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Soll ich oder soll ich nicht....?

31.10.2013, 21:04
Woody  
Ich habe 2011 meinen Wohnzimmerverbau allein zusammengesetzt und damals sozusagen Bautagebuch geführt. Diese Aufzeichnungen hab ich nun zufällig auf meinem PC wieder gefunden und wollte mal fragen, ob ich diese Geschichte hier veröffentlichen darf?

Es sind allerdings 10 A4-Seiten, Bilder vom Aufbau selbst gibt es nicht, nur vorher-nachher-Zustand.

Anbei mal ein kurzer Auszug:

Tag 1 (Do, 03.02.11): die Lieferung

Heute soll es endlich soweit sein: die neuen Möbel werden als Bausatz geliefert. Ich als erfahrene Handwerkerin, die sogar schon Ikea-Möbel – die Königsdisziplin aller Heimwerker – erfolgreich zusammengebaut hatte (ok, es blieben immer massenhaft Schrauben über, aber die Möbel fielen nicht zusammen), sehe dem ganzen Projekt zuversichtlich entgegen. In 2 Tagen spätestens, ach was, 1 Tag wird auch reichen, und das neue Wohnzimmer steht da. Sind ja nur 8 Möbelstücke, lächerlich, quasi ein Durchmarsch. Soweit meine Vorstellungen, welche sich aber ziemlich schnell als Illusion entpuppen sollte.

Ungeduldig warte ich also seit 13Uhr auf den Möbelwagen. Hoffentlich kommen sie bald, ich will ja um spätestens halb 5 wegfahren. Endlich sind sie um viertel 4 da und fangen gleich an, die ganzen Schachteln ins Haus zu schleppen. Klar war mir ja, dass es nicht 8 Schachteln sein würden, aber gleich so viele? Naja, wird schon stimmen, anhand der Beschriftung auf den Kartons ist mir eine Gegenkontrolle mit meiner Bestellung auch nicht möglich. Während die beiden Männer, ohnehin schon völlig erschöpft, noch den neuen Kühlschrank raufzerren, sehe ich Glassplitter auf dem neu geschliffenen Parkett. ...
 
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Die besten Antworten

Woody  
So, los gehts:

Was nicht passt, wird passend gemacht....oder
wenn Ikea die Reifeprüfung ist, so vergibt Kika den Doktortitel

Tag 1 (Do, 03.02.11): die Lieferung

Heute soll es endlich soweit sein: die neuen Möbel werden als Bausatz geliefert. Ich als erfahrene Handwerkerin, die sogar schon Ikea-Möbel – die Königsdisziplin aller Heimwerker – erfolgreich zusammengebaut hatte (ok, es blieben immer massenhaft Schrauben über, aber die Möbel fielen nicht zusammen), sehe dem ganzen Projekt zuversichtlich entgegen. In 2 Tagen spätestens, ach was, 1 Tag wird auch reichen, und das neue Wohnzimmer steht da. Sind ja nur 8 Möbelstücke, lächerlich, quasi ein Durchmarsch. Soweit meine Vorstellungen, welche sich aber ziemlich schnell als Illusion entpuppen sollte.

Ungeduldig warte ich also seit 13Uhr auf den Möbelwagen. Hoffentlich kommen sie bald, ich will ja um spätestens halb 5 wegfahren. Endlich sind sie um viertel 4 da und fangen gleich an, die ganzen Schachteln ins Haus zu schleppen. Klar war mir ja, dass es nicht 8 Schachteln sein würden, aber gleich so viele? Naja, wird schon stimmen, anhand der Beschriftung auf den Kartons ist mir eine Gegenkontrolle mit meiner Bestellung auch nicht möglich. Während die beiden Männer, ohnehin schon völlig erschöpft, noch den neuen Kühlschrank raufzerren, sehe ich Glassplitter auf dem neu geschliffenen Parkett. Oh nein, bitte nicht. Den Splittern folgend suche ich den entsprechenden Karton, wo die rausgefallen sein müssen. Tatsächlich, verdammt, das sieht gar nicht gut aus. Die beiden Handwerker packen also diese Schachtel sogleich aus und wir erblicken eine völlig zerbröselte Glastüre. Na super, ich bin begeistert. Das bedeutet, Wartezeit auf eine neue Glastüre. Inständig hoffe ich, dass wenigstens die Sachen in den anderen Kartons heil geblieben sind. Doch nun alle aufzumachen, fehlt einerseits die Zeit, andererseits wie soll ich dann aus 100en Einzelteilen, die zudem fast alle gleich aussehen, die richtigen für das entsprechende Möbel finden? Also vermerken wir nur auf dem Lieferschein die kaputte Glastüre.

Völlig planlos und konsterniert ob der vielen Kartons mache ich das Haus dicht und vertschüsse mich gegen Westen.


Tag 2 (Freitag, 04.02.11): erster Wutanfall

Wieder zurück vom Kurzausflug stehe ich vor einem Dilemma. Einerseits juckt es mich, endlich mit dem Zusammenbau anzufangen, andererseits soll ich aber die Bachelor-Arbeit überarbeiten. Nun ja, ich mach halt einen Kompromiss. Also beides. Wenigstens ein Möbel möchte ich aufstellen, nur um so mal das Feeling fürs neue Wohnzimmer zu kriegen. Das dauert vielleicht 1 Stunde und dann mach ich mich an die Schreibarbeit. Planung ist das eine, die Realität das andere.

Nachdem ja eine Schachtel von der Vitrine ohnehin schon ausgepackt war, entschließe ich mich, bau ich das mal zusammen. Fehlt halt die eine Glastüre, was soll’s. Also schlichte ich zunächst den Inhalt des Plastiksackerls. 100e von Schrauben verschiedener Größen, zahlreiche Tuben mit Holzleim, Holzdübel, ein lächerlicher kleiner Imbusschlüssel und was man halt sonst noch alles braucht – oder auch nicht. Und eine Beschreibung. Also eigentlich ists nur ein A4-Blatt, auf der einen Seite die Kontrollzahlen der Kleinteile (also wieviel Stück von jedem Klump), auf der 2.Seite die Aufbauanleitung. Naja, diese Anleitung ist eher pro forma aufgedruckt, denn wirklich hilfreich ist sie nicht. Vor allem fehlt jeder Hinweis, in welcher Reihenfolge man welches Brett (ja welches, diese Frage stellt sich auch permanent) zu montieren hat. Gut, ich erwähnte ja bereits, dass ich kein Neuling auf dem Gebiet der Schreinerei und Tischlerei bin. Das pack ich schon – noch bin ich optimistisch.

Also, eine Vitrine mit Schubladen soll das mal sein. Was liegt näher, als mal die Schubladen zusammenzubauen. Das kann ich, das hab ich schon öfters gemacht. Voller Elan schnappe ich mir die Seitenteile, den Boden und die Front -– und den Leim. Der ist wichtig, soll ja halten das Ding. Allerdings stellt sich das Unterfangen mit nur 2 Händen als ein Geduldspiel heraus. Endlich geschafft, nur noch ein bisschen zusammenklopfen, und die erste Lade ist fertig. Hämmer, hämmer. Noch ein bisschen. Hämmer, hämmer. Irgendwo hakts, da ist noch immer ein Spalt. Also etwas kräftiger draufgehämmert.......krach......die Schublade bricht in sich zusammen und ist zerstört. Ich blicke fassungslos auf mein „Werk“. das kanns doch nicht sein, was ist das für eine ******qualität? Hält nicht mal das bissi Brutalität aus. Ich versuche also zu retten, was noch zu retten ist. Leim hab ich ja genug zur Verfügung. Nun gut, grantig baue ich die restlichen 3 Laden zusammen, die wesentlich einfacher gehen, also nicht zu Bruch, sondern sich zusammenfügen lassen. Angefressen stelle ich die Laden auf die Seite und wende mich der Beschreibung zu. Was logischerweise nun als nächstes?

