Die etwas andere Kinderküche oder was Großmutter noch wusste ...

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Großmutters Küche von links
Detail Kochkessel
Detail Backofentür
Großmutters Küche "befeuert"
Großmutters Küche von rechts
  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    400 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

Ein Jahr ist vergangen und der nächste Geburtstag meiner Kleinen weckt erneut den Handwerker in mir. Eine Kinderküche wäre doch was Tolles, denke ich mir - vor allem weil der Nachwuchs bereits seit einiger Zeit sehr aktiv mit Mama in deren Küche zu Gange ist. Ein Rundumblick im Handel offenbahrt: alles nur langweiliger Einheitsbrei, wahrscheinlich in irgendwelchen Fernostländern lieblos zusammengeschustert. Das kommt mir nicht in Haus, da gehe ich selber ran - kann ja nicht so schwer sein, sagt eine Stimme in mir. Was Besonderes sollte es dann aber schon sein, schließlich ist meine Kurze ja auch was ganz Besonderes. Aber was? Cerankochfeld mit Hinterleuchtung - gibt es schon. Mikrowelle - gibt es schon. All den anderen moderenen Kram - gibt es schon.

Schließlich bringt ein Familienurlaub im Schwarzwald den entscheidenden Impuls: liebevoll geschnitzt hängt an der Wand im Hoteltreppenhaus ein zünftiger Schwarzwaldkoch, der an einem urigen, alten, gemauerten Herd steht und etwas Nettes in seinen Töpfen zaubert! Ein Herd wie Oma ihn noch (nicht einmal) hatte, das wäre doch was. Das hat bestimmt niemand. Und lässt sich doch auch schnell machen, die paar Bretter aneinanderleimen...

Zwei Monate und viele, viele lange Feierabende in der Garage später ist sie nun (ternmingerecht) fertig: Großmutters bzw, Enkelins Küche im Miniaturformat. Features: "gemauerte" Kochstelle mit Kessel und Backoffen samt "schmiedeeisener" Ofenklappe und seitlichem Schlot, eine Herdplatte, beidseitige Handtuchhalter, zweistöckiger Regalaufbau mit Hängemöglichkeiten für Küchengerät, Kuckucksuhr, LED-Beleuchtung von Feuerstelle und Backofen - das Ganze im Retrolook.

Aber schaut einfach selbst ...

Du brauchst

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Werkzeuge
  • POF 1300 ACE  - Fräse (elektrisch)
  • PST 700 E  - Stichsäge, Feinschnittsäge/Säge mit NanoBlade-Technologie (elektrisch)
  • PKS 55 A  - Kreissäge (elektrisch)
  • PSR 10,8 LI-2  - Bohrschrauber, Bohrmaschine, Schlagbohrschrauber (Akku)
  • CSB 500 RE
  • PSM 80 A  - Schwingschleifer, Multischleifer (elektrisch)
  • Multifunktionswerkzeug
  • Oberfräse
  • Lötkolben Weller
  • Schraubzwingen
  • Führungsschiene
  • Schleifpapier
  • Lack
  • Bohrer
  • Bleistift
  • Zirkel
  • Winkeleisen
  • Böcke
  • Nerven ohne Ende
  • Viel Bier
  • Leim

Los geht's - Schritt für Schritt

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Entwurf

Werkbankidyll mit Skizzen

Die größte Schwierigkeit beim Projekt war eigentlich die Ideenfindung. Nachdem die höchste Hürde durch die zufällige Entdeckung des Schwarzwälder Kochs mit seinem rustikalen Herd genommen war hat eine Internetrecherche die weiteren Hinweise und Ausführungsdetails geliefert. Die Suche nach "Backofen alt" erbrachte per Google das Design für den Ofen und den Holzbunker darunter, "Kuckucksuhr alt" das Design der Uhr usw. Der Rest war Phantasie und ein ganzer Schwung Skizzen.
Für die Maße habe ich mich einfach an den im Handel erhältlichen Kinderküchen bzw. an den Abmaßen des im Baumarkt erhältlichen Leimholzes orientiert. So kam ich auf die Dimensionen Breite 100 cm, Höhe etwa 50 cm, Tiefe etwa 40 cm - den Aufbau natürlich nicht mitgerechnet.

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Bauweise

Frontplatte im Rohbau
Kastenbauweise mit doppelten Wänden
Kastenbauweise mit doppelter Rückwand
Details Kuckucksuhr und Ofentür

Die Bauweise der Kinderküche ist im Grunde trivial: ich habe aussschließlich im Baumarkt erhältliche Fichtenleimholzplatten 18mm und 28mm bzw. Kieferrundhölzer verwendet; nur für die Zeiger der Uhr habe ich auf Kieferschichtplatten zurückgegriffen, damit das Ganze nicht zu dick wird und trotzdem Kinderhänden widersteht.

Alle "Ornamente" wie das Mauerwerk habe ich nach dem Zusägen mit der Oberfräse eingebracht, teilweise mit Anschlag wie beim Aufbau, teils frei Hand wie beim Backofen. Für den Korpus und den Aufbau habe ich die zugesägten und bearbeiteten Teile beginnend mit Rück-, Seitenwand und Boden zusammengeleimt bzw. teilweise von innen über Eckleisten und von unten verschraubt.

Damit man die "Elektrik" nicht sieht habe ich teilweise mit doppelten Wänden gearbeitet, die den Kabelsalat verdecken. Dabei habe ich darauf geachtet, dass wesentliche Abdeckungen wieder abnehmbar sind, falls mal was defekt sein sollte.

