Bau eines Wasserbeckens aus Plexiglas incl. Ab- und Überlauf

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Wasserbecken (mit beleuchtetem Wasserfall)
Wasserbecken
  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    300 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Wertung

In unserer vergrößerten Terrasse sollte auch ein Wasserbecken eingebaut werden, das über einen kleinen Wasserfall (Kreislauf mit Pumpe) befüllt wird.
Im Folgenden ist beschrieben, wie ich das Becken selbst aus Plexiglas gebaut / geklebt habe.

Hier kannst Du noch weitere interessante Projekte von mir anschauen!

Das Wasserbecken wurde speziell für die Erweiterung der Terrasse gebaut.

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Akku-Schrauber
  • Akku-Multischleifer
  • Lochsäge
  • Schleifpapier

Los geht's - Schritt für Schritt

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Ausgangssituation und Planung

Planung in Sketchup, auch für passgenaue Bestellung der Teile notwendig
Lieferung

Nachdem wir in unserem Bad mit der Verwendung von Plexiglas schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben, auch was das Aussehen und die Bearbeitung betrifft, stand eigentlich fest, dass das geplante Wasserbecken aus Plexiglas gebaut werden sollte.
Plexiglas ist frost- und hitzebeständig, also auch für den Ausseneinsatz geeignet.

Da das Becken optisch zum schwarzen Wasserfall / zur grauen Terrasse passen sollte, war dunkles / schwarzes Plexiglas die erste Wahl.
Das Wasserbecken sollte ca. 350mm breit und 2650mm lang sein und ca. 100mm tief.

Sicherheitshalber habe ich aber noch im Forum bzgl. der Umsetzung meines Vorhabens nachgefragt und einige nützliche Hinweise bekommen.

Ein Angebot einer Fachfirma hat mich dann aber fast aus den Latschen gehauen, denn das Becken sollte dort 830,00 Euro (brutto und ohne Lieferung) kosten. Und das bei einem geschätzten Materialpreis von 200,00 Euro!

Deshalb beschloß ich, das Becken selbst zu bauen.

Material:
1x Bodenplatte: 2620 x 344mm
2x Seitenteil: 2620 x 100mm
2x Seitenteil: 332 x 100mm

PLEXIGLAS® Satinice, Carbon 7C17 DC, Dicke: 6mm
Preis incl. Versand 280,00 Euro (online gekauft)
Als Kleber habe ich ACRIFIX® 1R 0192 (1-Komponenten-Reaktionsklebstoff für farbloses PLEXIGLAS®, lichthärtend) verwendet, da der auch im Shop angeboten wurde.

Bezügl. der Verarbeitung / Verklebung hatte ich mir vorab einige Videos im Internet angeschaut und habe dann losgelegt. Zunächst mit einer Planung in Sketchup, u.a. damit mit den Maßen bei der Bestellung nichts schief geht.

Die Seitenteile sollten stumpf auf die Bodenplatte aufgesetzt und alles miteinander verklebt werden. Ich habe die Einzelteile bewußt etwas kürzer und schmaler als die mögliche Maximalgröße bestellt, um noch etwas "Luft" beim Einbau zu haben und dem Material die Möglichkeit zur Ausdehnung zu geben.


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Ab- und Überlauf

Probebohrung mit Zentrumsbohrer
Probebohrung mit Lochkreissägenaufstatz
Bohrung für Ablaufventil (später wird hier der Überlauf eingesteckt)
Bohrung für Ablauf (später hier einfacher Stöpsel)
Stöpsel
Stöpsel und Rohr für Überlauf
Stöpsel mit Bohrung für Überlaufrohr
Stöpsel mit Überlaufrohr
Stöpsel mit Überlaufrohr
1. Versuch, Füllung mit Coltagum

Da das Wasserbecken über einen Wasserfall befüllt werden sollte, mußte es auch einen Überlauf bekommen, um den Wasserkreislauf zu gewährleisten.
Für den Überlauf wollten wir eigentlich ein normales Ablaufventil mit einem Standrohr verwenden (wie bei einer Duschtasse).
Zusätzlich sollte das Wasserbecken noch einen Ablauf bekommen, um hierüber das Wasser komplett ablassen zu können (z.B. vor dem Winter).