Ok, 2 Seitenteile sind da. Was sind das für Brettln? In der ach so tollen aufschlussreichen Beschreibung finde ich endlich deren Verwendungszeck. Das sind die Seitenteile für die Schubladen, also wo man die dann „einhängt“. Anhand der vorgebohrten Löcher kann ich sogar deren Position im Kasten später festlegen und mache mich an die Montage der Führungsschienen für die Laden. Wie geht das schon wieder? Natürlich im Beiblatt nichts zu finden. Nach zahlreichen geistigen Höchstleistungen, unterstützt mit Kaffee und Zigaretten, unterbrochen durch Pinkelpause von mir und Harry, denke ich es endlich herausgefunden zu haben und schraube die Schienen mal an. Jo, schaut gut aus.

Ergebnis also nach gut 2 Stunden: 4 Schubladen, davon eine zertrümmert und 3 Brettln mit 8 Führungsschienen. Wenn ich in dem Tempo weiterkomme, bin ich zeitgerecht zur Lieferung der Glastüre fertig. Noch hab ich meinen Humor, aber meine Euphorie lässt spürbar nach. Im gleichen Ausmaß schmerzen mich aber schon meine Knie und vor allem mein Kreuz. Na das sind ja Aussichten, wenn ich schon nach 2 Stunden w.o. gebe. Von einem fertigen Kasten bin ich noch Stunden, wenn nicht Tage entfernt. Dass das Holz nahezu genauso dunkel ist, wie der alte Wohnzimmerverbau nervt mich noch mehr. Im Prospekt war das viel viel heller. Ich fühle mich alleine, einsam und bin fertig mit der Welt. Nicht mal Möbel kann ich anständig einkaufen, geschweige denn, aufbauen.

Entnervt beschließe ich, wenigstens ein Erfolgserlebnis will ich heute noch haben. Welches Möbel soll mir also dieses Gefühl vermitteln? Ich entscheide mich für eines der drei Bücherregale. Das erscheint mir am einfachsten, 2 Seitenwände, Boden, Deckel, Rückwand – that’s it. Also Schachtel auf den Fußboden gewuchtet, die hatte gefühlte 100Kilo, wahrscheinlich warens aber eh nur 20 – keine Ahnung, da ich mein Kreuz ohnehin nicht mehr spüre, spielt das auch keine Rolle mehr. Schwer und unhandlich jedenfalls. Mal geöffnet. Auweia, Unmengen an Styroporplatten grinsen mir entgegen. Ordnungsliebend wie ich bin, schlichte ich also mal alles heraus und benötige dazu schon die halbe Fläche vom Fußboden. Dann schlichte ich erneut die Schrauben und sonstigen Kleinteile. Wozu eigentlich? Harry setzt sich ja ohnehin mitten hinein, warum auch immer. Er ist überhaupt nur im Weg und blickt mich auch ständig vorwurfsvoll an. Und wieder Unmengen an Leimtuben – braucht kein Mensch, also ich jedenfalls nicht. Und erneut die bereits bekannte und wenig hilfreiche „Beschreibung“, welche diesen Namen gar nicht verdient. Eigentlich hätten sie die genauso gut auf Chinesisch hindrucken können, es hätte keinen Unterschied gemacht. Aber so ein lächerliches Regal ist doch ruckzuck aufgebaut. Nun, ruckzuck definiert sich hier als 3 Stunden, eine Nacht und nochmals eine Stunde. Also nicht durchgehend, sondern durch Depression und in Selbstzweifel verbrachte Stunden unterbrochen.

Seitenteile, Boden und Deckel sind zusammengefügt. Das ganze Ding umgewuchtet, um die Rückwand anschrauben zu können. Aufgelegt, angeschraubt. Nach 20 Schrauben komme ich drauf, dass die Platte verrutscht sein muss und nun im oberen Bereich ein 2cm großer Spalt da ist. Leider von vorne sichtbar. Also wieder alles abgeschraubt, neu justiert, neu angeschraubt. Kastl aufgestellt. Mich davor gestellt und erneut zweifel ich an meinem Können. Natürlich sieht man nun die Löcher in der Rückwand von der ersten Schrauberei. Ich bin den Tränen nahe, neue Möbel, nicht mal so billig und dann das. Da hätt ich ja gleich die alten stehenlassen können. Ich tröste mich damit, dass ich mir denke, da stehen dann ja eh Bücher drin, das sieht man nicht mehr. Trotzdem...

Letzter Schritt nach 3 Stunden für dieses eine Bücherregal die Verblendung vorne. Natürlich gibt es auch dazu keine Beschreibung. Also wieder probieren und Hirnschmalz gefragt. Natürlich mache ich es zunächst falsch, also in der falschen Reihenfolge. Und grübel über die Löcher im mittleren (fix befestigten) Fachbrett. Wozu sollen die gut sein? Dann packt mich das blanke Entsetzen. Was ich als mittleres Fachbrett ansehe, ist eigentlich die Deckplatte, gehört also oben hin. Und das obere in die Mitte. Heuuuuul, das bedeutet – alles wieder komplett auseinandernehmen. Außerdem nervt mich auch schon das pausenlose Gedudel der CD von A-ha, ich kann Foot of the Mountain schon nicht mehr hören. Mir reicht es und ich lasse alles wie es ist liegen und stehen, werfe eine Pizza in den Ofen und verziehe mich zur Bachelorarbeit. Wenigstens das kann ich.


Tag 3 (Samstag, 05.02.11): das erste Möbel steht

Gutgelaunt, weil strahlend blauer Himmel und die Sonne durch die, zugegebenermaßen saudreckigen Fenster reinblitzt, mache ich mich an die Demontage meines vermurksten Regals des Vortages. Begleitet vom Endlosgesang der Gruppe A-ha geht es schneller als erwartet und macht mir Hoffnung, heute den Tagesplan, nämlich alle 3 Bücherregale fertigzubauen, erfüllen zu können.

Nach einer halben Stunde steht tatsächlich das erste Bücherregal fertig vor mir. Ich bemühe mich, über die Löcher der Rückwand hinwegzusehen und denke mir, schaut eigentlich gar nicht soo übel aus. Ich schiebe das Regal mal etwas zur Seite und mache mir gleich ein paar unschöne Kratzer in das neue Parkett. Ich ignoriere diese Tatsache und hoffe, dass nach einer gründlichen Reinigung nichts mehr zu sehen sein wird.

Nächste Schachtel auf den Boden gewuchtet, ausgeräumt – das Spiel ist bekannt. Nun schon erfahrener, geht der Zusammenbau um einiges schneller. Vielleicht hätte ich doch nicht gar so flott vor mich hinschrauben sollen, denn auch das 2. Regal ist nicht so ganz korrekt zusammengestöpselt. Diesmal habe ich zwar die Mittelplatte richtig befestigt, allerdings verkehrt. Also die Unterseite ist oben. Doch das juckt mich irgendwie wenig. Es wär nicht mein Werk, wenn nicht irgendwas „falsch“ wäre. Außerdem stehen da ja sowieso Bücher drauf.

Während meine Gnocchi vor sich hin köcheln, baue ich endlich das dritte (und letzte) Regal in einer Rekordzeit von 30min fehlerfrei zusammen. Schade, jetzt hätt ich’s gekonnt und keins mehr da.

Mit dem Mittagessen verziehe ich mich wieder in meine Wohnung und widme mich der Bachelorarbeit. Mein Erfolgserlebnis hab ich ja nun.


Tag 4 (Sonntag, 06.02.11): nächste Disziplin – Türe

Heute schließe ich die Bachelorarbeit ab und kann mich nun am Nachmittag ruhigen Gewissens dem alleinigen Möbelzusammenbau widmen. Auch heute ist das Wetter traumhaft schön, die Sonne brennt ins Zimmer, sodass ich zeitweise sogar fast nackt werkel.

