• Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    20 €
  • Dauer
    4 h
  • Wertung

Im Wohnzimmer habe ich bereits ein Lowboard für Surroundsystem, Sky-Receiver etc. an der Wand hängen. Das habe ich vor einiger Zeit aus alten Baudielen gebaut. Jetzt kommt nich ein passender Couchtisch dazu.


In diesem Projekt stelle ich die einzelnen Arbeitsschritte ausführlich vor. 

Das Besondere am Tisch:

  • Baudielen ca. 40 Jahre alt
  • Gebürstet, so dass die Oberfläche extrem strukturiert ist
  • Stabil und aus Massivholz
  • Ohne Schrauben oder Nägel
  • gewachst/natürlich
Da ich viele Arbeitsschritte mit ausreichend Text zum Nachbau habe, setze ich in jeden Schritt eine Kurzbeschreibung (fette Schrift) und danach für die, die es ausführlich wissen wollen, eine Detailbeschreibung (Normalschrift).

Du brauchst

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Werkzeuge
  • Wandbearbeitungssysteme
  • Tischkreissäge
  • Tischbohrmaschine
  • Exzenterschleifer
  • Hammer
  • Stechbeitel
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Materialliste
  • Baudiele | Fichte

Los geht's - Schritt für Schritt

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Das Bauholz

Auf dem Dachboden meiner Schwiegermutter lagern einige rund 40 Jahre alte Baudielen, die eigentlich niemand braucht. Neimand? - Nein, denn von Zeit zu Zeit hole ich mir etwas davon und baue mir hübsche Möbel. Der Vorteil ist, dass die Dielen gut gelagert sind, sich nicht mehr verziehen und vor allem, dass diese schöne Gebrauchsspuren haben, die ich bewusst erhalten will. 


Die Baudielen werden gesäubert und geschliffen, dann gebürstet. Ziel ist es dabei, die harten Teile des Holzes stehen zu lassen und das weiche Holz bis zu einigen Millimetern heraus zu arbeiten. So entsteht eine sehr plastische Oberfläche, die zum anfassen und "streicheln" des Holzes animiert. Der natürliche Charakter des Tisches wird enorm hervorgehoben ...

Zuerst wurden die Baudielen mit dem Bosch Wandbearbeitungssystem und Schleifpapier mit Körnung 40 geschliffen. Sobald die Gräue entfernt ist, wird auf den Bürstenvorsatz mit Kunststoffbürsten gewechselt. Und nun umfassend gebürstet.

Das PWR 180 CE - Wandbearbeitungssystem ist hierfür wie geschaffen. Hohe Leistung und Rotationsgeschwindigkeit garantieren hohen Abtrag. Das Gerät hat eine integrierte Turbine, durch die der Schleifstaub abgesaugt und über den Schlauch in einen Sammelbehälter geblasen wird. Im Foto habe ich den Schlauch vom Behälter entfernt. Man sieht, mit welchem Druck der Schleifstaub herausgeblasen wird. Binnen Sekunden steht man im Nebel. Deshalb unbedingt im Freien arbeiten ...

Alternativ schlage ich einen Winkelschleifer mit Schleifpapier vor. Ein Exzenterschleifer wäre definitiv zu mühselig. Ein Bandschleifer mit grobem Band könnte auch gute Dienste leisten. Allerdings sollte man vorsichtig sein, um die Ebenheit der Oberfläche zu erhalten.

Auf den Bildern sieht man die Strukturierung des Holzes - genau so möchte ich es haben! Zum Schleifen und Bürsten von 5 laufenden Metern Baudielen (ringsum) habe ich rund 2 Stunden gebraucht. 

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Planung, Skizze, Bemaßung

Nachdem das Holz vorbereitet ist, wird geplant, skizziert und dann werden die Maße auf das Holz übertragen. Mir ist wichtig, dass an den späteren Schnittstellen keine Äste sind. Das würde nicht schön ausschauen. Und ich will die schönsten Stücke für die Tischplatte verwenden. Die Bretter werden deshalb gedreht und gewendet um so die idealen Stücke für die einzelnen Teile zu finden. 


Zu dieser Zeit haben sich zwei Bosch-Produktmanagerinnen aus dem Bereich "Sägen" bei mir angemeldet. Das Ziel: Ein "Über die Schulter schauen", Erfahrungsaustausch, Fachsimpeln und durchaus auch Vorstellung einiger von mir umgesetzen Hilfsmittel und Verbesserung meiner Tischkreissäge. 

