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    • Teil 22
      Juni 2020: Kästchen #01 - Bandsägebox

      Ich hatte schon seit einiger Zeit vor, Kästchen zu bauen. Nicht weil ich welche brauche, sondern weil es so viel Kästchen gibt die ich schön finde und weil glaube, dass es mir Spaß machen würde, mich daran zu versuchen. Nach dem erschöpfenden Holzlager-Projekt schien die Zeit reif, mit den Kästchen-Projekten zu beginnen.


      Ich wollte nicht gleich das Faß mit der Aufschrift „Fingerzinken“ aufmachen, sondern erstmal mit etwas Einfachem beginnen. In einer der letzten Ausgaben der Zeitschrift „Feinschnitt kreativ“ (was sich einem für Möglichkeiten eröffnen, wenn man erstmal eine vernünftige Dekupiersäge hat – wer hätte gedacht dass es sogar eine Zeitschrift nur für Dekupiersägearbeiten gibt?) war eine kleine Bandsägebox drin, gemacht mit der Pégas-Bandsäge aber natürlich auch mit meiner kleinen Metabo und einem schmalen Sägeband umzusetzen. Wie wär's damit? Sieht doch schön schlicht und einfach aus.

      Ich hatte vor ein paar Monaten bei Dictum ein paar Holzkanteln bestellt, einmal Pappel-Maser und einmal gestockte Buche. Die Box in der Zeitschrift war zwar aus dunklem Holz, aber welches Holz man nimmt ist doch sicherlich egal? Ich griff zur Pappel-Maser-Kantel, halbierte sie weil sie zu lang für eine Box war, und rollte die kleine Metabo-Bandsäge nach vorn. Stecker in die Maschinen-Steckdose meines Werkstattsaugers, Ohren- und Augenschutz auf, los geht’s … Wieso staubt das so? Läuft der Sauger nicht? Doch, tut er. Komisch. War doch früher nicht so schlimm? Liegt das am Holz? Muss ich später mal googeln, erstmal den ersten Schnitt fertig machen.

      Ich trennte Boden- und Deckelplatten vom Rohling, malte auf den Mittelteil die gewünscht Form auf und schnitt langsam und vorsichtig (und immernoch staubend – verflixt nochmal, was'n da los?) das Innenstück des Mittelteils heraus. Sieht gut aus. Dann kann ich die Bandsäge ja saubermachen und wegräumen. Schnell den Staubsaugerschlauch aus der Maschine ziehen und … ah. OK. Wenn man eine Maschine absaugen will macht es Sinn, nicht nur die Maschine in den Sauger einzustöpseln sondern auch den Saugschlauch an die Maschine anzudocken. Heimatland, wie oft willst du diesen blöden Fehler noch machen?

      Ich verleimte die Schnittstelle des Mittelteils und danach das Mittelteil mit dem Boden. Leider sieht man beide Schnittstellen doch recht deutlich. Bei der Box in der Zeitschrift sieht man das fast gar nicht, wie kommt das?

      Lektion 1: Helles, stark gemasertes Holz ist für Bandsägeboxen nicht die optimale Wahl. In hellem Holz fallen die Schnitte stärker auf als in dunklem. Das dürfte auch mit ein Grund dafür sein, warum Bandsägeboxen häufig auf unterschiedlichen Hölzern gemacht sind, wenn die abgetrennten Vorder-/Rücken oder Ober-/Unterseiten aus anderem Holz sind als der Mittelteil, fallen die Schnitte nicht so auf. Auch dunkles Holz lässt den Schnitt eher optisch verschwinden. Bei starker, gut sichtbarer Maserung sieht man sowieso jeden kleinen Schnitt oder Versatz.

      Naja, ist ja ein Erststück, ich hab ja gerade erst angefangen, etwas über Kästchen zu lernen. Ich schliff Box und Deckel auf meinem Bandschleifer und lernte sofort weiter.

      Lektion 2: Es wäre günstig gewesen, den Innenteil vor dem Verleimen zu schleifen.

      Lektion 3: Ich brauch für den Bandschleifer weitere Bänder mit höheren Körnungen.

      Lektion 4: Vorsicht beim Schleifen des Deckels. Wenn man da nicht aufpasst und auf einer Seite zuviel Druck aufbaut, wackelt der Deckel hinterher.

