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lösemittelhaltige 1 - und 2 - komponentige Polyurethanharzlacke

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    lösemittelhaltige 1 - und 2 - komponentige Polyurethanharzlacke

    lösemittelhaltige 1 - und 2 - komponentige Polyurethanharzlacke

    1. Allgemeines


    PUR - Lacke gibt es ein - oder zweikomponentig. Diese Lacke werden landläufig auch als DD - Lacke bezeichnet.

    Dieser Name bezieht sich auf die Handelsnamen der beiden Einzelkomponenten bei O. Bayer. Dieser hat nämlich als erster 1937 solche Polyurethane synthetisiert, ursprünglich aus Polyolen und Isocyanaten.

    Da diese Komponenten ( insbesondere Isocyanate ) gesundheitlich teils äußerst bedenklich sind und von den erzielbaren Eigenschaften des Endproduktes bezogen auf die Anforderungen eines Lackes nicht die gewünschte Variabilität bieten, wurden die Polyole ( Stammkomponente oder Komponente A) durch Alkydharze und die Isocyanate ( Härter oder Komponente B ) durch ausreagierte Polyisocyanate ersetzt, deren Restmonomergehalt dann unproblematisch ist.

    Die Isocyanate sind durch den hohen Restmonomergehalt starke Allergene und stehen im Verdacht, karzinogen zu wirken.

    Seit dieser Änderung sind die PUR - Lacke relativ unproblematisch zu handhaben und in ausgehärtetem Zustand gesundheitlich unbedenklich. Polyisocyanate sind zwar immer noch Allergene, wirken aber nicht karzinogen.

    Bei der Verarbeitung sind trotzdem Handschuhe zu tragen und im Fall nicht ausreichender Belüftung eine geeignete Maske. Das ist im übrigen bei vielen Lacken angeraten.

    Bei Bayer hießen die Alkydharze Desmophen und die zugehörigen Härter Desmodur, daher die Bezeichnung DD - Lacke.

    Der einkomponentige PUR - Lack vernetzt ähnlich stabil wie die 2k - Variante und härtet durch Luftfeuchtigkeit aus.
    Problematisch bei der 1k - Variante ist, daß im Gegensatz zur 2k - Variante die Haltbarkeit drastisch sinkt, sobald das Gebinde einmal angebrochen und somit der Reaktionsprozeß durch den Kontakt mit der Feuchtigkeit initiiert wurde.

    Bei den zweikomponentigen Varianten wird erst kurz vor dem Beschichten die Stamm - mit der Härterkomponente gemischt und bleibt dann für die angegebene Topfzeit verarbeitungsfähig.

    Eine deutliche Überschreitung der Topfzeit empfiehlt sich nicht, auch, wenn der Lack sich noch auftragen läßt, da der beginnende Vernetzungsprozeß durch den Auftrag gestört wird und die Endeigenschaften des Lacküberzuges dadurch negativ beeinflußt werden.


    Eigenschaften

    DD - Lacke haften generell hervorragend und da es sie auch in zahlreichen Varianten gibt, was die strukturellen Eigenschaften des Lackfilms angeht, sind sie auch - entsprechende Vorbereitung vorausgesetzt - für fast alle Untergründe eine sehr gute Wahl.

    Keine andere Bindemittelart, die auch von Heimwerkern ohne große industrielle Anlagen verarbeitbar ist, ergibt in so hohem Maß mechanisch belastbare und chemisch und thermisch resistente Oberflächen, die bei entsprechender Formulierung auch noch höchst UV - resistent und vergilbungsfest sind.


    Einsatzgebiete

    1. Schutz von frei bewitterten Metallkonstruktionen und solchen aus Beton vor mechanischen Belastungen und Korrosion bzw. Zersetzung durch Abgase oder sauren Regen etc.

    Es werden in allen Punkten höchstbelastete Konstruktionen z. B. Industrieanlagen im Freien oder stählerne Autobahnbrücken mit diesen Lacken endbeschichtet.

    Hierzu wird eine Korrosionsschutzgrundierung und bei Bedarf eine passende Zwischenbeschichtung, meist 2k - Epoxidharzbeschichtung, aufgetragen, um die Gesamtschichtdicke bedarfsgerecht auszugestalten.

    Nach Aufbringen der 2k - PUR - Endbeschichtung sind solche Konstruktionen dann über Jahre zuverlässig vor Industrierauchen, Aerosolen sowie mechanischen Verletzungen und Korrosion geschützt.

