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Bohrtisch
1/3 Bohrtisch
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Werkstatthelfer
von kaosqlco
15.01.16 13:05
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  • 1515,00 €

Ich habe eine Standbohrmaschine vom Discounter. Für mich ist dieses Modell völlig ausreichend, denn ich bohre nicht sehr häufig damit und dann nur Holz oder dünnes Aluminium.
Was mich allerdings schon immer beim Arbeiten mit der Maschine genervt hat, ist der fehlende Bohrtisch. An der Maschine selbst ist eine höhenverstellbare Halterung für einen Mini-Schraubstock befestigt. Mit dieser Halterung als Auflage kann man zwar Werkstücke bohren, präzise arbeiten allerdings nicht, wor allem wenn die Werkstücke länger sind. Dann ist die Auflagefläche zu klein.
Deshalb beschloss ich, endlich einen größeren Auflage- und Spanntisch für die Standbohrmaschine zu bauen.

Hier kannst Du noch weitere interessante Projekte von mir anschauen.


Standbohrmaschine, Bohrtisch, Bohrmaschinentisch, T-Nut-Schiene
4.7 5 33

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Grundplatte  Film/Siedruckplatte, 18mm  450x250 
Anschlagplatte  Film/Siedruckplatte, 18mm   450x100 
Opferplatte  Sperrholz, 8mm  100x100mm 
T-Nut-Schiene  Aluminium  17x11x1000mm 
14  Schrauben  16 x 2,5   
Schrauben  35 x 3,0   
  Montagekleber     
  Holzreste     

Benötigtes Werkzeug

  • Tischbohrmaschine
  • Akku-Schrauber
  • Tischkreissäge
  • Oberfräse
  • Metallsäge
  • Sägelehre
  • Schraubstock
  • Metallfeile
  • Sandpapier

1 Planung und Materialbeschaffung

Zeichnung, mit Bemaßung
1/1 Zeichnung, mit Bemaßung

Da ich bei meinen Baumarktbesuchen immer an der Restekiste der Holzabteilung halt mache und preiswerte Reste (Multiplex, MDF, Sperrholz oder Filmplatten) mitnehme, habe ich immer einen guten Vorrat von diesen Platten in der Werkstatt.
Für die Grund- bzw. Anschlagsplatte des Bohrtisches war ein passenden Stück (Filmplatte) von 450 x 360mm vohanden.
3 Reststücke der T-Nutschiene hatte ich ebenfalls noch im Fundus.

Deshalb kann ich die Materialkosten nur schätze, denke aber dass 15 Euro realistisch sind.

Die nebenstehende SketchUp-Zeichnung wurde nachträglich erstellt und enthält die realen Maße.

2 Grundplatte

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01 Vorrrat an Opferbrettchen, je 100x100mm
1/14 01 Vorrrat an Opferbrettchen, je 100x100mm
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Zunächst habe ich die Filmplatte mit der TKS geteilt:

  • Grundplatte: 450 x 250 mm
  • Senkr. Anschlagplatte: 100 x 250 mm

Aussparung für Opferbrettchen
Mein Bohrtisch sollte eine Aussparung für ein Opferbrettchen haben, das austauschbar sein sollte.
Um das Opferbrettchen mehrmals verwenden zu können, habe ich die Aussparung so positioniert/ gedreht, daß der Bohrer außerhalb der Mitte aufkommt und so das Opferbrettchen gedreht werden kann.

Das Opferbrettchen hat das Maß von 100x100mm. Die Ecken habe ich abgesägt, damit ich es besser aus der Aussparung herausnehmen kann. Ausserdem hat mir das das Abrunden der Ecken erspart, da die Aussparung runde Ecken hat.

Danach habe ich mit der Oberfräse in die Grundplatte den quadratischen Ausschnitt für das Opferbrettchen gefräst. Verwendet wurde ein 10mm Nutfräser, stirnschneidend und eine selbstgebaute verstellbare Frässchablone aus Alu-Profilen.

Löcher für Verschraubung mit Halteplatte
Damit die Grundplatte des Tisches auch mit der Halteplatte der Bohrmaschine verschraubt werden kann, mußten noch zwei Löcher gebohrt werden. Um die Schrauben mit Hammerkopf versenken zu können, habe ich mit einem 25mm Forstner-Bohrer von oben ca. 8mm tief gebohrt und danach die Löcher mit einem 10mm Bohrer durchgebohrt.

