Seit Mitte der 1990-er Jahre sind die deutschen Baumarkt-Gruppen in Bewegung, Branchenkenner orakelten schon damals, dass sich der Markt auf fünf, maximal sieben Baumarkt-Gruppen konzentrieren werde - dass also mittelständisch orientierte Gruppen unter die Fittiche der Großen schlüpfen und ihre Selbständigkeit aufgeben würden. Inzwischen ist diese Konzentrationsbewegung in vollem Gange. Die MAX-BAHR-Baumärkte wurden 2007 von PRAKTIKER geschluckt. Der hatte sich schon Ende der '90-er Jahre die Wirichs-Baumärkte einverleibt. Im September 2007 wurde dann bekannt, dass die MARKTKAUF-Baumärkte (zur Edeka-Gruppe gehörend) an TOOM gehen, die ihrerseits eine Tochter der REWE sind. Damit dürfte das grüne Logo Marktkauf in Kürze zumindest bei den Baumärkten vom Markt verschwunden sein. Auch die GLOBUS-Gruppe will sich durch Zukauf der hela-Baupark-Baumärkte vergrößern, wobei das Bundeskartellamt dem Deal noch zustimmen muß.
Die Marktführer hinsichtlich des in der BRD erzielten Umsatzes sind OBI, Praktiker (mit Max-Bahr) und nunmehr Toom (mit Marktkauf-Baumärkten).
Kurzporträts der deutschen Baumarkt-Gruppen in alphabetischer Auflistung:
Bauhaus-Baumärkte: Diese Gruppe bezeichnet sich als Pionier der neuen Handelsform "alles unter einem Dach für den Heimwerker". Der Heimwerker kann sich in Deutschland in 120 Bauhaus-Baumärkten umsehen. Insgesamt betreibt die mit ihrer Holding in der Schweiz ansässige Gruppe in Europa 185 Märkte und setzt in der BRD Schätzungsweise 2 Mrd. € um. Bauhaus hat in 30 seiner Baumärkte die "Bäderwelt" integriert. Ferner verfügen 20 Märkte über Baustoffhallen mit "Drive-in-Arena", wo das Fachhandwerk einkauft. Daraus ergibt sich die Zielsetzung der Gruppe, die den Heimwerker wie den Fachhandwerker gleichermaßen bedienen will.
bauSpezi: Mit 90 Baumärkten quer durch die Republik mischt bauSpezi auch auf den vorderen Rängen mit, wobei die einzelnen Baumärkte von privaten Einzelhändlern betrieben werden, die sich der "NBB Dienstleistungs AG" angeschlossen haben und über diese die Ware ebenso beziehen, wie das
Marketing- und Werbekonzept. Die NBB ist auch in anderen Handelssegmenten aktiv wie z.B. "AngelSpezi" oder "gartenSpezi". Die einzelnen bauSpezi-Märkte sind als Mittelgroße Baumärkte einzustufen.
BayWa Bau- und Gartenmärkte: Die BayWa AG ist ein Konzern, der in den Geschäftsfeldern Agrar, Baustoffe und Energie 7,3 Mrd. € umsetzt, davon entfallen auf die Baumärkte ca. 344 Mio €. Aus dem Agrarhandel kommend, ist an der BayWa fast logischerweise Raiffeisen Bayern beteiligt. Die Baywa hat sich jedoch im Laufe der Firmengeschichte zu einem Mischkonzern gewandelt, der Autohäuser ebenso betreibt wie Tankstellen oder Baustoffhandlungen oder Baumärkte. Letztere treten einheitlich als BayWa Bau- und Gartenmärkte auf (Jahresumsatz 418 Mio €) und sind mit 98 Märkten an 60 Standorten zu finden.
Der Heimwerker: Fünf Baumärkte (Stand 01/10) im Raum Berlin, die sich alle in innerstädtischen Einkaufslagen befinden. Dementsprechend ist die Verkaufsfläche der Baumärkte namens „Der Heimwerker“ weniger groß, als in Baumärkten auf der grünen Wiese. Das bedeutet auch, dass sich das Sortiment verstärkt an Frauen wendet und dass eher Kleinteile für den „täglichen Einsatz“ verkauft werden, als Baustoffe oder Großgeräte. Betrieben werden die Baumärkte von der JRB Handelsvertretungs GmbH.
