Herstellung von Formen für Zinngiessen

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  • Schwierigkeit
    leicht
  • Kosten
    65 €
  • Dauer
    Unter 1 Tag
  • Wertung

Mein Vater plant mit seinen beiden 8-jährigen Enkeln (meinen Neffen) zu Weihnachten Zinnfiguren zu giessen.
Zu meinem Glück hat er mich schon 8 Wochen vor Weihnachten in diesen Plan eingeweiht, denn ich wurde von ihm dazu auserkoren, die notwendigen Materialien zu besorgen. 8 Tage vor Weihnachten hätte das etwas knapp werden können.

Die zum Zinngießen notwendigen Materialien und Gerätschaften waren schnell bestellt - sind ja nur 2 Mausklicks entfernt - und wenn mal gleich das Geld rüberschiebt, kommt das gelbe Postauto zwei Tage später und bringt einem das Zeug bis an die Haustür.

Nur die Gießformen schienen zum Problem zu werden.
Nach kurzer Internet-Recherche mußte ich feststellen, dass zu 95% Giessformen für Soldaten aller Zeitalter angeboten werden. Als Pazifist lehne ich es ab, Schlachten aus irgendwelchen Kriegen nachzustellen, erst recht zu Weihnachten und mit Kindern am Tisch sowieso.
Natürlich gibt es auch Giessformen für Tiere. Hier ist die Auswahl aber sehr bescheiden und dafür der Preis höher.

Die Frage in die Community nach alternativen Gießformen ergab letztendlich die Empfehlung, die Gießformen selbst herzustellen.
Ich habe lediglich zwei Gießformen (für einen Hund und einen Elefanten) bei einem Versender geordert (sicherheitshalber) und beschlossen, weitere Gießformen aus Silikon selber zu bauen.

Hier noch weitere interessante Projekte von mir.

Du brauchst

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Materialliste
  • 1 x Starterset Formenbau HB groß
  • 1 x Messbecher
  • 1 x Spatel
  • 1 x Modell für den Abguss

Los geht's - Schritt für Schritt

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Theorie und Materialbeschaffung

Nach etwas Recherche im Internet fand ich einen Anbieter, der ein Starterset für den Formenbau HB anbot. HB heißt hitzebeständig, d.h. die erstellten Formen sind für Abgüsse aus niedrigschmelzenden Metallen wie z.B. Zinn geeignet.
Ich habe mir das Starterset bestellt. Laut Beschreibung enthält es alle notwendigen Materialien, um Gießformen für das Zinngiessen selbst herzustellen.
Das Set wurde schnell geliefert und enthielt

  • 2 x 500g Silikon in Flaschen (rot und weiß)
  • einen Formbaurahmen aus Alublech incl. große Büroklammern
  • eine Packung Knete
  • Trennvaseline für Silikon
  • ein Buch "Arbeiten mit Silikon"

Eine Anleitung, wie beim Abformen vorgegangen wird, war leider nicht enthalten. Das steht aber mehr oder weniger gut beschrieben im Buch. Im Internet bzw. bei Youtube gibt es aber gute Anleitungen für den Schnelleinstieg.

Der Silikonkautschuk im Set besteht aus 2 Komponenten und ist additionsvernetzend. D.h. die beiden Komponenten werden in der benötigten Menge 1:1 zusammengekippt und es entstehen keinerlei Abfallstoffe, die ausfallen oder verdunsten.

Eine Zeitangabe, wie lange das Silikon zum Aushärten benötigt, habe ich leider nicht gefunden - das mußte ich durch Ausprobieren testen.

Im Bastelladen habe ich zusätzlich noch zwei kleine Meßbecher und einen Packen Spatel zum Anrühren der Silikonmischung und ein weiteres Päckchen Knetmasse gekauft.
Bits, Muttern und Holzdübel für die Schlösser bzw. Einfüll- und Entlüftungskanäle hatte ich im Fundus.