Nut-Schienen und Verstärkungsbrettchen
Als nächstes habe ich die 17mm breiten und 11mm tiefen Nuten für die T-Nutschienen gefräst. Hierfür wurde ein 17mm Nutfräser, stirnschneidend und ein Fräs-Anschlag verwendet.
Wie der aufmerksame Betrachter erkennen kann, bin ich beim Fräsen der Nuten etwas "abgerutscht", Bild 05. Mit diesem Fehler kann ich aber leben, schließlich ist das nur ein Bohrtisch.

Danach habe ich 2 T-Nut-Schienen-Reste auf die Länge von 250mm abgesägt (Metallsäge, Sägelehre), mit der Feile die Schnittkante entgratet, mit einem 3mm-Bohrer je 4 Löcher gebohrt und die Löcher mit einem 6mm Bohrer gesenkt.

Zum Verschrauben der T-Nut-Schienen habe ich kleine Schrauben 2,5x16 verwendet.
Da die Schrauben mit 16 mm länger waren, als die noch verfügbare Höhe der Grundplatte von 7mm (18mm Stärke - 11mm Nuttiefe = 7mm) und die Schraubenspitzen unten herausgestanden hätten, habe ich aus Multplex-Resten zwei ca. 220x50mm große Stücke geschnitten und von unten an die Grundplatte geleimt.
Die beiden Streifen wurden so positioniert, dass sie rechts und links an der Halteplatte der Standbohrmaschine straff anliegen und so für Stabilität sorgen.
Danach wurden die Nutschienen von oben verschraubt.

3 Anschlagplatte

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Anschlagplatte mit gefräster Nut
1/6 Anschlagplatte mit gefräster Nut
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Da die Anschlagplatte (450x100mm) seitlich ein paar Ausfransungen hatte (da Rest aus dem Baumarkt), habe ich 3 Kanten als erstes mit der Oberfräse und einem Profilfräser abgerundet.

Danach habe ich eine durchgehende Nut für die T-Nut-Schiene gefräst (quer).

Da beim Einschrauben der T-Nut-Schiene wieder das gleiche Problem bestand - nämlich die 2,5x16 Schrauben zu lang waren - habe ich aus Multiplex-Resten 2 Streifen gesägt (ca. 200x50mm) und von hinten an den Anschlag geklebt. Zwischen beiden Streifen wurde ein Abstand für die Säule der Bohrmaschine frei gelassen.

Danach habe ich eine T-Nut-Schiene auf die Länge von 430mm gesägt, den Schnitt entgratet, 6 3mm Löcher gebohrt, die Löcher gesenkt und die T-Nut-Schiene in die gefräste Nut eingeschraubt.


4 Zusammenbau

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4 Löcher an der Hinterkante der Grundplatte bohren und senken
1/5 4 Löcher an der Hinterkante der Grundplatte bohren und senken
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Als nächstes wurden an der Hinterkante der Grundplatte 4 Löcher für die Verschraubung der Grund- mit der Anschlagplatte gebohrt und gesenkt. Da die Anschlagplatte 18mm stark ist, wurden die Löcher 9mm von der Kante entfernt gebohrt.

Vor dem Verschrauben habe ich geprüft, ob beide Platten rechtswinklig zueinander stehen und dann die Anschlagplatte an die Grundplatte geschraubt.

Um den Bohrfutterschlüssel immer griffbereit zu haben, bohrte ich auf der rechten Seite der Anschlagplatte noch ein 7mm Loch gebohrt und habe hier den Bohrfutterschlüssel eingesteckt.

Zum Abschluß habe ich mir aus Resten noch zwei an die T-Nut-Schiene der Anschlagplatte passende Stoppklötzchen gebohrt und mit Sechskantschraube und Sterngriff befestigt.

5 Fazit

Fertig
1/1 Fertig

  • Der Bohrtisch ist mit 450x230mm Grundfläche groß genug, um kleinere Werkstücke bohren zu können.
  • Mit den eingelassenen T-Nut-Schienen ergeben sich viele Möglichkeiten, Werkstücke zu fixieren bzw. Anschläge anzubringen.
  • In die Schienen passen auch die abgebildeten Zwingen von Festool.
  • Das Opferbrettchen ist für Bohrungen mit normalen Holz- oder Metallbohrern groß genug.
  • Wenn ich mit größeren Forstnerbohrern bohre, muß ich allerdings noch ein größeres Opferbrett unterlegen, wenn ich meinen Bohrtisch nicht beschädigen will. - Das soll aber kein Problem sein.

