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Wissen: Paletten und Palettenholz Teil 2

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    Wissen: Paletten und Palettenholz Teil 2

    Palettenholz bearbeiten – aber wie?
    Für Palettenholzprojekte muss die Palette zunächst einmal in ihre Bestandteile zerlegt werden. Das geht nur durch Muskelkraft und den gezielten Einsatz des passenden Werkzeuges. Hierfür empfehlen sich:
    • Nageleisen/Kuhfuss/Keil/Stemmeisen
    • Fäustel/Latthammer
    • Fuchsschwanz, Japansäge, Bügelsäge
    • Reziprosäge/Säbelsäge
    • Splintentreiber/Durchschläger
    • Kneifzange/Nagelzieher
    Es gibt verschiedene Wege, eine Palette zu zerlegen. Man kann z.B. sämtliche Nagelverbindungen mit Hammer und Kuhfuss lösen und dann die Nägel herausziehen. Das ist eine anstrengende Methode, die aber den geringsten Materialverlust mit sich bringt. Man kann auch nur die Mittelstücke jeweils an den Klötzen heraussägen. Das geht zwar recht schnell und einfach, aber die gewonnenen Einzelbretter sind dann auch eher kurz (Beispiel Europalette: 38 cm).
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Name: Palette1a.jpg
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ID: 3753705
    Sägeschema für 38 cm lange Bretter.

    Ein weiterer Weg ist das Absägen der Enden, so dass nur vom Mittelklotz die Nägel entfernt werden müssen. Hierbei verlieren die einzelnen Bretter aber auch erheblich an Länge, aus einer Europalette gewinnt man so Teile von ca. 90 cm.

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Name: Palette1b.jpg
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ID: 3753706
    Sägeschema für 90 cm lange Bretter.

    Eine weitere Alternative ist das Auftrennen mit einer Reziprosäge/Säbelsäge. Hierfür muss ein Sägeblatt verwendet werden, das gleichermassen Holz und Metall sägt. Man schneidet zwischen den aufeinander genagelten Brettern durch und bekommt so recht schnell die Palette in Ihre Bestandteile zerlegt.

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Name: Palette1c.jpg
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ID: 3753707
    Sägeschema für 120 cm lange Bretter.

    Nachteil dieser Methode ist aber, dass die Reste der durchgesägten Nägel im Holz stecken bleiben und vor der weiteren Bearbeitung müsam mit Durchschläger oder Splintentreiber entfernt werden müssen.
    Welche Methode man für sich wählt, ist schlussendlich davon abhängig, welches Werkzeug zur Verfügung steht und wieviel Aufwand man zu betreiben bereit ist.

    Hat man nun seine Palette zerlegt, steht man vor einem Haufen einzelner, roher, wenig masshaltiger und oft verzogener Bretter. Soll hieraus nun etwas entstehen, das später nicht mehr als Palette zu erkennen ist, müssen die Bretter weiterbearbeitet werden. Bevor man sich jedoch nun dem Maschinenpark nähert ist es angezeigt, die Bretter nochmals genau zu prüfen:
    • Sind noch Nagelreste oder Tackerklammern im Holz? Neben einer gewissenhaften Sichtprüfung kann hier auch ein Universaldetekor hilfreich sein.
    • Wie stark ist mein Brett verzogen? Ist der Wurf noch aushobelbar? Im Zweifel lieber aussortieren.
    • Zeigt das Holz Spuren unliebsamer Bewohner? Holzwurm oder sogar Maden können im Material stecken. Es passiert nicht oft, aber es kommt vor. Auch hier gibt es keine Kompromisse. Befallenes oder auch nur verdächtiges Holz gehört aussortiert!
    Man sollte sich nicht wundern, wie hoch die Ausschussrate sein kann. Oft bleibt von einer kompletten Palette nur die Hälfte übrig.
    Wer einen Abrichthobel besitzt, kann nun die Schmalkanten abrichten, also begradigen. So erhält man eine gerade Referenzkante, die es ermöglicht, die Palettenbretter auf einer Tischkreissäge aufzutrennen. Zuvor muss man aber noch eventuell vorhandenen Wurf aushobeln. Auch das geht auf dem Abrichthobel oder natürlich auch mit dem E-Hobel oder Handhobel. Aber es bedarf schon einer gewissen Übung, bis man hier gute Resultate erzielt. Und jedes Aushobeln geht mit Materialverlust einher, die Bretter werden also immer dünner. Je geringer der Wurf und der Verzug ist, umso weniger muss an dem Brett noch gemacht werden.

