Die Herstellung einer Innentüre

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  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    400 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Wertung

Dies soll jetzt keine Nachbauanleitung sein, sondern einfach eine Dokumentation, wie man professionell eine Innentüre fertigt. Wie die einige ja villeicht wissen, bin ich mittlerweile im 2. Lehrjahr, und dies ist zugleich auch meine erste , selbst hergestellte Türe. Türfutter, Rahmen usw hab ich schon zig gemacht, aber ganze, komplette Türen ist das das erste Mal.



Warum stellt man einfache, glatte Türen heutzutage noch selber her?

Eine durchaus berechtigte Frage, zumal es heute eigentlich nicht mehr rentiert, einfache, glatte Türen selber zu fertigen. Eine fertige, einfach Zimmertüre (z.B Dana) kostet uns im Einkauf zwischen 100-200 Fr. inkl. Zarge. Schwerere, z.B Klimatüren halt noch dementsprechend mehr, aber immer noch sehr sehr günstig. Alles in allem ist es für die meisten Leute nicht reizvoll, eine Innentüre beim Schreiner für 1000.- zu bestellen, nur um ein handgefertigtes Produkt zu haben. Aber einige solcher Leute gibt es eben trotzdem, und deshalb fertigen wir noch relativ oft Zimmertüren selbst. Meistens Vollholztüren, ab und zu auch Lackierte HPD Türen.  Solche handgefertigten Türen sind billigen Industrietüren natürlich haushoch überlegen, hier wird jeder Schritt überprüft und bestmöglich ausgeführt, in der Industrie muss es vorallem schnell sein, bei uns jedoch vorallem hochwertig. Hier habe ich z.B extra Haustürbänder genommen, da es eine relativ schwere Türe ist. Auf dem Papier hätten auch normale 16mm Bänder gereicht. Trotzdem habe ich 20er inkl.Verstärkungsplatten genommen, einfach um zu garantieren dass die Türe höchsten Belastungen standhält. Genau solche Details fehlen bei Industrietüren.

Wir reden hier von einfachen, glatten Türen ohne Schnickschnack. Bei Türen mit Glaseinsätzen, oder gestemmten Friesen usw. sieht die Welt natürlich anders aus, dort ist Eigenfertigung eigentlich der Normalfall.


Die Tür

Es handelt sich um eine Klimatür, HPD Platte mit Doppelter Deckschicht und zwei Aluschichten, Kern Vollspanplatte, 42mm Gesamtdicke. Es ist eine Futtertüre, Futter aus 25mm MDF, Falz -und Zierverkleidung in Fichte. Alles lackiert mit 2k-PU Lack reinweiss.
Links angeschlagen mit zwei 20mm Exacta Schwerlastbändern,  einfacher Schlosskasten mit Bartschlüssel.





Du brauchst

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Materialliste
  • 1 x Türrohling HPD Aluspan | Hartplattendeck (HPD) (2100x850x42mm)
  • 3 x Futterteile | MDF (25mm)
  • 3 x Friese Falzverkleidung | Fichte (22mm)
  • 3 x Friese Zierverkleidung | Fichte (25mm)
  • 1 x Schwelle | Buche (25mm)

Los geht's - Schritt für Schritt

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Zuschnitt der Futterteile

Die Futterseiten/Deckel sind aus 25mm MDF. Die Teile hab ich auf der Striebig aus einer ganzen Platte herausgeschnitten.  Die Friese für die beiden Verkleidungen habe ich aus 30er Fichte hergestellt, möglichst astfrei ist hier von Vorteil.

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Fräsen des Türfutterprofils

Türfutter werden in der Regel mittels einer Futterfräsgarnitur hergestellt. Mit dieser Fräserkombination wird die Dichtungsnut und ein Kamm für die Falzverkleidung erzeugt.


Auf der Anderen Seite des Futters wird die Zierverkleidung Stumpf oder mittels Steckverbindung aufgebracht. Wir machen es immer mit einer Nut im Futter und in der Verkleidung. geht man nämlich 9mm von der Innenkante hinein, und fräst eine 8mm Nut, kann man die Teile der Verkleidung mit der gleichen Einstellung fräsen, es entsteht eine Art Nut/Kamm Verbindung.