Da ich unbedingt das Schispringen sehen möchte, schließe ich meinen alten Fernseher im Wohnzimmer an. Kein Signal. Verdammt, haben meine Leute beim Kastenabbau doch das TV-Kabel beschädigt? Ich baue den Stecker auseinander, begutachte das Innenleben, ohne wirklich was davon zu verstehen. Latsche ins andere Zimmer, wo noch so ein Stecker ist und mache diesen zu Vergleichszwecken auf. Nein, völlig ident, an dem kanns also nicht liegen. Endlich komme ich auf die Idee, doch mal einen Sendersuchlauf machen zu lassen. Voila, das war’s und ich beginne glücklich neben den springenden Adlern (und nicht A-ha) den Karton für das TV-Regal auszupacken. Denn das hab ich mir für heute vorgenommen.

Das bekannte Spiel beginnt, Styropor auf den Haufen, Plastik auf den anderen, Karton wo noch Platz ist. Und mittendrin Harry. Mittlerweile sortiere ich die Kleinteile (Schrauben, Leimtuben, Dübel usw) gar nicht mehr, weil Harry sich ohnehin immer wieder dazwischenpflanzt und alles durcheinanderwirft. Ein kurzer Blick auf die „Beschreibung“ lässt mich ahnen, dass dieses Möbel sich etwas schwieriger gestalten wird, als die Bücherregale. Eine Türe, 2 Seitenteile, 2 Fachböden – also schon etwas anspruchsvoller. Nicht der Zusammenbau an sich, sondern die Auswahl der einzelnen Bretter in der richtigen Reihenfolge. Denn wie in den letzten Tagen schon gelernt, die Bauanleitung verdient ihren Namen nicht.

Es wäre nicht mein Projekt, wenn diesmal alles reibungslos ablaufen würde. Aber verglichen mit den Irrtümern der Regale kann ich mich durchaus schon als Halbprofi bezeichnen. Zusammengefasst habe ich beim Zusammenbau des TV-Regals lediglich die untere Bodenplatte verkehrt montiert (was natürlich wieder eine Demontage nach sich zieht) und bin mit dem Schraubenzieher in die Rückwand gedonnert, sodass ich auch dort ein Loch habe, wo keines hingehört. Noch nicht, denn ich muss sowieso ein Loch für die Kabel (TV zu DVD-Player) bohren.

Am späten Nachmittag erkläre ich das TV-Regal für fertig und mich ebenso. Harry lasse ich nur in den Garten, zum Abendgassi fühle ich mich einfach nicht mehr fähig, alles tut mir weh. Nach einer Pizza falle ich völlig erledigt schon um 21Uhr ins Bett.

Fortsetzung nächster Post, da zu lang

Bilder:
7 Wohnzimmerverbau Eiche Brutal alt
1 Schachteln, etc
2 Harry mittendrin statt nur dabei
3 - 6 Wohnzimmerverbau neu
7 Verbau alt
Woody  
Fortsetzung:

Tag 5 (Montag, 07.02.11): ich steige auf: 2 Türen, 5 Schubladen

Etwas steif in den Knien und mit schmerzendem Rücken begebe ich mich frühmorgens (also für meine Verhältnisse 9Uhr) ins Wohnzimmer und lasse die Sonne herein. Noch etwas desorientiert und planlos begutachte ich einen Karton nach dem anderen. Mittlerweile habe ich nämlich gecheckt, dass da ohnehin Aufkleber drauf sind, mit einer Abbildung des Möbels und einer Kurzbeschreibung, was im Karton drin ist. Und ich entdecke Colli 2 von 2 von der Glasvitrine. Nachdem diese ja schon am ersten Tag ausgepackt wurde, beschließe ich, mach das mal fertig. Was ich allerdings in meinem Morgendusel vergessen habe: es gibt 2 Vitrinen gleicher Bauart, nur eine mit Glastüren und eine ohne. Und ich hatte irgendwie schon für alle beiden einen Teil aus den Kartons ausgeräumt. Somit jetzt keine Ahnung mehr, welche Platte gehört zu welcher Vitrine.

Gut, nach reiflicher (also sekundenlanger) Überlegung entschließe ich mich, vorerst Vitrinen sein zu lassen und das große Kastel in Angriff zu nehmen. Da ist alles in einem Karton verpackt.

Das bekannte Spiel mit dem Auspacken beginnt. Huii, das sind viele Teile. Doch mittlerweile erkenne ich schon an den Löchern in den Platten, welche Position diese später haben sollen. Ich beginne also mit der Bodenplatte. Immer Harry beiseiteschiebend oder knapp neben seinem Schwanz hämmernd (er sitzt bzw liegt heute ständig genau dort, wo ich gerade arbeite) platziere ich Holzdübel und Schrauben. Das ist ja nun mal die einfachste Übung gewesen. Was nun? Dieses Kastl hat 2 Türen und 5 Schubladen in der Mitte. Somit stellt sich erneut die Frage, welche Seitenteile gehören wohin? Die Beschreibung ist nach wie vor keine wirkliche Hilfe. Ich schiebe die Entscheidung hinaus und beginne, die Schubladen zusammenzusetzen. Diesmal geht es wesentlicher effizienter und vor allem ohne Beschädigungen ab.

Es hilft nichts, ich muss mich entscheiden, wo ich welche Seitenteile anschraube. Nach intensivem Studium der zahlreichen Löcher in den jeweiligen Platten glaube ich, es herausgefunden zu haben und beginne, die Seitenteile anzudocken. Doch halt, das Möbel hat ja Fachböden auch, die müssen vorher eingesetzt werden. Irgendwie schaffe ich es, alleine das gut 1,50m lange Möbelstück im Korpus zusammenzustecken. Wow, das sieht ja richtig gut aus und vor allem nach meinem Empfinden auch korrekt.

Mittlerweile brennt die Sonne wieder gnadenlos ins Zimmer. Der TV steht auf dem Fensterbrett. Ich denke mir, das ist nicht so gut, wenn der da gebruzzelt wird und will ihn auf den Fußboden stellen. Patschat wie ich bin, reiss ich dabei mit dem Kabel aber meine volle Kaffeetasse gleich mit. Schepper, klirr. Super, alles voller Kaffee: Fensterbrett, Heizkörper, Fußboden, Kleinmaterial. Ich fluche vor mich hin und stampere Harry weg, der natürlich nichts besseres zu tun hat, als mitten in der Kaffeelache stehend, diese aufzuschlecken. Wenigstens bleibt die Tasse heil, immerhin ist die neu. Also alles aufgewischt, also bissi halt, weil putzen muss ich später dann sowieso gründlich.

Mittlerweile ist es 11Uhr und ich mache mir Gedanken, was ich heute essen könnte. Möglichst etwas, das ich nicht beaufsichtigen muss. Pizza mag ich keine (die hängt mir mittlerweile schon zum Hals raus), was hat mein Tiefkühlfach sonst noch zu bieten? Grammelknödel, auja, die kochen eh von allein. Ich stelle mal das Wasser zu und überlege sodann, was ich am Kastl nun als nächstes machen sollte.

Rückwand! Genau, damit ich das Möbel aufstellen kann, muss die Rückwand dran. Also eigentlich sind es hier 5 Einzelteile. Ich lege die dünnen Platten auf – schiebe herum, kontrolliere die Beschreibung, schiebe erneut herum. Das passt nicht. Da sind 2 Platten eindeutig um 3cm zu breit. Ich mag mich nicht mehr herumärgern und säge den Überstand einfach ab. In der Hoffnung, damit nicht doch etwas falsch gemacht zu haben. Aber mittlerweile bin ich in dem Stadium, einfach nur mehr fertig werden zu wollen. Voila, jetzt passen sie einwandfrei und ich befestige alle mit (nicht gezählten, aber geschätzten) 30 Schrauben.

Ich mache eine kurze Mittagspause und bin schon um 14Uhr wieder bei der Arbeit. Das Kastl hochzuwuchten raubt mir die letzten Kräfte, aber schließlich steht es da. Jetzt nur noch die Türen einsetzen und die Führungsschienen für die Schubladen montieren. Also eigentlich eh schon nahezu fertig. Denke ich. Es kommt wieder mal anders.