EMV-Profi Systemzentrale: Dem einzelnen Heimwerker sagt dieser Name kaum etwas, jedoch sind diesem Einkaufs- und Marketingverbund 265 regionale Baumärkte und Baustoffhandlungen angeschlossen, die ihre Waren über die EMV beziehen und über die EMV auch "regulieren", also die Ware bezahlen. Diese regionalen Baumarktbetreiber haben sehr unterschiedliche Namen, etwa "Landmaxx" oder "Baufuchs". Die jeweilige Marktgröße ist sehr unterschiedlich - von klein bis mittelgroß. Immerhin ist diese Verbundgruppe seit ihrer 1997 erfolgten Gründung auf Platz 7 der Baumarkt-Umsatzrangliste vorgedrungen bei einem Umsatz von 585 Mio € im Jahr.
EXTRA Bau- und Hobbymärkte: Die EXTRA Bau- und Hobbymärkte sind die Franchise-Schiene der Praktiker AG; die Betreiber sind also Privatpersonen, die sich dem EXTRA-Konzept angeschlossen haben. Der Wareneinkauf erfolgt über Praktiker. Es bestehen etwa 30 EXTRA-Baumärkte
GLOBUS-Baumärkte: Die "Globus Baumarkt Holding GmbH & CO KG", die derzeit 51 Baumärkte in Deutschland betreibt bei Mindestgröße pro Baumarkt von 7.000 qm, gehört zur Globus-Gruppe aus
St. Wendel im Saarland. Zur Gruppe gehören SB-Warenhäuser und Alpha-Tec-Elektrofachmärkte. 4,2 Mrd. € Umsatz erzielte die Globus-Gruppe 2005/2006, der auf die Baumärkte entfallende Anteil beträgt knapp 800 Mio €. Die GLOBUS-Baumärkte dürften in 2008 ihre Marktposition ausbauen, da sie die ebenfalls mit ihrer Zentrale im Saarland ansässige
hela-Baupark-Baumärkte übernehmen wollen.
HAGEBAUMÄRKTE: Vereinfacht gesagt, sind die Hagebaumärkte meistens "Töchter" regionaler Baustoff-, Fliesen- oder Holzfachhändler, wobei diese Fachhändler sich ihrerseits dem Einkaufs- und Marketingverbund der "Hagebau Handelsgesellschaft für Baustoff GmbH & Co. KG" angeschlossen haben. Die Hagebau-Kooperation ist neben dem Baustoff-, Fliesen- und Holzhandel auch in weiteren Geschäftsfeldern aktiv (z.B. Werkmarkt). Rund 300 Hagebaumärkte unterschiedlicher Größe und Sortimentsausrichtung gibt es in der BRD. Der von diesen Baumärkten erwirtschaftete Umsatz ist uns unbekannt.
hela Baupark: Seit Ende 2007 gehören die hela Profi-Zentren zur Globus-Gruppe, die vor allem im südwestdeutschen Raum präsent ist. Der Wechsel vom vorherigen Eigentümer, der Distributa-Gruppe, zur ebenfalls im Saarland ansässigen Globus-Gruppe hat jedoch keine Namensänderung zur Folge - der Name "hela" soll bestehen bleiben.
Hellweg-Baumärkte: "Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH & Co. KG" lautet die offizielle Firmenbezeichnung. Hinter Hellweg steht kein wie auch immer gearteter Konzern, also auch kein "Lebensmittler". Vielmehr hat sich die in Dortmund mit ihrer Zentrale ansässige Gruppe "reinrassig" auf das Baumarkt-Geschäft konzentriert und betreibt in der BRD 75 Baumärkte. Der Jahresumsatz liegt bei über 600 Mio. €. Hellweg ist auch in Österreich aktiv mit sieben Baumärkten. Hellweg kooperiert mit der BayWa im Bereich des Wareneinkaufs.
Herkules-Baumärkte: Die "EDEKA Hessenring" betreibt im Großraum Kassel mehrere SB-Warenhäuser und einige Baumärkte, ebenfalls unter dem Namen Herkules. Da die regionalen EDEKA-Großhändler ein ziemliches Eigenleben führen, kann es nicht verwundern, dass die EDEKA-Tochter AVA ihre Marktkauf-Baumärkte zwar an Toom verkauft hat (REWE-Gruppe), die Herkules Baumärkte der Edeka Hessenring aber wohl erhalten bleiben sollen und sich der Hagebau-Gruppe insoweit angeschlossen haben, als sie über diese ihren Wareneinkauf tätigen.
