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Vor- und Nachteile von Kalkputz

27.01.2014, 19:35
im Vergleich zu Kalkzementputz, Lehmputz oder eben Gipsputz.

Hallo Forengemeinde. nach der netten Begrüßung stelle ich einfach mal meine erste Frage! :-)

Ich kaufe demnächt ein altes Fischerhaus, das ich komplett entkernen werde. Backsteinwände sind zur Zeit mit Holz und Styropor verkleidet, darunter ein bröckeliger Sandputz. Außen ist das Haus vor drei Jahren isoliert und vorgeklinkert worden, außerdem sind neue Plastikfenster drin.
Ich tendiere gerade dazu die Wände mit Kalkputz zu verputzen, einfach weil ich mir davon ein besseres Innenklima als bei Gipsputz erhoffe. Eine realistische Annahme?

Wie sind eure Erfahrungen?

Welche Nachteile und Schwierigkeiten muss ich evtl in Kauf nehmen? Welche Alternativen gibt es? Kalkzementputz? Kalkgipsputz? Lehmputz?

Oder unten Gipsputz und dünne und hochwertige Kalkputzschicht drüber?

Vielleicht noch kurz zu meinen Fertigkeiten: Ich hab schon kleinere Flächen verputzt und bin handwerklich relativ geschickt, habe auch das meiste an Werkzeug, bin aber letztlich ein Anfänger was Verputzen angeht.
 
Kalkputz, Wände verputzen Kalkputz, Wände verputzen
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27 Antworten
Also bei Kalkputz, muss ich als erstes immer an Konrad Fischer denken. Wenn du ihn noch nicht kennst, kannste ja mal googeln.
Mit den verarbeitungsgegebenheiten hast du dich vertraut gemacht?
Kalk ist stark ätzend, und die sache mit dem feuchthalten damit es abbindet, ist auch nicht zu unterschätzen, dazu korrekt abgerieben wegen der sinterschicht die sich ander Oberfläche bildet und das abbinden (nicht mit trocknung verwechseln) behindert.
Also ich empfehle, wenn man selber nicht putzen kann und aus Zeitgründen lieber die Profis für sowas.
Ich selbst hab schon verputzt, und wenn es wirklich gerade sein muss, ist das nicht einfach - wobei halt Übungs & Erfahrungssache.
Hab meist selbst gemischt, aber nur einmal reinen Kalkmörtel, in einer Kleinstmenge für ein Fensterrahmen.
Ich glaube Kalkputz auf Gipsputz hält nicht.
30kg, Sackware, das wird ganz schön teuer, wie wärs mit selber mischen?

 

Danke Bendermann, sehr hilfreich!
Nach dem lesen der Ausführungen von Konrad Fischer "Kalkfehler 1" bis "Kalkfehler 13" bin ich nun doch etwas nachdenklich geworden! Im Zweifel werde ich halt Gips-Haftputz nehmen, habe aber noch einige Wochen Zeit mich schlau zu machen.

Profis brauche ich, um eine neue Gasheizung einzubauen oder um evtl das Dach neu einzudecken. Verputzen und Fußböden will und muss ich (schon vom Budget her) selbst machen.

 

Kalkputz hat eine Säure Base Skala Wert von ca.13 PH.
Daher kann auf solch einem Untergrund im Gegensatz zu Gips kein Schimmel hochkommen.
Eine wichtge Eigenschaft, wie ich meine !

Leider ist diese ätzende Wirkung auch bei der Verarbeitung der Fall.
Deshalb immer Gummihandschuhe und darüber dann Arbeitshandschuhe tragen.
Auch Augenschutz empfehle ich ! (Aus persönlicher Erfahrung ! )

Aus Kostegründen empfehle ich eine Ladung Sand und den puren gebrannten Kalk.
ca. 6.-€/Sack. Drei Schaufeln Sand und eine Schaufel Kalk, ein günstges Verputzen.
Ich machs immer in der Mischmaschine folgender maßen.
drei Schaufen Sand + drei Schaufeln Kalk. Kurz trocken mischen lassen.
(Achtung vor fliegendem Kalk ! Davon bekommt man akkuten Hustenreiz)
Immer schön auf die Windrichtung achten !
Mischender weise Wasser dazu, bis dünne Suppe gleichmäßig und Klumpefrei ist.
Dann weitere sechs Schaufeln Sand bei laufender Maschine hinzu.
Gescheid mischen und notwendiges Wasser bis zur gewünschten Konsitenz langsam ergänzen.

