Chaos-Umzug von der Nordsee nach Südbaden

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  • Schwierigkeit
    schwer
  • Kosten
    5000 €
  • Dauer
    2-3 Tage
  • Wertung

Also fangen wir mal bei Adam und Eva an.

Meine Frau und ich wohnten bis Januar 2010 an der Nordsee (in Wilhelmshaven), und die erste Januarwoche 2010 bin ich bereits nach Südbaden (nach Lörrach), gekommen um hier zu arbeiten. Das sind mal ebend 810 km für eine Strecke. Vorab zum Arbeitsamt und einen Antrag gestellt, damit die Kosten im Rahmen bleiben. Ich war ein paar Monate Arbeitslos und hatte einen Anspruch auf Umzugskostenhilfe.

Meine Frau fing langsam an zu packen und den Umzug zu organisieren.

Soweit so gut. Der Arbeitgeber hat eine Kopie vom Arbeitsvertrag zum Arbeitsamt geschickt, damit die Kostenübernahme klappt.

Das war dann in trockenen Tüchern. In der Zwischenzeit hatte ich einen Arbeitsunfall - in der Probezeit. 2, 5 Wochen gearbeitet und dann während der Arbeit mit dem Fuß unglücklich aufgekommen. Nächsten Tag konnte ich nicht mehr laufen, der Fuß paßte in keinen Schuh der Welt mehr rein. Auftreten konnte ich auch nicht mehr. Zum Arzt und selbstverständlich wurde ich Krankgeschrieben. Ersteinmal 4 Wochen am Stück. Fuß eingegipst - kein Arbeiten möglich. Nach einer Woche Krank sein sollte ich in die Firma kommen. Sie könnten mich nicht auffangen und müßten mir fristgemäß kündigen. Hatte mich dann erkundigt, ob ich da was gegen tun kann - keine Chance. Die Kündigung war so nicht in Ordnung aber Rechtens.

Jetzt dem Arbeitsamt mitteilen, daß der Arbeitsplatz futsch ist. Alles gestoppt. Ich war im Süden bei meiner Tochter und habe mich nach neuer Arbeit umgesehen. Das klappte auch innerhalb von 14 Tagen. Hingefahren vorgestellt und ein paar Tage später konnte ich Probearbeiten. Mit Humpelfuß - der neue Chef war skeptisch hatte aber verständnis oder brauchte mich ganz dringend. Das wußte ich damals noch nicht. Auf jeden Fall hatte ich wieder einen Arbeitsplatz. Also wieder Kontaktaufnahme mit dem Arbeitsamt. Was das dann für eine Schreiberei und Telefoniererei war kann sich mancheiner vielleicht vorstellen.

Zu guter Letzt hatten wir die Zusage, das der Umzug Kostenmäßig übernommen wird. Jetzt gings dann darum eine Wohnung zu suchen und zu finden.

Einen Wohnungsmakler beauftragt eine entsprechende Wohnung zu suchen, ich war am arbeiten und meine Frau saß noch immer auf gepackten Koffern und Umzugskisten in Wilhelmshaven. Mit den Nerven mittlerweile (Verständlicherweise) am Ende.

Sie hatte den gesamten Wohnungskram in Umzugskisten gepackt und mit Hilfe meines Bruders, der auch in Wilhelmshaven lebt, sämtliche Möbel abgebaut. Jeden Abend mit meiner Frau telefoniert und sie versucht zu beruhigen. Mittlerweile hatten wir auch schon eine Umzugsfirma gefunden. Wir benötigten für das Arbeitsamt 3 Kostenvoranschläge. Die würden sich dann das günstigste aussuchen und uns Bescheid geben, wann wir denn endlich umziehen dürften.

In der Zwischenzeit hatte der Makler einige Wohnungen angeboten. Diese habe ich mir dann angesehen und mich für eine entschieden. Das habe ich telefonisch mit meiner Frau abgesprochen.

Der Tag kam näher und näher, dass wir umziehen konnten. Ich konnte nicht daran teilnehmen - mußte arbeiten. Wollte meinen neuen Job ja nicht schon wieder verlieren.

Ok - jetzt kommts.

Wohnung war klar soweit. Umzugs-LKW fuhr an der Küste los in Richtung Süden.

Ich nochmal nach Feierabend zur neuen Wohnung und wollte schon mal was vorbereiten. Der Umzugs-LKW würde am nächsten Morgen ca. 10 Uhr bei der neuen Adresse sein.

Komme zur neuen Wohnung - hat der Eigentümer immer noch seine Möbel und sonstigen Kram in der Wohnung, wo wir einziehen wollten.

Alarm - Ach Du Sch......