HORNBACH-Baumarkt AG: Über den Hornbach-Baumärkten schwebt die Hornbach-Holding AG, die auch noch im Baustoff- und Gewerbe-Immobilienbereich tätig ist. In der Holding dominiert die Inhaberfamilie Hornbach, wobei 90 % der Holding-Umsätze von der Baumarkt AG erwirtschaftet werden. Hornbach betreibt 124 Filialen, davon 92 in Deutschland und macht damit einen Umsatz von 1,760 Mrd. €. Das Unternehmen versteht sich als ein Megastore-Betreiber im Baumarktbereich, weil die Durchschnittsgröße aller deutschen Märkte bei über 10.000 qm liegt.
i & m-Bauzentrum: Die Baustoff-Großhandelskooperationen Interpares und Mobau haben schon in den 80-er Jahren zur "i & m" fusioniert, wobei sich das Unternehmen nunmehr "Eurobaustoff" nennt. An 600 Standorten in der BRD sind Baustoffgroß- und Einzelhändler vertreten, die dieser Gruppe angeschlossen sind. Unter der Firmierung "i & m Baucentrum" werden von den regionalen Baustoffhändlern baumarktähnliche Märkte betrieben, die - anders als Baumärkte - einen Schwerpunkt im Bereich der Baustoffe haben. Allerdings widmet sich die Gruppe auch verstärkt den Bauherren und Renovierern, indem sie die Waren in einem exklusiven Rahmen anbietet
incl. Muster-Anwendungen.
Knauber-Freizeitmärkte: 1880 gegründet, befindet sich das Unternehmen immer noch in Familienbesitz. Zwar war der erste deutsche Baumarkt ein Knauber-Baumarkt, der 1968 eröffnet wurde, heute aber versteht man sich als "Freizeitmarkt" mit einem von üblichen Baumärkten stark abweichenden Sortiment, wobei das Dekorative stark im Mittelpunkt steht. Auch haben die Knauber-Freizeitmärkte gutl sortierte Bastel-Abteilungen. Sieben Freizeitmärkte gibt es im Großraum Bonn. Zur Knauber Holding gehören neben der Freizeitmärkten auch die Geschäftsfelder Handel mit Heizöl, Tank- und Flaschengas und Pellets.
Krämer Baumärkte: Unter dem Namen "Krämer" gibt es nur drei Baumärkte, jedoch haben sich unter dem Dach der Betreibergruppe KEM ("Eisen Krämer") an die sechzig Baumärkte geschart, die unter sehr verschiedenen Namen in ihren regionalen Bezirken operieren.
Leitermann Baumärkte: Die Familie Liechtenstein betreibt in den neuen Bundesländern sechs Baumärkte. Man legt wert darauf, dass es sich um rein ostdeutsche Märkte handelt.
Marktkauf-Baumärkte: Siehe unter "TOOM"
MAX-BAHR-Baumärkte: Siehe unter "Praktiker"
OBI-Baumarktgruppe: Das Unternehmen gehört zur Tengelmann-Gruppe (Kaiser's-Märkte, Tengelmann-Märkte, KIK-Textildiskont usw.) Allerdings befinden sich die einzelnen OBI-Baumärkte zum Teil im Besitz von sog. "Franchisenehmern", also privaten Baumarktbetreibern, die sich dem OBI-Konzept angeschlossen haben. Über die Hälfte der angeschlossenen Märkte gehört jedoch zum OBI-eigenen Filialnetz. Derzeit betreibt die Systemzentrale in Wermelskirchen die Filialisierung. Franchisnehmern wird deshalb angeboten, ihre Rechte und Märkte an die OBI-Systemzentrale zu veräußern.
OBI betreibt in Deutschland 334 Baumärkte, im europäischen Ausland und in den ehemaligen Ostblockländern weitere 171, wobei die "östliche" Expansion stark vorangetrieben wird. Der inländische Umsatz beträgt derzeit etwa 3,6 Mrd. €. Wenn sich OBI auch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit PRAKTIKER und TOOM liefert, was die Zahl der deutschen Märkte betrifft, so ist das Unternehmen jedoch nach wie vor Marktführer beim Umsatz.
Der Gründer von OBI, Manfred Maus, wird als der Mister DIY in Deutschland angesehen. Maus wurde mit unzähligen Ehrungen und Preisen bedacht, die sein Lebenswerk, die Gründung und den Aufbau von OBI würdigen.
