Bücherregal unter der Schräge

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    70 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Öffentliche Wertung

Mal wieder hat mein Projekt ein wenig mit dilatorischem Verhalten und dringender Notwendigkeit zu tun.

Ich muß ganz kurz, ganz weit ausholen: In unserem Haus gibt es ein "Problemzimmer", das Kinderzimmer Nummer 2. Dieses Zimmer hätte fast dazu geführt, daß wir unser Haus nicht gekauft hätten. Es ist schlicht und ergreifend zu klein. Ein sehr kleines Zimmer, welches durch eine Dachschräge nahezu nicht nutzbar ist. Vor zwei Jahren entschlossen wir uns dazu, das Zimmer mit einer Gaube zu erweitern. Gaube ist eigentlich der falsche Begriff, denn Baurechtlich ist das Veluxfenster "Panorama" nur ein Fenster. Sei's drum, effektiv haben wir dadurch 6qm gewonnen, die so vorher nicht nutzbar waren. Ein Deckendurchbruch in den Spitzboden gewinnt noch Einiges dazu.

Seitdem schlief dieses eigentlich schönste Zimmer unseres Hauses ein Dornröschenschlaf, denn es wurde bis dahin nicht gebraucht. Es etablierte sich ein Raum, der von mir als Winterwerkstatt genutzt wurde.

Der Kleinste, dessen Zimmer es werden soll, spielt immer beim Bruder im Zimmer und schlafen tut er sowieso noch bei den Eltern im Schlafzimmer. Nun deuten sich aber Veränderungen an: Der Große wird dieses Jahr eingeschult, beansprucht sein Zimmer für sich und auch der Kleine meldet inzwischen an, alleine spielen zu wollen.

Dazu kommen Veränderungen im Elternschlafzimmer was die Bettchen-Rochade perfekt macht.
Das Zimmer ist immer noch recht klein und ein zukünftiges Mammutprojekt verlangt eine intelligente und platzsparende Möblierung. (Da werden noch mehrere Projekte draus)
Als erstes müssen die Bücher, aus denen der Große schon rausgewachsen ist umziehen. Dazu braucht es, richtigerweise ein Bücherregal, dessen einzige mögliche Position unter einer Dachschräge ist. Altbau und Dachschräge schreien förmlich danach, daß es ein passendes Regal nicht zu kaufen geben wird.

Du brauchst

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Werkzeuge
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Materialliste
  • 2 x Trofast | Holz
  • 5 x alte Bretter | Fichte/Tanne (etwa12m x 20cm x 2cm)
  • Lasur-Öl | Osmo
  • wenige x Würth Schrauben | Metall (3,5x 35mm)

Los geht's - Schritt für Schritt

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Das Material

Nix wird weggeschmissen.
"Trofast"

Ausgangsmaterial waren (wie auf Bild1 hinten links zu sehen) alte Bohlen, die auf dem Spitzboden lagen, bevor ein neuer Boden eingezogen ist.

Diese Bohlen waren auch schon das Ausgangsmaterial für die Fenstereinhausung im anderen Kinderzimmer. Kurzum nicht sonderlich hochwertige 27mm dicke Dielen, 90 Jahre getrocknet. Davon hab ich mehr als genug und bei der derzeitigen Holzlage am Markt und den derzeitigen Nachhaltigkeitsdiskussionen, ideal um aus dem Material einen kleinen nachhaltigen Kreislauf zu machen.

Material Nummer 2 waren zwei Ikea-Möbel mit dem Namen Trofast; nahezu in jedem Kinderzimmer zu finden. Diese waren während meiner "Winterwerkstattphase" in diesem Zimmer meine Werkbank und hatten keinen Nutzen mehr, da (wie erwähnt) Standardmöbel nicht in dieses Zimmer passen.

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Bearbeitung des Materials

Die Bretter habe ich allesamt mit Formatkreissäge und Dickenhobel von Felder bearbeiten können. Wie ich da rankomme? In Reutlingen hat die Baumarktkette Bauhaus den "Workers-Point" erschaffen. Auf 2000qm kann man hier gegen ein Nutzungsentgelt nach ausführlicher Einarbeitung und unter Aufsicht von Profis, Profimaschinen benutzen. Für mich ne tolle Sache und als Erweiterung für die begrenzten Möglichkeiten meiner Werkstatt Ideal. Setzt sich hoffentlich auch mal deutschlandweit durch, für mich wirklich ne tolle Sache.