Das Wichtigste - kleine Tierfiguren zum Abformen, die ich in meiner Kindheit gesammelt hatte, waren ebenfalls vorhanden. Ich habe meinen Mini-Zoo gesichtet und ein paar passende Kandidaten gefunden.

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Erste Versuche, Herstellung eigener Rahmen

Im Starterset waren auch abgewinkelte Blechteile enthalten, die mit großen Büroklammern zu einem Rahmen zusammengesteckt werden konnten. Die Bleche sind 10cm breit, was letztendlich eine Rahmenhöhe von 10cm ergibt.
Da aber die Klammern nur oben klemmen, hatte mein Rahmen unten in jeder Ecke Spalten / Öffnungen und war nicht dicht. Ich habe versucht die Spalten mit Knetmasse abzudichten, kam aber mit meinen normal großen Händen / Fingern nicht bis in die Ecken.
Zuerst hatte ich deshalb überlegt, die Bleche mit der Blechschere zu verkleinern. Das hätte aber das Problem mit der Dichtheit auch nicht gelöst.

Deshalb habe ich zwei Rahmen aus einem Alublech selbst hergestellt: Ich habe zwei Alubleche (500 x 30 x 3mm) mit dem Schraubstock zu einem Viereck von ca. 9cm Kantenlänge gebogen, durch beide Enden ein Loch gebohrt und mit einer Schraube mit Flügelmutter verschraubt.
Diese Rahmengröße war für mein Vorhaben genau richtig, der Rahmen hat nur eine seitliche Öffnung und läßt sich auch leicht öffnen, ohne dass er komplett auseinanderfällt, siehe Bild 5.

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Abformen, 1. Schritt

Zum Abformen sind zwei Schritte notwendig, d.h. es wird eine zweiteilige Form hergestellt.

Im ersten Schritt muss der Boden des Rahmens sowie alle seitlichen Spalten mit Knetmasse abgedichtet werden. Dafür habe ich einen Klumpen der Knetmasse auf ca. 10 x 10 cm, Höhe ca. 1cm ausgerollt (mit einem leeren Marmeladenglas) und danach den Rahmen eingedrückt.
Die abzuformende Figur muss mit Trennvaseline eingefettet und bis zur Hälfte in die Knetmasse eingedrückt werden.

Um hinterher die Form auch mit Zinn füllen zu können, muß eine Einfüllöffung und möglichst auch eine Entlüftungsöffnung ausgeformt werden. Dafür habe ich je zwei Holzdübel konisch angeschliffen, eingefettet und ebenfalls in die Knetmasse gedrückt.

Abschließend habe ich noch Muttern bzw. Holzdübel als Schlösser für die Form eingebettet. Die Schlösser sorgen dafür, dass hinterher die beiden Formhälften genau zusammengesteckt werden können.

Danach habe ich 150ml Silkon im Verhältnis 1:1 im Meßbecher angemischt, gut verrührt und in die Formen gegossen.

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Entformen

Nach ca. 5 Stunden war das Silikon fest, d.h. ich konnte mit dem Entformen beginnen.

Übrigens ließen sich die Silikonreste im Meßbecher bzw. auf dem Rührspatel auch ganz leicht entfernen und quasi als Film abziehen. Die Reste fühlen sich an wie Backformen aus Silikon oder Kondome.

Zum Entformen habe ich die Flügelmuttern an meinen Rahmen gelöst, die Rahmen leicht aufgebogen und den Knetmasse-Silikon-Klotz aus den Rahmen gedrückt. Danach habe ich die Knetmasse vom Silikon abgezogen (ging ganz leicht) und die Figuren und Schlösser aus dem Silikonabguß genommen. - Die Dübel für die Einfüll- und Entlüftungsstutzen bleiben dagegen in der Form.

Das Abformergebnis ist überraschend gut, ich war begeistert.