Ablauf
Für den Ablauf sollte ein Loch (mit 32mm Durchmesser) genügen und mit einem passenden einfachen Stöpsel verschlossen werden.

Überlauf
Für den Überlauf (Ablaufventil) haben wir leider kein passendes, schwarzes Standrohr gefunden (gabs nur verchromt). Deshalb habe ich von einem schwarzen hohlen Metall-Besenstiel ein Stück abgesägt und durch die Bohrung gesteckt, die ich vorher mit einem Forstnerbohrer in den passenden Stöpsel gebohrt hatte. Da der Stöpsel unten hohl war, habe ich das Ganze noch mit Coltagum abgedichtet.

Um nicht das fertig geklebte Becken durch Fehler beim Bohren zu ruinieren, habe ich zunächst an Plexiglas-Resten Bohrversuche durchgeführt, u.a. mit einem verstellbaren Zentrumsbohrer.
Trotzdem ich mit niedriger Geschwindigkeit bohrte, war das Ergebnis hier nicht zufriedenstellend. - Der Bohrer wurde wohl zu heiß und das Plexiglas war teilweise abgeschmolzen bzw. unschön ausgebrochen.
Dagegen war das Ergebnis bei Verwendung einer Lochsäge (Aufsatz für den Akkuschrauber) wesentlich besser.
Deshalb habe ich danach die beiden Löcher mit passenden Lochsäge-Aufsätzen hergestellt.

Zum Abschluß habe ich die Bohrungen noch mit Sandpapier entgratet und geschliffen, damit auch der Stöpsel (für den Ablauf) saugend paßt.

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Kleben des Beckens, Vorbereitung

Geteilte Arbeitsplatte der Werkbank
Bodenplatte

Um das Becken zu kleben benötigte ich eine ebene Fläche von ca. 2,6 m Länge um hier die Bodenplatte beim Verkleben ablegen zu können (die Platte sollte nicht durchhängen).

Der Versuchsaufbau mit 3 Sägeböcken war nicht optimal, denn die Bodenplatte hat hier etwas durchgehangen. Wirklich gerade und passende Kanthölzer zum Unterbauen hatte ich gerade nicht vorrätig.

Zum Glück war meine neue, 1,8m lange Werkbank noch nicht komplett fertig gestellt (die geteilte Arbeitsplatte noch nicht verschraubt), sodass ich die Platten auf 2,6 m auseinanderziehen und in der Mitte eine weitere Platte einlegen konnte. So hatte ich eine passende und ebene Auflagefläche.
Hier habe ich die Bodenplatte aufgelegt, seitlich 3cm überstehen lassen und mit Klemmzwingen fixiert.

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Kleben des Beckens

Erste Seitenwand verspannen
Maß der verwendeten Pappstreifen
Spalt für Kleber
Kleber
Erste Seitenwand verklebt
Erste Stirnwand verkleben
Innenecke mit Pappstreifen
Ansicht des Klebespalts von aussen (Kleber schon getrocknet)
Kleben der 2. Längsseite
Kleber in Spritze mit Kanüle für zweite, dünne Klebenaht von innen
Klebenaht innen

In den Anleitungen zum Plexiglas-Kleben hatte ich gelernt, dass der verwendete Kleber spaltfüllend ist. Beim 90Grad-Verkleben (z.B. Seitenwand auf Bodenplatte) wurde hier zwischen beide Platten ein Kartonstreifen gelegt, die Platten fixiert, danach der Karton entfernt und der Kleber in den Spalt eingebracht.