    Nun ist ein Dickenhobel ein weiteres, sehr nützliches Werkzeug. Damit kann man mit relativ geringem Aufwand die Palettenbretter auf eine gleichbleibende Stärke bringen. Dies mit einem Handhobel (elektrisch oder manuell) zu schaffen, ist ungleich schwieriger.
    Wer nicht über einen Abricht- und Dickenhobel verfügt, kann auch anders zu Werke gehen. Um die Palettenbretter mit der Referenzkante zu versehen, hilft auch ein Besäumschlitten für die Tischkreissäge. So wird die erste Schmalkante gerade gesägt, so dass diese dann am Parallelanschlag der Säge angelegt werden kann. Sind die Bretter nicht allzu sehr verzogen, kann die Oberfläche, statt zu Hobeln, auch mit dem Bandschleifer oder Exzenterschleifer geglättet werden. Legt man dabei mehrere Bretter aneinander und schleift diese durchgängig, erreicht man auch eine relativ einheitliche Brettstärke.
    Die weitere Bearbeitung ist dann vom jeweiligen Projekt abhängig. Benötigt man z.B. größere Flächen, so kann man aus mehreren Einzelbrettern ein großes zusammenleimen, also ein Leimholzbrett erstellen. Hierbei ist auf die Wuchsrichtung der Jahresringe zu achten, damit das fertige Leimholzbrett später nicht schüsselt. Gute Zwingen in ausreichender Größe sind hierfür unerlässlich. Rohrzwingen sind hier eine Alternative.

    Wie verstopfe ich die Nagellöcher?
    Bei der Verarbeitung von Palettenholz ist es fast unvermeidlich, dass von den Nägeln unschöne Löcher zu sehen sind. Diese zu Verfüllen ist auf mehrere Arten mit wenig Aufwand möglich.
    1. Verfüllen mit Rundholz. Das Nagelloch wird aufgebohrt und der Bohrdurchmesser dabei so gewählt, dass das Nagelloch vollständig „weggebohrt“ wird. Dann wird in diese Bohrung ein Rundholz eingeleimt und verschliffen.
      Rundhölzer werden in den Baumärkten in fast allen denkbaren Durchmessern angeboten und liegen für gewöhnlich in den Holzarten Kiefer oder Buche von. Für kleinere Bohrungen kann man auch auf die zumeist günstigeren Alternativen wie Schaschlikspiesse oder Popcakesticks zurückgreifen. Es ist auch möglich, sich mit einfachen Mitteln aus dem Palettenholz selbst Rundhölzer herzustellen. Das geht mit einem Zapfenbohrer oder auch mit einem Stück Stahl. In den Stahl bohrt man Löcher des gewünschten Durchmessers und treibt dann dünne Streifen des Palettenholzes rotierend (in Akkuschrauber oder Bohrmaschine eingespannt) durch die Löcher hindurch. Das folgende Bild zeigt ein paar Beispiele:Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSCN3265.JPG
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ID: 3753708
    2. Verspachteln. Es ist auch möglich die Löcher einfach mit handelsüblicher Holzspachtelmasse zu verfüllen.
    Bei beiden Methoden werden die verfüllten Stellen immer noch erkennbar bleiben, außer bei deckenden Schlussanstrichen, z.B. Lack. Rundholzverfüllungen werden nach der Oberflächenbehandlung mit Öl, Wachs oder Lasur immer etwas dunkler erscheinen, weil das Rundholz ja an seiner Hirnholzseite behandelt wird.

    Perfekt Reinhard . Beim lesen ist mir eingefallen , das ich unbedingt diese Zapfenbohrer brauche , schon alleine für meine Palettenprojekte um die Nagellöcher zu stopfen. Und wie du super angemerkt hast , sind die Rundhölzer die man zum verleimen der Löcher nutzt immer sichtbar , was mit den Zapfenbohrer nicht mehr der Fall wäre da man kein Stirnholz oben hat . Klasse Artikel

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      Auch der zweite Teil ist interessant und lesenswert. Herzlichen Dank.

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        Auch hier sind interessante Aspekte für mich dabei . Leider hält sich meine Kraft in engen Grenzen und somit ernte ich aus den Paletten immer nur die kurzen Teile

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          Ich will keine Diskussion anzetteln, aber im Baumarkt kostet ein Brett Fichte 2 m lang und 15 breit 5 Euro. Wenn ich dann den Aufwand betrachte Palettenholz abzurichten um ein anständiges Ergebnis zu erreichen, steht das in keiner Relation. Andererseits könnte das die Anschaffung einer Abrichte rechtfertigen. Ich brauche einige Paletten und dann einen Termin bei meinem Haushalts-Kassenwart

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            Wenn man die Paletten rel. teuer kaufen muss, rentiert sich das auf keinen Fall. Bekommt man die Paletten sehr günstig, kann es sich lohnen.
            Ich mach das aber auch nur noch in Ausnahmefällen.

            Auf jeden Fall sollte man diverse Schutzausrüstung nicht vergessen. Allem voran Sicherheitsschuhe. Ich habe mir vor einiger Zeit mal einen Palettennagel in den Fuß getrieben, weil ich damals keine Sicherheitsschuhe anhatte. Mittlerweile solche Aktionen nur noch mit. Und zwar solche mit Durchtrittschutz.

