Neue Küche

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  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    6500 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

In den letzten Monaten hatte ich mich hier im Forum sehr rar gemacht. Das hatte allerdings nichts mit dem Forum selbst zu tun, sondern war durch mein hier beschriebenes Projekt bedingt. Beim Kauf unseres Hauses vor 17 Jahren hatten wir die Küche vom Vorbesitzer übernommen, da diese damals noch gut in Schuss war. Im Laufe der Zeit stellte sich nach und nach heraus, dass die damals aus einem Küchenstudio stammende Küche sehr unpraktisch war. So gab es viele Türen, kaum Schubladen und eine Aufteilung, die für ein gutes Arbeiten in der Küche nicht wirklich praktisch war. Also machten sich meine Frau und ich im vergangenen Winter an die Planung. Für die neue Küche wurden kurze Wege, ein aktuelles Design und viel Platz durch praktische Einteilung der Schränke als Ziel ausgegeben. Es war uns dabei wichtig keine Kompromisse eingehen zu müssen, die wir später bereuen. So sollte die für uns ideale Küche entstehen. Mir als Heimwerker war wichtig qualitativ gute Teile (Schubladen und -führungen) zu verwenden. Bei den Schubladen sollten Vollauszüge und massive Holzschubladen zum Einsatz kommen. Damit das Ganze trotz Qualitätsanspruch trotzdem finanziell überschaubar bleibt, war von vornherein klar, dass viel selber hergestellt werden muss. Da der Selbstbau für einen Hobbyhandwerker nicht an einem Tag zu schaffen ist, musste also ein Schlachtplan her, mit dem man es schafft die alte Küche Stück für Stück ab- und die neue Küche Stück für Stück aufzubauen. 

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Akku-Schrauber
  • Kreissäge
  • Dickenhobel
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Materialliste
  • 3 x Hochschränke | Spanplatte
  • 5 x Unterschränke | Spanplatte
  • Schnittholz | Ahorn (0,3 Kubikmeter )

Los geht's - Schritt für Schritt

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Die Frage nach dem Sinn eines Projektes

Am Ende eines solchen Projektes steht man immer vor der Frage "würde ich das wieder so machen?" Hier komme ich immer wieder zur eindeutigen Antwort - JA! Obwohl mich das Projekt von April bis Oktober begleitet hat, habe ich keine einzige Sekunde Stress empfunden. Die gute Vorplanung hat es mir erlaubt in meinem Tempo zu arbeiten. Während der gesamten Bauphase war die Küche nutzbar, so dass wir während der Zeit immer Kochen und Spülen konnten.


Für uns ist somit eine Küche entstanden, die perfekt zu uns passt. Bei den wichtigen Dingen wie Backofen, Kochfeld, Spüle und Armaturen sind wir keine Kompromisse eingegangen. Aber auch die Vollauszüge in Verbindung mit den massiven Ahornschubladen sind qualitativ hochwertig. Dies alles und eine gute Planung der "Laufwege" führen dazu, dass das Kochen sehr viel Spaß bereitet - und das sicherlich über viele Jahre hinweg.

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Planung

Da ja bekanntlich nichts über eine gute Planung geht, haben wir erst einmal zu Papier gebracht, wie es später mal aussehen soll. Über einen kostenlosen Küchenplaner im Internet haben wir dann unsere Traumküche erst einmal virtuell geplant. So konnten wir uns ein erstes Bild machen und auch eine genaue Einteilung der Unterschränke vornehmen. Beim Dunstabzug wollten wir weg von der über Kopf Haube, an der man sich immer den Kopf anstößt. So haben wir uns für das System der Firma Bora entschieden. Es handelt sich dabei um ein Induktionskochfeld mit integriertem Dunstabzug. Anfangs waren wir natürlich skeptisch ob das denn auch funktioniert, denn mit einem Verkaufspreis von 2500 Euro ist es ja kein Schnäppchen. Nach einer Vorführung im Küchenstudio waren wir aber restlos überzeugt und haben das Bora Basic System bestellt.

