Drainage mit Tonrohren

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    120 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Wertung

Nachdem wir unser Häuschen von innen beinahe komplett auf links gezogen haben ist jetzt, pünktlich zum Sommer, der Garten dran. Als erstes wurden einige Tonnen hässliche Betoneinfassung ausgebaut und entsorgt. Danach ging es der allzu üppigen Botanik an den Kragen. Meine Brechstange, mein Spaten und ich haben dann auch einige ansehnliche Baumwurzeln entfernt, bei denen mir noch nicht so klar ist, wie ich die entsorgen soll. Aber bei all dem gab es ein Problem, das blieb: Der Rasen war sehr nass und blieb auch lange nach dem letzten Regen sehr feucht und matschig. Da wir eh einiges an Fläche neu mit rasen einsähen wollen, haben wir uns entschlossen, den kompletten Rasen neu an zu legen. Also wurde der komplette Rasen einmal umgegraben um den alten Rasen los zu werden und den Boden aufzulockern. Außerdem haben wir ein paar Kubikmeter Reinsand mit auf der Fläche verteilt. Trotzdem war der Boden nach Regenfällen noch einige Tage sehr „teigig“. Ich habe dann mal probehalber ein paar tiefe Löcher gegraben und da wurde das Problem offenkundig: nach ca 50cm schwerem Mutterboden kommt eine mehr als 1,5m dicke Lehmschicht. Das Wasser kann also nicht, oder nur sehr langsam versickern. Als einzige Lösung viel uns hier eine Drainage ein. Aber wohin mit dem Wasser, das die Drainage sammelt? In das öffentliche Kanalnetz darf man das Wasser nicht einleiten, also bleibt nur die verrieselung auf dem eigenen Grundstück. Nachdem ich mich ein wenig in das Thema eingelesen hatte und alle Möglichkeiten, von Rigole über Sickerschacht, bis zur Maximallösung von Sammelbehälter mit Hauswasserwerk und Sickerdom als Überlauf in Betracht gezogen hatte, entschied ich mich für eine einfache Drainage mit 2 Sickerschächten. Allerdings sollen die „handelsüblichen“ Drainagerohre in Kies verlegt werden und die Kiespackung zusätzlich in ein Vlies eingepackt werden, um ein verschlammen zu verhindern (verzögern). Jetzt sollen, wie meistens, die Kosten für Material und Lieferung nicht ins astronomisch steigen. Außerdem muß ich alles von Hand ausschachten und den ganzen Schotter per Schubkarre durch die Garage in den Garten bringen.

Aber als Vermesser bin ich dann, berufsbedingt, auf eine alternative, günstige und obendrein ökologisch sinnvollere Lösung gestoßen......

Los geht's - Schritt für Schritt

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Zwischenspiel......kleine Vermessungskunde:

Drainrohr in ca 70cm tiefe
Flasche als Untervermarkung....der Grenzstein fehlt bereits

Der Vermesser und sein Gefühl fürs Buddeln...

