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Tellerschleifer Drehzahl

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  • Tellerschleifer Drehzahl

    Ein Thema der vielleicht nicht die meisten betrifft aber, dennoch nicht uninteressant.

    Tellerschleifer haben für mein Verständnis in fast jede Holzwerkstatt ihre Daseinsberechtigung. Grundsätzlich handelt es sich um eine Antriebswelle an dem eine meist flache Scheibe befestigt ist. An der Scheibe wird das Schleifmittel angebracht. In früheren Zeiten geschah dies durch Aufkleben. Heute (zum Glück) geschieht es meist mittels eine Klettverbindung.

    Der Kern eines jeden Tellerschleifers ist, der Antrieb, heute fast ausschließlich ein Elektromotor. Der Motor gibt die Drehgeschwindigkeit und Kraft vor. Nur wenige verfügen über eine Drehzahlregelung und da sind wir auch schon beim Punkt.

    Die Drehzahlen der meisten wird durch den Hersteller der Maschine durch den verbauten Motor vorgegeben und kann mit normalen Mitteln nicht verändert werden. Bringt man eine externe Drehzahlregelung zum Einsatz kann man zwar dann die Drehzahl regeln jedoch nicht die Kraft. Bei geringere Geschwindigkeiten verlieren solche Motoren erheblich an Drehmoment und können in Folge auch überhitzen.

    Ich hatte einer der Scheiben meines Doppelschleifers durch ein Schleifteller mit Durchmesser 300 mm ersetzt. Davor hatte ich ein Auflagetisch gebaut und war glücklich. Nachteil dieser Konfiguration war allerdings, die hohen Drehzahl des Doppelschleifers. Die wartet zwar mit 700 Watt auf doch bringt sie auch 2800 U/min. was für viele Schleifscheiben dieser Größe zu viel ist. Um daran gut schleifen zu können war es also erforderlich, mit wenig Druck zu arbeiten. Die Schleifergebnisse waren einwandfrei doch passte man nicht auf, gab es gerade bei härteren Hölzer Brandspuren. Die Schleifscheiben vertrugen das auch nicht sonderlich gut und so war der Verschleiß zwar noch im Rahmen, aber dennoch höher als es hätte sein müssen.

    Da ich jetzt eine neue Drechselbank mit Variosteuerung habe bot sich mir, die Möglichkeit die ganze Sache zu verbessern. Ich beschaffte mir eine 8 mm starke Aluplatte und schnitt mit der Stichsäge eine Scheibe im Durchmesser 303 mm daraus. Daran habe ich dann eine Planscheibe (dauerhaft) verschraubt und die Scheibe dann an der Drechselbank rundgedreht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ich habe dabei einiges an Geld gespart.

    Bei meinen Versuchen habe ich unterschiedliche Geschwindigkeiten probiert und war überrascht über das was dabei herauskam.

    Aktuell habe ich Scheiben von Klingspor darauf und ich hatte bei der Firma gefragt welcher Drehzahlbereich sie empfehlen würden. Die Empfehlung lautete 1500 bis 1900 U/min. was sich mit dem was ich bereits recherchierte hatte deckte. Die meisten Maschinen mit 300 mm Scheiben liegen so um 1500 U/min.

    Meine Eigenversuche ergaben allerdings etwas ganz anderes. Die besten Schleifergebnisse erhalte ich wenn ich mit 500 bis 650 U/min. arbeite. Diese Geschwindigkeit ist aber nur möglich weil meine Drechselbank ausreichend Drehmoment aufbringen kann. Die Handelsüblichen Tellerschleifer würden bei dieser Geschwindigkeit vermutlich gänzlich versagen.

    Was ich mich aber jetzt Frage ist, warum werden Tellerschleifer verkauft die eigentlich zu schnell laufen?

    Eine mögliche Antwort die mir einfällt wäre, dass Motoren mit ausreichend Drehmoment teurer sind als jene die aktuell verbaut werden.

    Hat da jemand auch Gedanken zu dem Thema?

  • Ich übersetze mal kurz die Rotationsgeschwindigkeit in eine lineare Geschwindigkeit (kreisförmige Bahngeschwindigkeit).

    Tellerdurchmesser d = 300mm = 0,3m
    Rotationsgeschwindigkeit F = 1500U/min
    ->Bahngeschwindigkeit v = d*pi * F = 0,3m * 3,14159 * 1500 1/min = 1413,7 m/min (=23,56 m/s)

    Schleift man nicht an der äußersten Kante sondern näher an der Mitte nimmt die Bahngeschwindigkeit linear ab, es lässt sich also ohne Drehzahlregelung langsamer schleifen.
    Natürlich kommt man nicht unbedingt mit allen Teilen des Werkstücks gleich gut an alle Stellen des Schleiftellers.

    Kurzes Googlen bringt mir (von Bandschleifern, aber ich denke das ist übertragbar) empfohlene Geschwindigkeiten von 240 - 420 m/min (Quelle: https://www.meinhausshop.de/magazin/...tig-schleifen/) bzw. 15-35 m/s (Quelle https://www.schleifprofi.com/schleif...bandschleifer/).
    Die erste Quelle bestätigt also deine Meinung (1/3 der Geschwindigkeit ist besser), während bei der zweiten Quelle 978 - 2228 U/min entsprechend wären...

    Meine eigene Erfahrung sagt mir:
    mit höherer Drehzahl bei gleicher Maschine, gleichem Papier, gleichem Werkstoff habe ich
    • mehr Abtrag
    • glattere Oberfläche
    • weniger Ausrisse (an der Kante, wo das Schleifkorn das Werkstück verlässt)
    • weniger Präzission (außer bei einer Ausnahme, s. unten)
    • mehr Risiko von Brandspuren
    • mehr Schleifpapierverschleiß

    Die Ausnahme, wo ich mit mehr Drehzahl präziser arbeiten kann ist: konvex geschwungene Form, die ich mit wenig Druck relativ schnell quer an dem Schleifteller vorbeiführe, um mich einem Bleistiftstrich auf dem Werkstück anzunähern. Wenn ich hier langsamer arbeite schleife ich leichter mehrere ebene Flächen mit Knicken dazwischen als eine Rundung.

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    • Es gibt auch Tellerschleifer mit Langsamläufer, die sind aber eher im Profibereich angesiedelt. Die Maschinen fangen dann bei etwa 800€ in der Grundausstattung an, das wird dann auch schon der Grund sein warum im DIY Bereich die Drehzahlen zu hoch sind. Die Kosten für einen entsprechenden Motor übersteigen die Kosten für einen Tellerschleifer im DIY Bereich um ein Vielfaches. Wie du schon geschrieben hast, haben die Drehzahlregelungen den Nachteil daß das Drehmoment sinkt, will man das Kompensieren braucht man einen größeren Motor, der kostet dann wieder. Die Langsamläufer haben mehrere Wiklungen und somit mehr Kupfer was wieder mehr geld kostet, eine Alternative sind Getriebemotoren aber auch ein Getriebe kostet mehr als ein DIY Tellerschleifer.

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