Couchtisch mit einer etwas anderen Deckplatte

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    250 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Öffentliche Wertung

Ein langer Traum.. geht endlich in Erfüllung!

Ich bin Vermessungsingenieur, mit Leib und Seele. Ich habe ein besonderes Faible für alte Karten; von Hand gezeichnet, coloriert und jede für sich einzigartig.

Seit sehr langer Zeit träume ich davon einen Tisch zu haben dessen Oberfläche mit einer alten Landkarte überzogen ist.

Diverse Firmen, Tischlermeister und Bastler habe ich befragt, keiner konnte mich zufriedenstellen. Knackpunkt war immer wieder: "Wie schütze ich die Karte?"
Der häufigste Vorschlag war:" Leg´ halt ne Glasplatte rüber..." Ich mag aber kein Glas als Tischoberfläche, ist einfach laut und wirkt so steril. Und passt generell nicht zu meinem Stil.

Also... selber machen!!!

Los geht's - Schritt für Schritt

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Planung

Couchtisch mit besonderer Deckplatte - Landhausstil

Den Tisch habe ich in SketchUp geplant. Die Idee für die Tischplatte sah wie folgt aus. Eine große MDF-Platte, 19mm, bildet die Basis. Auf ihr befindet sich ein Rahmen aus Buche-Leimholz(18mm) In der Mitte wiederum eine MDF-Platte(15mm) Auf diese wird die Landkarte aufgeklebt und dann mit einer ca. 3mm dicken Schicht Epoxyd-Harz versiegelt. Zusätzlich sollte der Tisch drei Schubladen und zwei Ablagefächer haben. Die Schubladenfronten ebenfalls auch Buche-Leimholz. Die vier Füße sollten aus Fichte-Konstruktionsholz entstehen.

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Zuschnitt

Zuschnittplanung
Alles zugesägt!

Auch den Zuschnitt der Buche-Leimholzplatten aus dem Baumarkt plante ich in Sketchup um die Platten optimal ausnützen zu können.

Die insgesamt drei großen MDF-Platten ließ ich direkt im Baumarkt auf Maß sägen. Ich selber nutze mal wieder die Tauchsäge von meinem Bruder(Mittlerweile habe ich meine eigene!) und meine Stichsäge.

Um die Füße auf Länge zu bringen nutzte ich eine japanische Zugsäge

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Die Füße...

Es geht los...
Kerbe eingearbeitet
Nut eingefräst
Dübellöcher

An den Füßen musste jeweils ein Kerbe für die Aufnahme des mittleren Regalelementes eingebracht werden. Da diese Kerbe im 45° Winkel verläuft baute ich mir erstmal eine vernünftige Lade um das mit meinen Mitteln auch hinzubekommen.
Ich sägte mit der Zugsäge die Begrenzung entlang und stach es mit dem Stecheisen aus.
Um den Landhausstil widerzuspiegeln fräste ich mit dem Frästisch an die beiden jeweils sichtbaren Fußseiten eine Nut mit dem Hohlkehlfräser.
Zum Schluß wurden die Stoßpunkte der Zargen an den Füßen festgelegt um die Bohrungen für die Dübel vorzunehmen. Diese erfolgten mit dem Bohrständer.

Füße fertig...

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Sortieren

Festlegung der Position

Damit ab jetzt jedes Bauteil spezifisch bearbeitet werden konnte musste seine Position innerhalb des Tisches festgelegt werden. Also alles auf den Tisch und durchnummerieren. Begründung im nächsten Arbeitsschritt

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Dübelposition festlegen.

Verwendung von Dübelspitzen
Einsetzen der Dübel
"Probestecken" - es passt!

