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Vom Schlitzschraubenzieher zum ADH

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  • Vom Schlitzschraubenzieher zum ADH

    oder: Der Weg vom Das-kann-ich-nicht zum Das-macht-Spaß

    Teil 1

    __________________________________________________

    1986

    Umzug zum Studienort und damit der erste eigene Haushalt. Teil meines Fachhochschulstudiums war damals noch ein Jahrespraktikum an einem anderen Ort, mindestens zwei weitere Umzüge waren absehbar. Also bekam ich aus elterlichen Beständen eine Grundausstattung Werkzeug mit. Bestehend aus Schlitzschraubenzieher, Hammer, Zange und einer von Vaters Tabaksdosen mit Nägeln und Schrauben. „Sowas muss man im Haus haben.“

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    Mit dieser Grundausstattung (später erweitert um einen Kreuzschraubenzieher) bin ich etwa 20 Jahre ausgekommen, schließlich ging es nur darum, bei den Umzügen Möbel auseinander- und zusammenzuschrauben und Bilder auf- und abzuhängen. Besonders viel Spaß hat das nicht gemacht. Schrauben rein drehen war anstrengend, und der Schlitzschraubenzieher rutschte ständig von den Schraubenköpfen runter. No fun at all. Das Ausmaß meiner handwerklichen Fähigkeiten beschränkte sich damals ausschließlich auf Sockenstricken.



    2006

    Nach zwanzig Jahren computergebundener Berufstätigkeit und Wohnungsleben wuchs der Wunsch nach einem eigenen Nest. Ich glaube, sagte mein Kopf eines Nachts, ich glaube ich wünsche mir ein kleines Haus, einen kleinen Garten und eine kleine Katze.

    Ergebnis: Ein kleines Reihenhaus, ein kleiner Handtuchgarten, und zwei große moppelige Britisch-Kurzhaar-Katzen.

    Und: Ein Keller.

    Das Haus ist Baujahr 1960 und wurde bis dahin von einem älteren Ehepaar bewohnt. Den Erzählungen der Nachbarschaft nach war der Herr wohl ein bisschen „schwierig“, aber: er hatte einen Werkraum im Keller. Naja, dachte ich bei der Erstbesichtigung, als ich den rohen, selbst gezimmerten und fest an die Wand genagelten Werktisch mit aufgenageltem PVC-Rest (Arbeitshöhe ein Meter zehn) und dito Holzregal sah, da kann ich gut ein paar Sachen abstellen.

    Und so war der Kellerraum erstmal wirklich nur eine Abstellgelegenheit für Teppichreste und Kartons. Meine altehrwürdige Werkzeuggrundausstattung passte locker ich eine Schublade der 60er-Jahre-Anrichte, die ebenfalls im Werkraum ihr Dasein fristete.

    Das Haus war dann der Grund für mein erstes selbst gekauftes Werkzeug. Die Wände sind aus Fertigbeton. Beim Einzug wurde klar, dass man hier nicht einfach einen Nagel in die Wand schlagen und ein Bild dranhängen kann. Hier muss man bohren. Immer. Für alles.

    Ich ging also in den örtlichen Baumarkt, wandte mich schüchtern an einen Verkäufer und sagte „Ich brauche eine Bohrmaschine“, und kam mir dabei vor als würde ich etwas völlig absurdes und abgehobenes kaufen wollen, beispielsweise einen Traktor. Der Verkäufer sagte, ich bräuchte eine Schlagbohrmaschine, und stellte mir etwas Grünes vor:

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    Schafft die Beton?“ fragte ich besorgt. „Die schafft alles“, war die Antwort.

    Ich hatte noch nie in meinem Leben eine Bohrmaschine bedient und hatte Herzklopfen bis zum Hals, als ich sie das erste mal an einer der Betonwände ansetzte, um ein Regal aufzuhängen.

    Beginn des Heimwerker-Lernprozesses.