In meinem Fall hätte diese Vorgehensweise nur mit einer 2,6m langen Hilfskonstruktion funktioniert, die ich nicht für eine einmalige Verwendung bauen wollte.
Ich habe statt dessen mit der Kappsäge kurze Bretter rechtwinklig abgesägt und diese Brettchen mit 6mm Randabstand (Materialdicke Plexiglas) auf der Bodenplatte mit Schraubzwingen fixiert. Diese Brettchen sollten gewährleisten, dass das Seitenteil senkrecht zur Bodenplatte steht. Danach habe ich kleine Streifen von einem Zeichenkarton-Blatt abgeschnitten und die doppelt im Abstand von ca. 40cm auf den Rand der Bodenplatte gelegt. Der doppelte Karton hatte eine Stärke von 0,4mm. Das schien mir als Spalt für den Kleber ausreichend.
Dann wurde die erste Seitenwand auf die Kartonstreifen gestellt und mit Schraubzwingen an der Bodenplatte und den Brettchen fixiert. Mit einer Taschenlampe habe ich gecheckt, ob überall zwischen Bodenplatte und Seitenwand ein Spalt für den Kleber vorhanden ist und mit einem Winkel, ob die Seitenwand auch überall senkrecht steht.
Danach habe ich von aussen den Kleber in den Spalt gefüllt und wenn mal zuviel aus der Tube kam, gleich mit einem Plasikspatel abgezogen.
Nach ca. 30 Minuten - der Kleber war schon einigermaßen fest - habe ich die Kartonstreifen entfernt und in die Lücken auch noch Kleber eingestrichen.

Die beiden Stirnseiten und das zweite Seitenteil habe ich mit dem gleichen Vorgehen mit der Bodenplatte verklebt. Danach wurden noch die senkrechten Nahtstellen der Seitenteile verklebt.

Um Sicherzugehen, dass das Becken auch wirklich dicht ist, habe ich ausserdem noch innen einen Klebenaht gezogen. Während aussen das Aussehen der Klebenaht keine große Rolle spielt (da das Wasserbecken eingelassen wird), habe ich mir innen richtig Mühe gegeben und habe den Kleber in eine Einwegspritze mit Kanüle umgefüllt. Damit ließ sich der Kleber sehr gut dosieren und die Klebenaht wurde sehr sauber.

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Dichtigkeitstest / Abdichtung Ablauf

Dichtigkeitsprüfung mit schräg gestelltem Becken
Dichtigkeitsprüfung mit schräg gestelltem Becken
Dichtigkeitsprüfung, ganzes Becken
Ablauf mit Sugru

Dichtigkeitstest:
Nachdem der Kleber getrocknet war, habe ich einen Dichtigkeitstest des Beckens durchgeführt.
Erst dachte ich mir, ich teste jede Kante separat durch Schrägstellen des Beckens und Einfüllen von Wasser (Bild1 / Bild2).
Das war aber nicht wirklich praktikabel. Deshalb habe ich das Becken auf 3 Sägeböcke umgelagert, beide Abläufe zunächst mit einem Stöpsel verschlossen, Wasser eingefüllt und über Nacht stehen lassen (Bild3).
Am nächsten Morgen habe ich alle Kanten kontrolliert, ob irgendwo Wasser herausperlt.

Die gute Nachricht: Die Klebenähte des Beckens waren dicht.

Die Schlechte Nachricht: Bei den beiden Ablässen ist Wasser herausgetropft. Zwar nicht viel, aber dicht ist anders.



Ablauf:
Der Stöpsel beim Ablauf paßt zwar saugend im Loch, trotzdem ist hier auch ab und zu mal ein Tropfen Wasser rausgeperlt. Deshalb habe ich mir hierfür auch eine Dichtung aus Sugru selbst gebaut.
Dafür habe ich den Stöpsel mit etwas Spülmittel als Trennmittel eingestrichen, damit das Sugru nicht am Stöpsel klebt und danach eine dünne Schicht Sugru um den unteren Teil des Stöpsels gelegt und schön angedrückt (Bild10).

