Bakelit ist der erste industriell erzeugte Kunststoff der Welt auf der Basis von Phenolharz (Steinkohlenteer-Phenol ist ein Überschussprodukt der Teerproduktion).
Bereits 1872 hatte Adolf von Beayer (1835–1917) in Berlin untersucht, was passiert, wenn Phenol mit Formaldehyd versetzt wird. Die daraus entstandene klebrige Masse entzog sich damals allen üblichen Regeln der Charakterisierung – der erste Kunststoff war entdeckt. Doch erst dem flandrischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland ((1863–1944) gelang es, ein synthetisches Harz herzustellen, das vor der Verfestigung verformbar ist. Sein Ziel: einen Werkstoff herzustellen, der beständiger als Holz, leichter als Eisen und haltbarer als Gummi und der die Elektrizität „bändigen“ kann, wurde am 20. Juni 1907 (Patent vom 31.1.1908) erreicht, als eine bernsteinfarbene viskose Masse das Versuchsgefäß füllte.
Die W
iege der ersten deutschen Bakelit-Produktion stand in Erkner bei Berlin, denn in der örtlichen Rütgers-Steinkohlenteerraffinerie interessierte man sich für die neue Verwertung von überschüssigen Teerphenolen. Die Rütgers-Werke erwarben im Sommer 1909 von Baekeland die Patentrechte für Bakelit-Harze für Kontinental-Europa.
Noch im gleichen Jahr erreichten die ersten Chargen von Bakelit-Produkten (Gehäuse für elektrische Geräte, Isolierungen, Schalter, Stecker, Telefone, Radios) die boomende Berliner Elektroindustrie.
Fotos: Oben, Telefon: Ekaat_Oyten; 2.v.o.: Schalter und Steckdosen: Holzwurm8686; 3.+4.v.o.: Rasierklingenschärfer: Ekaat_Oyten; unten, Lichtschalter: bob_der_baumeister81