Kommode mit Fronten aus Parkettrestholz

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  • Schwierigkeit
    mittel
  • Kosten
    60 €
  • Dauer
    Mehr als 4 Tage
  • Wertung

Seit Sommer des letzten Jahres habe ich meine ehemalige Mansardenwohnung zu einem Spieleparadies mit angeschlossenem Gästezimmer großteils alleine umgebaut und renoviert. Herzstück ist das Billardzimmer, wo aufgrund der rund um den Billardtisch erforderlichen Bewegungsfreiheit für Queuestöße nicht viel Platz für Mobiliar übrigbleibt. Genau genommen ist nur mehr für eine Sitzecke und ein Kasterl Raum. In letzterem sollen vorwiegend Billardbälle und Reinigungszubehör sowie Getränkeflaschen und Gläser aufgehoben werden.


Bei der Planung musste ich die offenliegenden Heizungsrohre, einen Heizkörper sowie eine Steckdose berücksichtigen. Zusätzlich durfte das Kasterl nicht zu tief werden, da an der Wand darüber noch die Dartscheibe montiert werden soll und man die Pfeile möglichst ohne Verrenkungen auch wieder entfernen können sollte. Die Endmaße betragen nun 50cm tief, 93cm hoch und 105cm breit.

Weiters war es mir wichtig, dass das neue Möbel optisch zur Wandverkleidung aus Parkettdielenresten dazupassen musste. Reste hatte ich noch, obwohl ich gegen Ende der Bauzeit schon sehr tricksen musste, da nichts mehr in passender Länge vorhanden war.

Wie dieses Möbel entstanden ist möchte ich euch nun zeigen:

 

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Akku-Bohrschrauber
  • Stichsäge
  • Handkreissäge
  • Kapp- und Gehrungssäge
  • Tischkreissäge
  • Tischbohrmaschine
  • Oberfräse
  • Exzenterschleifer
  • Bandschleifer
  • Hammer, Winkel, Zwingen, gute Nerven und Durchhaltevermögen
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Materialliste
  • 3 x Leimholzplatten | Fichteleimholz (120x50cm)
  • 2 x Leimholzplatten | Fichteleimholz (80x50)
  • 1 x Kiste | Parkettreste
  • viele x Holzdübel
  • 1 x Leimflasche
  • 4 x Möbelscharniere einschraubbar
  • 5-6 x Winkel | Metall
  • 1 x Buchensperrholzplatte
  • 2 x Schubladengriffe | Metall
  • paar x Schrauben
  • 3 x Kieferleisten (1mx2cm)

Los geht's - Schritt für Schritt

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Sockelbau

Da die auserkorene Ecke über offenliegende Heizungsrohre verfügt und ein direktes Anstellen des Möbels an die Wand nicht möglich ist, entschloss ich mich einen Sockel zu bauen. Gerade so hoch, dass die zukünftige unterste Platte über den Heizungsrohren positioniert werden kann.


Aus Spanplattenresten schnitt ich mit der TKS 4 Bretter zu: Vorder- und Rückseite sowie 2 Seitenwände. Diese wurden zwecks Stabilität verleimt und stumpf miteinander verschraubt. Ein Mittelsteg muss auch rein. Bildete ich mir jedenfalls ein. Denn mein erklärtes Ziel war ein perfektes Kasterl zu bauen. Nunja, der Mensch braucht ja Ziele im Leben, nicht wahr?  

Aus der Restekiste mit den Parkettresten, welche ich mir vom Bodenverlegen bei meiner Freundin samoa vor 2 Jahren ausgebettelt hatte, ohne überhaupt noch zu wissen, was ich damit jemals machen sollte, suchte ich mir die Brettchen zusammen. Auf Maß zugeschnitten und mit Holzleim und viel Zwingen, eigentlich allen, die ich hatte, an der Sockelvorder- und rechten Seitenwand angepickt. 

Die Stoßecke hab ich sogar auf Gehrung geschnitten.

Die erste Stellprobe verlief positiv. Mit Malerkrepp hab ich die genaue Position auf dem Boden markiert um später die Bodenplatte genau zuschneiden zu können. Denn diese sollte ja nun bis zur Wand über die Heizungsrohre gehen.

Noch war ich voller Elan und Enthusiasmus. Konnte ich ahnen, dass sich dieses Projekt über fast ein Monat hinziehen würde? In dieser Zeit mein heiliger Billardtisch mit Decken und OSB-Platte abgedeckt als Werktisch herhalten musste? Nicht wirklich -  war eh besser so.

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Bodenplatte

Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Aus einer Leimholzplatte schnitt ich mit der TKS das erforderliche Maß zu und verschraubte sie von unten mittels Eisenwinkel am Sockel. 