Mit Hilfe von Dübelspitzen habe ich nach dem Positionieren die Bohrlöcher der einzelnen Zargen auf die Tischbeine übertragen. Somit hatte jedes Bein seine spezifischen Dübellöcher und konnten auch nur an der vorherigen festgelegten Position eingesetzt werden

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Untere Platte und Zwischenregale

Zwischenregal

Leider hab ich von der unteren Platte kein Foto gemacht(Fragt mich nicht warum) Jedenfalls habe ich in jede Ecke eine Aussparung für die Pfosten gesägt. Nachdem ich sie eingesetzt hatte, habe ich die Maße für die Höhe der Zwischenregale gemessen und diese ebenso angefertigt. Sie sind aus MDF. Auf dem Foto sind zum einen die 45° Schnitte an den Ecken zu sehen, die nachher in die Pfosten eingesteckt werden sowie aber auch die rechteckigen Aussparungen für die oberen Zargen. Alle sichtbaren Kanten wurden mit der Oberfräse abgerundet.

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Die Tischplatte...

So soll´s aussehen
Nut an der Stoßkante

Als Basis diente eine 18mm MDF Platte. Dann als Umrandung 18mm Buche-Leimholz und in der der Mitte eine MDF Platte 15mm auf die nachher die Karte gelegt wird und dann die restlichen 3mm mit Harz aufgegossen bzw gefüllt.
Als erstes überprüfte ich nochmal ob alle Teile die richtigen Ausmaße hatten. Das ging schon mal gut. Jetzt musste der Frästisch alles geben.
Ich hatte die Idee, dass die Stoßkante von der MDF-Platte mit den Buchenleisten eine halbrunde Innen-Nut haben sollte. Das bedeutet, das jeweils mit dem Hohlkehlfräser eine viertel Rundung an der Kante hineingefräst werden musste. Also Anschlag der Fräse richtig einstellen, ein Probedurchlauf, und los ging´s. Die Leisten waren kein Problem, allerdings die große Platte war recht "unhandlich" und ich musste einiges an Kraft und Geschick aufwenden um die Nut richtig hinzubekommen. Letztendlich war ich vom Ergebnis mehr als positiv überrascht. Mit dem zweiten Foto nehme ich zwar das Endergebnis schon vorweg aber so wird´s deutlich was ich meine.

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Verzierungen

Klemmvorrichtung
Fräszirkel im Einsatz
links ohne Vorbehandlung gestrichen- recht mit
Dübel ins Schraubenloch gesetzt
Mit Sekundenkleber aufgesetzt

Es hätte so ein schöner Tag werden können. Eigentlich war alles ganz einfach...eigentlich...

Ich wollte an den Pfosten Verzierungen anbringen um die Schraublöcher zu verdecken.
Dachte ich mir:" Ok, das ist leicht. Einfach aus MDF ausfräsen, lackieren und fertig"
Der Plan war, dass aus einem 12cm Quadrat ein 10cm Kreis ausgefräst wird. Das Randmaterial wird in vier Teile gesägt, abgerundet und schon habe ich meine Verzierungen fertig. Gutes Nebenprodunkt: Neue Reifen für meine Enten .
Gut, ich fräste aus, rundete die Kanten mit dem Frästisch aus, bohrte die Löcher für die Dübel steckte die Dübel rein und zack... brach mir das gute Stück durch den Druck vom Dübel auseinander. Knapp 2 Stunden für die Katz weil ich bereits alle 8 Stück fertig gemacht hatte.
Ok, 2 Zigaretten später wieder neuen Mut gefasst und kurz umgedacht. Mach ich die also auch aus Buche. Nach noch einigen Schwierigkeiten, Unwegbarkeiten und einfach nur Dummheit waren die dann nach 4(!!!) Stunden fertig.Ich war mit den Nerven runter ABER im Endeffekt sieht das sogar viel besser aus-besserer Farb-Kontrast.

Aber...

irgendwie habe ich mich bei der Platte vermessen(Nicht schlimm, bin ja VERMESSUNGSingenieur) Es stellte sich heraus, dass ich meine mühselig hergestellten Elemente nur an den Längsseiten anbringen konnte. An den Stirnseiten schauten sie jeweils nen 1cm hervor - Mist...um Ansatzweise meinen Gemütszustand zu beschreiben und damit es jugendfrei bleibt.

