Wer schaut denn da so neugierig?
1/1 Wer schaut denn da so neugierig?
Basteltechnik
von Ottomar
20.03.17 17:29
437 Aufrufe
  • 3-4 TageLeicht
  • 3-4 Tage3-4 Tage
  • 1515,00 €

Da ich noch nie etwas mit Gießharz gemacht hatte, wollte ich das endlich auch mal ausprobieren.

 Im Netz finden sich jede Menge wunderschöner Dekoartikel - das lädt zur Nachahmung ein.

Besonders attraktiv finde ich die Objekte, bei denen eine Kombination von Holz und farbigem Harz verwendet wurde.

Da ich mich zuerst einmal in die Materie hineintasten wollte, sollte es vorerst bei Versuchen von geringerem Volumen bleiben.


Holz, Gießharz
4.1 5 33

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
  Holzscheiben     
  Kanthölzer     
  Gießharz     
  Schleifpapier trocken     
  Schleifpapier nass     

Benötigtes Werkzeug

1 Das Holz und sein Rahmen

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Abschnitte aus dem Garten
1/3 Abschnitte aus dem Garten
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Bei der vorletzten Heckenschneideaktion angefallene Stämmchen verschiedener Hölzer aus dem eigenen Garten liefern auf der Kreissäge Scheiben von einem Zentimeter Stärke.

Eine bunte Mischung von Weißdorn, Schlehe, Birke und wilder Johannisbeere liegt herausfordernd auf der Hobelbank (Bild 1) und harrt ihres Schicksals.

Aus Kanthölzern wird ein Rahmen auf eine alte Multiplexplatte geschraubt (Bild 2). Die Innenmaße sind 70 * 32 cm.

Damit nichts anklebt, wird die Form mit einer dicken Folie ausgeschlagen und diese am Rand festgetackert (Bild 3).

2 Ausgießen

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Mischen und Färben
1/3 Mischen und Färben
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Die Idee, wie der erste Versuch verlaufen soll, stellt sich so dar:

Das Harz wird samt Farbstoff angerührt und über die Holzscheiben gegossen.
Da das Harz tranparent ist, werden die Holzscheiben später von beiden Seiten frei schwebend zu sehen sein.

Soweit die Theorie ...

Das Harz wird also angemischt, der Farbstoff dann untergerührt. Der Farbton sieht schon recht kräftig aus - wie mag sich dies entwickeln (Bild 1) ?

Die Mischung wird in die Form gegossen und gleichmäßig verteilt (Bild 2).

Doch nun geschieht das, was eigentlich zu erwarten war - das Holz folgt seiner Natur und schwimmt auf (Bild 3).
Und von wegen transparent ...

3 Schleifen, schleifen, schleifen ...

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Schleifen, bis der ...
1/4 Schleifen, bis der ...
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Somit sind gleich zwei Eckpfeiler der Planung hinfällig - weder wird das Harz transparent, noch schweben die Holzscheiben luftig im Harz.

Doch unverdrossen ans Werk und retten, was noch zu retten ist! So der verzweifelte Appell.

Planvariante 2 sagt: jetzt wird alles Überflüssige und Hässliche heruntergeschliffen. Dann wird man eben die braunen Scheibchen auf der Oberfläche eines blauen Sees schwimmen sehen.

Soweit die Theorie ...

Es wird geschliffen, begutachtet, geschliffen, begutachtet (Bilder 1-4)

Was sich nun zeigt, sind zum Teil äußerst saugfähige Holzscheiben. Während etwa die Schlehe der blauen Farbe die kalte Schulter zeigt, saugen Birke und Johannisbeere wie die Schwämme.

4 Zweiter Versuch

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Es sind noch Reste da
1/4 Es sind noch Reste da
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Noch sind genug Reste da für einen zweiten Versuch (Bild 1).

Dieses Mal soll es etwas halbwegs Gegenständliches werden. Und dies soll auch einen neuen Rahmen erhalten, der aufgrund seiner Glätte eine ebensolche Oberfläche liefern wird - so die Theorie.

Besagter Rahmen wird aus beschichtetem Pressspan gefertigt (Bild2).

Nach einigen Hin- und Hergeschiebe mit den übrig gebliebenen Scheiben ist auch schon die Idee da und wird probehalber ausgelegt (Bild 3).

Die Eule - hoffentlich erkannte man sie auch ohne diesen Hinweis -  wird mit der Nase nach unten in die Form gelegt.
Das Harz wird angemischt und deutlicher weniger Farbpulver als beim ersten Mal untergerührt.

Das Einlegen und Ausgießen erfolgt dieses Mal in mehreren Etappen. Zuerst eine Schicht Harz. Nach einer halben Stunde, das Harz hat nun schon eine etwas sulzige Konsistenz, werden die Holzscheiben eingelegt.
Es folgen zwei weitere Aufgüsse im Halbstundentakt.
Dies erfordert natürlich, dass man jeweils eine entsprechende Menge Harz frisch anmischt.

Nachdem die letzte Schicht der  Mischung in der Form schwappt, entsteht wieder das mulmige Gefühl, dass es erneut zu dunkel, nicht transparent ausfallen könnte (Bild 4).