      Sieht trotzdem ganz hübsch aus. Womit soll ich die Oberfläche behandeln? Ach, ich nehm mal die angefangene Dose mit dem Möbel-Hartöl und pinsel das Kästchen completo damit ein.

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      Lektion 5: Dünne Teile aus Pappel-Maser können an den Maserstellen sehr mürbe sein. Diese Stellen ziehen besonders viel Öl, dürfen hinterher aber nicht mit Druck abgewischt werden weil das Material sonst bricht. Und der Hartöl-Geruch dünstet aus dem fertigen Kästchen leider absolut nicht raus, womöglich auch wegen der ölziehenden Maserstellen. Nächstes Mal nehme ich für die Oberfläche lieber was anderes.

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      • Plüschie,
        ich finde deine Ausdrucksweise echt super und deine Box sieht für ein Erstlingswerk super aus. Aber, mal so gefragt, meinst Du nicht Du könntest so ein oder 2 Fehler ausschließen wenn Du mal vorher hier die dementsprechenden Fragen stellen würdest? Hier sind genug Leute die solche Sachen bereits gebaut haben und/oder sich mit Oberflächenbehandlung auskennen. Also, stell ruhig Fragen, wir werden uns stets bemühen sie richtig zu beantworten.

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        • Hallo Wolfgang, das wär natürlich immer die bessere Idee . Aber dafür müsste erstmal eine Problemwahrnehmung da sein, und häufig sehe ich erstmal kein Problem und damit keinen Anlass, zu fragen. Nehmen wir die Oberflächenbehandlung: Ich hab bei dem Hartöl absolut kein Problem gesehen. Einölen fertig aus, war mein Plan - ich hab schon öfter Holz eingeölt, für mich gab es da im Vorhinein weder Fallstrick noch Unwägbarkeit. Ich merke häufig erst während oder nach dem Arbeitsprozess, dass etwas Bekanntes in einem einem bestimmten Zusammenhang nicht so funktioniert wie in einem anderen.
          Manchmal lernt man eine Sache schneller, wenn man einen Fehler selber gemacht hat, wie Toby am Anfang des Threads auch mal geschrieben hat. Bloß die Sache mit dem Staubsaugerschlauch will einfach nicht in meinem Kopf hängen bleiben, egal wie oft ich diesen völlig blöden Fehler mache

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          • Plueschie , Fehler sind menschlich und das du deine nicht verschweigst, ehrt dich.
            Mach einfach einen Aufkleber (Staubsauger?) an deine Maschine. Das hilft, woher ich das kenne?

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            • Das hab ich mir auch schon überlegt ...

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              • Holzwerken Live. Holzpaul, Ferdy, Jörg, Saberlod und ich waren auch dort. Warum hast Du Dich denn zum Aufruf nicht gemeldet? Dann hätten wir die Alte Kelter zusammen geplündert!

                Plüschie - echt toller Lesestoff von Dir hier!

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                • Ich wollte ja gar nicht plündern sondern "bloß mal kucken" und dabei möglichst mein Holzwerkerlaientum unter der Decke halten. War so gegen 16 Uhr schon wieder auf dem Heimweg. Und erst um 22 Uhr zuhause, danke an alle "Personen im Gleis" . Andererseits hab ich in den 45 Minuten Zwangspause in Mainz beim Stöbern in der Hobby-Zeitschriften-Ecke der Bahnhofsbuchhandlung die Dekupiersägenzeitschrift entdeckt, insofern hatte es doch noch eine positive Seite.

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                  • Teil 23
                    Juli 2020

                    Kästchen #02, Kästchen #nix und zwei Gehrungsvorrichtungen

                    Auf dem Umschlag von Doug Stowes Kästchenbuch ist ein kleines Kästchen mit Schiebedeckel zu sehen, das ich als nächstes Projekt anpeilte. Ich erhöhte den Schwierigkeitsgrad und beschloss, dass ich eine umlaufende Maserung probieren würde, und das bedeutete: Ecken auf Gehrung.