    Lektion 1: Löcher für große Dübel gerne erstmal klein vorbohren. Der 8er Bohrer verrutscht schnell beim Ansetzen, vor allem wenn man klein ist und keine Kraft in den Armen hat.

    Lektion 2: Für grade Löcher muss man den Bohrer grade halten (Logik ging bei mir immer schon nur mit Vorschlaghammer).

    Lektion 3: Staubsauger benutzen!

    Lektion 4: Das nächste mal lieber Kreuzschlitzschrauben nehmen. Schlitzschrauben sind heute noch genau so nervig wie vor zwanzig Jahren.

    Lektion 5 hat mir erst viele Jahre später irgendein Blogartikel erteilt: Bei Bröckelgefahr erst ohne Schlag ansetzen und die ersten Millimeter bohren, erst danach den Schlag zuschalten. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wären mir einige rausgebrochene Putz/Beton-Brocken und die entsprechenden hässlichen Löcher in den Wänden erspart geblieben.

    Auf der Suche nach der richtigen Säge, Teil 1: Die Stichsäge

    Ich hatte mir irgendwann eine Stichsäge gekauft, eine billige kleine 400-Watt-Säge von Black&Decker, sollte ja wohl reichen für meine bescheidenen Ansprüche. Dass man damit keine wirklich graden Schnitte in dickerem Holz hinbekommen kann, ist mir aber relativ bald klar geworden. Es gab eine einzige Rastung, nämlich für 45-Grad-Schnitte, aber es erwies sich, dass es sich da höchstens um einen Näherungswert handelte. Exakte 45 Grad waren mit der Rastung nicht möglich. Schade. Naja, ich werd eh' nur selten eine Säge brauchen.
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  • Schöne Heimwerkervita. Danke fürs Teilen. Aber was ist ADH?

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    • Zitat von Plueschie Beitrag anzeigen
      Lektion 5 hat mir erst viele Jahre später irgendein Blogartikel erteilt: Bei Bröckelgefahr erst ohne Schlag ansetzen und die ersten Millimeter bohren, erst danach den Schlag zuschalten. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wären mir einige rausgebrochene Putz/Beton-Brocken und die entsprechenden hässlichen Löcher in den Wänden erspart geblieben.
      Dann wäre aber der Lerneffekt nicht so groß gewesen, und ich weiß wovon ich rede.

      Habe in der Lehre, Ausbildung zum Raumausstatter, die große Fein angesetzt um Löcher für eine Stilgarnitur in einer Küche zu bohren.
      Ich hatte noch nicht wirklich gedrückt, da hing die Fein draußen und mein Arm stecke im Loch.
      Habe direkt zwei Ziegelsteine rausgeschmissen.
      "Meister, sie müssen mal vorbei kommen"
      "Warum"?
      "Das Bohrloch ist etwas groß geworden."
      "Hau ein Stück Holz rein."
      "Ok. Können Sie dann ein 16x16 Kantholz mitbrinegen"?

      Ich dachte der kommt durch die Telefonleitung.

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      • @Rainerle: Oh, sorry. Steht für Abricht-und Dickenhobel.
        @ Toby: - Ich schmeiß mich grad weg, war für dich in der Ausbildung aber vermutlich nicht so lustig.

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        • Schöne Geschichte wie du zum Heimwerker wurdest

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          • Tolle Berichterstattung! So ähnlich ist es sicher einigen von uns ergangen.

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            • Zitat von Plueschie Beitrag anzeigen
              @ Toby: - Ich schmeiß mich grad weg, war für dich in der Ausbildung aber vermutlich nicht so lustig.
              Nee, nicht wirklich.

              Und als er dann da war hat er gesagt: Glück gehabt, da konntest du nix für.
              Erleichterung.

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              • Schöne Story.

