Hirnholz-Brett: von der rohen Diele zum fertigen Küchenbrett

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  • Schwierigkeit
    leicht
  • Kosten
    50 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Wertung

Das Thema des Projekts ist altbekannt und schon häufig dokumentiert - ich möchte Euch dennoch den kompletten "Workflow" vorstellen von der rohen Diele bis zum Ergebnis. Viel Spaß - ich freue mich auf Euer Feedback.

Anmerkung zu den Projektkosten: das kann von 0 bis 200 EUR alles sein, je nachdem, was für Holz verwendet wird. Das Projekt kann man perfekt auch mit Restholz umsetzen, es sollte nur ein Hartholz sein.

Warum Hirnholzbrett? Ganz einfach: es schon die Messer, weil die Schneide nicht ständig auf die Längsfasern des Holzes trifft, kurz gesagt. Und außerdem sieht's gut aus :-)

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Tischkreissäge
  • Tauchsäge
  • Exzenterschleifer
  • Handhobel (Raubank, Putzhobel)
  • Schraubzwingen
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Materialliste
  • 1 x Diele | Nussbaum Vollholz
  • 1 x Diele | Weißbuche/Hainbuche Vollholz
  • 1 x Leim

Los geht's - Schritt für Schritt

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Diele hobeln, besäumen

Die rohen Dielen habe ich zunächst ausgehobelt, dann besäumt. Wer einen Dicken-/Abrichthobel sein Eigen nennt, kann das natürlich viel schneller mit der Maschine erledigen - mit einer großen Raubank geht's aber auch ziemlich flott. Ich hoble immer zuerst aus und besäume dann, das gibt besseren Halt beim Hobel und verhindert evtl. Ausrisse. 

Die Diele in den Bildern hier ist Walnuss-Holz, 33mm dick, 3m lang. Dasselbe habe ich auch noch mit einer Weißbuchen-Diele gemacht, die war ca. 52mm dick. Der Hobel ist übrigens ein Stanley Nr. 5 von 1922, frisch aufgearbeitet, der hier seinen ersten Einsatz in meiner Werkstatt hatte.

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Kanteln schneiden

Die Dielen werden dann in Streifen geschnitten - die Nuss habe ich hier auf ca. 3x5cm Endformat gebracht, die Buche auf 5x5cm. Nach dem Sägen sollten die Bretter noch gehobelt werden, damit sie wirklich plan sind - das verhindert später Lücken und Risse im Leimholz.

Die langen Streifen habe ich dann auf ca. 30cm abgelängt, das exakte Maß spielt hier aber noch keine so große Rolle. Ideal ist es, eine Länge zu wählen, die einem Vielfachen der späteren Brettdicke entspricht - mehr dazu in Schritt 4.

Je länger die Streifen, desto schwieriger finde ich es, im nächsten Schritt das Leimholz herzustellen, außerdem braucht man auch entsprechend große Zwingen in größeren Mengen.

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Leimholz herstellen

Als erstes die Zwingen vorbereiten: ich klebe auf die Stangen und die Backen transparentes Paketklebeband - dann klebt die Zwinge nicht am Holz und der Leim versaut nicht die schönen Zwingen. 

Dann wird das Holz ausgelegt, wie es am Ende aussehen soll. Ich drehe dann die Kanteln um 90° nach links, damit die Seite oben liegt, die den Leim bekommt, verteile den Leim und drehe wieder zurück - so kommt alles genau in der richtigen Anordnung zu liegen.

Als Leim verwende ich übrigens Titebond II, der ist wasserfest und (in den USA) für den indirekten Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen - da habe ich noch keine Alternativen gefunden.

Zuletzt wird alles verzwungen - erst die unteren Zwingen, dann darauf Beilagen. Die Beilagen müssen etwas kürzer sein als das Leimholz breit ist und sollten auch mit Paketklebeband vor dem Verkleben geschützt werden (siehe Bild 3 und 4). Alles ordentlich verpacken, verzwingen, verschrauben - siehe Bilder 5 und 6.

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Leimholz fertigmachen und teilen

Dann alles sehr, sehr gut durchtrocknen lassen - 24 Stunden etwa. Zum Schluss wird das Leimholz dann von Leimresten befreit und glattgehobelt.

Eigentlich haben wir ja jetzt schon ein ganz nettes Brett. Um aber ein Hirnholzbrett zu machen, müssen wir das Leimholz jetzt wieder auftrennen. Dazu wird es wieder in Streifen geschnitten, nur diesmal quer zur Faser.
 
Jetzt kommt die vorhin schon genannte Rechnung ins Spiel: bei 35mm Dicke des endgültigen Brettes kriegt man aus 30cm langem Leimholz 8 Streifen (mit ein bisschen Puffer für den Verschnitt). Ich habe also meine 30cm-Leimholzbretter in entsprechende Streifen geschnitten - das Nussbaum-Leimholz ist dünner als das Buchenleimholz, das ist aber egal, weil wir ja nur das Hirnholz verwenden - die Streifen müssen lediglich gleich dick sein. 

Bild 3 zeigt das geschnittene Leimholz, um 90° gedreht. Das Hirnholz zeigt jetzt nach oben, man ahnt schon, wie das ausschauen wird.

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Und nochmal: verleimen, putzen, hobeln

Jetzt werden die einzelnen Streifen arrangiert und wieder verleimt - dran denken: das Hirnholz zeigt jetzt nach oben! Auch hier wieder mit Klebeband und Zulagen arbeiten, verleimen, 24 Stunden trocknen lassen und danach putzen und aushobeln.

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Schleifen, schleifen, schleifen

Wenn alles plan ist, wird geschliffen - ich fange mit P40 an, dann über 80, 120 und 180 bis 240er Körnung hoch. Dann sieht's schonmal ziemlich gut aus - es wird. Aber noch sind wir nicht am Ziel...

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Besäumen, fasen

Der vorletzte Schritt: das Brett wird auf Endformat geschnitten, eventuelle Überstände und Unregelmäßigkeiten werden dabei entfernt. Ich habe außerdem mit der Tischkreissäge eine 35°-Fase rundum angebracht, damit man es besser hochnehmen kann (sieht man im nächsten Schritt). 

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Ölen

Hier scheiden sich die Geister: manche sagen, Küchenbretter sollte man nicht ölen, andere behaupten, es geht nicht ohne. Ich öle alle Bretter, die ich mache, mit einem leichten (billigen) Olivenöl - das wird definitiv nicht ranzig, schützt das Holz und gibt einfach eine tolle Optik. 

Auf Bild 2 sieht man die Fase, auf Bild 3 den Vergleich zwischen geöltem und ungeöltem Brett.

Beim Ölen gehe ich ganz einfach vor: das Brett wird großzügig mit Öl geflutet, bis es einen Überstand gibt. Gerade die ersten Gaben von Öl kann man innerhalb von Sekunden ins Hirnholz einziehen sehen. Wenn das Holz soweit gesättigt ist, den Überstand mit einem Küchentuch abnehmen und das Brett mindestens 24 Stunden "trocknen" lassen - wobei Olivenöl streng genommen nicht trocknet, aber es zieht vollständig ein.

Zum Trocknen stelle ich die Bretter auf einen Topfdeckelhalter - dann haben sie kaum Kontakt mit irgend einer anderen Oberfläche.

Ganz zum Schluss wird das Brett noch poliert - ich benutze dazu den Exzenterschleifer mit Schleifvlies, so dass das Brett eine ganz glatte, feine und leicht glänzende Oberfläche bekommt.


Rechtlicher Hinweis

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