                    Für den Kästchenkorpus bot sich das Stück gestockter Buche an, über das Material für Boden und Deckel würde ich später entscheiden. Ich schnitt also die Buchenkantel an der großen Bandsäge in Brettchen auf, markierte die Reihenfolge und Ausrichtung mit einem kleinen Schreinerdreieck und schob sie dann beidseitig über die Abrichte, weil ich zu faul war den Hobel auf Dickte umzubauen. Ich klappte wie in einem Video gesehen die Innenseiten von zwei ausgewählten Brettchen nach außen und riss die Länge der Seitenteile in der richtigen Reihenfolge an.

                    Nun also auf zum ersten Gehrungsversuch. Um das Sägeblatt der TS55 schräg zu stellen muss man 2 Drehknöpfe lösen. Ich wollte ganz schlau sein, nahm die Säge aus dem Modul, löste die Knöpfe, stellte auf 45 Grad ein – und konnte anschließend die Säge nicht mehr ins Modul einbauen, weil der schräggestellt Körper über das Modul herausragte und sich in diesem Zustand nicht wieder einpassen ließ.

                    Mist.

                    Also alles wieder auf Null, Einbau der Säge in 90-Grad-Stellung ins Modul, Lösen der Drehknöpfe unter dem Tisch (mühsam, aua Handgelenk), Schrägstellung der Säge unter Zuhilfenahme der Bevel Box (die leider etwas zu groß ist für das kleine Sägeblatt), Festdrehen eines Knopfes mit einer Hand bei gleichzeitigem Festhalten des Sägekörpers im gewünschten Winkel mit der anderen Hand (aua Handgelenk), dabei feststellen dass der Winkel sich leicht verstellt, Winkel korrigieren, Knopf wieder festdrehen, stimmt fast, Festdrehen des zweiten Drehknopfes, aua Handgelenk, dabei feststellen dass der Winkel sich leicht verstellt …
                    Die Einstellung auf genau 45 Grad hat Zeit, Nerven und Handgelenksknorpel gekostet. Für so richtig präzise 45-Grad-Schnitte ist das also vielleicht nicht die optimale Methode, aber ich mach jetzt mal weiter weil ich halt schon damit angefangen hab.
                    Aber oh, nächstes Problem: Die auf Maß geschnittenen Brettchen sind ziemlich klein. Wenn ich die auf Gehrung schneide komme ich mit den Fingern ziemlich nah ans Sägeblatt. Eigentlich wäre das ein Fall für den Schiebeschlitten, aber der hat keine Gehrungsfunktion und ich hab Angst, ihn mir durch einen Gehrungsversuch total zu ruinieren. Also den Queranschlag des Moduls mit einem Brett verlängert und daran die einzelnen Teile vorsichtig am Sägeblatt vorbeigeschoben.
                    Naja.
                    Beim testweisen Aneinanderlegen aller Teile stellte sich dann heraus, dass ich irgendwo im Gehrungsschnittprozess was falsch gemacht habe, scheinbar hab ich zwei Brettchen falsch herum auf den Sägetisch gelegt. Jedenfalls kommen nur 2 diagonal gegenüberliegende Ecken mit umlaufender Maserung heraus. Schade, aber jetzt kann ich es auch nicht mehr ändern.

                    Lektion 1: ALLE Teile eindeutig an den Außenflächen markieren, am besten noch Nümmerchen drauf schreiben um sich nicht in der Reihenfolge zu vertun.

                    Als nächstes rollte ich den Frästisch hervor, um in alle Teile oben und unten Nuten für den Boden und den Schiebedeckel einzufräsen.

                    Lektion 2: Das hätte ich im Bauprozess vorziehen können, nämlich direkt nach dem Hobeln. Das wäre eine Orientierungshilfe beim Gehrungsschnitt gewesen, und ich hätte zwei größere statt vier kleiner Teile gefräst.

                    Kurz vor dem Verleimen fiel mir gerade noch ein, dass ich eine der kurzen Seiten ja direkt an der oberen Nut kürzen musste um den Deckel einschieben zu können. Also schnell noch ein Teil oben abgesägt. Oh, hm, durch den Gehrungsschnitt sind die Ecken oben jetzt ja 45-Grad-winklig … Das bleibt jetzt so. Nehmen wir mal an das sollte so sein.