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                • Teil 2
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                  Circa 2012

                  Wer Haus und Garten hat, hat eigentlich immer irgendwas zu basteln. Ich arbeitete an des Vorbesitzers Ein-Meter-Zehn-Werktisch, der mir beinahe bis zur Schulter ging. Irgendwann fiel mir dann doch auf, dass das keine optimale Arbeitshöhe war, und ich reaktivierte einen schon eingemotteten Campingtisch. Ich behalf mir ein paar Jahre lang mit den Sachen ich hatte, kaufte vielleicht mal ein Päckchen Nägel, ein Pöttchen Farbe oder einen Pinsel.

                  Bis die beiden Katzen älter wurden. War anfangs der elegante Sprung vom Boden auf die Küchenarbeitsplatte (Die typische Entwicklung: Jahr 1: „Geh da sofort runter!“, Jahr 2: „Okay, wenn du unbedingt da futtern willst ...“) kein Problem gewesen, rutschten die beiden nun öfter spektakulär ab. Wir brauchen eine Zwischenstufe. Vielleicht ein hübsches, farblich passendes Höckerchen. Ich fand aber nichts, was passte und mir dabei auch noch gefiel.

                  Hmmm. Selber machen …? Wär ja praktisch wenn man das könnte. Wie geht das? Was braucht man?

                  Auf der Suche nach der richtigen Säge, Teil 2: Die Handkreissäge

                  Ich bin da ran gegangen ohne mich vorher groß zu informieren. Ich hatte zu dem Zeitpunkt auch niemand mehr greifbar, den ich dazu hätte befragen können. Ich bin in den Baumarkt gegangen und hab geschaut was es da gibt. Ich griff zur Bosch PKS 55. Kann sein dass die teurere PKS 55A daneben stand und ich mich aus Kniestigkeit gegen sie entschied. Irgendwoher wusste ich da jedenfalls schon, dass die PKS 55 nicht mit Führungsschiene geht, aber der Rheinländer in mir sagte: Kenner mer nit, bruche mer nit. Ich dachte, dass ich mir bei Bedarf halt immernoch mal eben schnell eine Leiste als Führung fest machen könnte. Wird ja nicht oft vorkommen.

                  Dass „mal eben schnell“ eine unheilverkündende Formulierung ist, in der Regel das Präludium zu einer aufwändigen, mühsamen, mit Rückschlägen versetzten, zeit- und nervenraubenden Aktion, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich hatte noch viel zu lernen.

                  Vor der Handkreissäge hatte ich mindestens genau so viel Respekt wie vor der Schlagbohrmaschine, eher noch mehr, weil mir das Sägeblatt so viel gefährlicher erschien. Es hat mich ziemlich Überwindung gekostet, das Ding anzuschalten, und der Geräuschpegel hat mich dann doch erschreckt.

                  Lektion 1: Gehörschutz kaufen! Und am besten gleich noch eine Schutzbrille dazu.

                  Ich kaufte für das geplante Höckerchen ein paar Buche-Leimholzbretter und wollte die mit der PKS in zwei Teile schneiden.

                  Lektion 2: Upps. Für einen geraden Schnitt braucht man eine Führung. Ich glaub, die Sache mit der Führungsschiene war doch nicht so unwichtig – naja, nu isses zu spät. Also mach ich mir halt „mal eben schnell“ eine Leiste fest, die als Führung dienen kann.

                  Ömm. Wie genau macht man das denn fest?

                  Lektion 3: Schraubzwingen sind eine tolle Erfindung.

                  Lektion 4: Zu teilendes Brett beiderseits des Sägeblattes abstützen und festzwingen. Sonst bricht das Ganze durch noch bevor der Schnitt beendet wurde, bestenfalls gibt’s eine Bruchkante (wie in diesem Fall), als Steigerung fällt einem das Stück aber vielleicht auch auf den Fuß, oder es gibt als Haupttreffer sogar den GAU: Teile kippen gegeneinander, Sägeblatt bleibt stecken, Rückschlag, Notarzt.