Ich halte die erste Führungsschiene an die Holzwand. Da sind 2 Löcher. Die Schiene hat mind. 10. Und einen Pfeil. Habe ich schon einmal erwähnt, dass die Beschreibung zu vergessen ist? Ok. Ich kann auch nur anhand der Anzahl der Schrauben herausfinden, welche überhaupt für die Montage zu verwenden sind. Denn da kugeln noch mindestens 50 Stk. verschiedener Größe herum. Irgendwie hab ich einen Überstand der Schiene, wenn ich mich an den Löchern orientiere. Naja, wird schon so stimmen. Ich befestige die erste Schiene mit einer Schraube. Will die 2. eindrehen – geht nicht. Weil ich zum Loch nicht dazukomme. Die Rückwand ist im Weg. Tja, bedeutet nun? Richtig, Rückwand wieder abschrauben! Schon etwas gleichgültig, andere würden sagen abgestumpft, schraube ich also den Mittelteil der Rückwand wieder ab. Die 10 Führungsschienen an. Endlich kann ich die Schubladen einsetzen. Ich schiebe, drücke, fluche. Wieso geht das so verdammt schwer? Das kann ja nicht sein. Genervt wende ich Brutalität an und will nun den 2.Teil der Schiene an der Schublade selbst anschrauben. Vorgebohrtes Loch gibt es ja. Aber irgendwie greift die Schraube nicht. Das Loch ist zu groß. Es muss aber diese Schraube sein, denn nur von der Sorte sind 10Stk. da. Die Beschreibung zu Rate zu ziehen, ist zwar sinnlos, trotzdem versuche ich einen Anhaltspunkt zu bekommen. Es bleibt beim Versuch. Endlich, nach minutenlanger Grübelei und Herumprobierei checke ich, dass ich die Schienen selbst falsch herum angeschraubt habe. Nun ja, ich bin es ja eh schon gewöhnt, alles doppelt zu machen. Seufzend montiere ich also alle 10 Schienen wieder ab und diesmal richtigrum auf. Und bevor ich es vergesse, demontiere ich auch die Schienen von der Vitrine (welche ich ja schon an Tag 2 vormontiert habe) wieder runter. Die sind nämlich auch falsch gewesen. Jetzt kann ich auch die Schubladen ohne Gewaltanwendung einsetzen und anschrauben. Die letzte Schraube will einfach nicht. Kurzerhand bohre ich eben ein neues Loch daneben, ich mag mich nicht mehr rumärgern. Habe ich das schon mal erwähnt?

Nun noch die Rückwand wieder drauf. Super, jetzt fehlt noch die Verblendung und die Türen. Irgendwie dachte ich, die Schwierigkeiten seien alle überwunden und diese beiden Montageschritte nur noch Formsache. Doch erneut werde ich eines Besseren belehrt.

Nach 4 Möbelstücken weiß ich mittlerweile schon, wie ich die Verblendung zu montieren habe. Doch ich suche die Löcher für die Türscharniere am Korpus. Das muss doch vorgebohrt sein. Ich finde nichts. Laut Beschreibung gehört die Türe aber da hin. Nun schon wirklich gereizt und wütend und mich ob der schlechten Qualität (die Furnier ist nahezu mikroskopisch dünn und verzeiht keinen einzigen Kratzer) ärgernd, hämmere ich die Blende ans Kastl. Oh, da sind ja Löcher. Ahaaa, da wird also die Scharnier angeschraubt. Idiotisch, aber bitte. Ich montiere also eine Türe. Geht einfacher, als ich denke. Die zweite lass ich mal, weil dieses Kastl später als Phonomöbel dienen soll, also meine Anlage und die LP’s beherbergen soll. Die Schallplatten möchte ich schon sichtbar haben. Ob die aber da überhaupt hineinpassen hab ich noch nicht nachgemessen. In meinem grenzenlosen Optimismus und Augenmaß vertraue ich aber darauf, dass es so sein wird.

Hurra, Möbel 5 von 8 ist fertig. Morgen kommen dann die Vitrinen dran.....

Tag 6 (Dienstag, 08.02.11): die ersten Tränen fließen

Der heutige Tagesplan umfasst den Zusammenbau der beiden Vitrinen. Die Glasvitrine trau ich mir alleine nicht zu, zu groß ist die Angst, dass ich mich verletzen könnte. Also widme ich mich den letzten Möbelstücken, welche nur aus Holz bestehen.

Frühmorgens begebe ich mich frischen Mutes an die erste Schachtel. Also eigentlich muss ich eh nur noch eine aufmachen, da die anderen schon Tage zuvor mehr oder weniger irrtümlich aufgerissen wurden. Die Auspackerei und Sortierei gestaltet sich bereits automatisch. Wider Erwarten bin ich nach nicht mal einer Stunde mit dem Korpus bereits fertig. Einzig eine Platte erkenne ich noch im letzten Augenblick, dass ich sie falsch zu montieren beginne. Schon aus Erfahrung klüger geworden, montiere ich die Führungsschienen diesmal richtig rum an. Mit mir zufrieden mache ich mir mein Mittagessen und will nach einer kurzen Verdauungspause gleich wieder weitermachen. Meine Lebensgeister und Frohsinn kehren zurück. Ich sehe endlich ein Ende der Plackerei. Und wieder kommt es anders als ich geplant habe.

Irgendwie ist es mir wichtiger, mit Michi im Chat stundenlang zu blödeln als die Vitrine fertigzubauen. Doch um 15Uhr raffe ich mich auf und stakse nun nicht mehr gar so steifbeinig wieder in das untere Stockwerk. Erstaunlich, wie schnell man sich eigentlich an körperliche Arbeit gewöhnt.

Was steht nun noch bei Vitrine 1 an? Ahja, die Schubladen. Ich nehme die erste, welche ich ja schon am 2.Tag zusammengehämmert hatte, und setze sie ein. Ich schiebe sie mal probehalber zu und erstarre. Da klafft ein 2cm breiter Spalt zum Boden. In mir bricht erneut eine Welt zusammen. Schon wieder falsch montiert. Konkret habe ich diesmal Ober- mit Unterseite der Platte vertauscht. Und das alles nur, weil keine ordentliche Zusammenbauanleitung existiert. Nochmal alles, und das heißt diesmal wirklich den kompletten Kasten, auseinandernehmen? Oder die Schienen alle zu demontieren und neue Löcher in der richtigen Höhe bohren? Wie ich mich kenne, schaff ich das sicher nicht in der Waage. Es wird also so und so eine Murkserei. Ich kann nicht mehr und fange an zu heulen. Harry versucht mich zu trösten und leckt meine Tränen ab. Nur ****, dass er gerade gefressen hat und ziemlich erbärmlich stinkt. Ich weiß nicht, soll ich lachen oder weiterflennen.

Schließlich schraube ich die Schienen alle wieder ab und beschließe, das bleibt nun offen, da stell ich die Schallplatten rein. Kein Mensch braucht 12 Schubladen in einem Zimmer. Mir reicht es, ich erkläre den Tagesplan für erledigt.

Tag 7 (Mittwoch, 09.02.11): wie war das mit in 2 Tagen fertig zu sein?

Heute fange ich erst zu Mittag an, da ich einiges für meine Firma erledigen muss. Am Plan steht nur noch die letzte Holzvitrine. Von den Erlebnissen des Vortages noch geprägt, gehe ich die Sache diesmal anders an. Klar, beim letzten Möbelstück – da läuft alles reibungslos. Nach 2 Stunden bin ich fertig.

Und nun mache ich meinem Ärger und Enttäuschung Luft. Ich rufe bei der Firma Kika an, einerseits um die noch fehlenden Möbelstücke (Couchtisch, CD-Regal und die kaputte Glastüre) zu urgieren, andererseits vor allem deshalb, um denen klar zu machen, dass man so eine Qualität und eine derart unzureichende „Aufbauanleitung“ nicht an Kunden weitergeben kann, will man keine negative Nachrede haben. Die Verkäuferin ist sehr nett, bedauert mich (davon hab ich jetzt auch nichts mehr) und bietet mir sogar an, die Schäden (Kratzer) vor Ort zu reparieren. Ich sage dankend ab, will doch endlich nur fertig sein und meinem Unmut Luft gemacht haben. Das genügt mir schon. Bei Kika jedenfalls kaufe ich keine Selbstbaumöbel mehr, obwohl – jetzt könnte ich diese schon einwandfrei zusammenbauen.