Ein Tag banger Wartezeit, bis alles durchgehärtet ist.

Wurde eigentlich schon erwähnt, wie penetrant Epoxidharz "duftet"?

5 Schleifen, schleifen, schleifen

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Gar nicht so übel, aber ...
1/3 Gar nicht so übel, aber ...
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Nach besagtem Tag des Wartens dann der große Moment: auspacken, umdrehen, zufrieden grinsen (Bild1) ... es ist transparent und die Scheiben schwimmen nicht an der Oberfläche.

... ABER: am Rand und an einigen Stellen mittendrin zeigen sich schuppige Ablösungen.
Die müssen weg, und zwar geschliffen werden.

Was nun folgt ist eine Orgie in Schleifpapier von 240 bis 8000, von trocken bis nass (Bild 2).

Das Ergebnis, nun ja, seht selbst (Bid 3).

Und was nun mit diesem Objekt heftigen Bemühens? Einen Rahmen drum, von hinten beleuchten?
Erst einmal nicht. Zur Zeit sitzt der Uhu ganz rahmenlos an einem Fenster und schaut gelangweilt hinaus.

Eigentlich sollte jetzt ein weiterer Versuch folgen. Wie gesagt: eigentlich.

Nun hat aber meine Allerliebste ein scharfes Veto eingelegt und mir mit allerlei unangenehmen Konsequenzen gedroht, wenn ich noch einmal im Keller derartig herumstinken sollte.
 "Im Sommer, kein Problem, gehste raus, alles gut." usw. usw. ...

Ich sehe es ein und werde auf die ersten warmen Tage warten.




36 Kommentare

zu „Versuche mit Gießharz“

Schön zu lesen, wie du dich an die Materie herangetastet hast. Mir gefällt das Ergebnis, so wie man es als letztes Bild sieht, ganz gut. Ich verstehe nur nicht, wieso das 1 Bild total anderst aussieht. Man könnte meinen, es wäre eine andere Arbeit
2017-03-20 17:45:29

Aller Anfang ist schwer, ich habe noch nie mit Gießharz gearbeitet, Sieht nett aus
2017-03-20 17:49:16

Auf dem ersten Bild steht das Ding vor dem Fenster und innen ist es schon relativ dunkel. Daher sieht man den Uhu nur als Schattenriss.
2017-03-20 17:49:41

Mit den Ergebnissen kann ich zwar nicht so viel anfangen (wobei das Schlumpfbaumholz was hat...), aber ich finde es Klasse, dass Du uns an deinen Versuchen teilhaben lässt.
2017-03-20 17:55:00

Otto, versuche mal zwischen die Scheiben zu gießen und nicht drüber ...

kannst die "Brühe" ja auch in einen Plastebeutel kippen - Spitze von der Tüte wegschneiden und in die Zwischenräume drücken.

habe es auch schon mit einer leeren Siliconkartusche gemacht ..
2017-03-20 18:08:44

Aller Anfang ist schwer, steht bei mir demnächst auch an (Ebenfalls erste Versuche).
2017-03-20 18:11:12

Uhu ,warum bist du nicht in der Tube.Für die ersten Flugversuche nicht schlecht.Mir gefallen die Holzscheiben.U.U.U.U.U dazu
2017-03-20 18:26:01

@Muldi
Danke für den Tipp. Der ist aber nur geeignet, wenn das Holz aus dem Harz herausschauen soll.
Ich möchte es aber komplett umschließen. Insofern ist das "Schichtverfahren" meines zweiten Versuches schon ein Fortschritt.

Danke an alle, die verstehen, dass aller Anfang schwer ist.
2017-03-20 18:39:38

Na, fürs erste mal, sieht echt gut aus.
2017-03-20 19:38:23

Fürs Erste doch ganz gut.
2017-03-20 20:02:54

nicht schlecht, nur wenn man farbe zugibt, kommt auch ein farbergebnis raus, verstanden.
gut ist auch das nicht nur mitglieder bei dir rumnörgel, sondern das du auch von deiner frau die meinung gesagt bekommst, denn mit dem zeug gehörst du wirklich in den garten.
2017-03-20 20:22:02

Das Ergebnis ist nicht so mein Fall, aber der Versuch ist gut.
2017-03-20 21:14:13

Aller Anfang ist schwer..... Zumindest hast Du Dich nicht selbst mit angeklebt oder Briefbeschwerer produziert.....
2017-03-20 21:25:47

Der 1. Versuch "Das Holz im Rahmen" gefällt mir besser. Blau ist meine Lieblingsfarbe ;) Beides ist dir aber sehr gut gelungen. Sehr schöne Beschreibung dazu. Klasse!
2017-03-20 21:34:22