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Kasterlfront

Das Kasterl sollte eine große Schublade, ein Fachbrett und 2 Türen haben. 


Also fertigte ich als nächstes die Front mit all den Öffnungen an. Dazu sägte ich ebenfalls von einer weiteren Leimholzplatte die Holzstreifen zu. 2 Seitenstreifen, ein oberer und ein unterer sowie ein Mittelstreifen und ein Mittelsteg. Liest sich kompliziert, aber die Bilder verdeutlichen es.

Ich wollte bei diesem Projekt so wenig wie möglich schrauben. Dübeln mit Runddübel war meine größenwahnsinnige Vorstellung. Ungefähr ab der Mitte der Zusammensetzerei fand ich endlich nach etlichen fehlgebohrten Löchern die Lösung für mich. Zuerst nur 2 Dübellöcher machen, zusammensetzen und dann erst die anderen nach und nach mit Hilfe der Dübelspitzen markieren und bohren. Die verhunzten Löcher hab ich einfach mit Dübeln zugepickt, abgesägt und daneben gebohrt. Ich sag nun nicht, wieviel Dübel ich verbraucht habe ;) - aber schlussendlich war die Front zusammengesetzt.

Irgendwie hab ich vergessen, das zu fotografieren.

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Schubladenauflage, Seitenwände

Schublade mit Auszug wollte ich nicht, da ich der Meinung war, das passt nicht zu diesem Möbel. Fragt mich nicht, was mich da geritten hat, es so und nicht anders zu machen, ich weiß es nicht mehr.


Jedenfalls brauchte die zukünftige Schublade eine Auflagefläche, da sie ja seitlich nicht durch Auszüge gehalten wird. Früher hat man das immer so gemacht. Und Woody bildete sich eben ein, es jetzt auch so zu fertigen.

Also einen Rahmen aus Kanthölzern zugeschnitten und ebenfalls brav nur mit Dübeln und Leim zusammengefügt. Wie dieser Rahmen aussieht, ist am Bild ersichtlich.

Achja, die Seitenwände hab ich natürlich auch schon zugeschnitten und mit der TKS mit einer Nut für die Rückwand versehen. Ebenso paar Löcher für das Fachbrett gebohrt. Seitenwände und Front wurden vorläufig nur einmal mit Dübeln zusammengesteckt. Noch nicht verleimt, da noch einige Innenarbeiten vorab zu machen sind.

Die fertige Schubladenauflage wird nun auf 2 Kanthölzern, welche an den Seitenwänden verschraubt wurden, aufgelegt und beim finalen Zusammenbau erst verschraubt.

Es ist wichtig hier zu erwähnen, dass noch nichts fix miteinander verbunden ist. Würde man es machen, könnte man später nicht mehr das Fachbrett einlegen.

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Schublade

Zuerst bildete ich mir ein, ich will eine Zinkenverbindung machen. Doch nach stundenlangem Studium diverser YT-Videos verwarf ich diese ambitionierte Vorstellung wieder und entschloss mich, eine halbstumpfe Verbindung (nennt man das so?) zu basteln. Getreu meinem Motto: das sieht man später eh nicht mehr, also warum mit Zinken herumquälen.


Wieder aus einer Leimholzplatte sowie für die Seitenteile aus einer 3schicht-Platte schnitt ich mir auf der TKS die Teile der Schublade zu. Die Größe war durch den Ausschnitt der Front vorgegeben. Mit einer Nut für die Bodenplatte aus laminierten Buchesperrholz versehen und einem Mittelsteg zwecks Versteifung derselben war die Lade relativ schnell fertig. 

Nun kommen wieder die Parkettreste ins Spiel. Analog des Sockels schnitt ich mir die Reste passgenau zu und pickte sie mit viel Holzleim auf die Vorderfront der Lade. 

Nun erfolgte der Anstrich mit Klarlack. Da dieser nicht wasserlöslich ist und ich mir nur die Lackwanne versaut hätte, hab ich diese einfach mit Alufolie ausgekleidet. Nach Gebrauch runter und die Wanne bleibt sauber. 

Liebevoll mein uraltes Bügeleisen gebrauchend, bügelte ich dann hingebungsvoll die unschönen Kanten der Parkettbretter mit einem Kantenumleimer zu. War eh sinnlos, doch dazu später.

Tja, es wäre ja nicht mein Projekt, wenn ich nicht trotz tagelanger Planung was verhunzt hätte. Ich hatte nicht bedacht, dass die Türen später etwa 1,5cm außerhalb der gedachten Linie der Schublade sein werden (wegen der Scharniere). 

Mit Hilfe einer Bohrschablone bohrte ich die Löcher für die Schubladengriffe. Diese hatte ich von einem ausgedienten Badezimmerkasterl abmontiert.