Die letzte Oberfläche würde ich am 2.Tag mit feiner Sackware nachholen.
Gibt das letzte feine Finisch.
Da ch relativ feinen Sand hatte, brauchte ich das nicht machen.

 

Geändert von Manfredh (28.01.2014 um 05:18 Uhr)
Danke Manfredt! Das werde ich mir gleich kopieren!

Also muss man den Kalk nicht unbedingt irgendwo unter Wasser quellen lassen und lagern. Das hat mich ein wenig abgeschreckt.

Einen Betonmischer habe ich nicht, müsste ich ausleihen. Ich habe nur einen etwas größeren Rührquill, mit dem man natürlich immer ziemlich nah dran steht am ätzenden Staub...

Wie hart ist anschließend die Oberfläche der reinen Kalkverputzung? Färbt da noch was ab, wenn man mit der Hand rüber fährt? Falls ja, (wie) kann man die Oberfläche imprägnieren ohne dass die Verputzung ihre Eigenschaften verliert?

Oder einfach eine Schaufel Zement mit in den Mischer?

Haben die hochwertigen Finish-Putze Zuschläge, welche die Oberfläche widerstandsfähiger machen?

 

Warum nimmst Du nicht Lehmputz ?

http://www.egginger-naturbaustoffe.de/lehm/levita-lehm/?gclid=CISFlZu5oLwCFQhc3goddUcAdQ

Kalkputz wird doch eher für Draussen bzw. Nassräumen verwendet ?

 

Geh mal auf Fachwerk .de da wird die geholfen bei Fragen

 

Da bin ich schon !

 

Ekaat  
Ich hatte 1982 ganze Wände neu zu verputzen, weil durch bloßes Anschauen der alte Putz herunterrieselte. Die Wand bestand aus Backsteinen.
Ich kaufte im Baustoffhandel fertigen Putzmörtel (feucht). Den mischte ich mit etwas Wasser und Zement 1 : 5. Für die wenigen Stellen, wo über Kopf geputzt werden mußte, rührte ich etwas Gips darunter. (Aber immer nur soviel anmischen, wie man in den nächsten 2-3 Minuten verarbeiten kann!). Die zu verputzende Wand gründlich mit einem Malerquast einnässen.
Als Arbeitsgerät:
Mörtelkübel
Wassereimer mit Quast
Maurerkelle, Fugenkelle
Reibebrett 25x40cm
Fummelbrett 5x25cm mmit einem Spitzen Ende
Aufziehbrett 35x50cm
Abziehbrett 10x200cm

 

@2011jes : Lehmputz ist auch ne Variante. Sollte aber nicht zu teuer und aufwändig sein, den später hell bis weiß zu bekommen. Habe gerade gefunden, dass man auf den Putz auch Kalkprodukte applizieren kann. Bin noch am googeln.


@Ekaat: Ich tendiere zur Pulverform und dann mit Sand selbst mischen, wie Manfredt beschrieben hat. Ich überlege, ob ich vielleicht für die ersten Wände besser jemanden engagiere, der mir zeigen kann wie es geht. Immerhin geht es bei mir um über 200 qm Wandflächen!
Und was ist ein Fummelbrett? Irgendwas Süddeutsches???

 

Etwas Lesestoff zum Thema Kalk:

http://de.wikipedia.org/wiki/Baukalk

http://de.wikipedia.org/wiki/Kalkm%C3%B6rtel

http://de.wikipedia.org/wiki/Hei%C3%9Fkalkm%C3%B6rtel

Meiner Erfahrung nach ist Kalkputz weitaus schwieriger zu verarbeiten als Gipsputz. Ich habe letzten Sommer die Fachwerkfassade komplett neu mit Gräfix Luftkalkputz verputzt. Grundputz mit Haar zum Armieren, Grundputz und Dünnschichtputz zum Filzen. Wenn das Zeug zu dick drauf ist, dauert es ewig bis Du abreiben kannst.

Im Innenbereich dagegen hab ich die Wände immer mit Rotbandgips egalisiert bzw. neu verputzt. Der haftet überall und läßt sich kinderleicht verarbeiten.

Eine Wand im Wohnzimmer mit Lehmputz hat mir gereicht. Das Zeug bindet nicht ab sondern trocknet nur. Das hate zur Folge, dass ich beim Abreiben immer wieder die Oberfläche angelöst habe. Nie wieder. Das überlasse ich den Profis.

Generell verwende ich Sackware. Was hier im Außenbereich in den 70er selbst gemischt und auf die Wand gekleistert wurde, ist schon größtenteils von allein wieder abgefallen.