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Küchenmöbel

Bei den Hoch- und Unterschränken rentiert sich ein Selbstbau preislich nicht, daher haben wir uns für Möbel aus dem schwedischen Möbelhaus entschieden. Diese sind laut Aufdruck sogar "Made in Germany", von guter Qualität und preislich sehr interessant. Angefangen haben wir mit der Seite, an der die Hochschränke stehen sollten. Geplant waren drei Hochschränke mit einer Breite von 60 cm. In einen der Hochschränke sollte der Backofen eingebaut werden. Außerdem sollte noch ein Fach für die Kaffeemaschine und ein weiteres für die Brotschneidemaschine eingeplant werden. Durch die Verlegung des Backofens musste eine neue Stromleitung verlegt werden. Dazu mussten wir ein Loch durch den Fußboden bohren. Bei dieser Aktion habe ich es tatsächlich geschafft die Zuleitung der Fußbodenheizung anzubohren. Man muss dazu sagen, dass es sich dabei um ein ca. daumendickes Rohr handelt, das auf einer Breite von 4 Meter durch die Wand geführt wird. Die Wahrscheinlichkeit dieses Rohr zu treffen kann man durchaus als gering beschreiben. Ich habe es trotzdem geschafft und mir somit vor dem Osterwochenende zusätzlich die Nerven strapaziert. Also musste ich die Leitung freistemmen, mittels passender Verbindung wieder dicht bekommen, das Loch wieder verschließen, fliesen, verfugen und streichen. Erst danach konnten die drei Hochschränke aufgebaut werden.

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Holz für Schubladen herrichten

Bei den Schubladen habe ich auf massives Schnittholz aus Ahorn zurückgegriffen. Dazu habe ich mir beim Holzhändler Bohlen mit einer Stärke von 60 mm geholt - alles in allem 0,3 m³. Das war einer der spannendsten Momente, da ich bisher meist mit Plattenware gearbeitet habe. Nun aber aus einem sägerauhen Stamm ein Endprodukt herzustellen, war schon eine andere Dimension. Als erstes habe ich mir die Bohlen angesehen und grob die Abschnitte angezeichnet. Dann ging es im nächsten Schritt mit der Tauchkreissäge und entsprechender Schiene an das Entrinden und Zusägen. Danach wurde das Ganze durch den Abricht- und Dickenhobel auf ein gerades Maß gebracht. Durch Auftrennen der Holzstücke und erneutes Hobeln kam ich auf die endgültige Dicke von 13 mm. Damit sich die fertigen Hölzer nicht verwerfen, habe ich diese auf Holzstreifen gestapelt und oben mit Gewichten beschwert. So konnte das Holz noch weiter trocknen ohne, dass es sich verziehen konnte.

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Schubladen bauen

Bei den Schubladen wollte ich nicht stumpf verleimen oder dübeln, sondern traditionelle Handwerkskunst anwenden. Generell gibt es hierzu zwei Möglichkeiten: Fingerzinken oder Schwalbenschwanz Zinkung. Wobei sich die Fingerzinken eher in der maschinellen Herstellung durchgesetzt haben. Also entschied ich mich für eine offene Schwalbenschwanz Zinkung. Das kann man entweder mittels Fräse und diverser Vorrichtungen maschinell machen, oder in liebevoller Handarbeit mit Säge und Stechbeitel. Ich gebe zu, dass anfangs die Fräse und eine entsprechende Vorrichtung schon verlockend klangen. Allerdings konnte ich mit keiner Selbstbaulösung eine vernünftige Vorrichtung erstellen, mit der ich die Zinken und Schwalben vernünftig und in sauberer Ausführung hätte machen können. Also blieb nur noch die reine Handarbeit. Nach etwas Suchen im Internet bin ich auf ein Video von David Barron aus England gestoßen. David hat unter anderem einen sogenannten "dovetail guide" im Angebot, der die Handzinkung recht einfach aussehen lässt. Also habe ich Kontakt zu David aufgenommen und habe mir so ein Teil bestellt. Die passende Japansäge war in Deutschland günstiger zu haben. Hinzu kam dann noch eine Laubsäge und schon konnte ich mit dem Prototypen beginnen. Anfangs ist man natürlich etwas langsam, da man ja keinen Fehler machen möchte. Spätestens nach der dritten Schublade ging das Ganze doch recht flott über die Bühne. Wer möchte, kann sich mal bei Youtube nach David Barron umsehen. Ich empfehle ihn gerne weiter, obwohl ich nichts davon habe und auch nicht mit ihm verwandt bin. 