Die Lade wäre mal fertig - dachte ich jedenfalls.

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Hochzeit

Endlich alle Einzelteile soweit fertig, lackiert, geschliffen und nochmals lackiert - es kann bis auf die Deckplatte an den Zusammenbau gehen.

Ich muss sagen, es war sehr schwierig für mich, denn Geduld ist für mich ein absolutes Fremdwort. Doch ich zügelte meine Ungeduld tapfer und verleimte und verschraubte nichts, bevor nicht wirklich alles bedacht war. Denn wie oben schon erwähnt fiel mir rechtzeitig ein, dass das Fachbrett vor der Front eingeschoben werden musste. Die Auflage für die Schublade vor dem Deckel. Ich sags euch - ich schrieb mir sogar eine Liste, um ja nichts falsch zu machen :D

Aber nun der Reihe nach:
  • Seitenwände werden mit dem Bodenbrett von unten verschraubt.
  • Einschieben der Rückwand (die hat ein Loch unten für die Steckdose)
  • einlegen des Fachbrettes
  • Front mit Hilfe von Dübelverbindungen anleimen
  • auflegen und anschrauben der Schubladenauflagefläche an den Seitenwänden, die Verbindung zur Front erfolgt wieder nur durch Dübel
  • Schublade einschieben und Seitenführungen ausrichten und anschrauben
  • Schubladenstopper montieren (soll das ungewollte komplett Rausziehen verhinden)
  • Verteilersteckdose anstecken und hinter der Rückwand hochfädeln
  • zugeschnittene Deckplatte durch Dübelverbindung aufsetzen und verleimen
  • Schublade einschieben


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Türen

Die Türen sollten nicht einfach simple Bretter sein, nein, auch sie mussten eine Füllung aus Parkettbrettern erhalten. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukam. Denn ich hatte nicht mehr genug lange Parkettbretter zur Verfügung. Stückeln ja, aber wie, dass es nicht grausam aussieht? Ich probierte eine Weile herum und landete schlußendlich bei schrägem Bretterverlauf. Wenigstens eine Türe war so machbar. Über die 2. machte ich mir zwar Gedanken, schob das Problem aber von mir. Wird schon irgendwie gehen *mein ewiger Optimismus*.


Die Türen sind ja komplett sichtbar, weil sie außen angeschlagen werden. Muss so sein, damit es zur "überstehenden" Schublade passt. 

Also erneut ein paar Stunden YT geglotzt und dann bin ich auf eine Lösung für mit der TKS einfach herzustellende Schlitz- und Zapfenverbindung gestoßen. 

Die beiden Türrahmen waren schnell fertig. Dann hab ich mit der Oberfräse eine Nut eingefräst, darauf auf Gehrung geschnittene Kieferleisten geklebt. Dann umgedreht und von hinten die zugeschnittenen und miteinander verleimten Parkettbretter geleimt. 

Geschliffen und 2x lackiert. So easy wie sich das nun hier liest, war es zwar nicht, aber das Ergebnis zählt.

Die Türen wurden dann mit so einschraubbaren Scharnieren (keine Ahnung wie man die nennt) am Korpus befestigt. Natürlich nicht ohne ausreichend unnötige Löcher gebohrt zu haben *heul*. Obwohl ich mir eine Bohrschablone gebastelt hatte, waren die Türen um 4mm nicht in der Flucht. 


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Anpassung der Ladenfront

Als endlich die Türen auch montiert waren und ich voller Freude vor meinem noch nach Lack stinkenden Kastl stand, störte mich irgendwas.


Ja genau, die Schubladenfront war nicht genauso breit wie der optische Verlauf nach unten zu den Türen. Es fehlten links und rechts 1,5cm. 

Also hab ich aus Parkettresterln 2 Stücke mit der Kappsäge im 45Grad-Winkel abgeschnitten, nochmals 2 Stücke vom Leimholz in gleicher Weise und diese miteinander als Klotz verleimt. Den Umleimer von der Lade wieder mit Stechbeitel abgekratzt und die beiden Klötze nun jeweils links und rechts an die Schubladenfront verleimt.

Eine Kieferleiste hatte ich noch übrig. Die leimte ich nun statt des Umleimers auf und fräste sie mit dem Bündigfräser unter Begleitung des Hundegejaules passend. Offensichtlich war die Tourenzahl (war sehr niedrig) für Harry der Startschuss sich seiner Wolfsgene zu erinnern.

Vom Fertigungsprozess gibt es keine Bilder, ich wollte nur mehr fertig werden, verzeiht.


Aber schlussendlich war ich fertig und kann sagen:
mein erstes selbstgebautes Kasterl, das auch so wurde, wie ich es mir vorgestellt habe

FÖRDIG.

Danke fürs Lesen.



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