38 Kommentare

zu „Tisch für die Standbohrmaschine“

Sehr schön geworden, vor allem mit den T-Nutschienen als Luxus.

Stößt du nicht mit der Kurbel am hinteren Anschlag an, wenn der Tisch weiter oben positioniert wird? Ich hab bei meinem Tisch dafür ausgefräst (in meinen Projekten zu finden).
2016-01-15 13:18:42

Gute Lösung! Ich habe auch so eine "günstige" Maschine und kenne die Problemchen ;-)
2016-01-15 13:37:36

man ist von Dir nichts anderes gewöhnt! Professioneller Tisch! Klasse!
2016-01-15 13:45:28

Toll. Einfach ein genialer Tisch und dein Bericht.... nahezu perfekt!
DANKE
2016-01-15 14:20:26

Toll gemacht.
Habe mir dein Projekt für später gemerkt, so einen Bohrtisch brauche ich auch noch.
2016-01-15 14:32:48

Jetzt hab ich die Lösung, coole Idee, hab schon lange Gerätzelt
2016-01-15 15:51:00

Klasse gebaut, jetzt habe ich wenigstens noch ein paar anregungen für den Bohrtisch, den ich bauen will. Die Lösung mit dem Opferbrett hast du klasse gelöst. Werde ich wohl auch so machen. Gefällt mir sehr gut
2016-01-15 16:19:55

irgend wann kommt immer der Punkt wo so ein Tisch fällig wird. Und je lausiger das Original desto eher. Sehr schön gemacht und mit vielen Möglichkeiten! Eigentlich viel zu schade um nur gelegentlich darauf zu bohren.
2016-01-15 16:20:40

Ich habe zwar an der PBD einen kleinen Tisch, aber mir gefällt dein Projekt trotzdem sehr gut und es ist prima beschrieben. Da gibt es 5 Daumen.....
2016-01-15 16:33:43

Saubere Arbeit und klasse Beschreibung
2016-01-15 16:48:16

Klasse Arbeit 5d
2016-01-15 17:36:06

Gefällt mir sehr gut 5 D
2016-01-15 18:03:37

Sehr durchdacht und beschrieben. Das mit dem Opferholz ist eine gute Idee.
2016-01-15 18:25:14

Klasse gelöst
2016-01-15 19:15:59

wow genial gemacht
(hab auch schon mal ein ähnliches Projekt gepostet)
2016-01-15 19:31:28

Tja... eigentlich ist ja schon alles Positives gesagt worden...
Ein gut beschriebenes und tolles Werkstatthelferlein... 5 D
2016-01-15 21:54:20

Der Bohrtisch kommt mir doch bekannt vor.
Meiner ist sehr ähnlich, nur habe ich noch eine Absaugung für Späne, wenn ich mit Schleifrolle arbeite mit eingebaut. Auch Beleuchtung hab ich dran.
Deine Beschreibung ist aber Klasse, das hab ich leider beim tüfteln vergessen.
2016-01-15 22:28:12

Vielen Dank an alle für die wohlwollenden Kommentare und vielen Daumen.

@Woody: Die Kurbel stößt erst am hinteren Anschlag an, wenn der Abstand zwischen Bohrfutter und Grundplatte kleiner als 50 mm ist, das kommt eigentlich nur bei Versenkern vor. Hier hat meine Maschine aber genügend Hub, sodass ich den Abstand größer wählen und trotzdem noch Bohren kann. An dieses Problem hatte ich nicht gedacht ... und einfach Glück gehabt.

@cib: Licht könnte ich wirklich noch ranbauen. Die Idee mit dem Schwanenhals ist gut. Werde ich machen. Danke.

@Lippi1976: Ich habe in der Planungsphase natürlich auch andere Selbstbau-Bohrtische gesichtet, hier im Forum, auf YT und Pinterest und mir Anregungen geliehen.

