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Wer macht eigentlich Billigwerkzeuge?

18.08.2010, 15:03
Hallo!
Hat von euch schon mal wer Informationen erhalten wie und unter welchen Bedingungen die Billigwerkzeuge von Diskountern und Baumärkten hergestellt werden?
Mich würde es nicht wundern wenn bei einer Bohrmaschine die 15 Euro kostet viele kleine Kinderhände mit im Spiel währen, da ich selbst Vater bin hätte ich gerne mehr Informationen über die Arbeitsbedingungen.
Wo bekomme ich diese?
 
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34 Antworten
Wäre wirklich mal interessant. Ich arbeite ja selber "produzierend" und weiß, dass ich die Stunde über 40euro koste. Wie bekommt man also eine solche Maschine für 15euro? Vor allem, wenn davon nicht viel übrig bleibt, da ja der Verkäufer, der Transporteur, der Chef der Herstellerfirma, der Angestellt..... mitverdienen will.

 

Es ist ja schon viel gespart, wenn nicht selbst mit einer ganzen Entwicklungsabteilung und mit Technikern und jahrelangen Probeläufen entwickelt werden muß. Diese Arbeit ist oft der größte Batzen bei einer Maschine, einem Medikament oder sonst was. Erst kürzlich dachte ich mir bei den Lidl-Geräten, dass zumindest die Gehäuse und die Anordnungen der Einzelteile/Applikationen/Designelemente unheimliche Ähnlichkeiten mit einigen aktuellen aber auch älteren Bosch-Geräten aufweisen. Wenn man da einfach eine Bosch-Maschine in China in einer der zig Fabriken abgibt und sagt "Da, bitte einmal komplett nachbauen, aber so billig wie möglich in den Herstellungskosten", wird das Teil einfach auseinander genommen und 1:1 abgeformt und kopiert und teure Materialen mal eben gegen günstigeren Kunststoff ausgetauscht. Fertig ist das Look-a-like...

 

Da wird man schwer an Infos kommen - kannst ja mal die Hersteller fragen.

Produziert wird heutzutage fast ausschließlich in China/Korea/Indien. Das gilt für Billighersteller wie auch für Markenhersteller.

Ausnahmen gibt es wenige und dann eher nicht in einem Bereich der für Handwerker interessant ist. Fertigung bei uns ist nur dann lohnend wenn es eher speziell ist oder hohe Automatisierungsgrade möglich sind.

Wie dort produziert wird liegt in der Hand der Importeure - mit Kinderarbeit hat das nicht unbedingt was zu tun. Erwachsene Arbeitskräfte sind auch nicht viel teuerer. Kinder hat man eher im Textilbereich würde ich aus dem Bauch heraus sagen.
Könnt ja mal ein bisschen nach Kik googeln.

Es hat sich bei vielen Herstellern wie z. b. Einhell, Güde, Optimum, Weiss das Konzept durchgesetzt die Maschinen lediglich zu importieren mit gewissen Vorgaben. Daher gibt es dann dieselbe oder fast dieselbe Maschine nur mit anderer Lackierung von mehreren "Importeuren". Manche Maschinen sind ganz gut - andere nicht.

Ich denke mit der Nachfragerei schaft man es maximal bis zum Exporteur im Herstellungsland. Infos über die Unterlieferanten wird man nicht bekommen.

Absolut Billigpreise kann mann nur mit günstiger Werkstoffauswahl und hoher Stückzahl bekommen.

Das gilt allerdigs nicht nur für Billigartikel sondern auch für höherwertige Güter. PC's Fernseher, eigentlich alles was Unterhaltungselektronik angeht.

Bei der Firma die I-Pods und I Pads herstellt hat man die Fassade mit Netzen versehen um die Selbstmordrate zu drücken.

Insgesamt ist der ganze Konsumgütermarkt schwierig zu verantworten wenn man sich mal genauer Gedanken darum macht. Wenns an den Geldbeutel geht kauft kaum jemand eine gleichwertige Maschine Made in Germany die dann 2-3 mal soviel kostet (Kommt auf das Produkt an).

