „treuer Kunde“ geschrieben und fast schon wieder vergessen, dass ich Muster angefordert habe.

Heute kam dann die Post. Ein kleiner Karton von Osmo. Anstatt kleiner Tütchen mit Inhalt für 20 bis 30 cm Auftrag bekam ich vier Farbdosen für je 3 Quadratmeter zugeschickt. Das nenne ich guten Kundenservice! Ich habe mich riesig gefreut und habe weitere 4 Schätze in meiner Sammlung! Die Farben sind übrigens richtig knallig und bei einmaligem Auftrag wirklich transparent, bei zweimaligem Auftrag deckend. Musste ich ja gleich mal ausprobieren. Schöner Seidenglanz nach dem Abbürsten. 

Doch auf meinem Farbmusterstab ist kein Platz mehr! Ich brauche folglich einen zweiten. Traurig bin ich nicht darüber, denn im Schrank stehen ja noch paar andere Sachen wie Leinöl, Leinölfirnis, ein Orangenöl, das Lumberjack-Antik-Öl und und und.

Jetzt stehen auf meinem Hängeschränkchen über 10 Liter Osmo-Produkte - das sollte für rund 200 Quadratmeter Holz ausreichen.
Irgendwie frage ich mich gerade, wer braucht eigentlich so viele verschiedene Öle und Wachse? Brauchen nicht, aber wenn man das hat, fühlt man sich einfach besser :-)


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