                    Und woraus mach ich nun den Deckel und den Boden? Ich überlegte eine Zeitlang, ein Stück aus meiner Edelholz-Restkiste mit den schönen Maserhölzern zu benutzen, fand dann aber, dass ein möglichst wenig gemasertes Stück einen schöneren Kontrast zum lebhaft gemaserten gestockten Buchenholz bilden würde. Ich schnitt einen kleinen Kiefernrest auf und erhielt so zwei 4 mm dünne helle Stücke, die in der 4-mm-Fräsung aber zu spack saßen. Also schob ich beide Teile über den Bandschleifer, von Körnung 120 in Schritten bis zu Körnung 320. Die kleinen Teile im Schleifvorgang festzuhalten war gar nicht so einfach, und natürlich waren sie hinterher an den Ecken etwas dünner, aber so schlecht sah das gar nicht aus. Ich behandelte sämtliche Teile des Kästchens außer den Gehrungsflächen mit Möbelwachs, benetzte die Gehrungen mit Leim, setzte das Kästchen inklusive Boden und eingeschobenem Deckel (zwecks Stabilisierung) zusammen und schnürte das Ganze mit einem Bandspanner fest.

                    Das Ergebnis war dann ein Fall von „ganz gut für den Anfang“. Drei Gehrungen waren dicht, die vierte zeigt einen durchgehenden schmalen Lichtspalt, aber das Ganze hielt trotzdem zusammen. Blieb noch die Frage, auf welche Weise der Schiebedeckel bewegt werden sollte. Für eine Grifffräsung war das Material des Deckels zu dünn. Um vorne auf dem Deckel ein Stück aufzuleimen das in geschlossenem Zustand perfekt mit den Rändern der Seitenteile abschloss hätte ich schon wieder einen Gehrungsschnitt machen müssen, und danach war mit jetzt nicht mehr. Grabungen in die Restekiste brachten ein kleines Stückchen gestockter Buche zum Vorschein, das bei einem Gehrungsschnittversuch abgefallen war. Das leimte ich längs auf den Deckel. Wenn man nicht weiß, dass es nur eine Verlegenheitslösung war, könnte man glatt behaupten es sei ein Design-Feature.
                    Als es dann fertig war, hat es mir trotz der ganzen Irrungen und Wirrungen eigentlich ganz gut gefallen, und dank des Wachses riecht's auch gut.

                    Lektion 3: Möbelwachs ist gut für Kästchen.

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                    Ich hab es mit einer der umlaufenden Ecken nach vorn gedreht ins Regal gestellt, und bin recht zufrieden damit.


                    Von der Buchenkantel hatte ich noch die Hälfte übrig und wollte gerne das Ganze nochmal bauen, diesmal aber mit wirklich allseitig umlaufender Maserung. Leider bin ich diesmal am Gehrungsschnitt komplett gescheitert. Ich hab das mit der Einstellung der Säge einfach nicht mehr hinbekommen. Der Versuch, die Gehrungen an der Bandsäge zu schneiden, ging leider auch schief weil die Schnittfläche wellig wurde.

                    Wie könnte ich mit meinen Mitteln einen zuverlässigen Gehrungsschnitt erreichen?

                    Nach Langem Hin- und Herüberlegen kam mir der Gedanke, das Sägeblatt auf 90 Grad stehen zu lassen und das Schnittgut im 45-Grad-Winkel am Blatt vorbeizuführen. Ich baute eine Vorrichtung mit 45-Grad-Neigung, die ich in der Nut des Längsanschlages führen konnte. Ergebnis: Ja, geht, klappt sogar erstaunlich gut. Ist aber eher was für größere Teile, die Winzteile des Kästchens waren nur schwer zu fixieren.

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                    Meine zweite Überlegung war, den Frästisch und einen 45-Grad-Fasefräser zu nutzen. Ich besorgte mir einen möglichst großen Fasefräser, stand dann aber vor dem Problem, das kleine Schnittmaterial ohne Gefahr für Material und Finger am Fräser vorbeizuführen. Letzten Endes baute ich eine Schiebevorrichtung, die ich am Queranschlag in einer der Nuten im Frästisch führen konnte und die das Schnittmaterial mit Kniehebelspannern niederhielt.