Wie gesagt, wird das Futterprofil an den MDF Teilen angefräst, danach wird bei den Teilen der Falzverkleidung eine entsprechende Nut gefräst (6mm), mit einem 160mm Verstellnuter (4-7,5mm)

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Fräsen der Steckbaren Zierverkleidung

Die  Falzverkleidung (Schritt 2) wird später mit dem Futter verleimt, die andere Seite hingegen, die sogenannte Zierverkleidung nicht. Diese kann erst angeklebt werden, wenn das Futter auf der Baustelle gesetzt und montiert ist.


Die Zierverkleidung ist mittels eines 8mm Kammes steckbar. Dieser wird mit ein und der selben Einstellung gefräst wie die Nut. Hier kommt ein 180mm Verstellnuter (8-15mm) zum Einsatz.


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Ecken ausfälzen

Manche Firmen Stellen Türfutter oben Stumpf her, wir jedoch überfälzen in der Regel die Teile, das vereinfacht den Zusammenbau, ein Ausrichten der Teile entfällt.


Dei aufrechten Futterteile werden oben Quer ausgefälzt, im Falz liegt der Obere Futterteil.

Dies geschieht ebenfalls auf der Kehlmaschine, mittels eines 150mm Falzkopfes

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Schwelle herstellen

Die Schwelle ist aus Buche, und hat an der Vorderkante noch eine Hebgo-Schiene mit Dichtung eingefälzt, so dass die Türe auch unten Abgedichtet ist.

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Zusammenbau des Futters

Das Türfutter wird zusammengeschraubt, und zusätzlich noch mit Leim verstärkt. Verwendete Schrauben: 4,0x60mm mit Bohrkopf, dies erübrigt ein Vorbohren im randnahen Bereich.

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Die Falzverkleidung

Die Falzverkleidung wird zusammengedübelt, und kann anschliessend auf das Futter aufgeleimt werden.  


Nach dem Ablängen der Friese habe ich mit dem Mafell DUO-Dübler die Dübellöcher gebohrt.

Ist die Eckverbindung getrocknet, kann die ganze Verkleidung auf den Kamm aufgeleimt werden. Der Pressdruck kann optimal mit der Furnierpresse erzeugt werden.

Die Zierverkleidung wird ebenfalls zusammengedübelt, aber natürlich noch NICHT auf das Futter geleimt.

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Türblatt herstellen

Der Türrohling wird auf die entsprechende Breite und Länge geschnitten. 


Unten musste ich eine Kante anleimen, da der 210cm lange Rohling eine Maximale Kürzbarkeit von 15cm hatte, ich aber fast 30cm absägen musste, und so die bereits vorhandene Massivholzkante abgesägt hatte. Die 6mm Buchen Kante habe ich mit Kantenzwingen angepresst.


Der Rohling wird anschliessend auf den drei Seiten gefälzt, in meinem Fall 16x22mm Falz. So dass er Rundherum 3mm Luft zum Futter hat.

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Bänder Bohren

Aufgrund des hohen Gewichts der Türe haben wir entschieden, 20mm Haustürbänder zu verwenden (Innentüren wären eigentlich 16mm Standard).


 Da wir aber für diese Bänder keine Bohrlehre für Futtertüren haben, sondern nur für Rahmentüren, musste ich noch zwei Klötzchn unter die Bänder setzen. (Bei Futtertüren wird eigentlich schräg durch die Verkleidung in das Futter gebohrt, war hier aber aufgrund fehlender Bohrlehre nicht möglich)

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Bandverstärkung einlassen

Diese Schwerlastbänder erhalten unter dem Band noch ein Blech, welches ein Seitliches verwürgen des Bandes im Holz verhindert (bei sehr schweren Türen nötig). Dieses Blech wird mit der Oberfräse und einem 20mm Nutfräser nach Anriss einlassen. Hier kommt eine LO 50 von Mafell zum Einsatz.

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Schlosskasten

Der Schlosskasten wird mit dem Schlosskasten-Stemmer eingefräst. Hierbei handelt es isch um eine Maschine, welche alle drei Arbeitsgänge ohne anzeichnen ausführen kann, es wird mit einem Revolveranschlag gearbeitet.  Zuerst wird das Loch gestemmt mit der Kettenstemmeinrichtung. Dann wird der Stulp gefräst, und anschliessend noch das Loch für Drücker und Schloss gebohrt.