Vielleicht hänge ich einen Zettel aus: „Sie sehen sich auch nicht imstande, diese Einzelteile zusammenzufügen? Nehmen Sie meine Hilfe in Anspruch, ich habe schon alle Höhen und noch mehr Tiefen hinter mir. Rufen Sie mich an....“ Oder ich bewerbe mich bei Kika als Monteurin....

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Über Kommentare würde ich mich auch sehr freuen
Janinez  
ja setz es rein, allein schon Dein Schreibstil macht einfach Spaß zu lesen

 

Woody  

Na dann setz ich es mal in einem Schwung komplett rein. Muss nur noch die Bilder suchen.

 

Zitat von Woody

Na dann setz ich es mal in einem Schwung komplett rein. Muss nur noch die Bilder suchen.
soviel Zeit muß sein.......

 

auf gehts, spann uns nicht auf die Folter

 

mache hopp! loooooooossss.... komm in die Puschen!

 

Ist bestimmt lustig, setz rein. Mach Hinne

 

Hallloooo Wooodddyyyyy....
gib ma Butter bei die Fische....

lass jucken !!!

 

Woody  
So, los gehts:

Was nicht passt, wird passend gemacht....oder
wenn Ikea die Reifeprüfung ist, so vergibt Kika den Doktortitel

Tag 1 (Do, 03.02.11): die Lieferung

Heute soll es endlich soweit sein: die neuen Möbel werden als Bausatz geliefert. Ich als erfahrene Handwerkerin, die sogar schon Ikea-Möbel – die Königsdisziplin aller Heimwerker – erfolgreich zusammengebaut hatte (ok, es blieben immer massenhaft Schrauben über, aber die Möbel fielen nicht zusammen), sehe dem ganzen Projekt zuversichtlich entgegen. In 2 Tagen spätestens, ach was, 1 Tag wird auch reichen, und das neue Wohnzimmer steht da. Sind ja nur 8 Möbelstücke, lächerlich, quasi ein Durchmarsch. Soweit meine Vorstellungen, welche sich aber ziemlich schnell als Illusion entpuppen sollte.

Ungeduldig warte ich also seit 13Uhr auf den Möbelwagen. Hoffentlich kommen sie bald, ich will ja um spätestens halb 5 wegfahren. Endlich sind sie um viertel 4 da und fangen gleich an, die ganzen Schachteln ins Haus zu schleppen. Klar war mir ja, dass es nicht 8 Schachteln sein würden, aber gleich so viele? Naja, wird schon stimmen, anhand der Beschriftung auf den Kartons ist mir eine Gegenkontrolle mit meiner Bestellung auch nicht möglich. Während die beiden Männer, ohnehin schon völlig erschöpft, noch den neuen Kühlschrank raufzerren, sehe ich Glassplitter auf dem neu geschliffenen Parkett. Oh nein, bitte nicht. Den Splittern folgend suche ich den entsprechenden Karton, wo die rausgefallen sein müssen. Tatsächlich, verdammt, das sieht gar nicht gut aus. Die beiden Handwerker packen also diese Schachtel sogleich aus und wir erblicken eine völlig zerbröselte Glastüre. Na super, ich bin begeistert. Das bedeutet, Wartezeit auf eine neue Glastüre. Inständig hoffe ich, dass wenigstens die Sachen in den anderen Kartons heil geblieben sind. Doch nun alle aufzumachen, fehlt einerseits die Zeit, andererseits wie soll ich dann aus 100en Einzelteilen, die zudem fast alle gleich aussehen, die richtigen für das entsprechende Möbel finden? Also vermerken wir nur auf dem Lieferschein die kaputte Glastüre.

Völlig planlos und konsterniert ob der vielen Kartons mache ich das Haus dicht und vertschüsse mich gegen Westen.


Tag 2 (Freitag, 04.02.11): erster Wutanfall

Wieder zurück vom Kurzausflug stehe ich vor einem Dilemma. Einerseits juckt es mich, endlich mit dem Zusammenbau anzufangen, andererseits soll ich aber die Bachelor-Arbeit überarbeiten. Nun ja, ich mach halt einen Kompromiss. Also beides. Wenigstens ein Möbel möchte ich aufstellen, nur um so mal das Feeling fürs neue Wohnzimmer zu kriegen. Das dauert vielleicht 1 Stunde und dann mach ich mich an die Schreibarbeit. Planung ist das eine, die Realität das andere.

Nachdem ja eine Schachtel von der Vitrine ohnehin schon ausgepackt war, entschließe ich mich, bau ich das mal zusammen. Fehlt halt die eine Glastüre, was soll’s. Also schlichte ich zunächst den Inhalt des Plastiksackerls. 100e von Schrauben verschiedener Größen, zahlreiche Tuben mit Holzleim, Holzdübel, ein lächerlicher kleiner Imbusschlüssel und was man halt sonst noch alles braucht – oder auch nicht. Und eine Beschreibung. Also eigentlich ists nur ein A4-Blatt, auf der einen Seite die Kontrollzahlen der Kleinteile (also wieviel Stück von jedem Klump), auf der 2.Seite die Aufbauanleitung. Naja, diese Anleitung ist eher pro forma aufgedruckt, denn wirklich hilfreich ist sie nicht. Vor allem fehlt jeder Hinweis, in welcher Reihenfolge man welches Brett (ja welches, diese Frage stellt sich auch permanent) zu montieren hat. Gut, ich erwähnte ja bereits, dass ich kein Neuling auf dem Gebiet der Schreinerei und Tischlerei bin. Das pack ich schon – noch bin ich optimistisch.

Also, eine Vitrine mit Schubladen soll das mal sein. Was liegt näher, als mal die Schubladen zusammenzubauen. Das kann ich, das hab ich schon öfters gemacht. Voller Elan schnappe ich mir die Seitenteile, den Boden und die Front -– und den Leim. Der ist wichtig, soll ja halten das Ding. Allerdings stellt sich das Unterfangen mit nur 2 Händen als ein Geduldspiel heraus. Endlich geschafft, nur noch ein bisschen zusammenklopfen, und die erste Lade ist fertig. Hämmer, hämmer. Noch ein bisschen. Hämmer, hämmer. Irgendwo hakts, da ist noch immer ein Spalt. Also etwas kräftiger draufgehämmert.......krach......die Schublade bricht in sich zusammen und ist zerstört. Ich blicke fassungslos auf mein „Werk“. das kanns doch nicht sein, was ist das für eine ******qualität? Hält nicht mal das bissi Brutalität aus. Ich versuche also zu retten, was noch zu retten ist. Leim hab ich ja genug zur Verfügung. Nun gut, grantig baue ich die restlichen 3 Laden zusammen, die wesentlich einfacher gehen, also nicht zu Bruch, sondern sich zusammenfügen lassen. Angefressen stelle ich die Laden auf die Seite und wende mich der Beschreibung zu. Was logischerweise nun als nächstes?

Ok, 2 Seitenteile sind da. Was sind das für Brettln? In der ach so tollen aufschlussreichen Beschreibung finde ich endlich deren Verwendungszeck. Das sind die Seitenteile für die Schubladen, also wo man die dann „einhängt“. Anhand der vorgebohrten Löcher kann ich sogar deren Position im Kasten später festlegen und mache mich an die Montage der Führungsschienen für die Laden. Wie geht das schon wieder? Natürlich im Beiblatt nichts zu finden. Nach zahlreichen geistigen Höchstleistungen, unterstützt mit Kaffee und Zigaretten, unterbrochen durch Pinkelpause von mir und Harry, denke ich es endlich herausgefunden zu haben und schraube die Schienen mal an. Jo, schaut gut aus.