                  Lektion 5: Wie wär's mit so einer kleinen, klappbaren Werkbank …?

                  Ich schleppte eine kleine Klappwerkbank von Black&Decker nach Hause. Das Teil war schon hilfreich, aber mit dem Klappmechanismus stehe ich bis heute auf Kriegsfuß. Auch das Händling ist für mich nicht so ganz einfach, aber es war auf jeden Fall ein Fortschritt.

                  Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich mir im Voraus Gedanken über die Verbindung der Bretter gemacht habe. Ich war glaube ich der Ansicht, dass sowas ohnehin nur auf eine Art geht: Stumpf aufeinandersetzen und verschrauben. Und weil ich nicht glauben konnte, dass das hält, wenn man durch ein Brett hindurch in die Stirnseite des anderen Brettes schraubt, kaufte ich quadratische Holzleisten, die ich kürzte und als Verstärkung in die Ecken leimte (mein erster Kontakt mit Holzleim überhaupt), und verschraubte von beiden Brettern aus dort hinein.

                  Lektion 6: Holz ist nicht gleich Holz. Man kann durch Buche-Leimholz-Bretter nicht einfach mit dem Schraubendreher eine Schraube hindurch schrauben wie durch ein dünnes Fichtenbrettchen. Wir lernen ein neues Wort kennen: „Vorbohren“.

                  Lektion 7: Mit dem Bohrer der Schlagbohrmaschine klappt das nicht. Ich frag mal im Baumarkt.

                  Ich weiß leider nicht mehr, ob mir der freundliche Verkäufer ins Gesicht gelacht hat, vermutlich konnte er aber Contenance bewahren. Jedenfalls lernte ich an diesem Tag, dass es spezielle Holzbohrer gibt. In verschiedenen Größen. Und nein, die haben kein Schnellspannfutter, dafür muss man einen Adapter kaufen.
                  Och. Wieder was gelernt.
                  Was ich leider an diesem Tag noch nicht lernte war, dass es so etwas wie Bohrlochsenker gibt. Auch die Existenz von Schwing- oder Exzenterschleifern war mir noch verborgen. Das Höckerchen hat nun also eine sichtbare Bruchkante, vorstehende Schraubenköpfe und eine recht raue Oberfläche, aber ich war damals der Überzeugung, dass das halt so ist wenn man was selber macht, nicht zu verhindern. Einmal verschraubt und lackiert sah es ganz nett aus und erfüllte seinen Zweck.

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                  Und ich war durchaus stolz auf mich. Das hab ich ganz alleine gemacht. Wie praktisch.

                  Was aber während des Bauens deutlich wurde war, dass dieses Hantieren mit Schraubenziehern schon sehr mühsam ist, vor allem wenn man mehr als 2 oder 3 Schrauben setzt. Da ich inzwischen öfter mal im Baumarkt war, wusste ich irgendwann, dass es so etwas wie einen Akkuschrauber gibt, der einem das Schrauberleben vermutlich erleichtern würde. Ich fand aber damals (weil ich das halt von zuhause nicht kannte), dass das ein Luxusobjekt sei, schließlich hatte ich ja inzwischen sogar 4 (!) Schraubenzieher (auf irgend eine Weise waren zusätzlich ein kleiner Schlitz- und ein kleiner Kreuzschraubenzieher bei mir gelandet). Zum nächsten Weihnachtsfest gab es sogar zwei Schraubenzieher-Sets für Schlitz und Kreuz, ich war also eigentlich schraubendrehermäßig recht gut ausgestattet. Es ergab sich aber etwas später im Büro, dass eine Kollegin einen Akkuschrauber von Eduscho übrig hatte, den hab ich bekommen. Das Ding wog gefühlt 5 Kilo, und ich hatte Mühe es zu halten, aber immerhin, das Schrauben an sich ging jetzt viel einfacher.

