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Wohnraum unterm Dach schaffen

20.12.2009, 23:01
Vor knapp 10 Jahren haben wir das Dach unseres Altbaus (Baujahr 1900) neu decken lassen, mit der Idee aus dem bisher ungenutzten Dachboden ein grosses Wohnzimmer zu machen. Nach langer Baupause, wollen wir uns nun an die Dämmung machen. Die Abstände zwischen den Sparren liegen zwischen 100 cm und 120 cm und die Sparrenstärke schwankt ebenfalls je nach Balken zwischen 12 und 14 cm. Im zukünftigen Kniestockbereich wär sogar noch etwas mehr Platz, da hier wohl schon vor meiner Zeit mal - wahrscheinlich wegen des Aussenbehangs - die Balken aufgedoppelt wurden, um den Dachüberstand zu vergrößern. Geplant ist auf beiden Seiten ein Kniestock zu errichten, da das Dach bis zum Fussboden runterreicht. Bei der damaligen Neueindeckung haben wir gleich ein angeblich sogenanntes Harzer Unterdach mit "aufdübeln" lassen (wurde uns von vielen Seiten so empfohlen).
Das Fachwerk der Giebelseiten ist teilweise mit Lehm, teilweise mit Ziegelstein ausgemauert. Von aussen ist in den 60iger Jahren ein Behang angebracht worden, der wohl noch einige Jahre halten wird (muss).
Leider haben wir im Treppenaufgangsbereich nicht viel Platz zwischen Kopf und Sparren, so dass eine Aufdoppelung nach innen gerade in diesem Bereich nicht in Frage kommen wird (jedenfalls nicht ohne das Treppenhaus neu zu machen oder einen Erker zu errichten).
Wir würden gerne die Dachseiten vertäfeln (also noch weniger Platz im Treppenaufgang).
Jetzt meine Frage: Welcher Dämmstoff ist hier der beste?
In den Bau- und Baustoffmärkten erhält man von 5 verschiedenen angeblichen "Fachleuten", 6 verschiedene Meinungen! Ich steig da auf jeden Fall nicht mehr durch.
Wer kann mir seine Erfahrungen mit ähnlichen Projekten berichten?
Vorab schonmal vielen Dank für Eure Kommentare
 
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12 Antworten
Susanne  
Lieber MarkOttl,

die erfahrenen Häuslebauer in der Community können Dir hier bestimmt weiterhelfen. Hab aber bitte einen Moment Geduld, weil Deine Frage schon recht speziell ist.
Ich forsche gleich für Dich nach…

Schöne Grüsse,
Susanne

 

Hallo.
Also ich habe schon einiges an Innenausbau gemacht, deshalb empfehle ich dir Glaswolle für die Sparrenzwischenräume (120´er => Wenn Luft zwischn Wand und Wolle ist, macht das nix), hinter deinem Kniestock solltest du Steinwolle verwenden, sie knickt dir nicht ein oder fällt zusammen. Schneide in beiden Fällen auf Breite (quer) so hast du bei den krummen Maßen den kleinsten Verlust.
Für deine Treppe...
Tja, da ich mir das grad schlecht vorstellen kann (Foto wär gut) empfehle ich erst mal ganz ganz vorsichtig, dass du dir überlegen solltest eine kleine Galerie oder eine Wendeltreppe einzubauen. Entweder sparst du Platz (Wendel) oder du machst alles offener und lichter (Galerie).
Wage den Schritt zu Leichtbauwänden an den Giebeln. U- und C-Profile, 50´er Dämmung, Gibskarton, Schrauben und was so dazu gehört. Schnell und einfach zu verbauen, hoher Dämmwert (keine kalten aber dafür gerade Wände) und zudem relativ billig.

Für deinen Treppenaufgang kann ich auch noch empfehlen, dass du dir überlegen solltest ihn teilweise aufzumachen (also teilweise neu) und einen "Wechsel" dort einzubauen. Das schafft Platz für Kopf und Sparren.

