Wenn der Pfeil im Baum steckt - was dann? Ein Messer hilft!

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    25 €
  • Dauer
    1-2 Tage
  • Wertung

Selbst der beste Bogenschütze ist nicht davor gefeit, dass ihm gelegentlich ein Pfeil ein Schnippchen schlägt und sich tief in des Baumes Rinde bohrt.
Da hilft dann alles Rütteln und Schütteln nicht, der Lümmel muss per kräftigem Messer entfernt werden.
Schließlich will man das Zeugnis des eigenen Fehlschusses ja nicht für immer stecken lassen. Wäre doch zu peinlich, wenn die Sportskameraden dann später an der Färbung der Federn erkennen würden, wer da den Baum traktiert hat ...

Kurz und gut, ein Messer muss her, aber nicht irgendeines, sondern eines mit kurzer, kräftiger Klinge. Wir wollen ja keine Salami zersäbeln, sondern der Eiche auf die Rinde rücken.
 Es soll aber auch sehr scharf sein und die Schärfe möglichst lange halten.

Und zu guter letzt soll das Ganze dann auch noch irgendwie stilecht aussehen, denn man ist ja kein hochtechnisierter Compoundbogenschütze, der olympisch auf Zielscheiben schießt, sondern ein begeisterter und überzeugter Primitivbogenschütze, der gelegentlich seine Bögen  und Pfeile selbst klöppelt.

Du brauchst

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Werkzeuge
  • diverse scharfe Klingen
  • Nähnadeln
  • Hammer
  • Lochpfeife
  • Schärfmesser
  • Kantenzieher
  • Reifelmesser
  • Falzbein
  • Ahle
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Materialliste
  • 1 x Rindsleder (3 * 200 * 300 mm)
  • 1 x Messerklinge
  • 1 x Rehstange
  • Lederfarbe, dunkelbraun
  • Lederpflege
  • Dekomaterial
  • Leinengarn
  • 1 x Kopfplatte | Messing
  • Lederklebstoff
  • Epoxidharzkleber

Los geht's - Schritt für Schritt

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Das Messer

Verschiedenste Klingen, Zubehör und alles Sonstige, was man benötigt, bietet der entsprechende Fachhandel in reichlicher Auswahl.

Es kann eine Klinge wie die hier abgebildete sein, oder aber eine gänzlich andere - andere Form, anderes Material. Stahl ist ja beileibe nicht Stahl, sondern weist je nach Legierung, Bearbeitung usw. sehr unterschiedliche Eigenschaften auf.

Die Wahl fiel auf einen nicht rostfreien Rohling aus Finnland.

Für Spezialisten und besonders Interessierte:
Die Klinge besteht aus 80CrV2 Kohlenstoffstahl mit einer Klingenlänge von 62 mm, einer Klingenstärke von 3,0 mm und einer Gesamtlänge von 147 mm, der Rohling hat eine Härte von 52 Rockwell und ist beidseitig geschliffen.

Die Kopfplatte besteht aus 3 mm starkem Messing, und aus einer Rehstange soll der Griff entstehen (Bild 1).

Im Bohrständer wird in die Rehstange längs ein Loch gebohrt, das den Erl - so nennt man den Teil der Klinge, der im Heft verschwindet - aufnehmen soll.

Die Öffnung in der Kopfplatte wird mit Schlüsselfeilen passgerecht gemacht und über den Erl gezogen; dieser wird in das zukünftige Heft eingeführt sowie mit Epoxidharz vergossen.

Ungeduldige 24 Stunden vergehen, sinnierend über den Ursprung des Wortes Erl und den Zusammenhang zum gleichnamigen König...

Das Ergebnis der durchwachten Nacht kann sich sehen lassen
 (Bild 2 und 3).




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Jedes Messer braucht ein Behältnis

Die Messerscheide wird aus drei mm starkem Rindsleder geschnitten. Dazu wird das Messer auf das Leder gelegt, seine Umrisse skizziert und dann mit einer Zugabe von 1 bis 1,5 cm umrissen.

Vier Teile werden benötigt, die Rückseite, das längste Teil samt Gürtelschlaufe, die Vorderseite und zwei 1 cm breite Riemen (Bild 1).
Zu beachten ist, dass der Zuschnitt von Vorder- und Rückseite gespiegelt erfolgt, sodass im fertigen Zustand die glatte Lederseite, also die Narbenseite, nach außen schaut.
Die unansehnlichere Fleischseite verschwindet also im Inneren der Scheide bzw. der Gürtelschlaufe.