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                    Das hat dann sogar wirklich geklappt, aber die Kästchenteile waren durch die vielen Fehlversuche immer kleiner geworden und hatten inzwischen Maße, mit denen ich streng genommen nichts mehr anfangen konnte. Und bei dem ganzen Vorrichtungsbau war mir die Lust auf ein Gehrungskästchen irgendwo abhanden gekommen. Ich verstaute die Vorrichtung „für ein andermal“ und beschloss, dass Kästchen #03 in eine ganz andere Richtung gehen würde.

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                    • Habe gerade deine 45 Grad- Vorrichtung bewundert, tolle Idee. Dein Kästchen empfinde ich als Laie sehr schön.

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                      • Ich weiß nicht warum, aber ich breche regelmäßig in Lachorgien aus bei deinen Texten. Fürs nächste Mal einen kleinen Tipp: nimm ein längeres Brett bzw Kantholz und fräs als erstes die Nut aus. Das hilft dir das Du immer auf gleicher Höhe bleibst. Dann sägen und zum Schluss die Gehrung anfertigen. Das Holz sollte mindestens doppelt so lang sein wie Du es benötigst. Lieber ein wenig Verschnitt als das das Werkstück immer kürzer wird.

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                          Ich lese hier von Anfang an mit und warte mittlerweile immer schon darauf, wie es weitergeht. Dein Schreibstil ist nicht nur informativ, sondern auch extrem unterhaltsam. Dein Werdegang ist ein super Beispiel dafür, wie man sich auch dann richtig schlau machen kann, wenn man nicht in ein " Handwerkerumfeld " reingeboren wurde.
                          Nur weiter so!

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                          • das Kästchen ist aber sehr hübsch geworden

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                            • Teil24
                              August 2020: Kästchen #03 – Fretwork


                              Beim Scrollen auf der Homepage von „Feinschnitt kreativ“ war ich schon vor einiger Zeit über eine Fretwork-Stiftebox gestolpert, in die ich mich spontan verliebt hatte. Leider war das Heft bereits vergriffen und auch antiquarisch nicht mehr zu bekommen, und ich wusste anfangs nicht, wie ich an die Sägevorlage herankommen sollte. Aber immerhin fand ich den Namen der Künstlerin heraus, die die Box entworfen und hergestellt hatte: Sue Mey. Und siehe da: auf ihrer Homepage kann man ihre Vorlagen kaufen.

                              Kauf und Download der Vorlage war kein Problem. Es gibt eine kompakte Arbeitsbeschreibung und natürlich die Vorlage selbst. Erste Bedenken stellten sich ein: War das nicht doch ein bisschen ambitioniert für meine überschaubaren Anfängersägenochtnichtsoganzkünste? So viele kleine Innenschnitte?
                              Ach was. Irgendwo muss Erfahrung ja herkommen, also fang ich einfach mal damit an und schraub halt meine Erwartungen an das Endergebnis vorab schonmal ein gutes Stück runter.

                              Frage 1: Übernehme ich die Maße?
                              Antwort: Vielleicht skaliere ich Vorlage vorsichtshalber mal ein bisschen hoch, dann sind die Innenschnitte nicht ganz so filigran, das sollte es zumindest ein kleines bisschen einfacher machen.

                              Frage 2: Was für ein Material nehme ich?
                              Antwort: Ahorn! Ahorn! Ich will Ahorn! Ich find Ahorn so toll! Ahorn! Ich hab da doch diesen schönen Block Muschelahorn!
                              Einspruch aus der Common-Sense-Ecke, kindly sponsored by Hinterkopf: Ganz sicher? Das Fretwork allein ist doch schon ein ziemlicher Hingucker, und die schöne Holzstruktur geht doch beim Fretwork zum großen Teil verloren. Wär das nicht schade drum?
                              Einsicht: Oh – ja schon. Stimmt. Dann kauf ich halt eine Kantel normalen Ahorn und schneide die dann auf.

                              Frage 3: Übernehme ich die Konstruktion?
                              Antwort: Jein. Die Anleitung sieht stumpfe Verleimung vor, mir würde es aber besser gefallen wenn das sichtbare Hirnholz der Seitenteile nicht so dick ist wie das Material, ich möchte die Eckverbindung daher lieber falzen. Und den Boden will ich auch nicht einfach nur komplett verdeckt einleimen, und den lose aufliegenden Deckel auch nicht komplett im Kästchenkörper verschwinden lassen, also werde ich beides in Fälze einlegen, so dass Deckel und Boden ein paar Millimeter heraus stehen. Hauptsächlich weil ich intern bezweifle dass ich das mit dem kompletten Einpassen sauber hinkriege, aber offiziell natürlich nur deswegen, weil meiner Ansicht nach dieser Aufbau dem Kästchen eine zarte Leichtigkeit verleiht (schnösliger Designer-Unteron Ende).