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Abformen, 2. Schritt

Im zweiten Schritt muß die 2. Seite der Figuren abgeformt werden.

Dazu habe ich beiden Figuren komplett gesäubert und unter warmen Wasser abgeschrubbt, auch um evtl. noch anhaftende Knetmassereste zu entfernen.

Danach wurden beide Firguren wieder mit Vaseline eingefettet und in ihre passgenauen Silikonabdrücke gelegt. Die Silikonabdrück wurden in den jeweiligen Rahmen eingelegt, die Flügelmuttern am Rahmen angezogen und der Spalt im Rahmen mit Knetmasse abgedichtet. Danach wurden auch noch die Formen / Silikonabdrücke mit Trennvaseline eingestrichen (mit den Fingern).

Wie schon geschrieben erfolgt der Abguß der zweiten Seite ohne Schlösser (eingelegte Muttern), da das Silikon die Vertiefungen ausfüllen soll, damit hinterher beide Hälften der Form passgenau einrasten können.
Die Dübel für die Einfüll- und Entlüftungsöffnungen müssen dagegen in der Form bleiben, damit sich hier hinterher ein Hohlraum ergibt, über den das Zinn eingefüllt und die Luft entweichen kann.

Jetzt habe ich wieder 150ml Silikon im Verhältnis 1:1 angemischt, gut verrührt und in die Formen gegossen.

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Entformen und Säubern der Abgüsse

Nachdem das Silikon fest war (ca. 5 Stunden) konnten die Abgüsse wieder entformt werden.

Die Reste im Meßbecher waren inzwischen auch schon fest und konnten in einem Stück gerausgezogen werden. - So macht Reinigen der Arbeitsmittel Spaß!

Zum Entformen habe ich wieder die Flügelmuttern an meinen Rahmen gelöst, die Rahmen leicht aufgebogen und die Silkonblöcke herausgedrückt.

Nun kam der spannende Moment: Lassen sich die beiden Formenhälften trennen?

Jaaah! - Ich mußte zwar etwas Kraft aufwenden, aber die beiden Hälften liessen sich trennen.

Danach wurden die Figuren und Dübel entfernt und mit einem scharfen Messer die Formen gesäubert. Hier ist es vor allem wichtig, die Verbindung der Stutzen zum Negativ herzustellen, damit hier auch wirklich das Zinn reinlaufen bzw. die Luft entweichen kann.
Danach habe ich die beiden obene Ecken (dort wo die Stutzen austreten) großzügig abgeschnitten. - Das Silikon schneidet sich übrigens wie harter Schnittkäse.

Die beiden Formhälften passen dank der Schlösser gut aufeinander, halten aber natürlich nicht von selbst.
Durch den den von mir ausgedachten Pußtetest - beiden Formhälften fest zusammendrücken, ein Loch zuhalten und in das andere reinblasen - habe ich nochmal die Dichtheit der Form überprüft. - Hat alles gepaßt, nirgendwo trat Nebenluft aus.

Beim Zinngießen werden ich die beiden Formhälften mit Klebeband umwickeln und so fixieren. Das Zinngießen kann kommen.



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Fazit

Mit dem Starterset und den zusätzlichen Gerätschaften (Meßbecher, Spatel, eigener Rahmen, Kleinteile für Formen-Schlösser) lassen sich kinderleicht Abgüsse von Figuren herstellen.

Ich habe für meine ersten Abgüsse relativ kompakte Figuren gewählt, denke aber, dass sich auch kompliziertere Abgüsse z.B. mit Hinterschneidungen herstellen lassen. Das verwendete Silikon erscheint mir auch hierfür geeignet.

Ich habe es zunächst bei zwei Abgüssen belassen. Sollten meine beiden Neffen Gefallen am Zinngiessen finden, kann ich ohne Weiteres noch mehrere Formen herstellen.
Material ist noch vorhanden und die Kandidaten stehen auch schon Schlange.


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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