Bild 2: Das Ergebnis. So exaktes Ausgangsmaterial hatte ich noch nie, aber es war auch nötig. Die Bretter habe ich alle auf 2cm Breite und 20cm Dicke kalibriert. Das macht im Nachhinein das Rechnen und bearbeiten einfach leichter.

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Planung; die Sache mit dem Winkel

"grobe Skizze"
realer Aufbau
digitale Unterstützung

Solche Projekte entstehen bei mir in erster Linie im Kopf. Da es sich aber um etwas Komplexeres handelt habe ich grob skizziert, gemessen und je mehr ich ins Detail gekommen bin, desto komplizierter wurde es. Denn die Dachschräge hat einen Winkel von 50 Grad. Der Einfachheit halber habe ich gedacht, ich berechne mal alles grob mit 45 Grad, wird schon nicht so arg ins Gewicht fallen..... Werch ein Illtum...(E.Jandl)

Es fällt ganz schön ins Gewicht! Nach mehreren Berechnungen und dem guten alten Pythagoras bemerkte ich, daß die Abweichung von nur einem Grad an den Brettern schon mehrere Zentimeter ausmachte. So einfach wird es also nicht.

Ich habe die Berechnungen erst mal beiseite gelegt und einen Probeaufbau in der Realität gemacht. Dieser Weg heißt ab jetzt bei mir "konstruktives Ermitteln" der Maße. Zumal ich auch bemerkt habe, daß die Trockenbauwand (hab ich selbst gebaut) auch nicht so im Lot war, wie ich mir das vorgestellt habe.

Nächstes Manko, meine Zug-Kapp-und Gehrungssäge kann auch nur bis 47 Grad schneiden (und das auch nur, wenn man die Justierschraube entfernt)

Also noch viel Hand- und Feinarbeit.

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Das Grundgestell

Seitenbretter ausgerichtet
Winkel gemessen und angezeichnet
Der Sägewinkel
Und rein ins Material
Deckbrett anpassen
mit etwas Überstand
Markierung setzen für die Flachdübel
Kucken ob der Winkel stimmt
flach gedübelt

Das Grundgestell besteht also aus zwei Seitenbrettern und dem Deckbrett oben quer (also eher schräg). Die Breite ist mit knapp 88cm durch zwei zusammengestellte Trofast-Elemente vorgegeben. Diese werden später noch eingekürzt, aber in Originalgröße haben sie den Seitenbrettern eine gute Fixiermöglichkeit und gute Ausrichtung gegeben.

Die Zug-Kapp und Gehrungssäge kann nur 47 Grad, deshalb habe ich mit etwas Überstand abgesägt und die restliche Näherung an den Winkel mit dem Schleifer vollendet.
Nachdem also die Seitenteile fertig waren, habe ich sie wieder am Probesetting befestigt und das Deckbrett aufgelegt, die Winkel wieder angezeichnet und auch das Deckbrett im 47 Grad-Winkel mit etwas Überstand gesägt, der dann auch mittels Schleifer wieder abgenommen wird.
Anschließend folgten schon die Markierungen für die Flachdübelfräse. Hierzu muss man sagen, daß eine FDF super geeignet ist um 45 und 90- Grad-Winkel zu verbinden. Alles was davon abweicht, ist sehr schwierig, denn die Anbauteile der FDF helfen einem dann nicht mehr weiter. irgendwie hab ich es dann doch hinbekommen. Aber aufgrund der Gehrungen konnte ich nur die 0-er Flachdübel nehmen, da einem die Tiefe etwas abhanden kommt. Sicherlich ist diese Dübel-Methode nicht 100% optimal für diese Verbindung aber mir fiel keine bessere ein und ich wollte bei diesem Projekt mal die Möglichkeiten meiner noch recht ungenutzten FDF ausloten. (und weitestgehend auf Schrauben verzichten, hat dann gegen Ende nicht mehr ganz so geklappt)

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Trofast sägen (Neudeutsch IKEA-Hack)

Originalgröße
Seitenteile sägen
Löcher kopieren
Original und Kopie
Original und Kopie
Kanten brechen
Alles wieder verschrauben

Zwei Trofast Elemente sollen den Sockel des Regals bilden, allerdings brauche ich nur die unteren 40cm davon.

Also hab ich die Dinger auseinander gebaut und die Seitenteile abgesägt.
Um aber anschließend die Oberteile wieder auf zu setzen, habe ich den beim Sägen verworfenen Rest einfach bündig aufgelegt und mit Holzbohrern die Löcher durchgebohrt und auf die darunter liegende gekürzte Platte kopiert.
Der anschließende Zusammenbau hat gezeigt, passt alles ziemlich genau.

