Bohrständer Umbau für bewegliche Welle und dazu kleinen Bohrtisch bauen

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  • Schwierigkeit
    leicht
  • Kosten
    8 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Öffentliche Wertung

Ich mache sehr viel Fretwork und feine Sägearbeiten, wo ich 100%ige senkrechte Löcher mit feinem Bohrer benötige. Leider nimmt die PBD 40 die kleinen Bohrer nicht. Ich habe auch noch einen Workzone Multischleifer mit Bohrer, doch leider ist es mit ihm nicht möglich ohne Bohrständer 100% senkrecht zu bohren.

Im Forum habe ich dazu Fragen gestellt und daraufhin hat es sich ergeben, dass ich von einem Mitglied einen übrigen Bohrständer bekommen konnte. Diesen wollte ich für mein Workzonegerät umbauen. Vorbild dafür war ein Bohrständerumbau für Dremel, den Joerg hier gezeigt hatte. Laienhaft dachte ich, was für Dremel geht, muss doch auch für meinen Aldi-Multischleifer gehen und wollte das ganz einfach nach machen.
Doch dann stellte sich in der Praxis heraus, dass mein Aldimodell sich doch stark vom Dremel in der Bauweise unterscheidet und so musste ich selbst denken und planen.

Da die Durchlaßhöhe in niedrigster Bohrarmstellung für meine hauchdünnen Bretteln eigentlich zu hoch ist, habe ich auch gleich noch einen dazu passenden Auflagetisch gebaut. Nun muss ich nicht 5 Bretteln unterlegen, es reicht eine einzige Bewegung am Handhebel und ich muss mich nicht so weit bücken und sehe auch besser wo ich bohre. Außerdem kann ich meine Abfallunterlegebretter praktischerweise genau unter den Bohrtisch rein schieben.
Seht selbst wie ich das Problem für meine Zwecke gelöst habe.

Los geht's - Schritt für Schritt

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Vorgabe und Machbarkeit

Alle normalen Bohrständer haben ein Eurofutter zur Aufnahme von kabelgebundenen Bohrmaschinen. In meiner Vorbildanleitung wurde an diese Aufnahme des Bohrständers ein Holzaufsatz gebaut, in den man den Dremel stecken kann, da er kein Eurofutter hat. 

Eigentlich wollte ich das genau so machen. Aber mein Aldigerät hat eine andere Bauform als der Dremel. Bei meinem Gerät beginnt die Rundung, also das Teil, dass ich in das vorbereitete Holz stecken könnte, erst nach mehr als der Hälfte. Das würde bedeuten, dass ich ein ca. 11 cm hohes Holz als Führung benötigen würde (am Gerät 8 cm und die Spitze noch 3-4 cm) und das passt dann hinten und vorne alles nicht mehr.

Jetzt war langes Gesicht angesagt. Ich hatte mir das doch recht simpel vorgestellt, einfach Anleitung lesen, nachbauen und sofort los bohren - nix da - jetzt musste erst selbst gedacht, gebaut und dann gebohrt werden :-).

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ein neuer Plan muss her

Da ich jetzt so weit war zu wissen, dass mein Gerät ganz schlecht für so eine Holzführung geeignet ist, habe ich hin und her überlegt. Wenn das Gerät und ein Holzaufsatz nicht zusammen gehen wollen, dann muss  eben eine andere Lösung her.

Halt, da war doch noch was: bei dem Multiteil ist doch noch eine bewegliche Welle dabei. Warum also nicht statt des Gerätes einfach die bewegliche Welle nehmen und für deren Ende einen Holzadapter bauen. Kopf schief gehalten, nochmals überlegt, ja, so könnte es gehen.
Probehalber habe ich mal meine Welle mit Bohrer bestückt und durch ein in ein Probeholz gebohrtes Loch gesteckt und das dann auf die Aufnahme provisorisch gelegt. Das Gefühl des Bohrens war sogar angenehmer, weil ich nicht das ganze Gerät halten musste und so viel feinfühliger vorgehen konnte.
Ja, so werde ich es machen, das sollte passen.