2016-01-15 22:52:57

@Burgjan: Deinen Bohrtisch gibt es hier aber nicht als Projekt? - Als Update für meinen Tisch überlege ich tatsächlich noch eine Vorrichtung für Schleifrollen anzubauen, die ich ja bequem mit den T-Nut-Schienen aufspannen kann. Der Tisch kommt dann nur tiefer. Absaugung wird dann natürlich auch integriert und Licht und vielleicht noch eine ausziehbare Tischverlängerung.
2016-01-15 22:54:52

Meine Frau hatte mir - war schon länger mein Wunsch - eine Ständerbohrmaschine geschenkt (war im Dezember). Bin aber noch nicht dazu gekommen, sie auszupacken!!! *grins* Das wird dann sehr wahrscheinlich im Februar werden, weil ich im Januar noch einige andere Dinge erledigen muss. Sollte sich bei dieser Maschine kein Bohrtisch befinden (oder kein "vernünftiger" werde ich sicher auf Dein "Projekt" zurückgreifen. Danke für das Reinstellen!
2016-01-15 23:16:57

@kaosplco: das sollte ich nachholen.Stimmt!
2016-01-16 09:18:17

Keine schlechte Idee, gar nicht übel. Aber nal ehrlich, mit einem Spiralbohrer senkt man nicht an. Schon alleine der Scheidwikel passt nicht. Besorge dir lieber einen Senker. LIDL hat kürzlich gute Qualität angeboten.
Da ich gerade anfange mir meine Werkstatt ein zu richten, finde ich diese Lösung genial gelöst, denn so eine Bohrmaschine habe ich auch. Danke kann ich gut umsetzen.
2016-01-16 17:40:26

Das wertet die Maschine doch gleich auf.
2016-01-16 19:04:43

@solobiker. Ich besitze sogar mehrere Senker, aber keiner von denen ist dünn genüg, damit er durch die Nut (8mm) des Profils paßt. Da habe ich mir mit dem Spiralbohrer beholfen.
Ich werde aber auch mal nach einem dünneren Senker schauen, da noch mehr Nut-Schienen auf die Verarbeitung warten.
2016-01-16 19:20:41

Is gemerkt. So was ist echt sinnvoll. Gut beschrieben, top Ergebnis
2016-01-17 07:06:20

Wuff! Ein perfekt beschriebenes Projekt zum Nachbau. Der in abgewandelter Form sicherlich irgendwann kommt! Mit Sinn und Verstand gebaut! Solche Projekte kann ich gar nicht oft genug sehen!
2016-01-17 08:24:35

Klasse Bohrtisch ist das geworden . Super Beschreibung. Sehr schön.
2016-01-17 10:18:01

Klasse Idee super gebaut und beschrieben
2016-01-17 11:37:08

gute Bauanleitung und ein schönes Ergebnis
2016-01-20 11:52:26

Ein klasse Bohrtisch mit ebenso guter Beschreibung. Ein rundes Opferholz könntest du noch länger benutzen da es sich öfter weiterrutschen lässt. Allerdings wäre der Aufwand größer ein Ersatzopferholz zu erstellen.
2016-01-20 21:28:10

@Maedelfueralles: Warum ich nicht auf die Idee mit dem runden Opferholz gekommen bin, weiß ich auch nicht. :((( Wenn ich dran gedacht hätte, hätte ich mich bei der Größe an einem Lochkreissägeblatt orientiert. Damit kann man leicht Opferhölzer nachproduzieren.
2016-01-20 22:51:27

Ein runder Opferholzeinsatz könnte sich aber unter ungünstigen Umständen in seiner Aufnahme drehen, wodurch ein gebrochener Bohrer mit fliegenden Stücken möglich würde.
Wenn dann entweder mehr Ecken für häufigere Nutzung, oder Rund mit guter Fixierung
2016-01-22 11:33:17

Beneidenswert was hier so einige bauen können. Für diesen Tisch gibt es 5 Daumen hoch :-)
2016-02-01 18:38:24

Schöner Tisch. Ich hätte wahrscheinlich auch ein Rechteck oder Quadrat gewählt. 5D
2016-02-06 19:31:13

praktische Sache
2016-11-26 23:26:37

Auch schon notiert.5D
2017-03-23 13:54:53

zum Thema Der große Upcycling- und Recycling-Wettbewerb 2017 Sichtschutz mit Hochbeet aus alten Backsteinen  Sichtschutz, Hochbeet, Ziegelsteinmauer, Backsteine

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