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              Reiner , wenn man es aus dem Finanziellen Aspekt sieht lohnt es sich auf keinen Fall da gebe ich dir 100%ig Recht .
              Man muss die Bretter schleifen , hobeln , bohren um sie einigermaßen brauchbar zu machen .
              Wenn man die Stromkosten/ Materialkosten alleine sieht könnte man sich schon eher ein Brett kaufen. Nicht zuletzt die Arbeitszeit bis das Brett fertig ist um es verwenden zu können.
              Ich arbeite gerne mit Palettenholz weil ich es einfach liebe , irgendwie lebt das Holz für mich ... es hat eine Geschichte ... einen Weg ... und durch markante Gebrauchsspuren zeigt mir das Holz seine Reise.
              Nicht zuletzt kommt dann noch der Aspekt des Recyclen dazu .
              Mir tut es einfach zu leid so ein Holz einfach verbrennen zu lassen um später wieder Bäume zu fällen um Holz zu haben.
              Ich habe verdammt viele Projekte welche ich nur aus Palettenholz gefertigt habe. Meine Quellen dafür sind im Industriegebiet ein paar Firmen die ich regelmäßig ansteuern darf .
              Es ist auch schön was daraus zu fertigen und man weiß das es vorher eine einfache Palette war und es nun ein hübsches Möbelstück ist .
              Ich sage es mal so .......... Man muss es einfach lieben um sich diese Mühe zu machen .

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                Wie du ja weißt, gehöre ich auch zu den Palettenverwertern. Du hast alle Punkte angesprochen, die auch mir eingefallen wären. Sehr schön zusammengetragen.
                Alles in allem ist es schon ein Kraftakt wenn man nicht nur die kleinen Stücke haben möchte. Aber es ist eben doh der Recyclinggedanke der zählt. Ich habe übrigens in letzter Zeit von einem Tiefbauunternehmen ein paar Mal "Pumpenkisten" bekommen. Da ist es definitiv leichter an Restholz zu kommen. Und große Stücke hat man auch.

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                  Trotz Möbelbauserie noch Zeit für einen zweiten Teil des so informativen Wissensartikel - Hut ab

                  Auch der zweite Teil ist absolut gelungen. Der Arbeitsaufwand Paletten so herzurichten, dass man schöne Holzergebnisse erhält, ist riesig und jetzt verstehe ich auch besser, warum sich so viele genau davor drücken und die Paletten mehr oder weniger sichtbar weiter verarbeiten.

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                    Ich habe jetzt beide Teile endlich gelesenn und muss sagen, vieles dabei gelernt.
                    Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung

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                      Es gibt nicht nur Paletten mit Klötzchen drunter, sondern auch welche, die auf Kanthölzer genagelt sind. Ich bekomme sie praktisch Freihaus geliefert, weil mein Nachbar sie zum Heizen von seinem Arbeitgeber bezieht. Sein Sägeplatz ist nur 20 Schritte von meiner Werkstatt entfernt. Die Paletten bestehen aus Nadelhölzern osteuropäischer Produktion. Die Holzqualität ist meist minderwertig, aber es finden sich immer mal wieder gute Qualitäten darunter, die sich gut Hobeln lassen. Die zupfe ich mir aus dem Palettenstapel heraus und zerlege sie. Bisher sind die Bretter fast immer zerborsten, weil die Nägel sehr fest saßen. Von neun Brettern konnte ich meist nur eins oder zwei unbeschädigt demontieren.
                      Irgendwo hatte ich gelesen, dass man festsitzende Nägel mit einem Splintentreiber noch ein kleines Stück einschlagen soll, damit sie sich lösen.
                      Das habe ich gestern ausprobiert und es hat geklappt. Jetzt ist das Verhältnis genau umgekehrt - es ist nur eins von neun Brettern zersplittert.
                      Aus den Kanthölzern der guten Qualität habe ich mittlerweile schon ein Fenster gebaut. Dabei mußte ich viel hobeln, aber die Ausrisse waren nur minimal.

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                        liggle

                        Es gibt mannigfalte Varianten von EW Paletten, die konnte ich in meinem Artikel unmöglich aufführen (wahrscheinlich, kenne ich auch gar nicht alle)...
                        Mit Kantholz, dafür ohne Klötze habe ich auch schon mal verarbeitet, ein Kantholz steht immer noch hier rum. Wurde bei mir zum Beispiel zur Standsäule für ein Vogelhaus.

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                          Mit dem Splinttreiber muss ich mal versuchen . Ich habe es immer mit einem Kuhfuß gemacht die Bretter etwas anzuheben . Da macht man sich höchstens die ersten 3 cm mal etwas platt , aber die säge ich eh meistens ab weil die Kanten ganz schön verhunzt aussehen .

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                            Vielen Dank auch für den zweiten Teil des Wissensartikels. Sehr informativ!

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