Habe mich in der Theorie schon des öfteren mit dem Thema auseinandergesetzt. Es gibt ja viele schöne Projekte dazu im Netz. Wolte mir schon immer einen Wohnzimmertisch mit Holz-/Gießharzoptik herstellen, hab mich aber noch nicht rangetraut.
Ottomar, es gibt auch transparente Farbstoffe zum untermischen, somit musst du nicht mit der Farbmenge herumspielen. Diese Zusatzstoffe sind in Flüssiger form zu haben. Damit bekommst du es dann hin.
Mach ruhig weiter Versuche, wenn's dann geklappt hat spring ich auf den Zug mit auf :)
2017-03-20 22:55:40

guter erster Versuch
2017-03-20 23:11:11

Also vom Dekorativen her ist das ganze Geschmackssache, die Geschmäcker sind aber zum Glück verschieden.
Vom Technischen gesehen, ist das ganze aber Interessant.
2017-03-21 05:20:21

Gute Arbeit
2017-03-21 08:06:57

Habe das auch noch nie gemacht sieht klasse aus werde demnächst mal versuchen danke 5d
2017-03-21 09:49:08

Was Dich farblich beim ersten Versuch geritten hat, .... ich weiß es nicht.
Die herangehensweise im zweiten Versuch wäre dann auch mein Vorschlag gewesen.
Das Ergebnis, nun ja .... wie so vieles hier Geschmackssache, ich finde es Hammermäßig.
Genau mein Ding. Werde ich meiner Frau zeigen und fragen ob das nichts für uns ist. Würde gut zu den Baumscheiben im Wintergarten passen und an die eine Stelle wollte sie so einen Eiergreifer haben.
5 weitere Baumscheiben von mir.
2017-03-21 09:51:24

Das Ganze ist erst einmal ein großer Spaß und der Versuch, eine neue Technik auszuprobieren.
Das Motiv des Uhus war tatsächlich eine spontane Idee angesichts des vorhandenen Materials. Besonders die Augen ...
Für alle, die das Motiv beknackt finden: den röhrenden Hirsch am mondbeschienen Bergsee würde ich auch nicht wollen ...

@Saberlod
In die Richtung größerer Flächen denke ich insgeheim auch.

@Toby
Was mich farblich beim ersten Versuch geritten hat, hatte ich zu erwähnen vergessen. Es ist eine großartige Arbeit, die man auf YT bewundern kann:
https://www.youtube.com/watch?v=qcJLDZh S9xI&pbjreload=10

2017-03-21 12:04:35

Fehlermeldung YouTube: Hoppla, dein Webbrowser wird nicht mehr unterstützt.

Sehe ich mir zu Haus an.
2017-03-21 13:17:21

Wieder mal was anderes, Das Arbeiten mit Chemie ist nicht so mein Ding aber das Ergebnis "Uhu" kann sich durchaus sehen lassen. Auch die lebendige Beschreibung gefällt mir sehr gut.
5D
2017-03-22 03:02:02

toll dass du dich daran gewagt hast. Ich stand vor einigen Tagen auf der Messe vor wunderschönen Tischplatten, die in dieser Art gefertigt wurden
2017-03-22 20:25:40

Tolles Projekt und die Beschreibung ist nicht nur informativ sondern auch noch unterhaltsam.
Da meine Familie schon meckert wenn ich lackiere, wäre das wohl nichts für mich. Schade, man kann bestimmt toll Dinge damit herstellen. 5D
2017-03-23 08:24:07

@Claudia

vielleicht musst Du es machen wie ich, nämlich auf wärmere Tage hoffen, damit Du dann draußen werkeln kannst. Es rentiert sich wirklich, schau Dir nur mal auf YT entsprechende Projekte an.
2017-03-23 12:07:31

Ottomar ein sehr sehr interessantes Projekt
deine lebhafte Bauanleitung gefällt mir sehr gut
Bis jetzt habe ich micht noch nicht an dieses Thema herangewagt
aber ich denke ich möchte meinen Nachbarn den starken Geruch nicht antun
ganz klar Daumen hoch
2017-03-23 20:07:02

Otto ein schöner Versuch und eine angenehme Beschreibung die auch Fehler aufzeigt.

Vllt als kleiner Tipp, sofern nicht bekannt, schau dir bei YouTube mal den Channel von PeterBrown an.
2017-03-25 01:06:06

@Nekesama

Peter Brown kannte ich bis dato nicht, Danke für den Hinweis.
2017-03-26 03:22:56

Danke fürs zeigen, schöne Versuche.
2017-03-26 15:20:57

schließe mich 3radfahren an, schöner Versuch Ottmar
2017-03-27 08:25:35

Danke fürs Zeigen, werde ich doch mal Probieren
2017-03-27 19:31:53

Wat nich riecht, schmeckt auch nicht.... Feine Idee mit Experimente! Vielen Dank für das Zeigen und das Animieren zum Nachmachen. An solchen Oberflächenveredelungen habe ich immer Interesse!
2017-03-29 07:00:55

@Ruesay

Machet!
2017-03-29 09:48:31

Das ist doch schon mal ein guter Anfang ! Und da ist noch eine Menge Raum für neue kreative Ideen ... Der Sommer ist ja unterwegs .
Eine gute Anleitung, aus der wir auch lernen können .
Fünf Daumen von mir dafür .
2017-04-01 15:08:52

Gelungene Experimente.
2017-05-09 07:50:10

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