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passendes Holz für Einsatz zusägen

In die verstellbare Aufnahme soll ein Holzklotz eingepasst werden, der dann die Führung für meine bewegliche Welle darstellt.
Da hatte ich doch noch ein altes Tischbein in dem Holzvorrat. Hervorgeholt, gemessen, super, das paßt genau. Warum also erst normales Holz rund sägen, wenn das Tischbein schon rund ist. Daher habe ich nur vom Tischbein genau so viel in der Höhe abgesägt, wie ich benötigte um eine neue Fassung zu bauen.
In diese Fassung habe ich dann ein Loch gebohrt mit einem 20er Forstnerbohrer, (einen 20er Bohrer hatte ich nicht) da meine bewegliche Welle einen Durchmesser von 20,5 mm hat.
Loch gebohrt, wieder langes Gesicht gemacht, der Einsatz war mir in der Mitte auseinander gebrochen, da die Maserung des Holzes in die falsche Richtung lief und ich trotzdem gehofft hatte, das würde  gehen.
Dann habe ich einen Rest einer Multiplexplatte gefunden und jetzt zuerst das Loch mit dem Forstnerbohrer gebohrt, doch das Holz überlebte dieses Mal die Bohrung. Dann habe ich mit der Schiebelehre genau die Aufnahme des Bohrständers ausgemessen, mir mit Zirkel auf mein Holz einen Kreis aufgemalt und dann außen herum mit der Dekupiersäge den Kreis gesägt, der vom Durchmesser her genau in die Aufnahme passte. Anschließend wurde noch ein Schlitz in den Kreis gesägt, damit es etwas elastischer wird (minimal).

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Einsatz soll zum Bohrständer passen

Den gesägten Einsatz habe ich dann noch an den Kanten und innen etwas glatter geschliffen und dann mit Felgenspay silber angesprüht, damit es etwas schöner aussieht und besser zum Bohrständer passt. Das Spray sind auch die angesetzten Gesamtkosten, da ich alles andere noch hatte.

Dann kam der neue Einsatz in die Aufnahme des Bohrständers, meine bewegliche Welle reingesteckt, perfekt - es passt alles. Sofort habe ich mehrere Testbohrungen getätigt.

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Neue Erkenntnis

Da ich diesen Umbau speziell dafür wollte um mit einem 1mm Bohrer in relativ dünnes Holz absolut senkrechte Löcher zu bohren, habe ich natürlich sofort meine Konstruktion ausprobiert. Es klappte auch genau wie ich gedacht hatte. Die Löcher sind absolut senkrecht.

Da bei dem Aldi-Workzone-Gerät auch noch ein kleiner Ständer dabei war, wo man das Gerät einhängen kann, wenn man mit der beweglichen Welle arbeitet, habe ich diesen neben den Bohrständer befestigt, die bewegliche Welle in meine neu gebaute Aufnahme gesteckt, den Multischleifer eingeschaltet, die Drehzahl passend gestellt und dann meine Bohrlöcher gesetzt. Alles geht wunderbar, aber ich komme nicht weit genug mit dem Bohrkopf nach unten, da mein Holz einfach zu dünn ist.
Da ich aber diese Konstruktion genau für dünnes Holz - und nur dafür - gebaut habe, musste hier noch nachgebessert werden.
Anstatt 5 Bretteln unter zu schieben, wollte ich hier noch einen kleinen Bohrtisch bauen, der genau so hoch ist, dass ich mit nur einer einzigen halben Bewegung des Dreharmes den Bohrkopf so weit absenke, dass er mein Holz berührt.

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Bohrtisch bauen und Bohren testen

Da der Bohrständer sehr handlich und klein ist, kann ich ihn noch gut in einem Eck meiner Arbeitsplatte verstauen. Zum Bohren ziehe ich ihn dann hervor. Er ist nicht fest mit dem Tisch verschraubt. Dementsprechend muss auch der zu bauende Tisch beweglich werden.

