Schiebetisch für Tischkreissäge PTS 10

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  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    20 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Wertung

Ich habe mir einen Schiebetisch für meine Tischkreissäge gebaut. Wichtig ist mir, dass ich für den Möbelbau auch Platten mit 60 cm Breite ablängen kann. Am Parallelanschlag ist das immer etwas holperig und auch nicht unbedingt immer winkelig. Deshalb hat mein Tisch die Maße 80 x 80 cm bekommen. Auch kleine Platten oder Leisten lassen sich damit gut bearbeiten. Und die Schnitte sind gerade und absolut im rechten Winkel. Die Schneidtiefe wird natürlich etwas geringer, aber 5,5 cm bleiben dennoch übrig. Für Kanthölzer also vollkommen ausreichend.

Los geht's - Schritt für Schritt

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Die Nutschienen

Mein größtes Problem waren die T-Nuten der Tischkreissäge. Passende Nutschienen hierfür zu bekommen ist wohl unmöglich. Die Nuten passend zu fräsen ist mir zu heikel: Genauigkeit, der bisherige Parallelanschlag würde nicht mehr passen. Im Gegenzug Nutschienen anzupassen an die Nut ist auch nicht einfach, ich müsste Vollmaterial nehmen. Zudem ist Alu sehr spröde. Das wirklich sauber zu fräsen wäre aufwändig und ein bisschen zu viel und die Schiene wäre für den Müll. 


So habe ich mich für dieses Profil (Bild 1) entschieden. Für die T-Form habe ich zusätzlich ein planes Alustück gekauft, das ich darunter schrauben kann. Dieses war etwas zu breit, also habe ich 2 mm abgefräst und von Hand mit 200er Schleifpapier glänzend blank geschliffen. Letztlich habe ich dies gar nicht gebraucht, der Tisch läuft so ganz super, da er auch Eigengewicht mit sich bringt. Lediglich in der vorderen und hinteren Position, neigt er zum Abheben, deshalb werde ich auf die Schraubenenden Unterlagscheiben mit Muttern befestigen. Diese werden das Abheben verhindern. Test steht noch aus.

Bild 3: Um die richtige Position der Schienen zu haben, wird die Oberseite des Nutprofiles mit doppelseitigem Klebeband versehen. Anschließend wird der Schiebetisch aufgelegt und so haben die Schienen die perfekte Position. Doch zuvor will ich den Bau des Tisches beschreiben.

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Der Bau des Sägetischs

Bei der Werkstoffwahl habe ich mich bewusst für Weiß beschichtete Spanplatten entschieden. Multiplex ist an der Oberfläche zu rauh. Siebdruckplatten haben den Nachteil, dass sie teuer sind und sie waren aktuell bei mir im Baumarkt nicht verfügbar. Da die Spanplatten durch die Aluprofile unten und oben durch die Buche-Multiplex-Anschläge verstärkt sind, sollte ein Verwinden oder Verbiegen ausgeschlossen sein. Vorteil der beschichteten Platten, sie haben eine plane Oberfläche auf dem das zu sägende Material gut gleitet und man kann mit Bleistift Markierungen anbringen, die leicht wieder zu entfernen sind. Das geht schneller als aufwändige Anschläge zu machen. Doch dazu später mehr. 


Ich habe zwei fertige Regalböden mit angebrachtem Umleimer gekauft. Die Maße 80 x 40 cm. Diese nebeneinander gelegt mit Abstand so das in dieser Fuge das Sägeblatt verläuft. Von einem Bettrahmen/Lattenrost habe ich sehr stabile und gerade Buche-Multiplex-Kanthölzer. Diese werden vorne und hinten an den Regalböden angebracht. Vorne zwei übereinander, hinten drei. Da ich den Spaltkeil nicht jedesmal abmontieren möchte und mir die Sicherheit vor Verkeilen wichtig ist, muss der hintere Anschlag höher ausgesägt werden. Vorne genügt die Sägeblatthöhe. 

Es werden Löcher vorgebohrt, die Anschläge mit dem Winkel ausgerichtet und mit Schraubzwingen fixiert. Der hintere Anschlag wird fest verschraubt. Der vordere wird mit den beiden Äußeren Schrauben lediglich fixiert. Endgültige Verschraubung erfolgt erst im letzten Schritt - bei der Feinjustage.