Musste ich mir also was neues ausdenken um die Schraublöcher zu verdecken. Nach langem rätseln und umschauen kam ich letztendlich auf Holzrosetten. Für mich natürlich(!!!) in Windrosenoptik. Selber herstellen viel zu aufwendig und daher im Netz bestellt.Stückpreis 2,50€ unbehandelt aus gepresster Buche. So sollte es aus der Verkaufsbeschreibung sein. Als die dann ankamen wirkten die aber irgendwie lasiert. Dies zeigte sich dann auch beim Streichen. Es bildeten sich Tröpfchen auf der Oberfläche die wirklich sch...se aussahen. Also den Dremel rausgeholt und jeden einzelnt bearbeitet und die Schicht entfernt. Dann neu gestrichen und lackiert. Jetzt schauts gut aus...

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Schleifen und Lakieren

Zargen
Verzierungen

Es folgte der aufwendigste Teil.
Zuerst wurde alle Elemente ordentlich abgeschliffen.
Für die Lackierungen entschied ich mich für das MDF ein lösemittelhaltigen, creméweißen Lack. Bevor die MDF-Platten gestrichen wurden habe ich die Kanten mit einem Füller vorgestrichen. Ebenso die Pfosten wurden in weiß gestrichen.Insgesamt wurden es 3 Lagen. Nach jeder Lage musste ich 5-7 Tage warten bevor ich wieder abschleifen und die nächste aufbringen konnte. Das war ein bisschen nervig...aber gut. Das Endziel war nah...
Alle Bucheleisten wurden mit zwei Schichten einer Lasur gestrichen die Wallnußfarben war.Danach kamen noch 2 Schichten Treppenlack.

Die ganze Wartezeit hatte aber auch was gutes. Mein Garten sieht jetzt TipTop aus.

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Zusammenbau

Probekarte
Verzierungen und Zargen
Nut in der Stoßkante

Die Spannung stieg - alles wird zusammengebaut.Die obere Platte(bestehend aus der gro´ßen MDF-Platte, den Buche-Rahmen und der kleineren Platte in der Mitte) wurden miteinander verleimt und verschraubt.Die Platte selber ist mit 10 kleinen Winkeln an den Zargen befestigt. Die oberen Zargen wurden zusätzlich links und rechts mit einer Möbelschraube an das Bein geschraubt. Die Zwischenregale sind einfach nur eingeschoben. Die unteren Zargen sind lediglich mit Dübeln befestigt und die unterste Platte liegt nur auf.

Und siehe da bis auf ein paar Kleinigkeiten passt alles wie es soll. Mein alter Professor von der Uni würde jetzt sagen:
"Nichts geht über Maßhaltigkeit"
Ich konnte es nicht abwarten und hab auch schon eine Probekarte in den Tisch eingelegt um zu sehen wie es wirkt.

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Schubladen

Buche-Leimholz und MDF
Griffmulden
Nut für den Boden
mit Boden
Probezusammenbau ohne Leim
mal wieder lackieren
Neue Seitenelemente - Nun auch aus Buche
Ausschussware

Jetzt ging´s an die Schubladen. Fronten wieder aus Buche und die Seiten aus 16mm MDF. Die Böden waren aus 3mm HDF.
Nach dem Zuschnitt mussten erstmal die Griffe ausgesägt werden.
Hierzu habe ich einen 26mm Forstnerbohrer genommen und den Rest mit der Stichsäge ausgesägt. Danach wurden alle sichtbaren Kanten sowie die Innen- und Außenkanten mit der Fräse abgerundet.
Daraufhin wurden in alle Seitenelemente eine Nut von 4mm eingefräst in der nachher der Boden eingelegt werden sollte.
Es folgten die Dübellöcher, die in der selben Art und Weiße wie beim Tisch gebohrt wurden.
Ein Probestecken-passt!
Dann wieder mal lackieren, schleifen, lackieren.... und fertig! Dachte ich...
Als ich aber dann die Schubladen so in den Tisch steckte, gefielen mir einfach die weißen Seitenelemente nicht.Passte nicht ins Farbkonzept, da ich sonst immer im Wechsel Weiß und Braun hatte. Also neu machen... jetzt besser!