 

Geändert von JOERG24 (18.08.2010 um 16:24 Uhr)
Zitat von JOERG24
Wenns an den Geldbeutel geht kauft kaum jemand eine gleichwertige Maschine Made in Germany die dann 2-3 mal soviel kostet (Kommt auf das Produkt an).
Erinnert mich an eine Dokumentation vor ein paar Jahren hier in der Region, als Grundig- und AEG-Mitarbeiter noch kurz vor dem Aus gefragt wurden, ob sie Grundig-Fernseher oder AEG-Waschmaschinen hätten: "Nö, ich hab einen ausm Aldi, kommt aus China, der war 100 Mark billiger"... Und dann wundern sich die Leute, wenn sie kurze Zeit später auf der Straße stehen *kopfschüttel* Dahingegen finde ich es unnötig, dass auf dem Audi-Mitarbeiterparkplatz Flugblätter an über 10-15 Jahre *alte* BMW und Mercedes geklebt wurden, man zerstöre die Firma, weil man nicht einen neuen Audi fährt, während die *nagelneuen* Dacia und Kia der Gewerkschaftsangehörigen diese Zettel nicht naß auf die Scheibe geklebt bekamen. Da darf sich jeder seinen Teil nun zu denken.

 

Geändert von malloy (18.08.2010 um 16:40 Uhr)
Ein sehr komplexes Thema, dass zweifelsohne auch im Hause Bosch eine große Rolle spielt. Mit derzeit etwa 20.000 produzierenden Mitarbeitern (allein in China) gehört Bosch bereits seit 1909, also seit mehr als 100 Jahren, zu den Wegbereitern der globalen Marktwirtschaft, insbesondere auf dem asiatischen Kontinent.

 

Ekaat  
Ich vermute, daß die Werkzeuge der Maschinen, die durch Neuentwicklungen ersetzt werden, verkauft werden und dann Maschinen anderer Farbe damit hergestellt werden. Werkzeuge sind teuer, sehr teuer sogar. Und gute Spritzgußformen erhält man nicht in Fernost. Noch nicht - siehe Ausnahme Japan. Berücksichtigt man jetzt, daß auch Werkzeuge der Abnutzung unterliegen - die Toleranzen werden größer, so ist schnell jedem klar, daß diese 15-Euro-Maschinen, die in Grün 150 und in Blau 250 € kosten (gekostet haben) nicht den Standard aufweisen können, wie Markengeräte, zumal Lidl bestimmt den Kunden nicht verliert, wenn der mit der Maschine unzufrieden ist, Metabo, Bosch, Festo etc. aber schon!

 

viele maschienen werden im ostblock oder auch in asien hergestellt.
da sind zum einen die personalkosten extrem niedrig,zum anderen werden ja nicht gerade die teuersten materialien verwendet.

 

Zitat von bob_der_baumeister81
viele maschienen werden im ostblock oder auch in asien hergestellt.
da sind zum einen die personalkosten extrem niedrig,zum anderen werden ja nicht gerade die teuersten materialien verwendet.

Hallo bob,

wir sollten schon politisch korrekt sein. Der sog. "Ostblock" existiert seit 1989 nicht mehr.

 

Zitat von Lohzwerg
Hallo bob,

wir sollten schon politisch korrekt sein. Der sog. "Ostblock" existiert seit 1989 nicht mehr.
weist doch was ich mein
will ja auch nicht jedes land aufzählen

 

Kurz zurück zur Kinderarbeit:
Ich habe selbst eine Tochter und die soll möglichst lange "Kind" bleiben dürfen.
In den Ländern in denen Kinder arbeiten müssen, ist das aber nicht so einfach. Wenn wir guten Europäer deren Produkte nicht kaufen, werden sie verhungern.
Einfach zu sagen Kinderarbeit unterstütze ich nicht, ist meiner Meinung nach auch nicht ganz richtig. Die Sache ist komplizierter. das muss in diesen Ländern politisch geregelt werden, da die Armut aber zu groß ist, wird das keiner machen.

 

Eine Kaufentscheidung von ethischen oder moralischen Gesichtspunkten (und den daraus resultierenden Überzeugungen) abhängig zu machen, ist ein zwar ehrenhaftes, aber kaum noch lösbares Unterfangen. Wir leben in einer Massenkonsumgesellschaft, in der zwar die meisten von allem das vermeintlich Beste besitzen wollen, aber doch am liebsten alles zum "China-Preis".

Wenn ich, darauf zielt der Beitrag des TE ja ab, grundsätzlich und aus Überzeugung Kinderarbeit ablehne, dies also durch entsprechenden Konsumverzicht auch keinesfalls unterstützen will, bleibt mir doch nur eines übrig: Ich muss konsequent alle Konsumgüter meiden, die - soweit mir das bekannt/recherchierbar ist - ganz oder auch teilweise in Staaten produziert werden, in denen Kinderarbeit nach wie vor die Regel und nicht die Ausnahme ist.