Was tun - ich finde doch nicht innerhalb eines Tages bzw. ein paar Stunden eine andere Wohnung. Den Makler und den Eigentümer der Wohnung aber sowas von zusammengefaltet - was mir ausser weiteren grauen Haaren nichts einbrachte.

Nächsten Tag zur Arbeit. Den Umzugs-LKW angerufen (meine Frau war mittlerweile völlig von der Rolle), gefragt wo sie sich denn jetzt genau befinden. In Freiburg sei man auf dem Parkplatz und machte Frühstück. Toll - jetzt waren die viel früher von der Küste losgefahren als vereinbart.

Was tun - die hatten unseren gesamten Hausrat auf dem LKW. In Freiburg dann nach ca. 1 Stunde rumtelefoniererei einen LKW-Auflieger gemietet.

Den Umzugs-LKW angerufen und die Leute dorthin beordert. Sie brauchten jetzt nur Rückwärts an den Auflieger fahren und von Rampe auf den Auflieger umladen. Jetzt hatte ich mir dann doch schweren Herzens den Rest des Tages freinommen und nach Freiburg gefahren. Ich musste ja jetzt den Auflieger bezahlen und den Umzugsleuten auf die Finger schauen. Meine Frau war mittlerweile von Freunden mit dem Privat-PKW auch nach Freiburg gebracht worden. Dort trafen wir uns. Erstmal das verständliche geheule abgeweartet und runtergefahren. Den Puls meine ich. Die Umzugs-Leute hatten mittlerweile den halben LKW leer bzw. den Auflieger halb voll. Egal.

Jetzt also wurde unser Umzug kurz vorm Ziel doch noch torpediert - wenn das kein schlechtes Omen war.

Alle Formalitäten erledigt und dann erstmal zu meiner Tochter gefahren. Dort haben wir dann noch ca. 4 Wochen gewohnt - in der Zwischenzeit eine schöne Wohnung selbst gefunden.

Jetzt ging es wieder einmal darum den Umzug zu wuppen. Auf meiner neuen Arbeitsstelle arbeitete ich seit Wochen jeden Tag - auch Samstags und Sonntags ca. 12 bis 16 Stunden. Wir hatten dort Termine einzuhalten und sehr viel Stress. Nebenbei hatte ich Stress für 2 Leben.

Bekannte wollten mir den Tag helfen - was oder wer war den Tag nicht in Freiburg und half beim Umzug?

Also ich mit dem geliehenen LKW Rückwärts an den Auflieger und den gesamten Inhalt innerhalb von 4 Stunden allein umgepackt. Fix und fertig dann ca. 85 KM zur neuen Wohnung. Dort wartete bereits meine Frau.

Was oder wer wartete ausserdem dort um zu helfen - KEINER.

Meine Frau und ich dann den Umzugs-LKW ausgeladen. Wir hatten bzw. haben noch eine schöne Wohnung in der 1. Etage. Ist nicht besonders hoch - aber wenn du gerade erst einen LKW umgepackt hast und als Hilfe eine Frau, die ja so schwere Sachen wie Couch, Waschmaschine usw. nicht mitanpacken kann, da machst Du ganz schön dicke Backen. Gegen Spätnachmittags kamen dann unser Nachbar und unser Vermieter von der Arbeit und halfen den Rest des LKW`s auszuladen.

Das war unser Spektakulärster Umzug. Nie wieder.

Jetzt mit einigem zeitlichen Abstand betrachtet lächelt man drüber. Aber damals - ich kann Euch sagen. Nervenzusammenbruch ist nix dagegen.

Zieh niemals in eine Gegend, wo Du niemanden kennst, verlass Dich niemals auf Zusagen wie "Beim Umzug helfen wir Dir natürlich"

Aber wir haben es hier dann doch wider Erwarten ganz toll getroffen. 5 Minuten mit dem Auto zur Schweiz und Frankreich, mittlerweile einen festen Arbeitsplatz mit Arbeitsvertrag und nicht per Handschlag. Tolle Vermieter und eine Frau die sich langsam wieder beruhigt hat.


Liebe Grüße

Bruni und Tischler MS (Michael)

Los geht's - Schritt für Schritt

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Wettbewerb

Die zu lesende Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und ist uns im Jahr 2010 passiert. Wenn ich noch weiter ins Detail gegangen wäre, hätte es auch ein Buch werden können.

Alleine die Arbeitsamtgeschichte füllt mittlerweile einen Ordner. Also habe ich hier nur die Kurzfassung unseres Horrorumzuges niedergeschrieben.

Wir haben auch schon schöne Umzüge hinter uns - aber am schlechtesten lief der letzte, wo wir dachten wir hätten alles im Griff.


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