                              Ich bemühte also die große Bandsäge mit dem 20-mm-Sägeblatt, justierte den Längsanschlag und den Sägetisch so genau wie ich das halt kann, schloss den Staubsauger an (inklusive Schlauch, man ist ja lernfähig) und sägte die zuvor abgerichtete Ahornkantel in fünf je 1cm starke Brettchen auf, die anschließend noch durch den Dickenhobel geschickt wurden. Danach fiel mir dann erst auf, dass die gehobelten Flächen deutliche „Striemen“ aufwiesen. Offenbar muss ich die Hobelmesser mal ersetzen – oh juhu, das wird bestimmt ein riesiger Spaß. NICHT.

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                              Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur Lust auf das Kästchen und nicht auf eine längere Auseinandersetzung mit dem Hobel, also beließ ich die Striemen wo sie waren und machte eine mentale Notiz, dass am Ende größere Schleifarbeiten nötig sein würden als ursprünglich geplant, entschied aber dass dies das geringere Übel sei.

                              Ich legte zwei Brettchen die das gleiche Muster bekommen würden übereinander, vergrößerte die Sägevorlage (oh, durch das Abrichten ist die Kantel ja etwas kleiner geworden, das wird jetzt alles ein bisschen knapp), umwickelte die Brettchen mit Malerkrepp, klebte mit Klebstift die Sägevorlage drauf und umwickelte den Stapel dann mit durchsichtigem Klebeband. Dann auf zum Bohrständer, um für jeden der gefühlten 200 Innenschnitte ein Bohrloch zu setzen. Hegner auf die Werkbank setzen, mit Leisten und Spannelementen möglichst fest auf der Werkbank verankern, Lupenlampe nach vorn ziehen, Sägeblatt einspannen, los geht’s.

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                              Natürlich war meine Sägearbeit noch vergleichsweise ungeübt und ungeschickt, und ich wechselte nach kurzer Zeit auch vom Hegner-Sägeblatt auf ein Pégas-Blatt mit Gegenzahn. Außerdem war die Befestigung der Maschine auf der Werkbank zwar ganz gut aber nicht optimal, und ich hatte öfters Schwierigkeiten alles richtig zu erkennen. Im Großen und Ganzen klappte es ganz gut, aber diese kleinen Innenschnitte waren wie schon befürchtet etwas schwierig, und ich bekam häufig keine glatte Linienführung hin. Das Ergebnis war dementsprechend „naja“, und es war klar dass ich die Innenschnitte komplett würde nachschleifen müssen.

                              Das war eine mühsame und langwierige Arbeit, die weder mein Rücken noch meine Augen noch mein Handgelenk irgendwie erstrebenswert fanden. Ich verbrachte sicherlich ein paar Stunden damit, mit dünnsten Schleifpapierstreifen die Hubbel, Ecken und Kanten der Schnittflächen soweit es ging zu glätten. Das Ergebnis rutschte von „naja“ anderhalb Stufen höher auf die Ebene „ganz okay“.

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                              Danach schob ich alle zu fälzenden Teile vorsichtig über den Frästisch und merkte ganz schnell, dass das Fräsen von kleinen Teilen sehr viel schwieriger ist als mal eben eine Regalseite zu fälzen. Ich baute rasch einen neuen Vorsatz für den Anschlag, mit einer möglichst kleinen Öffnung, und nutzte beide Andruckfedern, und trotzdem hat es mir ein paar mal das Werkstück fast aus der Hand gehauen. Es gab zum Glück nur kleine Schäden und keinen Totalverlust, aber irgendwann muss ich mir für die Kleinteilbearbeitung mal was überlegen.