                  Und weil das Küchenhöckerchen so praktisch war, fand ich, dass ich auf der Terrasse auch eins brauchen kann. Also das gleiche nochmal, bloß ohne Lack, weil ich mir schon dachte dass der draußen abblättern würde.

                  Lektion 1: Leimholz ist nix für daußen.
                  Auf die Idee, dass Leim nicht wetterfest sein könnte, war ich überhaupt nicht gekommen.

                  Lektion 2: Schrauben können rosten.
                  Auch das war eine völlig unerwartete Erkenntnis. Ich war ein bisschen verdattert, schließlich gibt’s hölzerne Gartenmöbel zu kaufen, die müssen doch auch entweder geschraubt sein oder geleimt. Wie kommt's, dass die halten und das Höckerchen nicht?

                  Lektion 3 gab es erst ein paar Jahre später, nachdem ich gelernt hatte dass das Internet nützlich und Youtube nicht vom Teufel ist. Da erfuhr ich dann durch einen gewissen Heiko Rech, dass es D4-Leim gibt, und Edelstahlschrauben, und Douglasienholz.

                  Das Höckerchen modert jetzt neben der Biotonne vor sich hin, weil ich es nicht übers Herz bringe, meinen ersten Gartenmöbelversuch zum Sperrmüll zu tun.



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                  • War bei mir "etwas"anders,bin in der Schmiede von Opa gross geworden,wah auch Heizungsbau und Kupferschmied ,Bauklmptnerei haben die auch gemacht.
                    Aber nach Opas Tod in den 70ern wars dann vorbei.Aber teile der Werkstattausrüstung hab ich heute noch.

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                    • Herzlichen Dank das du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

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                      • Bitte, bitte mehr von deinem Werdegang zum Topheimwerker. Ich lach mich kringelich

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                        • Teil 3
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                          Circa 2013


                          Auf der Suche nach der richtigen Säge, Teil 3: Die Kapp- und Gehrungssäge

                          Ich versuchte noch das ein oder andere Projektchen mit der Handkreissäge, aber die Bedienung empfand ich immer als etwas bedrohlich. Vielleicht wäre es besser, eine feststehende Säge zu haben und das Werkstück zur Säge zu führen, nicht die Säge zum Werkstück? Schon damals tauchte das Schlagwort „Tischkreissäge“ in meinem Wahrnehmungsbereich auf, aber ich fand sowas viel zu überdimensioniert für mich (ich und Tischkreissäge? Meine Umwelt würde sich totlachen!), zu teuer, und außerdem stand in den Amazon-Rezensionen der bezahlbaren Sägen, sie seien zu ungenau.
                          Aber eine Kapp- und Gehrungssäge wäre vielleicht doch eine gute Idee. Die nimmt nicht soviel Platz weg, kostet nicht so wahnsinnig viel, und man kann auch Winkelschnitte machen.

                          Diesmal hatte ich mich vorher im Internet ein bisschen kundig gemacht und wusste schon etwas über den Nutzen der Zugfunktion. Ich hatte wieder einmal das Gefühl des Traktor-Kaufens, als ich im Baumarkt (langsam kannten sie mich dort) nach der Metabo KGS 216 M schaute. Als ich sie zuhause auspackte war ich sicher, dass jetzt alle meine Sägeprobleme gelöst waren und ich völlig leichthändig lauter sauber aussehende und exakt passende Sachen bauen könnte.

                          Lektion 1: Trenne dich von der Vorstellung, dass du ein Werkzeug einfach nur auspackst und dann für den Rest deines Lebens keine Probleme mehr hast.
                          Heute ist mir klar, dass das Problem häufig nicht die Säge selbst ist, sondern der Mensch der mit ihr umgeht. Ich hatte Null technisches Verständnis, dafür aber die Erwartung, dass dieses nicht billige Teil werkseitig exakt eingestellt ist, dauerhaft und unverrückbar exakt eingestellt bleibt und ich ab sofort und bis in alle Ewigkeit nichts weiter tun muss, als Bretter davorzulegen und die Säge durchzuziehen.