Plaza Baumärkte: Die COOP aus Kiel betreibt neben ihren Lebensmittelmärkten auch
12 Plaza-Baumärkte.
PRAKTIKER-Baumärkte: Der durch seine aggressive Rabatt-Werbung bekannte Baumarktriese gehörte früher zur Metro-Gruppe (C & C-Märkte, REAL- und Extra-Warenhäuser, Kaufhof-Warenhäuser, Saturn- und Media-Markt-Fachmärkte). Seit 2005 ist Praktiker eigenständig, da ging die Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG an die Börse. Praktiker hat Anfang 2007 die Max-BAHR-Baumärkte übernommen, die (noch?) unter dem alten Namen weitergeführt werden. Schon Ende der 90-er Jahre hatte sich PRAKTIKER durch den Zukauf der Wirichs-Baumärkte vergrößert; inzwischen ist die Gruppe in der BRD an 343 Standorten vertreten (darunter 76 Max-Bahr-Baumärkte und einige EXTRA-Baumärkte) und weltweit an 420 Standorten. Im 1. Halbjahr 2007 wurde ein Umsatz von 1,51 Mr. € erzielt, für das Jahr 2007 dürfte der Umsatz also bei über 3 Mrd. € liegen.
TOOM-Baumärkte: Nach der Übernahme von 133 Marktkauf-Baumärkten ist TOOM auf 385 Baumärkte angeschwollen und damit zur Nr. 3 der Rangliste geworden. TOOM erzielt nun durch die Übernahme von Marktkauf über 2 Mrd. Jahresumsatz. Hinter TOOM steht der Kölner Lebensmittelkonzern REWE, der in 14 Ländern 270.000 Mitarbeiter/innen beschäftigt und 43,5 Mrd. € Umsatz erwirtschaftet. Interessant ist, dass sich der "Lebensmittler" REWE neu aufstellt und Töchter wie Minimal, Otto Mess oder R-Kauf in Zukunft einheitlich unter REWE antreten läßt (Ausnahme die Diskontschiene Penny). Bei TOOM wird REWE auch nicht im Logo erscheinen; den Fehler von (EDEKA)-Marktkauf, nämlich in zwei völlig unterschiedlichen Handelssparten unter einem Namen aufzutreten, hat REWE nicht gemacht und wird es auch in Zukunft nicht machen.
V-Baumärkte : Die Kaes GmbH, ein bayrisches Unternehmen, das in verschiedenen Bereich aktiv ist, betreibt in Oberbayern und Schwaben derzeit acht Baumärkte.
Werkmarkt-Fachmärkte: Diese Kooperation selbständiger Einzelhändler gehört ebenfalls zum Zeuss/Hagebau-Verbund, tritt aber einheitlich im deutschen Markt auf, wo 230 Werkmärkte betrieben werden. Man legt wert darauf, kein Baumarkt zu sein, was angesichts der kleinen Verkaufsflächen sowieso jedermann versteht. Dennoch unterscheiden sich die übersichtlichen Sortimente nicht wesentlich von dem, was die Baumärkte anbieten. Nur ist das Warenangebot beschränkt und konzentriert sich auf das, was der Heimwerker als Basisbedarf braucht.
Zeuss - E/D/E - EK - Hagebau - Otto: Für den Heimwerker kann es auch interessant sein zu erfahren, wie sich die Großen der Branche zusammengetan haben, siehe dazu auch die Einleitungszeilen dieser Übersicht. Das fast schon historische "Einkaufsbüro Deutscher Eisenwarenhändler" aus Wuppertal, kurz E/D/E genannt, hat sich schon frühzeitig mit einem anderen starken Partner zusammengetan, der
EK-Großeinkauf aus Bielefeld. Daraus ging dann die ZEUS-Kooperation hervor (Bauklotz, Werkmarkt), an der sich die Hagebau-Gruppe zunächst mit 35 % beteiligte, dann aber auf 50 % erhöhte, was zur Folge hatte, dass die beim E/D/E angesiedelte ZEUS nun ihr Quartier wechselte von Wuppertal nach Soltau in der Lüneburger Heide, wo Hagebau ansässig ist. Die wiederum sind auch im Online-Shopping-Bereich aktiv, wobei an dem Shop www.hagebau.de (und nur an dem Shop) die OTTO-Gruppe aus Hamburg mit etwas über 50% beteiligt ist, nachdem sich das Joint Venture www.obi@otto 2006 aufgelöst hatte.
Globus Bäumärkte
quelle:http://www.baumarkt.de/nxs/3055///baumarkt/handelsadressen/Die-Baumarkt-Gruppen-im-Kurzportraet