Hoffe ich konnte dir helfen.
LG

 

Hallo Susanne, hallo Pirenci,
vorerst vielen Dank für Eure Mühe. Das man sich unter Treppenaufgang nicht viel vorstellen kann, hätte mir eigentlich klar sein müssen. Deshalb hier mal ein paar Fotos.
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Zum Dämmen natürlich Mineralwolle. Welche? Da bin ich überfragt. Beim Dämmen würde mich der Kniestock erstmal nicht interessieren. Ich würde zwischen den Sparren bis zum Boden dämmen, alles verkleiden und dann erst den eigentlichen Kniestock davor setzen. So kannst Du Fächer oder Türen einbauen und den Platz dahinter nutzen.
Bei Deiner Treppe würde ich abwägen, ob sich vielleicht eine neue lohnt. Diese könnte dann sicher so angepasst werden, dass genug Kopffreiheit bleibt und (für mich ein wichtiger Punkt) bei offener Bauweise, würden die Glasbausteine wieder zur Geltung kommen und für deutlich mehr Licht sorgen. Wenn ich das richtig sehen, gehen die Glasbausteine noch tiefer als der Treppenabsatz?

 

Vielen Dank Ricc220773,
das sind schon gute Ideen. Vor allem den Kniestock mit Staumöglichkeiten zu bestücken ist mir auch schon im Kopf herumgeschwebt. Leider ist der Treppenaufgang der oberste Teil (also 2. Etage) eines kompletten Treppenhauses. Im Erdgeschoß ist der Hauseingang mit seitlichem Eingang zum Keller und dann praktisch vom Flur aus immer rechts herum bis in die nächste Etage (nächster Flur) und wieder rechts herum (wie auf den Fotos zu sehen). Daher müssten wir das komplette Treppenhaus inkl. Eingang anfassen. Das würde unser Budget deutlich übersteigen. Hinzu kommt noch, dass ich diese Glasbausteine ziemlich häßlich finde und sie zudem leider nicht gerade zur Dämmung beitragen (sie strahlen richtig Kälte ab!).
Wir haben auf der dem Treppenaufgang gegenüberliegenden Seite eine Dachterasse mit einer großen Schiebetür (ca. 6 m² Glasfläche zusammen), die genügend Licht spendet. Andernfalls können wir auch noch mit dem Gedanken spielen ein Dachflächenfenster einzusetzen.

 

Geändert von MarkOtti (23.12.2009 um 15:36 Uhr)
Ekaat  
Hallo, MarkOtti,
zur Dämmung ist mein Wissensstand von 1980 – also überholt. Da gibt es in der Community kompetentere Leute, wie sonouno z. B. (Meine Dämmung sah damals so aus: Papier mit Alufolie kaschiert, darauf Steinwolle in 70% der Sparrenstärke mit einem Rand, den man an die Sparren tackern konnte. Auch ich hatte das Problem (Baujahr 1890) der unterschiedlichem Sparrenabstände und besorgte verschieden breite »Rockwool«-Rollen. Die Stöße einzelnen Dämmungen verklebte ich auf den Sparren mit einem selbstklebenden Aluminiumband, um eine Dampfsperre zu erzielen.
Beim Treppenaufgang sollte das Geländer abbaubar sein, damit man sperrige Teile hinauf- und später auch wieder hinunterschaffen kann. Diese Möglichkeit habe ich sehr begrüßt, als ich mein Elternhaus ausräumen mußte.
Zu prüfen wäre, ob die Steigung der Treppe dem Winkel der Dachschräge angepaßt werden kann; evtl. den Podest versetzen, um genügend Kopffreiheit zu erhalten.
Die Glasbausteine (für mich eine Unmöglichkeit im Wohnbereich!) sollten durch Mauerwerk, oder – falls Licht nötig – durch ein Fenster ersetzt werden.
Seid schlau, lernt beim Bau!
Frohe Weihnachten
Dein Ekaat+++

 