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Schliessblech

Anhand des Schlosskastens wird nun die Höhe des Schliessblechs gemessen. Diese höhe wird nun am Türfutter angezeichnet. Mittles einer entsprechenden Frässchablone kann nun die Ausklinkung für das Schliessblech hergestellt werden. Im einsatz hier: DeWalt DW624 mit 30er Anlaufring und 18mm WPL-Fräser

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Schleifen der Türe

Nun wird die Türe auf der Breitbandschleifmaschine noch kablibriert mit K80 und mit K150 feingeschliffen. evtl. noch mit der Rutscher etwas nachschleifen.  Ein sauberer Schliff ist die wichtigste Voraussetzung für eine später einwandfreie Lackierung.  Die Verkleidungen und Futterteile wurden vor dem zusammenbau geschliffen

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Lackieren, erster Gang

Die Teile habe ich alle direkt mit dem Lack behandelt, ohne Isolierfüller o.Ä. Dies funktioniert in der Regel recht gut, wichtig ist eine genügend dicke Lackschicht, die einen festen Zwischenschliff ermöglicht. Denn die Hartplatte wird sehr rauh nach dem ersten Lackierdurchgang.



Sobald der Lack ausreichend getrockent ist (3h) kann mit dem Zwischenschliff begonnen werden. Beim ersten Zwischenschliff muss man meistens einen grossen Teil des Lackes wirder abschleifen, bis wirklich eine Glatte Oberfläche entsteht. Hier im Einsatz; eine Rotex 150FEQ und ein CTL33 Absaugmobil.


Lackiert habe ich mit einer handelsüblich Becherpistole der oberen Preisklasse, in Kombination mit unsere Lacknebelabsaugung ensteht ein hochwertiges Ergebnis.  Eigentlich würde ich lieber die Airmix-Anlange verwenden, diese setzen wird jedoch nur mit Klarlack ein, da eine Reinigung von pigmentiertem Lack aufwändig ist, und perfekte hochglanz-Klarlackergebnisse nicht mehr garantiert wären.



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Lackieren, zweiter und dritter Durchgang

Nach dem ersten Zwischenschliff wird die Türe noch einmal im Kreuzverband lackiert, zuerst einmal in Längsbahnen, und dann gleich noch einmal in Querbahnen, So dass überall genügend Lack aufgetragen ist. Aber Achtung, zuviel des Guten ist auch nicht gut, es entsteht schnell sogenannte Orangenhaut. Ebenfalls sehr wichtig ist die Konsistenz des Lackes, er muss richtig verdünnt werden. Ist er zu dick, verläuft es nicht schön, eine Struktur entsteht. Ist er zu dünn, entstehen an den Kanten schnell Tränen und Tropfen.


Dann wiederum warten bis der Lack ausgehärtet ist. Nach ca. 3 Stunden kann erneut geschliffen werden, jetzt mit 400er Papier, und nur ganz leicht.  

Anschliessend wird die ganze Sache noch ein letztes Mal lackiert, den Lack darf man jetzt gerne schön verdünnen, es wird nur noch eine dünne Schicht in Querbahnen aufgetragen, und jetzt ist es enorm wichtig dass der Lack verfliessen kann. Das Verhältnis war bei mir jetzt:  Lack: Härter 10:1, Lack:Verdünner 10:1,5.


Jetzt ist es auch sehr wichtig dass man in einer staubfreien Umgebung ist, die Türe zuerst mit einem Staubbindetuch abwischen, dann warten, dann nochmals abwischen. Im Lackraum evtl. noch Wasser in die Luft sprühen, das bindet jeglichen Staub. Dann möglichst rasch lackieren und sofort den Raum wieder verlassen, Staubaufwirbelungen vermeiden. 

Die Qualität des Lackauftrags erkennt man sofort, wenn man gleich nach dem Auftrag in die noch feuchte Schicht gegen das Licht hineinschaut. Eine absolut saubere Oberfläche entsteht nur, wenn der Lack im nassen Zustand absolut gleichmässig glänzt und spiegelt.  

Hat man alles richtig gemacht, erhält man eine schneeweisse, seidenmatte Oberfläche mit leichtem Tiefenglanz.

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Beschläge montieren, probeweise einhängen

Nach der vollständigen Aushärtung des Lacks können die Beschläge montiert werden (Schlosskasten, Drücker, Bänder).  Dann zwingt man das Futter am besten irgendwo fest, und hängt das Türblatt einmal ein, um die Passgenauigkeit zu überprüfen. Passt alles, steht der Montage nichts mehr im Wege...


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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