Auf diese Art habe ich dann nach und nach insgesamt 23 Schubkästen in diversen Maßen angefertigt. Ich kann euch sagen, dass es für mich schon ein erhebendes Gefühl war, als die ersten Schubkästen fertig waren und auf Anhieb gepasst haben. Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass keine einzige Zinkung nachgearbeitet werden musste. Das ist der Lohn des "dovetail guide" und einer sorgfältigen, ruhigen Arbeitsweise.

Für den Boden habe ich an den beiden Seiten und der Front eine Nut eingefräst. Der Boden wurde nach dem Verleimen und Verputzen der Schubkästen von hinten eingeschoben und an der Rückseite von unten verschraubt. Als Material habe ich für den Boden 6 mm dickes Sperrholz verwendet.

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Küchenzeile

Gegenüber der Hochschränke sollte eine 4 Meter lange Küchenzeile entstehen, in der das Kochfeld und die Spüle eingebaut werden sollten. Auch hier entschied ich mich Stück für Stück die alte durch die neue Küche zu ersetzen. Also habe ich die alte Küche bis auf die Spüle und den Herd abgebaut. Somit konnten wir ohne Probleme weiterhin die alte Küche nutzen und mussten nicht hungern oder täglich ins Restaurant gehen.

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Arbeitsplatte

Bei der Arbeitsplatte wollten wir auf eine Resopal Platte setzen, gleichzeitig aber sowohl Spüle als auch Kochfeld flächenbündig einbauen. Im Küchenstudio oder beim Schreiner, aber auch im Internet lässt sich dazu aber nichts finden. Der Grund liegt natürlich darin, dass bei einer eingelassenen Spüle Wasser in die Resopal Platte eindringen könnte, was die Platte schlussendlich aufquellen lässt. Nach einiger Zeit des Tüftelns habe ich mich aber entschieden es trotzdem so umzusetzen. Als erstes wurden die Positionen genau ermittelt und angezeichnet. Danach wurde mit der handgeführten Oberfräse und dem passenden Fräser bis auf Materialstärke der Spüle bzw. des Kochfeldes gefräst. Hierbei ist absolute Konzentration wichtig, da man am Ende jeden Millimeter Abweichung sofort sehen kann. Ein Abstand von wenigen Millimetern für die Silikonfuge wurde eingehalten. Nach dem Fräsen habe ich die offenen Stellen in mehreren Durchgängen mit Epoxydharz eingelassen um so eine wasserdichte Fläche zu erhalten. Alles in allem habe ich für die Platte vier Tage benötigt. Dies zeigt vielleicht auch, warum das kein Schreiner anbietet. Bei regulärer Rechnungsstellung wäre dies schlichtweg nicht in einem vernünftigen Preisverhältnis. Für den Heimwerker sieht das Ganze natürlich anders aus. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden und bin mir auch sicher, dass die Platte viele Jahre halten wird. 

Nachdem sämtliche Unter- und Hochschränke aufgebaut waren, wurde die Arbeitsplatte montiert. Da die Platte vier Meter am Stück ist, benötigten wir mehrere kräftige Helfer und vor allem einen guten Plan wie wir vorgehen, denn schließlich ist die Platte nur wenige Millimeter kürzer als der Raum breit ist. Hier zeigt sich schnell, ob man richtig gemessen und gesägt hat. Das war der Fall, so dass die Platte mit der nötigen Ruhe in wenigen Minuten an Ort und Stelle war. Links und rechts war am Ende je ein halber Zentimeter Luft.

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Fertigstellung

Nachdem alle Schränke, Arbeitsplatte und die Schubladen montiert waren, ging es an die Fertigstellung. Das bedeutete vor allem die Küchenfronten anzubringen, die wir ebenfalls vom Schweden gekauft haben. Die Fronten sind von hinten an die Schubladen angeschraubt. Um hier sauber arbeiten zu können, bedarf es eines kleinen Tricks. Auf die Schubladenfront wurde ein doppelseitiges Klebeband aufgeklebt, darauf wurde dann die Küchenfronten ausgerichtet. Zum Schluss wurde Schublade und Front miteinander verschraubt. Für die Millimeter genaue Ausrichtung nutzte ich die diversen Verstellmöglichkeiten der Blum Vollauszüge. Als Rückwand montierten wir Trespa Platten, die wir uns vom Schreiner zuschneiden ließen. Dazu kamen noch die Sockelleisten, die aus weißer Spanplatte angefertigt wurden. Am Ende waren es dann noch Tapezier- und Malerarbeiten um die Küche in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.


Rechtlicher Hinweis

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