Ergebnis also nach gut 2 Stunden: 4 Schubladen, davon eine zertrümmert und 3 Brettln mit 8 Führungsschienen. Wenn ich in dem Tempo weiterkomme, bin ich zeitgerecht zur Lieferung der Glastüre fertig. Noch hab ich meinen Humor, aber meine Euphorie lässt spürbar nach. Im gleichen Ausmaß schmerzen mich aber schon meine Knie und vor allem mein Kreuz. Na das sind ja Aussichten, wenn ich schon nach 2 Stunden w.o. gebe. Von einem fertigen Kasten bin ich noch Stunden, wenn nicht Tage entfernt. Dass das Holz nahezu genauso dunkel ist, wie der alte Wohnzimmerverbau nervt mich noch mehr. Im Prospekt war das viel viel heller. Ich fühle mich alleine, einsam und bin fertig mit der Welt. Nicht mal Möbel kann ich anständig einkaufen, geschweige denn, aufbauen.

Entnervt beschließe ich, wenigstens ein Erfolgserlebnis will ich heute noch haben. Welches Möbel soll mir also dieses Gefühl vermitteln? Ich entscheide mich für eines der drei Bücherregale. Das erscheint mir am einfachsten, 2 Seitenwände, Boden, Deckel, Rückwand – that’s it. Also Schachtel auf den Fußboden gewuchtet, die hatte gefühlte 100Kilo, wahrscheinlich warens aber eh nur 20 – keine Ahnung, da ich mein Kreuz ohnehin nicht mehr spüre, spielt das auch keine Rolle mehr. Schwer und unhandlich jedenfalls. Mal geöffnet. Auweia, Unmengen an Styroporplatten grinsen mir entgegen. Ordnungsliebend wie ich bin, schlichte ich also mal alles heraus und benötige dazu schon die halbe Fläche vom Fußboden. Dann schlichte ich erneut die Schrauben und sonstigen Kleinteile. Wozu eigentlich? Harry setzt sich ja ohnehin mitten hinein, warum auch immer. Er ist überhaupt nur im Weg und blickt mich auch ständig vorwurfsvoll an. Und wieder Unmengen an Leimtuben – braucht kein Mensch, also ich jedenfalls nicht. Und erneut die bereits bekannte und wenig hilfreiche „Beschreibung“, welche diesen Namen gar nicht verdient. Eigentlich hätten sie die genauso gut auf Chinesisch hindrucken können, es hätte keinen Unterschied gemacht. Aber so ein lächerliches Regal ist doch ruckzuck aufgebaut. Nun, ruckzuck definiert sich hier als 3 Stunden, eine Nacht und nochmals eine Stunde. Also nicht durchgehend, sondern durch Depression und in Selbstzweifel verbrachte Stunden unterbrochen.

Seitenteile, Boden und Deckel sind zusammengefügt. Das ganze Ding umgewuchtet, um die Rückwand anschrauben zu können. Aufgelegt, angeschraubt. Nach 20 Schrauben komme ich drauf, dass die Platte verrutscht sein muss und nun im oberen Bereich ein 2cm großer Spalt da ist. Leider von vorne sichtbar. Also wieder alles abgeschraubt, neu justiert, neu angeschraubt. Kastl aufgestellt. Mich davor gestellt und erneut zweifel ich an meinem Können. Natürlich sieht man nun die Löcher in der Rückwand von der ersten Schrauberei. Ich bin den Tränen nahe, neue Möbel, nicht mal so billig und dann das. Da hätt ich ja gleich die alten stehenlassen können. Ich tröste mich damit, dass ich mir denke, da stehen dann ja eh Bücher drin, das sieht man nicht mehr. Trotzdem...

Letzter Schritt nach 3 Stunden für dieses eine Bücherregal die Verblendung vorne. Natürlich gibt es auch dazu keine Beschreibung. Also wieder probieren und Hirnschmalz gefragt. Natürlich mache ich es zunächst falsch, also in der falschen Reihenfolge. Und grübel über die Löcher im mittleren (fix befestigten) Fachbrett. Wozu sollen die gut sein? Dann packt mich das blanke Entsetzen. Was ich als mittleres Fachbrett ansehe, ist eigentlich die Deckplatte, gehört also oben hin. Und das obere in die Mitte. Heuuuuul, das bedeutet – alles wieder komplett auseinandernehmen. Außerdem nervt mich auch schon das pausenlose Gedudel der CD von A-ha, ich kann Foot of the Mountain schon nicht mehr hören. Mir reicht es und ich lasse alles wie es ist liegen und stehen, werfe eine Pizza in den Ofen und verziehe mich zur Bachelorarbeit. Wenigstens das kann ich.


Tag 3 (Samstag, 05.02.11): das erste Möbel steht

Gutgelaunt, weil strahlend blauer Himmel und die Sonne durch die, zugegebenermaßen saudreckigen Fenster reinblitzt, mache ich mich an die Demontage meines vermurksten Regals des Vortages. Begleitet vom Endlosgesang der Gruppe A-ha geht es schneller als erwartet und macht mir Hoffnung, heute den Tagesplan, nämlich alle 3 Bücherregale fertigzubauen, erfüllen zu können.

Nach einer halben Stunde steht tatsächlich das erste Bücherregal fertig vor mir. Ich bemühe mich, über die Löcher der Rückwand hinwegzusehen und denke mir, schaut eigentlich gar nicht soo übel aus. Ich schiebe das Regal mal etwas zur Seite und mache mir gleich ein paar unschöne Kratzer in das neue Parkett. Ich ignoriere diese Tatsache und hoffe, dass nach einer gründlichen Reinigung nichts mehr zu sehen sein wird.

Nächste Schachtel auf den Boden gewuchtet, ausgeräumt – das Spiel ist bekannt. Nun schon erfahrener, geht der Zusammenbau um einiges schneller. Vielleicht hätte ich doch nicht gar so flott vor mich hinschrauben sollen, denn auch das 2. Regal ist nicht so ganz korrekt zusammengestöpselt. Diesmal habe ich zwar die Mittelplatte richtig befestigt, allerdings verkehrt. Also die Unterseite ist oben. Doch das juckt mich irgendwie wenig. Es wär nicht mein Werk, wenn nicht irgendwas „falsch“ wäre. Außerdem stehen da ja sowieso Bücher drauf.

Während meine Gnocchi vor sich hin köcheln, baue ich endlich das dritte (und letzte) Regal in einer Rekordzeit von 30min fehlerfrei zusammen. Schade, jetzt hätt ich’s gekonnt und keins mehr da.

Mit dem Mittagessen verziehe ich mich wieder in meine Wohnung und widme mich der Bachelorarbeit. Mein Erfolgserlebnis hab ich ja nun.


Tag 4 (Sonntag, 06.02.11): nächste Disziplin – Türe

Heute schließe ich die Bachelorarbeit ab und kann mich nun am Nachmittag ruhigen Gewissens dem alleinigen Möbelzusammenbau widmen. Auch heute ist das Wetter traumhaft schön, die Sonne brennt ins Zimmer, sodass ich zeitweise sogar fast nackt werkel.

Da ich unbedingt das Schispringen sehen möchte, schließe ich meinen alten Fernseher im Wohnzimmer an. Kein Signal. Verdammt, haben meine Leute beim Kastenabbau doch das TV-Kabel beschädigt? Ich baue den Stecker auseinander, begutachte das Innenleben, ohne wirklich was davon zu verstehen. Latsche ins andere Zimmer, wo noch so ein Stecker ist und mache diesen zu Vergleichszwecken auf. Nein, völlig ident, an dem kanns also nicht liegen. Endlich komme ich auf die Idee, doch mal einen Sendersuchlauf machen zu lassen. Voila, das war’s und ich beginne glücklich neben den springenden Adlern (und nicht A-ha) den Karton für das TV-Regal auszupacken. Denn das hab ich mir für heute vorgenommen.

Das bekannte Spiel beginnt, Styropor auf den Haufen, Plastik auf den anderen, Karton wo noch Platz ist. Und mittendrin Harry. Mittlerweile sortiere ich die Kleinteile (Schrauben, Leimtuben, Dübel usw) gar nicht mehr, weil Harry sich ohnehin immer wieder dazwischenpflanzt und alles durcheinanderwirft. Ein kurzer Blick auf die „Beschreibung“ lässt mich ahnen, dass dieses Möbel sich etwas schwieriger gestalten wird, als die Bücherregale. Eine Türe, 2 Seitenteile, 2 Fachböden – also schon etwas anspruchsvoller. Nicht der Zusammenbau an sich, sondern die Auswahl der einzelnen Bretter in der richtigen Reihenfolge. Denn wie in den letzten Tagen schon gelernt, die Bauanleitung verdient ihren Namen nicht.