Ich bin von Beruf Vermessungsingenieur. Als Vermesser im Außendienst sucht man öfters mal nach Grenzzeichen, die im Laufe der Zeit verschüttet wurden. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Manchmal buddelt man Löcher um Grenzzeichen zu finden, die seid 100 Jahren kein Tageslicht mehr gesehen haben. Dummerweise liegen diese Grenzzeichen meist an ziemlich unzugänglichen Stellen. Jeder der einen eigenen Garten hat kann sich ja mal überlegen, wie es in den Ecken Seines Gartens (wo die Grenzzeichen nun mal meistens stehen) so aussieht. Viele Grundstücke sind mit Hecken/Zäunen eingefriedet. In den Ecken stehen gerne Gartenhäuschen, Brennholzstapel oder Komposthaufen. Meist muss der Vermesser dann sein Loch zwischen Komposthaufen, Gartenhütte und Zaunfundament graben. Das bedeutet, das man mit der Zeit ein Meister des „Minimalinvasiven“ Buddeln auf engstem Raum wird. Aber nicht nur das. Man entwickelt auch ein gewisses Gespür dafür, ob sich die ganze Arbeit lohnt. Man betrachte den Boden in dem man gräbt. Sind die Erdschichten noch sauber voneinander getrennt, ist das graben meist vergebens. Sind die Erdschichten aber an einer Stelle vermischt, bedeutet das meist, das jemand zuvor an der Stelle gegraben hat und die Chance noch ein Grenzzeichen zu finden sind groß. Die Art der Grenzzeichen sind vielfältig. Das Kann z.B. ein Grenzstein aus Sandstein oder Granit sein. Ganz früher wurden auch oft einfach Findlinge gesetzt.
Beim graben selbst wird verdichtete Erde mit Fluchtstab oder Brechstange zuerst gelockert und dabei wird gleichzeitig ein wenig im Loch „sondiert“. Trifft der Fluchtstab beim „sondieren“ auf Widerstand, erkennt der erfahrene Vermesser am Gefühl und am Geräusch, ob es sich um die gesuchte Vermarkung handelt, oder nur um Steinchen oder Betonfundamente. Besonders dankbar sind Basaltgrenzsteine. Trift man beim graben mit dem Spaten, Fluchtstab oder Brechstange auf einen Basaltstein, gibt es einen ganz besonderen Ton. Der Ton lässt jedes Vermesserherz höher schlagen, denn er weiß jetzt: Das Ziel ist nah!
Wurde ein Grenzstein entfernt, ob vorsätzlich oder zufällig, oder steht er schief im Erdreich, sucht der Vermesser nach der Untervermarkung. Das sind unterschiedliche Dinge, die unter den Grenzstein gesetzt werden (daher Untervermarkung). Früher sollte so verhindert werden, das jemand den Grenzstein einfach zu seinen Gunsten versetzt. War der Grenzstein strittig und darunter wurde keine Untervermarkung gefunden war bewiesen, das der Grenzstein falsch steht. Als Untervermarkung wurden zuerst Glas- oder Tonscherben benutzt. Später auch Flaschen (ganz leichtes krazen,wenn die Fluchtstabspitze darauf trifft) oder auch Drainrohre..........(!)

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Die Drainrohre

Diese Rohre wurden sogar in meiner alten Heimatstadt hergestellt...

Diese Drainrohre (ca 33cm lange Tonrohre mit einem Durchmesser von ca 7cm und einer Wandstärke von ca 1cm) werden heute kaum noch verwendet. Glücklicherweise haben wir auf der Arbeit aber noch eine ganze Garagenrückwand voll mit diesen Drainrohren.... die keiner mehr braucht...warum also nicht diese Drainrohre ihrer eigentlichen Bestimmung gemäß „entsorgen“?

Der Vorteil einer Drainage mit Tonrohren ist, das die Tonrohre nicht in Kiespackungen und Flies eingepackt werden müssen. Also genau das richtige für mich....

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Sickerschächte setzen

fertiger Sickerschacht
hier sieht man auch das Problem.....
Das Regenwasser kommt nicht durch die Lehmschicht

Als erstes habe ich die Sickerschächte zur verrieselung gesetzt. Das ganze war ein kleines bisschen wie Glücksspiel. Die mögliche Tiefe der Schächte ist durch mein Handwerkzeug begrenzt. Da ich die Löcher mit einem Handbagger ausheben wollte. Bein den Probelöchern war die wasserdichte Schicht nach ca 1,8m noch nicht vorbei. Um das Wasser zuverlässig los zu werden musste ich eine Stelle finden, an der die Lehmschicht dünner war. Für die Schächte an sich habe ich DN160 HT-Rohre in 2m Länge besorgt. Dazu ¼ Kubikmeter Kies als Verrieselungspackung am Boden der Schächte. Das erste Loch war ein Reinfall. Nachdem der Handbagger schon komplett unter der Erde verschwand, habe ich noch einen „Tritt“ neben dem Loch gegraben, um nochmal ca 50cm tiefer zu kommen. Allerdings war beim ersten Loch die Lehmschicht auch nach 2,5m immer noch nicht durchdrungen. Schweren Herzens habe ich dann das Loch am Boden etwas aufgeweitet und ca 20cm mit dem Kies gefüllt. Darein habe ich dann senkrecht das HT-Rohr gestellt und eingebuddelt. Das Wasser kann hier zwar nicht besser verrieseln als sonst, aber ich habe sozusagen etwas Volumen gewonnen, in dem Regenwasser „Zwischengespeichert“ werden kann.