Ich habe deshalb alle Schnittstellen präzise markiert, damit ich beim Besuch der Produktmanagerinnen kein Maß mehr nehmen muss und alles komplett zusägen kann. Dies war sehr hilfreich und ich denke, ich werde dies in Zukunft häufiger so machen.

Ich habe auf die späteren Schnittstellen Kreppband geklebt und auf diesem angezeichnet. So musste ich später nicht mühsam eventuelle Anzeichnungen vom Holz schleifen. Sodann konnte ich auch einfach Korrekturen vornehmen, indem ich das Kreppband entfernt und an anderer Stelle neu aufgeklebt habe. Dies war enorm hilfreich, da ich später auch die Tischmaße etwas verändert habe. Und ganz besonders, bis ich den richtigen Winkel für die Füße gedunden hatte: 17,5 Grad. 

An einem Hochschrank habe ich Tafelfolie, die ich häufig mit Skizzen und Maßen beschreiben. Zum einen hilfreich - ein Blick genügt - und Besucher in der Werkstatt wie meine Frau können sich bereits eine Vorstellung vom Ergebnis machen. In diesem Fall war dies für die Produktmanagerinnen sehr hilfreich. 

Der Schiebeschlitten auf meiner PTS 10 - Tischkreissäge kam dann für die rechtwinkligen Schnitte zum Einsatz. 

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Zuschnitte und Stellprobe

Die Dielen werden zugeschnitten und dann erfolgt eine erste Stellprobe. Wo genau werden die Füße später sein? Welcher Fuß an welcher Seite ...


dieser Schritt ist enorm wichtig, denn die Füße werden diagonal montiert, in gegensätzliche Richtungen. Das bedeutet, diese werden nicht mittig gesetzt. Hier ist etwas Geometrie gefragt. Und Fingerspitzengefühl. Nun werden die exakten Positionen angezeichnet.

Sodann muss der Zwischenboden exakt angezeichnet werden. 

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Ausklinkungen für Zwischenboden

Bevor die Füße in die Tischplatte eingelassen werden, fertige ich zunächst die Verbindung mit dem Zwischenboden. Je nach Tiefe der Ausklinkung variiert die Breite des Unterbaus und so kann ich die Tischplatte erst später passend zurichten. 


Die Ausklinkungen in den Füßen mache ich mit der Tischkreissäge mit vielen überlappenden Schnitten. Ich habe kurz zum Frästisch tendiert, aber die TKS hat eine größere Auflagefläche. Und weil die Fußteile auch etwas verwunden sind, erhalte ich so eine sehr ebene Ausklinkung. Auf der Oberfräse hätte ich dies bei diesem Holz nicht erreicht. Die Oberfläche der Ausklinkung ist nicht glatt, ich hobele die Fläche dann fein. Hierzu verwende ich einen etwa 5 cm langen Minihobel. Das geht rasch und macht mit diesem "Kleinod" meiner Werkstatt richtig Spaß.

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Zwischenboden zusägen

Der Zwischenboden muss sehr maßhaltig zugeschnitten werden. Schwierig ist dass der Ausschnitt im Winkel der Füße mit 17,5 Grad erfolgen muss.


Die einfachen Schnitte erfolgen mit dem Fuchsschwanz - diese verschwinden später in den Ausklinkungen der Füße und dürfen durchaus auch minimal abweichen und ausreissen (was sie auch bei der relativ groben Säge auch tun). Die Schrägen werden mit der Japan-Zugsäge aber exakt zugesägt. 

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Schnittstellen bürsten

Durch die Sägeschnitte ergibt es jetzt natürlich Stirnflächen am Holz, die eine glatte Oberfläche haben. Und diese sollten nun auch strukturiert werden. Also werden diese ausgebürstet.


Das Bürsten mache ich nun an der Ständerbohrmaschine und stellenweise auch mit dem Akkuschrauber. Hohe Geschwindigkeit und Nylonbürste. Diese Bürsten gibt es in jedem Baumarkt für rund 10 Euro und haben bei Weichholz so gut wie keine Abnutzung. 

Tipp: Man ist geneigt, in Maserungsrichtung zu bürsten. Die Erfahrung zeigt mir aber das krasse Gegenteil. Die Bürste darf ruhig quer zur Maserung arbeiten. Die Bürsten nehmen das weiche Holz leichter ab und bei einer gewissen Tiefe haben wir nahezu bis keine Abnahme mehr. So wird die Vertiefung glatt und ohne Riefen. Beim Längsbürsten verhalten sich die Borsten anders. Sie nehmen immer Material ab und so entstehen Riefen und auch unterschiedliche Tiefen. 
 