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Bau Überlauf, mit viel Try & Error

Stöpsel mit Coltagum
Sugru
Sugru und Coltagum
Sugru und Coltagum
Stöpsel mit Sugru
Überlaufrohr

Das Überlaufventil war auch nicht 100%ig dicht eingepaßt. Hier hatte ich aber noch die Option, eine Dichtung zu verwenden.

Also: Dichtung im Baumarkt gekauft und zu Hause festgestellt, dass sie nicht paßt. Ich hatte beim Kauf zwar das Ventil dabei, aber das Loch im Becken als kleiner in Erinnerung gehabt. Dumm gelaufen!
Deshalb habe ich das Blechteil des Ventils mit Klebeband (Elektro) getaped und das Ganze wieder eingschraubt. Danach Stöpsel rein und Wasser drauf.

Ergebnis: Ablauf war dicht


Nun galt es, das Überlaufrohr zu bauen.

Für das Überlaufrohr habe ich von einem schwarzen Metallbesenstiel (20mm Durchmesser) ein Stück abgesägt. Mit einem 20er Forstnerbohrer habe ich in einen Stöpsel ein Loch gebohrt Das Stück vom Metallbesenstiel sollte nun in den Stöpsel gesteckt und abgedichtet werden.

Plan A (Abdichtung mit Coltagum):
Die Lösung mit Coltagum war an sich vielversprechend, hat aber nicht wirklich funktioniert, denn das Coltagum war auch nach 3 Tagen noch nicht durchgehärtet bzw. dicht (Bild1).

Plan B (Abdichtung mit Sugru):
Also habe ich das Coltagum wieder aus dem Stöpsel gekratzt und das Wundermittel Sugru reingeschmiert (Bild2 bis Bild5, auf den Fotos auch ein Vergleich von Sugru und Coltagum).
Sugru braucht 24 Stunden zum Aushärten und hat danach eine gummiartige Konsistenz.
Ich hatte eine Packung mit weißem und schwarzem Sugru bestellt und für den Stöpsel das weiße genommen, weil man das bei eingestecktem Stöpsel ohnehin nicht sehen würde.
Sugru war zwar nach 24 Stunden ausgehärtet, aber leider nicht so gummiartig wie erwartet. Der Stöpsel samt improvisierten Überlaufrohr war jedenfalls nicht dicht.

Plan C (normales Überlaufrohr):
Da die Bastelei nichts gebracht hat, habe ich zunächst auf ein verchromtes Überlaufrohr zuückgegriffen. Das wird noch passend abgesägt und mit schwarzem Klebeband umwickelt (Bild6). Evtl. finden wir später noch ein passendes schwarzes Rohr.



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Schleifen / Versteifung / Finish

Schleifen
Ungeschliffene Kante
Verkleben der Alu-Winkelschiene, mit vielen Schraubzwingen fixiert

Da die Kanten der Plexiglas-Platten nicht poliert waren (Polieren war nur bei Teilen bis 2m Länge bestellbar) habe ich die sichtbaren Kanten der Seiten- und Stirnteile noch mit Sandpapier geschliffen (120er / 400er)

Insgesamt war ich überrascht, wie steif das Becken nach dem Verkleben war - im Vergleich zu den biegbaren Einzelteilen.
Zur Sicherheit habe ich allerdings noch an den beiden unteren Längsseiten ein Alu-Winkelschiene verklebt.

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Fazit & Kosten

Wasserbecken mit verstärkten Kanten

Nach allem war ich überrascht, wie einfach es doch ist, ein Plexiglasbecken zu bauen und habe letztendlich 500 Euro im Vergleich zum Angebot der Firma (ohne meine Arbeitszeit) gespart.
Die Herstellung der Dichtigkeit beim Ab- und Überlauf hat mich zwar etwas Zeit gekostet. - Den Aufwand hätte ich bei einem gekauften Becken aber auch gehabt.
Und Spaß hat der Bau trotzdem gemacht!



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