Beim 2. Loch habe ich mehr Glück gehabt. Nach ka 2,2 Metern gab es beim einstechen des Handbaggers statt dem bisherigem „Plomp“ ein schüchternes „knirsch...“. Ich war ziemlich erleichtert denn endlich war ich nach der ganzen Malloche am Ziel. Ich bin noch bis 2,5m runter und habe die Sohle wieder mit Kies bedeckt. Dann das HT-Rohr rein und drumherum erst mal mit Kies aufgefüllt und dann mit dem Lehm weiter verfüllt.

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Bretter vorbereiten

zu Leisten aufgetrennte Schalbretter
jetzt wird getackert
fertige "Schienen"
Liegeprobe

Nach etwas Recherche im Netz bin ich auf eine einfache Art und Weise gestoßen, die kurzen Tonrohre „wackelfrei“ zu verlegen. Dazu habe ich Schalbretter mit den Maßen 2x10cm in 2m Länge besorgt. Einen Teil davon habe ich der Länge nach in 4 Leisten aufgetrennt. Diese Leisten habe ich dann bündig an die Seiten der anderen Bretter getackert. So habe ich eine Art „Schiene“ bekommen, auf der die Drainrohre aufgereiht werden können.

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Gräben planen und ausheben

Der Graben
Gefälle herstellen
Schienen verlegen
HT-Rohr anbohren
Drainrohre verlegen
Seiten abstechen und verfüllen

Da ich ja nur einen wirklichen Sickerschacht habe, habe ich mich entschlossen eine direkte Verbindung zwischen den beiden Schächten zu schaffen. Und zwar mit Gefälle Richtung „funktionierendem“ Schacht. Läuft der „blinde“ Schacht jetzt voll, kann das Wasser über diese Drainageleitung in den funktionierenden Schacht laufen. Außerdem habe ich noch 2 weitere Drainagen geplant, die Sternförmig vom „guten“ Schacht ausgehen.

Wie für einen Vermesser üblich, habe ich mir die Lage der Gräben mit Holzpflöcken und Schnur markiert. Dann habe ich mit einem Massband die erforderliche Länge ausgemessen und die Gräben mit weißer Farbe auf dem Boden markiert.

Dann kam die Fleißarbeit. Zuerst den Graben über die ganze Länge bis auf die Lehmschicht ausgehoben. Danach mit einer Hacke das Gefälle des Bodens in die richtige Richtung hergestellt.
Die Holzschienen habe ich dann im Graben ausgelegt und ausgerichtet. Wo es etwas wackelig war habe ich etwas Erde darunter gegeben und festgestampft. Danach nochmal das Gefälle mit einer Wasserwaage geprüft.
Mit einer Löchsäge habe ich an passender Stelle ein Loch in das HT-Rohr gesägt. Dann wurden die Drainrohre dicht aneinander auf die Holzschienen gelegt. Das letzte Rohr habe ich mit einem Stein und etwas Lehm zugestopft, damit dort kein Schlamm eindringt.
Um den Graben zu verfüllen habe ich zuerst an beiden Seiten etwas vom Rand abgestochen und dann den Aushub wieder verfüllt. Verdichtet habe ich nicht, das kommt ja von alleine.

Jetzt wünsche ich mir fast Regen, damit ich sehen kann, ob die Drainage funktioniert....


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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