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Die Karte

Urkarte
Kartenlegende

Die richtige Karte war schnell ausgesucht. Es sollte die erste Kataster-Karte von "meinem" Dorf sein, aus dem Jahre 1838 im Maßstab 1:2000. Solche Karten kann man bei uns in Niedersachsen beim Katasteramt bekommen. Kosten auch nicht wirklich viel.Je nach Größe zwischen 12-25€.

Jetzt kommen wir zum schwierigen Teil.
Wie klebe ich ein Stück Papier auf eine MDF-Platte und versiegel sie nachher so, dass sie widerstandsfähig, kratzfest und UV-Beständig ist.

Eine Menge Versuche und Gespräche mit Fachleuten folgten. Letztendlich machte ich eine Firma in tiefsten Bayern aus, die sich auf die Herstellung von Harze spezialisiert hatte und mir weiterhelfen konnte. Sie hatten ein Gießharz im Angebot, dass man mehrere Millimeter auftragen konnte, UV-beständig und unempfindlich gegenüber Kratzern ist. Nun gut, das Zeug war nicht ganz billig, aber ich wollte ein gutes Ergebnis.

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Das Harz

Das Epoxid-Harz ist ein 2-Komponenten-Harz. Ich habe vor dem ganzen mit der Firma telefoniert um die Vorgehensweise durchzusprechen. Daher liest sich das jetzt wie eine Gebrauchsanleitung
Das Epoxid-Harz ist ein 2-Komponenten-Harz.
Dieser musste vor dem Gebrauch zusammengemischt werden.
Dann wird eine erste Schicht mit der Lackierrolle auf das MDF aufgetragen. Jetzt muss sofort das Papier aufgelegt werden. Es saugt sich umgehend mit dem Harz voll, wirft aber keine Wellen oder Falten. Nun bleibt noch genug Zeit es an die richtige Position zu rücken. Mit der Hand werden Lufteinschlüsse herausgestrichen. Sitzt das Bild an der vorgesehen Stelle wird der Rest Harz herübergegossen. Er nivelliert sich komplett selber aus. Deswegen muss darauf geachtet werden das die Platte genau in der Waage liegt. Jetzt muss das ganze noch aushärten - 48 Stunden!

Ich konnte leider keine Fotos während des Gießvorganges machen da ich viel zuviel Sorge um den Gießvorgang hatte und meine gesamte Konzentration ihr widmete.

Nach dem Austrocknen haben sich ein paar kleine Dellen in der Schicht gebildet. Keine Ahnung wieso und sie fallen auch nur im Gegenlicht auf. Selbst wenn man mit der Hand drüber fährt, merkt man sie praktisch nicht.

Fertig.... der Tisch und ..... ich!

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Fazit und Abrechnung

Insgesamt war das ein Projekt was sich über 2 Monate hinzog. Allein das Streichen hat über einen Monat gedauert, da der lösemittelhaltige Lack über eine Woche brauchte um durchzuhärten, damit ich wieder schleifen und die nächste Schicht draufsetzen konnte. Viele kleine Detaillösungen mussten gefunden werden. Das richtige Harz mit Probedurchlauf war auch wichtig, weil keiner aus meinen Umfeld damit Erfahrungen hatte.

Ohne alles einzeln aufzuzählen komme ich auf ca. 250€ an Materialkosten. Habe mit befreundeten Tischlern gesprochen und alle kamen bei diesen Tisch so um die 600-800€ nach ner groben Schätzung.

Jetzt habe ich endlich meinen einzigartigen Tisch wie ich ihn mir vorgestellt habe und heute wurde er offiziell eingeweiht für nen Klönschnack-Nachmittag mit ner guten Freundin. Sie musste mir helfen um ihn in Position zu bringen, weil leicht in Ding nun wirklich nicht. Ich schätze so um 100Kilo!

So, das war mein bisher längster Bericht und ich bin stolz darauf , ja wirklich stolz, was ich mit meinen Mitteln und Wissen hinbekommen habe!


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