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Dranhobel - additive Holzbearbeitung

Dranhobel
 

 
in der modernen Schreinerwerkstatt werden Hölzer mit vor ein paar Jahren für unmöglich gehaltener Präzision bearbeitet. Elektronische Überwachungssysteme, Computersteuerung und perfekte Ergonomie schliessen Fehler nahezu aus.

Wenn doch etwas schiefgeht, ist es in der Regel billiger, das Werkstück erneut zu fertigen als das missglückte Stück zu reparieren.
 

Eine geniale Erfindung verändert das Schreinerhandwerk


Früher war das anders.

Gerade bei der hohen Kunst des Hobelns mit dem Handhobel, konnte es auch dem erfahrenen Meister passieren, dass er einmal zuviel abhobelte.
Was tun?
Den teuren Palisander für den Esszimmertisch des Herrn Kommerzienrat verbrennen und wieder von vorne beginnen? Das war natürlich nicht möglich, weil die ohnehin schon knappe Kalkulation dies nicht zuließ.

Ein findiger Schreiner aus Menzenschwand am Fusse des Feldberges im Breisgau machte 1642 eine geradezu sensationelle Entdeckung. Er stellte fest, dass die hochflüchtigen Destillate aus den Harzen einiger einheimischer Nadelbäume in Verbindung mit Holzstaub eine wahnsinnig schnell trocknende Substanz bildeten, die von echtem Holz nicht zu unterscheiden war.
Bei der Entwicklung und Verfeinerung der Rezeptur kamen ihm seine Kenntnisse in der Schwarzbrennerei sehr gelegen. (Das Schwarzwälder Kirschwasser ist auch seine Erfindung.
Und warum das Schwarzbrennen Schwarzbrennen heisst, dürfte jetzt auch klar sein.)


Nun entwickelte er einen Hobel mit einem kleinen Tank, der mit der gerade woanders erfundenen Luftpumpe unter Druck gesetzt werden konnte - dieser Druck war notwendig, um das leicht pastöse Material bei Bedarf auf das Werkstück zu geben.
Das Original aus dem deutschen Museum in München darf ich aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht zeigen und habe daher aus dem Gedächtnis ein Schema gezeichnet.

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Das Prinzip ist recht einfach.
Am hinteren Ende des Hobels befindet sich ein Hebelmechanismus, dessen Fuss mit einem Gummi überzogen ist, der einem Sägeblatt ähnelt.
Schiebt man den Hobel nach vorne, wird der Hebel einfach ohne Beeinflussung der Schubkraft hinterhergezogen (subtraktive Holzbearbeitung).
Bewegt man den Hobel rückwärts (die Schneide ist ja jetzt sowieso unwirksam) erhöht sich der Reibungswiderstand durch die Form der Zahnung, so daß ein Hebel in Bewegung gesetzt wird, der das Ventil zum Tank öffnet (additive Holzbearbeitung). Nun fliesst die pastöse Masse durch Druck auf das Werkstück und trocknet sofort.

So wird der Eindruck erweckt, der Hobel könne Holz dranhobeln - was natürlich Blödsinn ist.
Trotzdem hat sich der Name Dranhobel bis heute gehalten.
 

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Manch alter Meister denkt mit Wehmut an die Zeit zurück, als es den Dranhobel noch in jeder Werkstatt gab und er schickt seinen Lehrling, den Dranhobel zu suchen. Daß er ihn nicht findet, ist ja kein Wunder und wenn er die Gesellen fragt, erntet er nur Gelächter, weil diese ja selbst noch keinen gesehen haben. Es ist wirklich schade.
 

Historischer Exkurs


Interessanterweise wurde bei einer Expedition zum oberen Orinoko 1856 ein ähnliches Werkzeug entdeckt, dessen  Herstellungsjahr mit wissenschaftlichen Methoden (Kohlenstoff-Isotop) auf das Jahr 75 v.Chr. datiert wurde.

Das Druffaxopetl, wie es die Eingeborenen nannten, war eine Art Axt mit hohlem Stiel und hohler Klinge. Dort, wo normalerweise die Schneide ist, befand sich ein Schlitz entlang der gesamten Schneidenlänge.

Der Axtstiel wurde mit einer sehr zähflüssigen Mischung aus Baumharzen und Holzstaub gefüllt.
Durch den Hieb auf das Material wurde nun eine durch den Schwung dosierbare Menge "Kunstholz" durch den Klingenschnitz auf das Werkstück gepresst.
Hatte man sich beim Einbaumschnitzen verhauhen, konnte man mit diesem Werkzeug zu dünn geratene Partien relativ leicht reparieren.

Bei dieser Methode brauchte man natürlich zwei Werkzeuge: eines für die substraktive und eines für die additive Holzbearbeitung. (Geschichten über Doppelklingenäxte, die beide Funktionen in einem Werkzeug bieten, wurden aus dieser Zeit nicht durch anerkannte Funde bestätigt - ebenso wenig die Existenz der Riesenaxt.)

 

Auch die Trocknung dauerte bei dieser Methode recht lange (20-30 Stunden), aber die Eingeborenen hatten es ja nicht so eilig.

Es gab das Werkzeug in zwei Varianten.

Die Kurzform war sehr einfach zu handhaben, hatte aber - bauartbedingt - nur einen kleinen Tank.
Die grössere Form erforderte eine sehr geübte Hand, hatte aber dafür einen dreimal so großen Tank.
 

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Das ständige Gezanke darum, welche Bauform nun die bessere sei, bewegte den Hersteller vermutlich um 315 n.Chr. die Produktion gänzlich einzustellen und er konzentrierte sich fortan auf sein Kerngeschäft, der Herstellung von wiederbefüllbaren Ampullen-Injektionsnadel-Kombinationen zum Einsatz in Blasrohren (die Firma gibt es heute noch).

Der medizinische Begriff "inkutan" leidet sich von einem Inkavolk ab, das die Blasrohrampullen auch für medizinische Zwecke benutzte. Das Volk der Inkutan.
 

Extraterrestrische Einflüsse

Erich von Däniken behauptete in seinem Buch "extraterrestrische Einflüsse auf das Handwerk"(Shitogold-Verlag, Bern, Zürich, St. Gallen 1975), diese Erfindung wäre durch Bewohner des Beta-Centurion auf die Erde gebracht worden.

Das ist natürlich Blödsinn, weil es auf Beta-Centurion kein Holz gibt.

 

Quellen

Deutsches Museum, München, Gebäude 4, 2. Stock, Raum 6, Gang 14, Vitrine 53

Haff vom, Alexander, Meine Reisen zu den roten Adlern, Erfurt, Reprint 1978*

ethnic engineering, 12/06, Fachpublikation der RWTH Aachen

Thomson, Wilbor, Building warships with low qualified craftsmen, Oxford 1719

Obel, Henry (Hrsg), the classic tool enzyclopedia, Kent 1951

* mein Urgroßvater meinte vermutlich Aras

 

 

 


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