Um reizvolle Kontraste zu erzeugen bzw. etwas vom Ton-in-Ton wegzukommen habe ich einige markante Teile wie die Arbeitsplatte, die Ofentür oder das Mauerwerk um die Feuerstellenöffnung herum vor dem Zusammenfügen in Goldteak gebeizt. In die Arbeitsplatte habe ich nach dem Beizen noch die "Herdplatten" mittels Zirkel und Oberfräse eingearbeitet, was einen sehr schönen Effekt ergibt, wie ich finde.

Die Ofentür ist ebenfalls aus mehreren, teilweise überfrästen Leimholzplatten und Rundhölzern zusammengeleimt. Die Löcher sind mit einem Forstnerbohrer und der Ständerbohrmaschine gebohrt und anschließend mit der Oberfräse verrundet.

Insgesamt stellte sich beim Bau immer wieder heraus, dass die Abfolge des Zusammenleimens enorm wichtig ist und gut überlegt werden muss, da man bei den kleinen Bauteilen schnell an nötige Stellen nicht mehr rankommt, insbesondere die Verkabelung betreffend.

Im Großen und Ganzen ist die Bauweise also kein Hexenwerk, man kann sich aber schnell in liebevoll zeitfressenden Details verlieren.

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Elektrik

Backofenschalter "AN"
Backofenschalter "AUS"
Detail LED mit Sockel
LED's im Test ohne Klappe
LED's im Test mit Klappe

Irgendwie fand ich die Idee witzig, dass die Feuerstelle auch feuerrot leuchtet. Da Elektrik nicht meine große Leidenschaft ist habe ich im Fachgeschäft nachgefragt und mir vier rote LED's mit Metallfassung, Netzteil und Verkabelung besorgt. Den ganzen Kabelstrang habe ich verlötet und zu einer sinnvollen Schaltung zusammengefügt - hat auch auf Anhieb geklappt. Das Netzkabel habe ich auf der Rückseite durch mehrere Bohrungen geschleift, quasi als Rucksicherung. Das Netzteil samt aller Verteiler sitzt an die (nicht ebenerdige) Bodenplatte geschraubt und ist mit einer eigenen Abdeckung vor Kinderhänden geschützt - genau wie alle anderen Kabel, die allesamt hinter Holz zugriffssicher verlegt sind. Die LED's habe ich in speziell gefertigte schräge Holzsockel mit Heißkleber eingeklebt, die Kabel sind aber lang genug, dass man die Teile bei Defekt auch wider aus- und durch neue ersetzen kann. Die schrägen Sockel sorgen für eine gute Ausleuchtung der "Innenräume".

Als Schalter habe ich einen ganz normalen Kippschalter verwendet, wie er an jeder IKEA-Lampe ins Kabel geklemmt ist. Damit das Teil schick aussieht habe ich es eingehaust und im Backofen eine kleine Öffnung in den Boden gefräst, durch die man nur den Schalter selbst sieht und bedienen kann. Meine Tochter hat das auf Anhieb kapiert und findet es anscheindend (wie ich) oberlogisch, dass man den Backofen innendrin an- und ausschaltet.

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Details

Rohbau Seitenansicht
Ansicht Handtuchhalter
Ansicht nächtliche Werkstattsauerei
Rohbau Kuckucksuhr
Detail Kuckucksuhr

Alle Details aufzuzählen wäre eine ganz schön langwierige Sache, daher möchte ich mich abschließend auf einige Details beschränken:

Für alle Metallteile habe ich entweder gelbverzinkte oder Messing stahlbauteile verwendet, z.B. für  Schrauben, Hutmuttern, Einschraubhaken, Ketten, usw. Die Teile habe ich natürlich nicht selber gemacht, sondern im Baumarkt gekauft.

Für alle Lagerstellen habe ich ein Priinzip angewandt, dass ich schon bei meinem Schaukelmotorrad benutzt habe: ich presse Abschnitte eines Messingrohrs mit 8mm Innendurchmesser in alle beweglichen Teile und verbinde diese mit Messing-Gewindestangen M8. Als Gleitfläche zwischen den Lagerstellen dienen Unterlagscheiben mit ausreichend großer Bohrung (allso 8,4mm). Durch die Länge der Rohrhülsen kann man erreichen, dass nicht das weiche Holz gepresst wird, zudem vermeiden sie ein Eingraben der Gewindestange in das Holz und damit ein loses Lager. Die Hutmuttern sichere ich einfach mit gewindekleber - fertig ist die Laube.

Den Schlot habe ich auch nur entworfen, gebaut hat ihn mir ein freundlicher Schweißer aus Stahlrohr der Wandstärke 3mm. Das Ganze wurde dann von einem nicht minder freundlichen Lackierer grundiert und im Farbton "Mausgrau" lackiert.

Die hübschen Enden der Handtuchhalter sind Schubladengriffe, die ich vor zehn Jahren mal in Ebay ersteigert habe. Die Schraubenköpfe der zugehörigen Befestigungsschrauben habe ich mit meiner Dremel (siehe Preis Schaukelmotorrad) abgeflext und in 1mm zu kleine Bohrungen in den Stirnseiten der Halter geschraubt. Das ist bombenfest.

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Finish

Omakücke von links
Omakücke von rechts
Detail Backofenklappe

Den ganzen Apparat habe ich zum Schluss (mit meiner Frau als emsiger Helferin) mit dem vom Motorradbau bewährten Klarlack auf Wasserbasis lackiert. Der Lack ist seidenmatt und erzeugt eine spielzeuggerechte, vergleichsweise harte Oberfläche für das weiche Fichtenholz. Eine alte Freundin hat noch ein paar handbestickte Putzlappen und Handtücher gespendet und Oma hat als i-Tüpfelchen noch einen kitschigen Vorhang für die Gardinenstange genäht.

So, das war's dann soweit von meiner Seite. Meine Tochter findet das neue Spielzeug genial und kocht nun den ganzen Tag. Ich hoffe Euch geht's genauso...


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