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Die Sägeblattabdeckung

Da ich auch mal ohne die Standard-Sägeblattabdeckung arbeiten werde (insbesondere bei Plattenmaterial, das erfordert, dass der Schiebetisch ganz nach vorne gezogen wird), brauche ich einen speziellen Schutz. Ich habe hierfür einen Rahmen mit Plexiglas angefertigt. dieser ist in Kunststoffprofile eingeschoben, kann also problemlos entfernt werden um die originale Sägeblattabdeckung einsetzen zu können. Das Plexiglas ermöglicht den feien Blick auf das Sägeblatt, verhindert aber, dass Sägemehl hochgeschleudert wird. Man steht folglich nicht im Staubnebel. Sodann wird wirkungsvoll verhindert, dass man mit der Hand in den Schnitt greifen kann. 


Im Bild 2 gut erkennbar, dass im hinteren Anschlag der Schnitt so hoch angesetzt ist wie der Spaltkeil zum Durchlauf benötigt. Die zwei Tischhälften werden ausschließlich durch die darüber befestigte Leiste gehalten. Da diese 5 x 4 cm stark ist, kann die Stabilität des Tisches gewährleistet werden. 

Das wichtigste Sicherheitselement ist aber die vordere Sägeblattabdeckung vor dem Tisch! Angenommen man schiebt den Tisch genau in der Mitte würde bei entsprechend weitem Schieben nach hinten das Sägeblatt aus dem vorderen Teil herauskommen. Das ist auch durchaus gewollt, schließlich braucht man bei manchen Schnitten die volle Sägeblatttiefe. Folglich muss nun hier vorne noch ein zusätzlicher Schutz angebracht werden.

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Der vordere Sägeblattschutz

Um nicht durch das vorne austretende Sägeblatt verletzt werden zu können wird mittig ein Schutz angebracht. 

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Die Hochzeit des Tisches

Nun wird der nahezu fertige Tisch auf die mit Klebeband präparierten Alurofile vorsichtig gelegt. Die Profile bleiben passgenau für die Nuten am Tisch kleben und so können diese nun richtig befestigt werden. Ich bohre vom Aluminiumprofil mittig in die Holzplatte. Dann wird nach Gewindeschneiden im Aluprofil und Vorsenken der Holzplatte von oben jeweils eine Maschinenschraube 5 x 30 mm eingeschraubt. Das Profil sitzt nun absolut wackelfrei am Tisch. Das Profil selbst hat einen Höhe von 2 mm. Daneben werden insgeamt 4 Kunststoffprofile mit 3 mm und Kontaktkleber aufgeklebt. Der Tisch läuft folglich nicht auf dem Aluminium sondern gleitet auf den Kunststoffschienen. Diese können bei Bedarf und Abnutzung leicht ausgetauscht werden. das Aluprofil hingegen würde durch das Schieben von Metall auf Metall unweigerlich leiden. Mit WD40 werden Aluprofil und Kunststoffschienen eingesprüht und anschließend mit einem Lappen abgewischt. Der Tisch ist dadurch extrem leichtgängig und mit einem Schubs gleitet dieser tatsächlich bis ganz hinten, so dass dieser gebremst werden muss damit dieser nicht hinten hinunter fällt. Ich bin gegeistert! 


Der Tisch ist nun fast fertig. Was noch fehlt: Die Feinjustierung, damit exakt rechtwinkelig gesägt werden kann.

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Die Feinjustierung

Ein einfacher Metallwinkel ist zur Justierung der Tischkreissäge viel zu ungenau. Deshalb gibt es hier einen unschlagbaren Trick:


1. Man nehme ein Stück Abfallholz. Hauptsache: Eine Seite ist gerade. Man markiert die gerade Seite mit 1 und die weiteren Seiten entgegen des Uhrzeigersinnes mit 2, 3 und 4. Seite 1 wird angelegt, Seite 2 wird ein Streifen von rund 5 mm abgesägt. Das Brettchen wird zu Seite 3 gedreht, erneut absägen. Das macht man so lange, bis man wieder an Seite 2 ist. Hier sägt man nochmals - etwa 1 cm. Dieser Streifen wird noch auf der Säge beschriftet. Oben mit A unten mit B.

Nun nimmt man die Schieblehre und misst die Breite bei A und die Breite bei B. Nun erkennt man, dass eine erhebliche Abweichung vorhanden ist. Da viermal gesägt wurde, ist die Abweichung nun viermal so hoch wie bei einem einzelnen Schnitt. 

Meine ersten beiden Messungen: 
Erster Schnitt: A = 1,232 cm, B = 1,188 cm
Also eine Differenz von 0,44 cm 
Für einen Einzelschnitt ein Viertel: Abweichung von 0,11 cm. 

Eigentlich nicht schlecht für den Anfang. Aber das bei einem Brettchen mit grob 30 cm Länge. Bei 60 cm immerhin eine Abweichung von 2,2 mm. Das ist zu ungenau, es geht besser!