Meine Empfehlung, baue eine Gaube. Sie schafft dir die nötige Kopffreiheit die dir Vorschwebt.
Dann fliegt zwar dein Harzer Unterdach runter aber dann hast du das Problem mit der Dämmung und deiner Kopffreiheit nicht mehr. Ist auch sehr gut für deinen Wunsch das alles zu vertäfeln.
Willst du aber nicht an das Dach ran, ist meine Empfehlung der Dämmung nach wie vor...
Kniestock => Steinwolle
Sparren => Mineral/Glaswolle
Wenn du den Kniestock nutzen möchtest (klappen einbauen und so), dann dämme bis zur Fußpfette mit Mineralwolle und tacker/klebe eine Dampfsperre drüber (Wichtig!!! -> es sei denn die Dachdecker haben über die Verschalung eine Dampfsperre verbaut, zwischen Latten und Verschalung eine Folie, dann... keine mehr von innen ankleben!!!).
Kleben deswegen, weil es ist Vorschrift und zudem dichtet es besser aber, also sähe das dann so aus, du tackerst die Folie auf die Sparren und nimmst dir extra dafür ein Klebeband um die Löcher ect. abzukleben, dann klebst du den Rand an der Wand mit einem Kleber aus der Tube ab.
Die Bausteine breche nach möglichkeit raus und mache dir ein ordentliches Fenster rein, es lohnt sich!
Die Treppe würde ich abschleifen und neu streichen (Öl, Hartwachsöl, Latexfarbe oder was anderes stabiles), was aber auch geht, verlege über die ganze Treppe Teppich. So haben wir es gemacht vor drei Monaten.
Schalldämmend und man kann barfuß rumlaufen. Kann man auch zu raten.
Hoffe ich konnte dir damit helfen.
Frohe Weihnachten Peter

 

Geändert von Pirenci (24.12.2009 um 15:28 Uhr)
sonouno  
hmm, meine Ansicht wäre Dämmung mit Mineralwolle evtl lose Form und alles mit dünnen OSB-Platten verkleiden. wie @Ricc sagte bis zum Boden dämmen ! dann kannst du nur Türchen vorsetzen als Kniestock und bekommst viel Stauraum (hab ich auch so gemacht) ps: statt Türchen wären Schiebetüren auch toll in Kniestockhöhe...evtl sogar aus Doppelstegplatten ??? (um nen anderen thread zu kombinieren;-))
Die Treppe unbedingt so lassen wie sie ist !!!!!!!!! die ist toll !!
(also halt nur bissl schleifen und ölen/wachsen... farblos.)

Die Glasbausteine raus !!! (argxx, sind die hässlich und schlechte Isolation !)
da überlegst dir leichter ne kleine Gaube über der Treppe um mehr kopffreiheit zu bekommen und mauerst unten bitte passend zur Fassade die Glasbausteine zu .

grüssle
sonouno

@Ekaat...danke für die Blumen...;-))

 

Geändert von sonouno (24.12.2009 um 15:55 Uhr)
Hallo MarkOtti,

vieles, was ich auch richtig finde, ist ja schon gesagt worden. Deshalb mache ich es mal etwas im Telegrammstil:
1. Mineralwolle halte auch ich für das Beste. Die gibt es als Glaswolle schon mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,032 W/mK, auch Wärmeleitstufe 032 genannt. Kleine Zahlenwerte bedeuten kleine Wärmeleitung, also gute Dämmung. Wärmeleitstufe 032 wird etwas teurer als 035 oder 040, aber das rentiert sich bei den heutigen und künftigen Energiepreisen.
2. Ich schließe mich Ricc und sonouno an, die Dämmung über das ganze Dach bis zur Fußpfette zu führen. Dann bist Du bei der Bauweise des Kniestocks völlig frei von Dämmungs-Problemen (und kannst bis zur Herstellung des Kniestocks übrigens auch wieder eine Baupause einlegen ;-)
3. Mit einer Dämmung nur zwischen den Sparren (= 120 mm dick am dünnsten Sparren) erreichst Du etwa eine U-Wert von 0,35 W/m²K. Das ist schon ganz gut, aber die aktuelle Energieeinsparverordnung EnEV 2009 verlangt für Altbauten eigentlich 0,24 W/m²K. Dafür müsstest Du dann noch 4 bis 6 cm Dämmstoff unter den Sparren anbringen. Ich weiß: **** wegen der Kopffreiheit an der Treppe. Außerdem wird der Wohnraum kleiner und die ganze Montage komplizierter. Aber ich kann Dir hier ja nicht empfehlen, die EnEV nicht einzuhalten.
Alle Zahlenwerte sind natürlich nur überschläglich und aus der Ferne ermittelt. Genau kann Dir das nur ein Architekt oder ein Energieberater ausrechnen, der das Dach wirklich gesehen hat.
4. Pirenci hat schon auf die Dampfsperre auf der Innenseite, also Raumseite, hingewiesen, die wirklich an jeden Stoß und jedem Anschluss lückenlos und luftdicht verklebt werden muss. Nimm kein Billigklebeband (etwa für Postpakete), Du ärgerst Dich schwarz, wenn’s später oben zieht. Das mit dem Ziehen merkst Du jetzt vielleicht noch gar nicht, aber wenn später oben geheizt ist und draußen ordentlicher Frost herrscht, spürst Du die kalte Zugluft, die auf Dauer auch richtig (Heiz-)Geld kostet (das Problem haben wir in unserem Haus).
Meiner Meinung nach brauchst Du die Dampfsperre übrigens in jedem Fall, auch wenn der damalige Dachdecker auf dem Harzer Unterdach schon eine verlegt haben sollte. Du willst ja neuen Dämmstoff einbauen, der sich nicht mit Wasserdampf vollsaugen darf.
5. Wenn die Sparrenunterseiten keine einheitliche Ebene bilden, musst Du mit einer Lattenkonstruktion einen ebenen Untergrund herstellen, auf den Du dann die Platten montieren kannst. Als Bekleidung sind Gipskartonplatten wohl das gängigste, bei denen Du aber die Fugen verspachteln musst. Auch für OSB-Platten braucht man allerdings eine Idee für die Plattenfugen. Ich habe schon öfter aufgesetzte Leisten gesehen, was aber nicht immer unbedingt schön aussieht.
6. Die perfekte Kopffreiheit am Treppenende gibt‘s wohl wirklich nur mit Gaube, was ich aber nur einen Dachdecker machen lassen würde. Alles andere sind mehr oder minder glückliche Kompromisse. Etwa wenn Du an dieser Stelle die Dicke der Dämmung „ausmagerst“ oder hier auf die Lattenunterkonstruktion für eine ebene Unteransicht verzichtest.