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Entstauben

Auf dem Holz sitzt extrem feiner Staub vom Bürsten. Dieser muss jetzt vor dem Zusammenbau sehr penibel entfernt werden. Das geht sehr einfach durch Bürsten mit einem Pinsel. 


Hierzu nehme ich einen einfachen Rundpinsel mit abgesägtem Stiel. Eingespannt im Akkuschrauber kann man den Staub leicht entfernen und absaugen. 

Ich habe auch eine feine Rundbürste, diese ist aber nicht ganz so geschickt, da ich mit dieser den Akkuschrauber waagerecht halten müsste. Da ist mein Pinsel deutlich besser zu verwenden.

Auf Bild 3 sieht man die tolle Oberfläxhe des fertigen Zwischenbodens. Dieser besteht aus zwei Teilen, die mittig mit Lamellos verleimt sind. 

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DMAX in meiner Werkstatt

Ein kurzer Einschub. Beim Verleimen des Zwischenbodens habe ich etwas Zeit und hierbei habe ich mal meine Werkbank fotografiert. Mit dem klappbaren TV-Gerät. 


Der kleine LCD-Fernseher ist so am Hängeschrank angebracht, dass dieser wie eine Schranktüre bewegt werden kann. Bei Nichtverwendung oder bei starker Staubentwicklung wird dieser in den Schrank geklappt. Und je nach Arbeitsort kann der Fernseher für den optimalen Blickwinkel weniger oder mehr ausgeklappt werden. 

In der Werkstatt läuft meist ein typischer Männersender. Hier DMAX. Das inspiriert und motiviert den "verrückten" Heimwerker. 

(Bilder am besten ganz öffnen - auf Bild 4 die Rückseite der Aufhängung)

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Dübellöcher und Unterbau

Nach dem Verleimen des Zwischenbodens werden die Dübel zur Verbindung mit den Tischfüßen gesetzt.


Zum Dübeln verwende ich eine spezielle Bohrtiefenvorrichtung. Passend gekürzte Kupferrohrstücke, die über die Holzbohrer geschoben werden. Ich habe hierfür zwei Größen. Kürzere für die Stirnholzseite - für etwas tiefere Bohrungen und ein längeres Kupferrohrstück für weniger tiefe Bohrlöcher im flachen Holz. Zusammen haben die Bohrungen dann etwa zwei Millimeter Tiefe mehr, als ein Holzdübel Länge hat. 

Zum Anzeichnen der Dübellöcher verwende ich Dübelspitzen. Zunächst die Dübellöcher einer Seite setzen, Dübelspitze einsetzen, das Gegenholz auflegen und kurz andrücken. Die Spitze markiert durch eine Vertiefung im Holz die exakte Position der konträren Dübelbohrung. Dübel einleimen und Holzstücke einsetzen. Kurz mit Zwingen pressen und der Unterbau ist fertig montiert.

Alternativ gibt es zu kaufende Tiefenbegrenzer oder die einfachste Variante - eine Klebebandfahne. 

Auf den weiteren Fotos der zusammengedübelte Unterbau.

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Der Tisch nimmt Formen an ...

Probeweise wird die Tischplatte aufgelegt. Nun erkennt man erstmals wie der Tisch später aussehen wird ...


An der Tischplatte sieht man auch gut den Unterschied. Die Kanten sind noch nicht gebürstet und noch nicht gebrochen - hart und scharf sehen diese aus. Der Zwischenboden hingegen ist geschmeidig und hat teils runde und ausgebrochene Kanten.

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Tischplatte leimen

Die Tischplatte wird nun verbunden. Mit der Lamellofräse werden nun die beiden Dielen zu einer Platte verbunden. Um die Platte stabil zu haben und Verwindungen direkt an der Fuge zu unterbinden, setze ich Lamellos in zwei Ebenen. 


Die Platte wird dann ausreichend mit Leimzwingen versehen und da ich vollflächig leime, bleiben die Zwingen etwas länger dran.

Sodann mache ich Ausklinkungen in die Unterseite der Tischplatte für die Füße. Sorry, hier habe ich keine Fotos gemacht. Dabei war dies eine schöne und anspruchsvolle Arbeit mit dem Stechbeitel. Ich habe die Tischplatte in der Form der Füße etwas ausgeklinkt. Sodann werden Holzdübel gesetzt und alles vollflächig verleimt. 