Es wäre nicht mein Projekt, wenn diesmal alles reibungslos ablaufen würde. Aber verglichen mit den Irrtümern der Regale kann ich mich durchaus schon als Halbprofi bezeichnen. Zusammengefasst habe ich beim Zusammenbau des TV-Regals lediglich die untere Bodenplatte verkehrt montiert (was natürlich wieder eine Demontage nach sich zieht) und bin mit dem Schraubenzieher in die Rückwand gedonnert, sodass ich auch dort ein Loch habe, wo keines hingehört. Noch nicht, denn ich muss sowieso ein Loch für die Kabel (TV zu DVD-Player) bohren.

Am späten Nachmittag erkläre ich das TV-Regal für fertig und mich ebenso. Harry lasse ich nur in den Garten, zum Abendgassi fühle ich mich einfach nicht mehr fähig, alles tut mir weh. Nach einer Pizza falle ich völlig erledigt schon um 21Uhr ins Bett.

Fortsetzung nächster Post, da zu lang

Bilder:
7 Wohnzimmerverbau Eiche Brutal alt
1 Schachteln, etc
2 Harry mittendrin statt nur dabei
3 - 6 Wohnzimmerverbau neu
7 Verbau alt
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Geändert von Woody (31.10.2013 um 21:53 Uhr)
Woody  
Fortsetzung:

Tag 5 (Montag, 07.02.11): ich steige auf: 2 Türen, 5 Schubladen

Etwas steif in den Knien und mit schmerzendem Rücken begebe ich mich frühmorgens (also für meine Verhältnisse 9Uhr) ins Wohnzimmer und lasse die Sonne herein. Noch etwas desorientiert und planlos begutachte ich einen Karton nach dem anderen. Mittlerweile habe ich nämlich gecheckt, dass da ohnehin Aufkleber drauf sind, mit einer Abbildung des Möbels und einer Kurzbeschreibung, was im Karton drin ist. Und ich entdecke Colli 2 von 2 von der Glasvitrine. Nachdem diese ja schon am ersten Tag ausgepackt wurde, beschließe ich, mach das mal fertig. Was ich allerdings in meinem Morgendusel vergessen habe: es gibt 2 Vitrinen gleicher Bauart, nur eine mit Glastüren und eine ohne. Und ich hatte irgendwie schon für alle beiden einen Teil aus den Kartons ausgeräumt. Somit jetzt keine Ahnung mehr, welche Platte gehört zu welcher Vitrine.

Gut, nach reiflicher (also sekundenlanger) Überlegung entschließe ich mich, vorerst Vitrinen sein zu lassen und das große Kastel in Angriff zu nehmen. Da ist alles in einem Karton verpackt.

Das bekannte Spiel mit dem Auspacken beginnt. Huii, das sind viele Teile. Doch mittlerweile erkenne ich schon an den Löchern in den Platten, welche Position diese später haben sollen. Ich beginne also mit der Bodenplatte. Immer Harry beiseiteschiebend oder knapp neben seinem Schwanz hämmernd (er sitzt bzw liegt heute ständig genau dort, wo ich gerade arbeite) platziere ich Holzdübel und Schrauben. Das ist ja nun mal die einfachste Übung gewesen. Was nun? Dieses Kastl hat 2 Türen und 5 Schubladen in der Mitte. Somit stellt sich erneut die Frage, welche Seitenteile gehören wohin? Die Beschreibung ist nach wie vor keine wirkliche Hilfe. Ich schiebe die Entscheidung hinaus und beginne, die Schubladen zusammenzusetzen. Diesmal geht es wesentlicher effizienter und vor allem ohne Beschädigungen ab.

Es hilft nichts, ich muss mich entscheiden, wo ich welche Seitenteile anschraube. Nach intensivem Studium der zahlreichen Löcher in den jeweiligen Platten glaube ich, es herausgefunden zu haben und beginne, die Seitenteile anzudocken. Doch halt, das Möbel hat ja Fachböden auch, die müssen vorher eingesetzt werden. Irgendwie schaffe ich es, alleine das gut 1,50m lange Möbelstück im Korpus zusammenzustecken. Wow, das sieht ja richtig gut aus und vor allem nach meinem Empfinden auch korrekt.

Mittlerweile brennt die Sonne wieder gnadenlos ins Zimmer. Der TV steht auf dem Fensterbrett. Ich denke mir, das ist nicht so gut, wenn der da gebruzzelt wird und will ihn auf den Fußboden stellen. Patschat wie ich bin, reiss ich dabei mit dem Kabel aber meine volle Kaffeetasse gleich mit. Schepper, klirr. Super, alles voller Kaffee: Fensterbrett, Heizkörper, Fußboden, Kleinmaterial. Ich fluche vor mich hin und stampere Harry weg, der natürlich nichts besseres zu tun hat, als mitten in der Kaffeelache stehend, diese aufzuschlecken. Wenigstens bleibt die Tasse heil, immerhin ist die neu. Also alles aufgewischt, also bissi halt, weil putzen muss ich später dann sowieso gründlich.

Mittlerweile ist es 11Uhr und ich mache mir Gedanken, was ich heute essen könnte. Möglichst etwas, das ich nicht beaufsichtigen muss. Pizza mag ich keine (die hängt mir mittlerweile schon zum Hals raus), was hat mein Tiefkühlfach sonst noch zu bieten? Grammelknödel, auja, die kochen eh von allein. Ich stelle mal das Wasser zu und überlege sodann, was ich am Kastl nun als nächstes machen sollte.

Rückwand! Genau, damit ich das Möbel aufstellen kann, muss die Rückwand dran. Also eigentlich sind es hier 5 Einzelteile. Ich lege die dünnen Platten auf – schiebe herum, kontrolliere die Beschreibung, schiebe erneut herum. Das passt nicht. Da sind 2 Platten eindeutig um 3cm zu breit. Ich mag mich nicht mehr herumärgern und säge den Überstand einfach ab. In der Hoffnung, damit nicht doch etwas falsch gemacht zu haben. Aber mittlerweile bin ich in dem Stadium, einfach nur mehr fertig werden zu wollen. Voila, jetzt passen sie einwandfrei und ich befestige alle mit (nicht gezählten, aber geschätzten) 30 Schrauben.

Ich mache eine kurze Mittagspause und bin schon um 14Uhr wieder bei der Arbeit. Das Kastl hochzuwuchten raubt mir die letzten Kräfte, aber schließlich steht es da. Jetzt nur noch die Türen einsetzen und die Führungsschienen für die Schubladen montieren. Also eigentlich eh schon nahezu fertig. Denke ich. Es kommt wieder mal anders.