                          Lektion 2: Arbeitshöhe matters. (Hatte ich ja eigentlich schonmal gelernt, aber offenbar wieder vergessen.)

                          Mein erster Fehler war vermutlich, die Säge auf eine zwar rollbare, aber sehr niedrige selbst zusammengezimmerte Bank zu stellen. Zum sägen musste ich also immer vor der Säge in die Hocke gehen, was sich irgendwie wackelig anfühlte. Für meinen Campingtisch war das Ding zu schwer, und die Klappwerkbank war dafür auch nicht geeignet. Die Idee, mir selbst einen Tisch oder einen Schrank zu bauen auf den ich die Säge stellen könnte, hätte ich damals in Bausch und Bogen von mir gewiesen: So was kann ich doch nicht!

                          Wie die Handkreissäge hatte auch die KGS einen ordentlichen Geräuschpegel, was mich jedesmal beim Anschalten zurückschrecken ließ. Dass es sowas wie einen Sanftanlauf gibt wusste ich damals noch nicht, hätte mir auch in dem Moment nichts genutzt.
                          Als ich nach mehreren Monaten normalen Gebrauchs erstmals Gehrungsschnittversuche machte, ergab sich, dass der von mir ganz selbstverständlich erwartete exakte 45-Grad-Schnitt auch hier nicht zu machen war. Die 45-Grad-Einstellung hatte einen Rastpunkt, auf den ich mich blind verließ. Ich versuchte einen Bilderrahmen und scheiterte kläglich. Jetzt war ich aber nicht mehr verdattert, sondern sauer. Da steht doch 45 Grad, wieso klappt das nicht? Ich experimentierte mit leicht geänderten Winkelzahlen (was schwierig war, weil die Säge bei zu geringem Abstand zur 45-Grad-Marke immer in den Rastpunkt rutschen wollte) und mit dünnen Vorlagen am Anschlag, um so Winkelveränderungen zu erreichen, aber Wiederholgenauigkeit war mit solchen Mitteln nicht zu erreichen. Und eigentlich sah ich damals auch nicht ein, dass ich solche Klimmzüge machen sollte. Ich habe später in irgendeinem Forum gelesen, dass ein anderer KGS-216-M-Besitzer den Motorblock etwas versetzt und das Problem dadurch gelöst hat, aber das hätte ich mir einfach nicht zugetraut. Ich war schon stolz darauf gewesen, dass ich es fertig gebracht hatte den völlig verstaubten Laser zu reinigen und halbwegs wieder zu justieren.
                          Ich hätte vermutlich den Metabo-Kundendienst mal kontaktieren können. Der einzige Grund, das nicht zu tun, war ein völlig irrationaler: Ich schämte mich zugeben zu müssen, dass ich mit der Maschine nicht gut zurecht kam.


                          Was mich von Anfang bis Ende richtig gestört hat, war der Dreck den die Säge macht. Der Staubfangsack muss ein persönlicher Gag des Entwicklers sein. Ich las später, dass viele Kapp- und Gehrungssägen Dreckschleudern sind und nur schwer halbwegs ordentlich abgesaugt werden können. Ich hab die Säge mit dem Zugteil in einen großen Müllsack geschoben, das hat den meisten Staub aufgefangen. Aber so richtig gerne hab ich sie nie benutzt.

                          Frust stellte sich ein. Ich gelangte zu der Überzeugung: Wenn ich eine Handkreissäge und eine Kapp- und Gehrungssäge habe und immer noch nichts vernünftiges auf die Beine stellen kann, dann bin ich eben einfach unbegabt.
                          Vielleicht sollte ich doch die Sockenwolle wieder hervorkramen.

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                          • Bin schon auf Teil 4 gespannt.

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                            • schöne Story - macht Spaß zu lesen!

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