Die 1 cm-Streifen dienen als Nahtschutz und werden rings um die Scheide bis zur Höhe der Frontplatte aufgeklebt. Damit es gut um die Kurve geht, muss man mit kleinen Schnitten ein wenig nachhelfen (Bild 2).

Am oberen Ende der späteren Gürtelschlaufe werden nun 4 Löchlein mit einer Lochpfeife eingeschlagen und jeweils zwei senkrecht untereinander liegende mit zwei Schnitten verbunden. Dadurch entstehen zwei Langlöcher, die später ein Band, das der Sicherung des Messers dienen soll, aufnehmen werden (Bild 3).

Die etwa 2 cm breite Klebestelle wird nunmehr "geschärft", d.h., dass vom Leder ein Keil abgetragen wird, um zu vermeiden, dass die verklebten Stellen zu sehr auftragen - hier wären es immerhin 6 mm  (Bild 4 und 5).

Die Gürtelschlaufe wird jetzt an ihren eigentlichen Bestimmungsort geklappt und dort verklebt. Das Umklappen wird wiederum dadurch erleichtert, dass an der Stelle des schärfsten Knicks quer über das Leder eine Rille ausgehoben wird. Dies möge man sich bitte vorstellen, denn dokumentiert ist es nicht ...

Ebenso werden die beiden Nahtverstärkungen aufgeklebt und erhalten dann als Deckel die Vorderseite (Bild 6).

Kleiner Cliffhanger gefällig? Gerne:

Auf Bild 6 sieht man bereits ein Teilergebnis des nächsten Arbeitsschrittes, doch dazu weiter unten mehr.




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Das tapfere Schneiderlein. Erster Teil

Anders als beim Vernähen von Stoff ist es bei Leder ratsam, die Naht zu versenken, denn sie soll sich bei mechanischer Beanspruchung nicht gleich wieder auflösen oder durchgerieben werden.

Da mir das arg wäre, wenn gleich mein erstes Messerprojekt sich in einzelne Fäden auflöste, folge ich auch hier den guten Ratschlägen der Meister vom Leinenzwirn.

Mit Hilfe eines speziellen Werkzeuges wird hübsch parallel zur Außenkante eine Rille ausgehoben (Bild 1; das rechte Werkzeug). Ebenso natürlich auf der Rückseite.

Jeder Hausmann und jede Schneiderin kennt diese stacheligen Rädchen mit Handgriff, die dazu dienen, Schnittmuster auf Stoff zu übertragen.
Ähnlich ist es hier, nur werden dieses mal mit dem Kopierrädchen die Abstände für die Löcher der Naht markiert. Diese werden wiederum mit einer spitzen Ahle vorgestochen (Bild2).

Wenn man sorgfältig gearbeitet hat, dann trifft man beim Durchstechen genau in die Rille auf der Rückseite ... 

Jedenfalls entsteht so eine Art Ledersandwich - zumindest in der Seitenansicht (Bild 3).

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Das tapfere Schneiderlein. Zweiter Teil

Mit zwei Nadeln und eingewachstem Leinenfaden wird nun vernäht. Neun Zehntel der Löcher müssen mit der Ahle aufgeweitet werden, da sie sich partout weigern, zwei Fäden - einen von links und einen von rechts - gleichzeitig aufzunehmen.

Zum Glück sind die Nadeln stumpf, sonst wären vermutlich weitere Löcher entstanden.

Trotz aufgeweiteter Löcher bleiben gelegentlich Nadeln stecken und verlieren dann bei Zerr- und Ziehaktionen ihr junges Leben, indem sie ihr Öhr dreingeben.
 
Merke 1: Mit roher Gewalt geht hier gar nichts.
Merke 2: Wenn´s nimmer geht, Rückzug.

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Veredelung durch Alterung

Nachdem alles vernäht ist, geht es in die Zielgerade.

Was jetzt folgt, ist die Kür. Da das Messerchen nicht neu, sondern gebraucht-gepflegt aussehen soll, wird das Leder mit dunkelbrauner Lederfarbe bemalt.
Hier wird sorgsam darauf geachtet, dass es eben nicht sorgsam aussieht, sondern sich ehrwürdige Alterungsspuren zeigen.

Ein paar Glas-, Messing- und Silberperlen sorgen dafür, dass die Herkunft aus den Weiten der Prairie erkennbar wird.

Die abschließende Abreibung mit Lederpflege zaubert einen matten Glanz und dem Bastler ein zufriedenes Lächeln sonst wohin ...


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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