Nun kommt zugute, dass der vordere Anschlag nur mit zwei Schrauben provisorisch befestigt wurde. Da A breiter ist als B löse ich den Anschlag links und bewege diesen minimal und fixiere mit Schraubzwinge. Jetzt das gleiche Sägevergnügen nochmals.

Zweiter Schnitt: A = 1,178 cm, B = 1,198 cm

Das war definitiv zu viel. Die Differenz von A zu B ist zwar geringer, aber B ist jetzt breiter als A! Ich habe in die falsche Richtung bewegt. Kein Problem, wieder eine Spur zurück und ein nächster Versuch. Die Ergebnisse spare ich mir jetzt, aber ich gebe Euch einen Tipp. Ist A breiter als B muss der Winkel verkleinert werden. Ist B größer als A muss der Winkel vergrößert werden. Am besten ausprobieren und ich denke nach dem vierten Schnitt hat man ein perfektes Ergebnis mit maximal wenigen hundertstel Abweichung. Besser geht es nicht.

Nun wird in dieser Position der Anschlag richtig verschraubt. Das Ergebnis absolut rechtwinklige Schnitte. 

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Das Arbeiten am Schiebetisch und weitere Ideen

Um eine absolut hohe Wiederholschnittqualität zu haben, kann man sich einfacher zusätzlicher Hilfsmittel bedienen. Ein Holzrest kann rechts vom Sägeblatt im gewünschten Abstand mit einer Schraubzwinge als Anschlag angebracht werden. So habe ich heute die Seitenteile von Schubladen gesägt. Anschlag auf 7 cm befestigt und die Seitenteile von einer Platte abgesägt. Jedes Seitenteil war exakt gleich breit. 


Man kann auch links und rechts solche Anschlaghölzer anbringen und (mit entferntem Spaltkeit) so absolut exakte Nuten sägen. Das mache ich allerdings lieber mit der Oberfräse am Anschlag oder auf dem Frästisch. 

Man kann sich auch Winkel sägen. Also ein Dreieck sägen, eine Leiste aufschrauben und den Winkel an den vorderen Anschlag mit Schraubzwinge befestigen, so dass die Spitze exakt am Sägeblatt anliegt. Legt man nun eine Leiste an diesen Winkel an, wird z.B. ein exakter 45 Grad-Winkel geschnitten. 

Ein großer Vorteil des Schiebetisches ist, dass beim Ablängen kleiner Leisten, die man üblicherweise am Parallelanschlag machen würde, die Abschnitte frei auf dem Tisch zu liegen kommen. Am Parallelanschlag besteht immer die Gefahr des Verkeilens und eines Hochschlagens der Stückchen durch das hinten nach oben laufende Sägeblatt. Sodann ist die Nut im Tisch exakt so breit wie das Sägeblatt, so dass auch minimalste Abschnitte von z.B. einem Millimeter auf dem Tisch bleiben und nicht vom Sägeblatt in den Tisch gezogen werden können. 

Dadurch, dass der Tisch mit 80 cm auf jeder Seite rund 5 cm breiter ist als der Tisch der Kreissäge ist genug Platz ringsum um Werkstücke mit Schraubzwingen zu fixieren. Will man absolut sicher gehen, dass das zu sägende Brett beim Sägen nicht verrutscht, macht man rechts wie bereits beschrieben ein Anschlagklötzchen, das dann den Sägeschnittabstand vorgibt fest. Das zu sägende Holz wird daran angelagt und links mit einer oder zwei Schraubzwingen am Tischrand fixiert. Beim Sägen kann nun definitiv nichts verrutschen.

Nachteil: Staubabsaugung funktioniert jetzt gar nicht mehr. Die Säge bläst alles vorne aus der Nut heraus. Meine bisherigen Bemühungen für eine relativ saubere Werkstatt haben hierdurch einen derben Rückschlag erlitten. 

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Fragen und Grundsätzliches - Haftungsausschluss

Habt Ihr Fragen zu Material oder zur Beschreibung? Einfach hier stellen oder PM senden.


Dieses Projekt soll Euch als Anregung dienen. Bitte beachtet aber, gleich was Ihr tut: Sicherheit geht vor! Ein Finger ist schnell ab - aber er wächst normalerweise nicht nach. Diese Projektbeschreibung soll also nur der Ideengebung dienen. Es ist keine Anleitung zum Nachbau. Sollte jemand für einen Nachbau Ideen übernehmen, erfolgt dies auf eigenes Risiko! 


Rechtlicher Hinweis

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