Ich hoffe, das alles wird Dir helfen und nicht Angst machen, aber so ein Dachausbau ist ja auch kein Projekt mal so Nebenbei.

 

Hallo Mark, ich bin`s noch mal.
Also ich habe in einem Forum gelesen, dass Dachdecker bei Harzer Unterdächern gerne die Dampfsperre zwischen Latten und Schalungsbrettern verbauen.
Bei genauerer Prüfung der Einträge, viel mir auf das das nicht erwähnt wurde.
Petra hat recht, wenn sie sagt du brauchst eine Dampfsperre.
Wichtig dabei ist aber nur auf einer Seite des Daches. Hast du eine Dampfsperre zwischen Latten und Brettern und baust dir dann noch eine an die Innenseite unter die Sparren dann gammelt dir die Wolle im Dachstuhl weg!
Prüfe das also vorher!
An einer der beiden Seiten brauchst du meiner Meinug nach ganz klar eine Diffusionsoffene Folie (Zwischen Latten und Sparren) und auf der anderen Seite die Dampfsperre (Innenraum) die gut abgeklebt sein sollte!
Petra hat auch recht mit der Dichte der Folie, sonst hast du nachher extreme Kältebrücken die sich teuer auf der Rechnung machen.

 

Hi ! Ich hab auch was von Hanfmatten zur Isolierung gehört - hat da jemand mit Erfahrung?

 

Nach allem was ich bisher gehört habe, funktionieren die Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Hanf, Schafwolle) rein technisch inzwischen genauso gut wie die industriell hergestellten (Kunststoffschäume, Mineralwolle). Knackpunkt ist immer die Wärmeleitfähigkeit, die bei den nachwachsenden oft um 0,040 oder 0,045 W/mK liegt. So wohl auch bei Hanf.
Industrielle Dämmstoffe erreichen in der Spitze 0,032 W/mK, sind also besser. Aber das gilt wirklich nur für die Spitze, die dann auch etwas mehr kosten dürfte. Normale industrielle Dämmstoffe liegen ebenfalls oft um 0,040 W/mK, sind also nur um Weniges besser als die nachwachsenden Dämmstoffe.
Nach meiner Meinung ist es vor allem eine Frage der persönlichen Einstellung: Man muss für den gleichen Effekt mit den nachwachsenden etwas dicker dämmen und vielleicht etwas mehr bezahlen. Dafür hat man statt eines Kunststoffs einen natürlichen Baustoff im Haus, der bei seiner Herstellung keine Energie und keine (endlichen) Rohstoffe verbraucht hat.
Aber wie gesagt: technisch funktionieren wohl beide Lösungen.
Gruß Petra

 

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