    Sogar im Stahlschiffbau werden diese Beschichtungen eingesetzt, innen - und außenbords.

    Als Heimwerker kann man sämtliche Metallteile, auch vollkommen freibewitterte, mit so einem Anstrichsystem zuverlässig und dauerhaft schützen.


    2. Kunststoffe

    Kunststoffoberflächen sind in der Regel einsatzentsprechend genügend chemikalienresistent bzw. im Fall eines Außeneinsatzes UV - stabilisiert.

    Von daher ist zum Schutz keine Lackierung mit DD notwendig, sondern es kann auf etwas günstigeres zurückgegriffen werden.

    Schließlich handelt es sich in so einem Fall lediglich um eine Farbänderung.

    Zu bedenken ist in so einem Fall, daß die Oberfläche dann auch nur so gut ist wie der verwendete Lack.

    Die Haftung wird ohne Grundierung auf keinen Fall besser sein bei Verwendung eines DD - Lackes.


    3. Holz

    Bei all den beschriebenen Eigenschaften ( hohe Resistenz gegen die meisten Chemikalien, hochwiderstandsfähig gegen mechanische Belastungen wie Druck, Kratzer, Abrieb, UV - und Temperaturwechselstabilität ) ist es logisch, daß DD - Lacke auch hervorragend zum Schutz von Holz geeignet sind, und zwar nicht nur im " normalen " Innen - und Außenbereich, sondern sogar bei hölzernen Booten, ebenfalls innen und außen.

    Ob es um Rumpflackierung, Lackierung von Decksaufbauten oder des Deckes selbst geht ( im letzteren Fall auch mit einer Antirutschadditivierung ) , ist man mit solchen DD - Lacken auf der sicheren Seite.

    Nicht von ungefähr werden Bootslacke fast ausschließlich mit diesen Bindemitteln gebunden.

    Natürlich können mit PUR - Lacken auch Möbelstücke aller Art geschützt werden, z. B. Spieltische gegen Kratzer oder Farben, Badmöbel gegen Nagellackentferner und die Tenside von Shampoos etc. oder auch die Arbeitsplatte einer Bar gegen hochprozentigen Alkohol...


    4. Sonstiges

    Da DD - Lacke gegen alle üblichen Chemikalien ( und ein paar unübliche ) resistent sind, sind sie im Bedarfsfall auch mit allen möglichen Lacken überarbeitbar, solange man sich an die bekannte und grundlegende Regel hält, den Anstrichaufbau immer von mager nach fett ( bezogen auf den Bindemittelgehalt ) zu bewerkstelligen.

    Es genügt reinigen und anschleifen.

    Die hohe und prinzipiell wünschenswerte chemische Resistenz hat aber auch einen Nachteil:

    DD - Lacke sind nur mechanisch zu entfernen, wenn sie erst einmal ausgehärtet sind.

    Es gibt schlicht und ergreifend keine Lösemittel oder Abbeizer, die PUR - Filme angreifen und lösen könnten.

    Alles, was PUR angreift, macht auch vor dem jeweiligen Untergrund nicht halt.

    Der Lack läßt sich ganz konventionell mit Pinsel, Rolle, Luftpistole oder auch Airless auftragen und es gibt ihn in allen Farbtönen ( inlusive vollkommen transparent ) und Glanzgraden.

    Er stellt die beste Möglichkeit dar, die besagten Untergründe ohne großen apparativen Aufwand dauerhaft zu schützen ( und zu verschönern!).

    Es ist nicht die günstigste Art eines Anstrichs, der gleichzeitig Schutz und Kosmetik sein soll, aber die effektivste.









    Zuletzt geändert von –; 14.04.2021, 01:52.

    mit
    Danke für diesen sehr informativen Wissensbericht

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      Wow mit, das war mal echt interessant!
      Ein toller Wissensbeitrag! Vielen Dank

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        mit
        Ich habe den Bericht auch gerade erst entdeckt. Ausgesprochen interessant und lehrreich. Vielen Dank!

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          Danke euch! Ich freue mich ausserordentlich. Allmählich dachte ich schon, daß keiner sich dafür interessiert.

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            Zitat von mit Beitrag anzeigen
            Danke euch! Ich freue mich ausserordentlich. Allmählich dachte ich schon, daß keiner sich dafür interessiert.
            Dooooch! Ich habe deinen Artikel am Handy gelesen und gedacht: Wenn ich wieder am PC bin, muss ich unbedingt noch antworten.
            Vielen Dank für die Übersichten!

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              Super informativ!

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