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Kerben, Scharten und die letzte Ölung

Da wo das Holz zu "schön wirkt", wird noch etwas Hand angelegt. Die eine oder andere Kante wird entschärft und mit dem Messer Späne abgeschnitten werden. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Stellenweise wird das Holz noch nachgebürstet, so lamge, bis er mir so richtig gefällt ...

Das Holz braucht eine Oberflächenbehandlung. Ich habe einige Holzabschnitte mit verschiedenen Mitteln behandelt. Verschiedene Öle und Wachse. Teilweise auch in Kombination. Letztendlich entscheide ich mich für ein Flüssigwachs von PNZ. 

Dieses hat zwei entscheidende Vorteile:
- Der Erstauftrag wird aufgesaugt und zieht ins Holz ein
- Weiterer Auftrag ergibt eine dünne zu polierende Schicht, die einen sanften Glanz schafft.

Im Gegenzug dunkeln alle Öle das Holz nach. Das will ich verhindern. Mit Bienenwachs bekomme ich eine dickere Wachsschicht auf dem Holz, die zum einen Schmutz annimmt und zum anderen dem Holz einen Honigton verleiht. Bei Möbeln im Allgemeinen sehr schön, aber an diesem Tisch eher störend. 

Das Flüssigwachs von PNZ kann mit Pinsel aufgetragen werden. Oder man kann dies auch spritzen. Den Erstauftrag habe ich mit dem Bosch Farbsprühsystem PFS 5000 vorgenommen. Nach etwa 20 Minuten habe ich den Übertrag mit steifem Pinsel verteilt. Nach Trocknung über Nacht erfolgte ein zweiter Auftrag mit Pinsel und sehr wenig Flüssigwachs. Auf der Tischplatte habe ich zusätzlich noch Wachs aus der Dose mit einem Baumwolllappen sehr sparsam aufgetragen und mit dem Schafwollpad am Exzenterschleifer aufpoliert. Dieser nimmt aber beim Polieren auch das Wachs wieder nahezu herunter. Bei einem zweiten Wachs-Durchgang verwende ich aber den uralten Blocker meiner Großmutter. Damit hat sie früher die Holzböden und Linoleum gewachst und geblockt. Nun nutze ich ihn gerne für gewachste Holzoberfläche. 

Die Holzfarbe hat sich nur minimal verändert, die Oberfläche schimmert zart und die Haptik ist sehr angenehm.

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Gleitschienen an den Füßen

Da wir eine Auszugscouch haben, die wir gerne bei Filmeabenden ausziehen, müssen wir den Tisch immer wieder mal verstellen. Am bisherigen Tisch ging dies nur schwer, denn beim Verschieben ging der langflorige Wuschelteppich immer mit. Der neue Tisch soll leicht auf dem Teppich rutschen. 


Auf die Füße werden Kunststoffprofile geklebt und verschraubt. Diese Profile gibt es für etwas Kleingeld im Baumarkt. Diese entsprechend abgelängt, die Kanten am Tellerschleifer abgeschrägt, und mit Kontaktkleber auf die Füße geklebt. Zusätzlich werden Schraubenlöcher gebohrt, angesenkt und die Schienen werden verschraubt. Das sind übrigens die einzigen Schrauben im Tisch. Alles anderen Verbindungen sind gedübelt und verleimt. Die Gleitschienen sorgen dafür, dass der Tisch nun problemlos durch das Wohnzimmer gezogen werden kann.

Auf diesem Foto gut zu sehen, die Füße sind in Gegenrichtung angeschrägt. Das gibt dem Tisch etwas mehr "Dynamik" und einen modernen Charakter.

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Das Ergebnis

Auf den Bildern seht ihr den fertigen Couchtisch. Durch die schrägen Füße sieht er etwas modern aus, durch das Holz eher alt und rustikal. 


Dieser "alte" Tisch korrespondiert sehr schön zu unseren sonst auch modernen Elementen im Wohnzimmer, aber auch zu den rohen Balken unserer entkernten Fachwerkwand und dem Lowboard am Fernseher. 

Auf Bild 1 Tisch plus TV-Lowboard
Weitere Bilder: Der Tisch ohne und mit Deko.


Rechtlicher Hinweis

Bosch übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hinterlegten Anleitungen. Bosch weist außerdem darauf hin, dass die Verwendung dieser Anleitungen auf eigenes Risiko erfolgt. Bitte treffen Sie zu Ihrer Sicherheit alle notwendigen Vorkehrungen.


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