Viel Erfolg

Olli

 

Zitat von Fischerhaus
Also muss man den Kalk nicht unbedingt irgendwo unter Wasser quellen lassen und lagern. Das hat mich ein wenig abgeschreckt.
Nein, das wäre Sumpfkalk, den gibts heute nur noch selten.
Weißkalkhydrat in 40kg Säcken. Gibts im Baustoffhandel/Baumarkt, auf der Rückseite stehen die Mörtelmischverhältnisse drauf.
Ich hab da evtl einen Buchtipp: Die Schule des Maurers.
Da steht einiges drin, ich tue mich bloß schwer mit der Schnörkelschrift, Abtippen oder Einscannen hab ich allerdings nicht vor.

Zitat von Fischerhaus
Einen Betonmischer habe ich nicht, müsste ich ausleihen. Ich habe nur einen etwas größeren Rührquill, mit dem man natürlich immer ziemlich nah dran steht am ätzenden Staub...
Ein Betonmischer nur ausleihen wenn das nichts kostet, ansonsten kaufen&benutzen&verkaufen, gibts auch gebraucht in den üblichen Anzeigen.

Zitat von Fischerhaus
Wie hart ist anschließend die Oberfläche der reinen Kalkverputzung? Färbt da noch was ab, wenn man mit der Hand rüber fährt? Falls ja, (wie) kann man die Oberfläche imprägnieren ohne dass die Verputzung ihre Eigenschaften verliert?
Weicher als Mauer&Putzmörtel jedenfalls, hart genug für Tapete und zum Wohnen, wenn du mit der Hand drüber reibst passiert nichts, rennst du mit spitzen/harten Sachen dagegen, geht natürlich schon was ab.
Korrekt abgebundener Kalk färbt/kreidet nur minimal, halt wie Kalkstein, denn nichts anderes ist es abgebundener Kalk im Mörtel.
Imprägnieren? Nur mit Kalkmilch/Kalkfarbe welche wiederrum korrekt abbinden muss sonst kreidet sie aus.
Handelsüblicher Tiefengrund hemmt die Atmungsfähigkeit.
Es gibt auch sogenannte Kalkglätte als Sackware um die Oberfläche richtig glatt zu bekommen, diese ist wohl auch Schleifbar.

Zitat von Fischerhaus
Oder einfach eine Schaufel Zement mit in den Mischer?
Wurde teilweise so gemacht, gibt sicherheit beim erstarren. Aber dann verringert er die Eigenschaften reiner Kalkputze.

Zitat von Fischerhaus
Haben die hochwertigen Finish-Putze Zuschläge, welche die Oberfläche widerstandsfähiger machen?
Weiß ich nicht.
Zumindest um die verarbeitung zu erleichtern sind öfters Zuschläge drin, aber das kann kontraproduktiv sein, Kunsstoffzusätze/dispersionen/Metylzellulose ist das was schimmelt im Putz, Sand und Kalk schimmeln erst viel später und sind als Naturbaustoffe nahezu unbedenklich.

Wenn in der nähe ein Mischwerk ist, kann man den Mörtel auch angerührt in Wannen liefern lassen, bei Kalkmörtel ist die Standzeit in den Wannen kein Problem. Wenn Zement drin ist gibts auch abbindeverzögerer.

Fummelbrett:ist ein kleines Reibebrett mit einer abgeschrägten Schmalseite, für engstellen.
Willst du mit Putzschienen arbeiten? Ecken ist klar, aber auch auf der Fläche?
Googel mal : Abziehschlitten
Werkzeuge hast du? Große Dreieckige Maurerkelle, diverse Kartätschen, Reibebretter?
Ansonsten, ein erfahrener Putzer kann dir natürlich die Praxis vermitteln, die Technik des Anwerfens muss man gesehen haben und üben.
Meiner Meinung nach, gehört auf Lehmputz nur Lehmfarbe, Kalk verbindet sich nicht mit Lehm.

Mach doch ne kleine Probefläche, abschlagen kannste das ja immer wieder.
Früher, wussten die Vorfahren genau bescheid über Mischungsverhätnisse Kalk/Sand, über Versuch macht Klug haben die das herausgefunden. Denn je nach ortsüblicher Sandqualität (Korngröße/Feinanteil/Schärfe) und Kalkqualität (fett/mager) verändert sich das Mischungsverhältniss, es sind halt Naturbaustoffe die nunmal Nebenbestanteile enthalten welche natürlich einfluss nehmen. Damals haben die das Zeug ja nicht ewig weit transportieren können, so wie heute.