Ob und inwieweit dies aber den (meist hungernden) Kindern und deren Familien nutzt, muss letztendlich jeder Konsument mit sich selbst vereinbaren. Ein simples RICHTIG oder FALSCH kann es in dieser Frage nicht geben.

Gruß aus Köln

RedGoblin Michael

 

Geändert von RedGoblin (19.08.2010 um 15:16 Uhr) , Grund: Textüberarbeitung
Susanne  
Hey zusammen,

es gab ja eine lebhafte Diskussion in den vergangenen Tagen, hier mal die Position von Bosch dazu:

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Die Robert Bosch GmbH und ihre mehr als 300 Tochter- und Regionalgesellschaften in über 60 Ländern sind, inklusive Vertriebspartner, in rund 150 Ländern vertreten.
Die Verantwortung für Mitarbeiter ist ein wichtiger Teil unserer Bosch-Werte. Wir gestalten unsere Prozesse unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit so, dass Gesundheit und Sicherheit des Menschen Vorrang haben und Einwirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich bleiben.
Daher gelten weltweit bei Bosch die gleichen Grundsätze sozialer Verantwortung - gegenüber der Gesellschaft und den Mitarbeitern - die sich an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation IAO orientieren.
Diese Grundsätze definieren unter anderem die Einhaltung der Menschenrechte, der Chancengleichheit und der freien Wahl der Beschäftigung sowie insbesondere auch der Rechte der Kinder. Die Regelungen der IAO-Übereinkommen NR. 138 und 182 werden in allen Unternehmen der Bosch-Gruppe eingehalten: Wir dulden keine Kinderarbeit und schließen Zulieferer aus, die sich nicht an dieselben Grundsätze halten.

Viele Grüße

Susanne

 

Hallo!
Danke für eure Antworten!
Andere Branche gleiche Ausbeutung!
Bis vor wenigen jahren war ich sehr von Hugo Boss angetan bis ich erfahren habe, dass diese Kleider sehr oft von Kinder hergestellt/genäht werden als ich dann die inoffizielle Antwort einer Filialleiterin bekam (wörtlich), wenn die Kinder nicht nähen müssten sie sich prostituieren, hatte ich persönlich genug von der Marke.
Ich glaube auch, dass es der falsche Weg ist immer nur billig zu kaufen es muss auch verstärkt in der "Corporate Identity" liegen dafür zu sorgen, dass es keine Kinderarbeit mehr gibt, denn wir haben das Geld dazu das zu ändern!!!!

 

Zitat von Ekaat_Oyten
Ich vermute, daß die Werkzeuge der Maschinen, die durch Neuentwicklungen ersetzt werden, verkauft werden und dann Maschinen anderer Farbe damit hergestellt werden. Werkzeuge sind teuer, sehr teuer sogar. Und gute Spritzgußformen erhält man nicht in Fernost.
Einspruch Auch hier gibt es durchaus schon hochwertige. Zumal da man da allein mit einer guten Fräse schon einiges rausholen kann.

Ich glaube übrigends nicht dass jemand sein Werkzeug verkauft. Normalerweise werden die noch eine Zeitlang gelagert und dann verschrottet.

Japan ist ein Sonderfall und zählt für mich auch nicht zu den asiatischen Schwellenländern die große Bereiche mit Billiggütern überschwemmen. Japan ist insgesamt recht teuer aber hochwertig.

 

Das ganze Thema ist sehr kompliziert. Auch für produzierende Betriebe. Man kann dort auch nicht einfach wesentlich mehr bezahlen als üblich. Auch das führt zu extremen Spannungen wenn ein Ungleichgewicht entsteht.

Wir als eine der reichsten Nationen dieser Erde haben auch eine ganz andere Sicht auf die Dinge als die Menschen in den Länder selbst. Auch dessen muss man sich bewusst sein und das auf unsere Ansichten oft mit völligem Unverständnis reagiert wird.

Wirkliche Veränderung kann nur über gesellschaftliche Prozesse und daraus resultierenden politischen Veränderungen stabil entstehen.

Insgesamt jammern wir alle da auch täglich auf einem sehr hohem Niveau über Dinge von denen wir eigentlich nur sehr wenig wissen und die von sehr vielen Faktoren abhängen. Ich schließe mich da auch nicht aus. Man muss eben versuchen möglichst verantwortungsbewusst mit der Sache umzugehen. Im Inland wie im Ausland und sich auch mal öfter überlegen ob man gewisse Produkte eigentlich kauft weil man Sie braucht oder weil Sie billig sind und was man selbst für einen angemessenen Preis halten würde.

 

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