Der Bohrtisch soll keinen Schönheitspreis gewinnen, nichts kosten,  sondern nur einfach praktisch sein und als erhöhte Unterlage das Bohren vereinfachen. Daher habe ich hier nur Holzreste genommen, die ich übrig hatte. 
Ich habe mir genau ausgemessen, wie hoch der Tisch sein muss, damit ich bequem mit einer Zugbewegung bei meinen dünnen Bretteln ankomme. Außerdem sollte er genau über den Fuß des Bohrständers passen und genügendLuft haben, damit ich auch eine Schraubzwinge befestigen kann, die meine Bretteln halten wird. 
Von einem langen Brett habe ich beim Schwiegersohn, wo wir Weihnachten länger waren, mit der Kreissäge eine Grundplatte und zwei Seitenteile abgesägt. Die zwei Seitenteile habe ich von unten an die Grundplatte geleimt und von oben mit 4 versenkten Schrauben gesichert. Ich habe von irgendwo her einige Laminatplatten, von denen ich immer beim Bohren zusätzlich eine unterlege, die passt jetzt noch genau unter den Bohrtisch und ist damit auch aufgeräumt.
Klar, es geht schöner, aber für meine Zwecke reicht das völlig und vor allem, es ging schnell, da ich bald los bohren wollte. Ich brauchte den Bohrständer mit Tisch dringend, um für mein nächstes Challenge-Projekt Löcher bohren zu können. 
Außerdem habe ich  wirklich Null Erfahrung im Umbau von Bohrständern und im Bau von kleinen Hilfstischchen -
ganz ehrlich -  ich war froh, dass ich das so geschafft habe.
200 winzige Innenschnitte mit der Deku zu machen, hätte mir weniger Kopfzerbrechen bereitet...

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letzte Verschönerung und Funktionsvorführung per Video

Bohrständer 1 bohren
Bohrständer 2 aufgeräumt

Alle Heimwerker hier dürfen ab  jetzt lachen und denken, typisch Maggy, es muss bei ihr immer alles  harmonisch passen. Ja das stimmt.


Der gebrauchte Bohrständer ist sehr schön, ihm fehlt wirklich nichts und es ist sicherlich keine Abwertung seines Wertes, aber an einigen Stellen war schon die silberne Auflage auf dem Metall abgeblättert. Das schränkt die Funktion ja keineswegs ein. Es störte mich auch nicht.
Aber ich hatte eine ganze Dose Felgensilber gekauft nur um die kleine Holzscheibe silbern zu sprühen. Was für eine Verschwendung, wenn jetzt das restliche Spray vor sich hin gammelt und in der Dose  vertrocknet.
Also habe ich lieber in den Deckel eines Yoghurtbechers ordentlich Farbe gesprüht und per Pinsel auf die vorher ganz leicht angeschliffenen, abgeblätterten Flächen aufgetragen. Der Erfolg war toll, der Bohrständer sieht fast wieder aus wie neu und ich nutze ihn unheimlich gerne und oft.
Nochmals herzlichen Dank für das Überlassen.

Fazit:
Ich habe alle meine Ziele erreicht:
- ein einsam in einem Eck einer Garage vor sich hin alternder Bohrständer wurde zu neuem Leben erweckt
- ich kann senkrechte Löcher mit kleinen Bohrern bohren
- ich habe eine bequeme Arbeitshöhe für null Kosten
und bin mit dem Ergebnis sehr glücklich.

Und damit Ihr auch sehen könnt, wie das jetzt abläuft habe ich ein kleines Video gemacht. Dieses Video stellt keinerlei Ansprüche an die Filmkunst, es soll nur dem besseren Verständnis dienen, es ist nur statt einem Foto gedacht, denn ich bin kein Videofilmer und werde auch keiner werden.

Vielen Dank für das Lesen meines Projektes.

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Nachtrag zur Welle

In den Kommentaren haben sich Ottomar und Funkenmann noch per PN bemüht, mir eine Möglichkeit aufzuzeigen, dass ich mehr von der Bohrspitze sehe.

Daher möchte ich noch nachtragen, dass ich auf Grund dieser PNs den Holzeinsatz innen noch um eine Winzigkeit erweitert habe. Jetzt kann ich die Welle wirklich bis zum Ende reinstecken und sehe dadurch unten mehr von der Bohrspitze. Wenn ich jetzt den Bohrständer leicht schräg vor mir stehen habe, ist das eine deutliche Verbesserung.
Vielen Dank für die hilfreichen Ratschläge.Manchmal sind es wirklich Kleinigkeiten, in diesem Fall Zehntel Millimeter, die noch Verbesserung brachten.


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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