 

Zitat von Fischerhaus
...
Und was ist ein Fummelbrett? Irgendwas Süddeutsches???
Das ist ein Fummelbrett.

 

@ Bendermann: Vermutlich nehme ich Schienen, jedenfalls für die Ecken. Und falls die Wände sehr schief sein sollten, werde ich da auch Schienen nehmen, falls nicht vertraue ich auf mein Auge.

Beim Werkzeug fehlen mir genau die dreieckige Kelle, sowie so eine Spezial-Kelle um Innen-Ecken zu machen. Oder kann man da auch Schienen nehmen? Kartätsche habe ich nicht, werde ich mindestens eine kaufen, beides schon auf dem Zettel, ansonsten habe ich ja auch noch meine Richtscheite und Wasserwaagen, mit denen ich als Landschaftsgärtner arbeite.


Danke für die vielen Tipps! Echt super!

 

Fummelbrett hab ich sogar schon in meinem Maurereimer. Wusste nur nix davon, dass man damit rumfummelt, habs immer zum (ver)streicheln genommen.

 

Zitat von Fischerhaus
Danke Manfredh! Das werde ich mir gleich kopieren!

Also muss man den Kalk nicht unbedingt irgendwo unter Wasser quellen lassen und lagern. Das hat mich ein wenig abgeschreckt.
Früher hat man gebrannten Kalk(brocken) in eine Grube geworfen, mit Wasser bedeckt und zerstampft. Solange dieser Kalksumpf unter der Wasseroberfläche bleibt, bindet dieser nicht ab. Aber in diese Zeiten wollen wir nicht zurück.
Die heutige Sackware ist schon fein gemahlen und wird als ungelöschter Kalk verarbeitet.

Zitat von Fischerhaus
Einen Betonmischer habe ich nicht, müsste ich ausleihen. Ich habe nur einen etwas größeren Rührquill, mit dem man natürlich immer ziemlich nah dran steht am ätzenden Staub...
Hmm.... Wie viele m² sind´s denn überhaupt ?
Rührquirl bis 2-3m² OK. Ansonsten Mischmaschine.
Wenn´s mehr als 10m³ sind, dann 3 Mann.
Einer an der Mischmaschine und Materialtransport, die beiden anderen Verputzen und verreiben.

Zitat von Fischerhaus
Wie hart ist anschließend die Oberfläche der reinen Kalkverputzung? Färbt da noch was ab, wenn man mit der Hand rüber fährt? Falls ja, (wie) kann man die Oberfläche imprägnieren ohne dass die Verputzung ihre Eigenschaften verliert?
Also die Oberfläche ist für Innenräume weit aus ausreichend und relativ wischfest.
Gipsputz färbt weit stärker ab.
Kommt ja meist noch Farbe oder Tapete drauf, spielt also kaum eine Rolle.
Bei meinen Eltern Haus BJ1966 blättert da noch gar nix.
Nassräume, Keller, Außenputz ist Zementputz. Blättert auch nix. (4 Sand, 1 Zement)
Imprägnieren braucht man da nichts, sofern der Putz mindestens 5min in der Trommel gemischt wurde. (Vermeidung von Sandnestern die keine Bindung haben)

Zitat von Fischerhaus
Oder einfach eine Schaufel Zement mit in den Mischer?
Ganz schön sportlich fett das Verhältnis.
Wenns denn unbedingt im Innenbereich mit Zement sein muss, dann
9 * Sand
3 * Kalk
0,3 * Zement

Zitat von Fischerhaus
Haben die hochwertigen Finish-Putze Zuschläge, welche die Oberfläche widerstandsfähiger machen?
Mit unter ja. daher der Vorschlag einer feinen Oberschicht aus feiner Sackware.
1-3mm Stark, also eher geringer Material Bedarf.

Ich würde Dir vorschlagen, das Du Dir drei Säcke + Sand für eine Testfläche besorgst.
1* Sackware feiner Kalk Fertigputz
1* Sackware Trasszement
1* Sackware Kalk ungelöscht

Dann machst Du erstmal mit kleinen Mengen (leere Konservendose statt Schaufel) jeweils eine Mischung im Mörtelkübel und bringst diese auf eine Testfläche auf.
(Diese vorher mit Wasser & Quast anfeuchten).
Aufziehen. beim Anziehen abreiben, Trocknen lassen und begutachten.
Zementputze erreichen erst nach 28 Tagen Ihre endhärte. Kalkputz, sobald er trocken ist.

Derganze Test kostet höchstens 10.-€ und es bleibt noch das meiste Material übrig.

 

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