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Die Regalbretter

Ausgangslage
Bretter zurecht sägen
Kucken ob alles passt
Flachdübelsetting
Einmal so rum
... und einmal so rum
und immer auf der richtigen Seite vom Strich fräsen...

Die Regalbretter haben glücklicherweise im unteren Teil alle 90 Grad-Winkel und im oberen Teil einen 40-Grad-Winkel, das läßt sich nun auch auf der Säge ganz gut bewerkstelligen.

Nach dem Zusagen der Bretter sollen diese auch alle mittels Flachdübeln verbunden werden. Dazu ist ein Probeaufbau nötig um die Unterkanten zu markieren. Diese sind nötig um anschließend mit der Flachdübelfräse alle Fräsenden korrekt setzen zu können. Allerdings sollte man darauf achten, daß man auch auf der richtigen Seite vom Strich fräßt. Zwei Fehlfräsungen haben sich durch Unachtsamkeit eingeschlichen...sehr ärgerlich, aber solche Fehler helfen einem auch den Blick zu schärfen und klar zu machen, daß Konzentration immer von Nöten ist.

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Kanten und Oberflächen

Die Kanten wurden alle mit einem Hobel gebrochen. Die Löcher, die der Qualität des Holzes geschuldet waren (und meine Fehlfräsungen) wurden gespachtelt. Anschließend wurde geschliffen. Die Reihenfolge der Körnungen war 80, 120 und 240. Zwischen den letzten beiden Schliffen, wurde das Holz noch etwas angefeuchtet und die Holzfasern aufzustellen und im letzten Schliff zu glätten.


Anschließend ging es ans Streichen. Bei so aufwändig aufgearbeiteten Holz wäre es schade, wenn man die Holzstruktur nicht mehr sieht. Die Wahl fiel auf Osmo Wohnraumwachs, welches einen Lasurähnlichen Anstrich verspricht.
Vor dem Einlassen wurden die Stellen, wo Flachdübelverleimungen befinden mit Malerkrepp angeklebt, um dem Leim später die Chance zu geben, einzuziehen.

Zwischen erstem und zweitem Anstrich folgte ein Zwischenschliff, das Malerkrepp hat das erstaunlich gut mit gemacht.

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Zusammenbau

Verschraubung im unteren Teil
Schwierige Eckverleimung
Wandbefestigung
Unterteilung

Der Zusammenbau gestaltete sich insofern als schwierig, als daß ich erstmal überlegen mußte, welche Reihenfolge am besten ist. Erst wurden also die Seitenbretter von innen an die Trofast-Kästen geschraubt. Anschließend die ersten 90-Grad-Bretter im unteren Teil mit den Flachdübeln verleimt. Alle anderen kamen dann nach und nach.

Zu guter letzt mußte am oberen Ende noch ein Reststück der Scheuerleisten angeschraubt werden, damit oben und unten der gleiche Abstand zur Wand da ist. Außerdem wurde dieses Reststück zum Fixieren an der Wand benötigt. Schließlich befindet sich das Regal in einem Kinderzimmer und muß deshalb zwingend gegen Umfallen gesichert werden.
Da es sich ja um einen Altbau handelt, bei dem sich der Boden Richtung Mitte des Zimmers leicht absenkt, erhält das Regal noch zwei kleine Unterleghölzchen von 0,5cm Dicke. Damit steht es dann gerade.

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Fazit und kleine Restarbeiten

Ob es sich lohnt, solch altes Holz von relativ schlechter Qualität aufzuarbeiten, sei dahin gestellt. Für den Arbeitsaufwand hätte man sicher auch Neues kaufen können. Aber irgendwie ist es schön zu sehen, wie das was aus dem Haus raus gerissen wurde auch wieder hinein kommt.

Das Arbeiten mit der Flachdübelfräse mach definitiv Spaß, aber man muß auch ein hohes Augenmerk auf Genauigkeit legen und man sollte genau im Blick haben, was man wo reinfräst. Vielleicht sollte ich in Zukunft genauere Pläne machen, aber ich scheue CAD-Programme denn ich habe mich noch nicht genug eingearbeitet. Das meiste habe ich immer im Kopf.

Letztendlich gefällts dem Kleinen und er hat gleich mal Bücher entdeckt, die er schon lang nicht mehr in der Hand hatte. Der große Bruder gibt auch noch ein paar Bücher ab, aus denen er schon raus gewachsen ist, und wenn man noch Alles zusammen sucht, was im Haus rumfährt, wird sich das Regal schon rechtzeitig füllen.

Danke fürs aufmerksame Lesen.


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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