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                              Nun ging's ans Schleifen der Oberflächen. Hier tat mir mein Billig-Bandschleifer mit seinen inzwischen 6 Schleifblättern verschiedener Körnung gute Dienste. Kopfüber auf den Bohrständer montiert, Staubsauger angeschlossen, auch den Schlauch (man ist ja lernfähig), ein Stündchen schleifen – fertig. Zwei lange Seitenteile, zwei kurze Seitenteile, ein Deckel, ein Boden, ein Griff, alles schön seidig glatt. Sieht doch ganz gut aus.

                              Danach erst tauchte mit reichlich Verspätung eine weitere Frage auf, die offenbar wegen Stau auf der A3 erst jetzt im Raum stand:

                              Frage 4: Welche Oberflächenbehandlung?
                              Antwort: Öl natürlich – wieso?
                              Kritische Rückfrage: Bei Öl muss man doch nach dem Ölen den Überstand abnehmen – kannst du mir mal sagen wie du das bei den ganzen Innenschnitten machen willst?
                              Antwort: Ömm …

                              Da wusste ich dann erstmal nicht weiter. Öl ging ja offenbar nicht wegen der vielen Innenkanten, die ich unmöglich abwischen konnte. Wachs hätte ich nicht in die kleinen Öffnungen hineinwischen können. Ich stellte die Frage ins Dekupiersägeforum und erfuhr, dass die meisten doch Öl nahmen, wahlweise gepinselt oder komplett getaucht, und den Überstand dann mit Pressluft ausbliesen. Ich hab aber keinen Kompressor und keine Druckluft in der Werkstatt. Was tun?

                              Ich klebte sämtliche Leimflächen mit PVC-Band-Streifchen ab, füllte das Grabbelfach einer alten Kunststoff-Kleinteilaufbewahrung mit Wasserlack, tauchte die Teile einzeln hinein und ließ sie dann auf schraubenbewehrten Holzleisten mit reichlich untergelegter Pappe abtropfen. Das müsste doch funktionieren.
                              Mein Verhältnis zu Radio Eriwan ist ein gutes und langjähriges. Also: Im Prinzip ja. Aber an den Unterseiten bilden sich dann halt Nasen, und aus den ganz kleinen Bohrungen und Innenschnitten läuft der Lack auch gerne nicht ganz raus sondern bildet kleine Pfropfen.

                              Nochmal Innenschnitte nacharbeiten. Na super.

                              Das Ergebnis ist „soso-lala“. Allzu genau darf da keiner hinschauen. Aber blicken wir einfach mal nach vorne: Da wartet der Zusammenbau auf uns. Irre ich mich, oder grinst er fies …?

                              Ich wollte die Verleimung diesmal vorausschauend und mit Bedacht angehen. Will ich eigentlich immer. Keine Ahnung was immer dazwischenkommt. Ich machte also einen Trockenversuch mit dem Ziel, Zahl und Anordnung der Schraubzwingen schon vorab festzulegen. Hier zusammendrücken, da zusammendrücken, hier oben auch, Leim an alle Fälze – ach nee, vielleicht erstmal nur die Seitenteile verleimen, mit lose eingelegtem Boden und Deckel, und den Boden erst danach verleimen, dann kommen sich die Zwingen nicht so in die Quere. Okay.
                              Warum ich dann doch alle Verbindungsfälze mit Leim bestrichen habe, auch den Bodenfalz, kann ich wirklich nicht erklären. Ich verzwingte die Seitenteile mit eingelegtem Boden zu meiner Zufriedenheit – der Boden muss ja nicht gerade im Falz sitzen, der wird ja später erst verleimt und soll im Moment nur für die richtige Ausrichtung der Seitenteile sorgen. Nach etwa 2 Stunden nahm ich die Zwingen ab und wollte den Boden rausnehmen. Geht nicht? Komisch. Ist da irgendwie Leim in den Fa … f*+-''.-*~ck!

                              Schimpfen und Haareraufen blieb zwecklos. Dann ist der Boden halt jetzt ein bisschen schief drin. Sooo doll fällt's ja vielleicht nicht auf.

                              So steht das Kästchen nun also neben dem Gestockte-Buche-mit-Schiebedeckel-Kästchen und sieht eigentlich ganz hübsch aus. Man darf halt nur nicht zu nah ran gehen.

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                              • Herzlichen Dank das ich wieder an deinen Handwerkskünsten teilnehmen durfte.

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