Ich halte die erste Führungsschiene an die Holzwand. Da sind 2 Löcher. Die Schiene hat mind. 10. Und einen Pfeil. Habe ich schon einmal erwähnt, dass die Beschreibung zu vergessen ist? Ok. Ich kann auch nur anhand der Anzahl der Schrauben herausfinden, welche überhaupt für die Montage zu verwenden sind. Denn da kugeln noch mindestens 50 Stk. verschiedener Größe herum. Irgendwie hab ich einen Überstand der Schiene, wenn ich mich an den Löchern orientiere. Naja, wird schon so stimmen. Ich befestige die erste Schiene mit einer Schraube. Will die 2. eindrehen – geht nicht. Weil ich zum Loch nicht dazukomme. Die Rückwand ist im Weg. Tja, bedeutet nun? Richtig, Rückwand wieder abschrauben! Schon etwas gleichgültig, andere würden sagen abgestumpft, schraube ich also den Mittelteil der Rückwand wieder ab. Die 10 Führungsschienen an. Endlich kann ich die Schubladen einsetzen. Ich schiebe, drücke, fluche. Wieso geht das so verdammt schwer? Das kann ja nicht sein. Genervt wende ich Brutalität an und will nun den 2.Teil der Schiene an der Schublade selbst anschrauben. Vorgebohrtes Loch gibt es ja. Aber irgendwie greift die Schraube nicht. Das Loch ist zu groß. Es muss aber diese Schraube sein, denn nur von der Sorte sind 10Stk. da. Die Beschreibung zu Rate zu ziehen, ist zwar sinnlos, trotzdem versuche ich einen Anhaltspunkt zu bekommen. Es bleibt beim Versuch. Endlich, nach minutenlanger Grübelei und Herumprobierei checke ich, dass ich die Schienen selbst falsch herum angeschraubt habe. Nun ja, ich bin es ja eh schon gewöhnt, alles doppelt zu machen. Seufzend montiere ich also alle 10 Schienen wieder ab und diesmal richtigrum auf. Und bevor ich es vergesse, demontiere ich auch die Schienen von der Vitrine (welche ich ja schon an Tag 2 vormontiert habe) wieder runter. Die sind nämlich auch falsch gewesen. Jetzt kann ich auch die Schubladen ohne Gewaltanwendung einsetzen und anschrauben. Die letzte Schraube will einfach nicht. Kurzerhand bohre ich eben ein neues Loch daneben, ich mag mich nicht mehr rumärgern. Habe ich das schon mal erwähnt?

Nun noch die Rückwand wieder drauf. Super, jetzt fehlt noch die Verblendung und die Türen. Irgendwie dachte ich, die Schwierigkeiten seien alle überwunden und diese beiden Montageschritte nur noch Formsache. Doch erneut werde ich eines Besseren belehrt.

Nach 4 Möbelstücken weiß ich mittlerweile schon, wie ich die Verblendung zu montieren habe. Doch ich suche die Löcher für die Türscharniere am Korpus. Das muss doch vorgebohrt sein. Ich finde nichts. Laut Beschreibung gehört die Türe aber da hin. Nun schon wirklich gereizt und wütend und mich ob der schlechten Qualität (die Furnier ist nahezu mikroskopisch dünn und verzeiht keinen einzigen Kratzer) ärgernd, hämmere ich die Blende ans Kastl. Oh, da sind ja Löcher. Ahaaa, da wird also die Scharnier angeschraubt. Idiotisch, aber bitte. Ich montiere also eine Türe. Geht einfacher, als ich denke. Die zweite lass ich mal, weil dieses Kastl später als Phonomöbel dienen soll, also meine Anlage und die LP’s beherbergen soll. Die Schallplatten möchte ich schon sichtbar haben. Ob die aber da überhaupt hineinpassen hab ich noch nicht nachgemessen. In meinem grenzenlosen Optimismus und Augenmaß vertraue ich aber darauf, dass es so sein wird.

Hurra, Möbel 5 von 8 ist fertig. Morgen kommen dann die Vitrinen dran.....

Tag 6 (Dienstag, 08.02.11): die ersten Tränen fließen

Der heutige Tagesplan umfasst den Zusammenbau der beiden Vitrinen. Die Glasvitrine trau ich mir alleine nicht zu, zu groß ist die Angst, dass ich mich verletzen könnte. Also widme ich mich den letzten Möbelstücken, welche nur aus Holz bestehen.

Frühmorgens begebe ich mich frischen Mutes an die erste Schachtel. Also eigentlich muss ich eh nur noch eine aufmachen, da die anderen schon Tage zuvor mehr oder weniger irrtümlich aufgerissen wurden. Die Auspackerei und Sortierei gestaltet sich bereits automatisch. Wider Erwarten bin ich nach nicht mal einer Stunde mit dem Korpus bereits fertig. Einzig eine Platte erkenne ich noch im letzten Augenblick, dass ich sie falsch zu montieren beginne. Schon aus Erfahrung klüger geworden, montiere ich die Führungsschienen diesmal richtig rum an. Mit mir zufrieden mache ich mir mein Mittagessen und will nach einer kurzen Verdauungspause gleich wieder weitermachen. Meine Lebensgeister und Frohsinn kehren zurück. Ich sehe endlich ein Ende der Plackerei. Und wieder kommt es anders als ich geplant habe.

Irgendwie ist es mir wichtiger, mit Michi im Chat stundenlang zu blödeln als die Vitrine fertigzubauen. Doch um 15Uhr raffe ich mich auf und stakse nun nicht mehr gar so steifbeinig wieder in das untere Stockwerk. Erstaunlich, wie schnell man sich eigentlich an körperliche Arbeit gewöhnt.

Was steht nun noch bei Vitrine 1 an? Ahja, die Schubladen. Ich nehme die erste, welche ich ja schon am 2.Tag zusammengehämmert hatte, und setze sie ein. Ich schiebe sie mal probehalber zu und erstarre. Da klafft ein 2cm breiter Spalt zum Boden. In mir bricht erneut eine Welt zusammen. Schon wieder falsch montiert. Konkret habe ich diesmal Ober- mit Unterseite der Platte vertauscht. Und das alles nur, weil keine ordentliche Zusammenbauanleitung existiert. Nochmal alles, und das heißt diesmal wirklich den kompletten Kasten, auseinandernehmen? Oder die Schienen alle zu demontieren und neue Löcher in der richtigen Höhe bohren? Wie ich mich kenne, schaff ich das sicher nicht in der Waage. Es wird also so und so eine Murkserei. Ich kann nicht mehr und fange an zu heulen. Harry versucht mich zu trösten und leckt meine Tränen ab. Nur ****, dass er gerade gefressen hat und ziemlich erbärmlich stinkt. Ich weiß nicht, soll ich lachen oder weiterflennen.

Schließlich schraube ich die Schienen alle wieder ab und beschließe, das bleibt nun offen, da stell ich die Schallplatten rein. Kein Mensch braucht 12 Schubladen in einem Zimmer. Mir reicht es, ich erkläre den Tagesplan für erledigt.

Tag 7 (Mittwoch, 09.02.11): wie war das mit in 2 Tagen fertig zu sein?

Heute fange ich erst zu Mittag an, da ich einiges für meine Firma erledigen muss. Am Plan steht nur noch die letzte Holzvitrine. Von den Erlebnissen des Vortages noch geprägt, gehe ich die Sache diesmal anders an. Klar, beim letzten Möbelstück – da läuft alles reibungslos. Nach 2 Stunden bin ich fertig.

Und nun mache ich meinem Ärger und Enttäuschung Luft. Ich rufe bei der Firma Kika an, einerseits um die noch fehlenden Möbelstücke (Couchtisch, CD-Regal und die kaputte Glastüre) zu urgieren, andererseits vor allem deshalb, um denen klar zu machen, dass man so eine Qualität und eine derart unzureichende „Aufbauanleitung“ nicht an Kunden weitergeben kann, will man keine negative Nachrede haben. Die Verkäuferin ist sehr nett, bedauert mich (davon hab ich jetzt auch nichts mehr) und bietet mir sogar an, die Schäden (Kratzer) vor Ort zu reparieren. Ich sage dankend ab, will doch endlich nur fertig sein und meinem Unmut Luft gemacht haben. Das genügt mir schon. Bei Kika jedenfalls kaufe ich keine Selbstbaumöbel mehr, obwohl – jetzt könnte ich diese schon einwandfrei zusammenbauen.

Vielleicht hänge ich einen Zettel aus: „Sie sehen sich auch nicht imstande, diese Einzelteile zusammenzufügen? Nehmen Sie meine Hilfe in Anspruch, ich habe schon alle Höhen und noch mehr Tiefen hinter mir. Rufen Sie mich an....“ Oder ich bewerbe mich bei Kika als Monteurin....

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Über Kommentare würde ich mich auch sehr freuen

 

Geändert von Woody (31.10.2013 um 22:20 Uhr)
Woody  
Später habe ich dann das TV-Regal noch einmal gekauft, in der Tiefe beinhart gekürzt und als Überbau zwischen die beiden Regale gesetzt. CD-Regale ebenfalls passend gekürzt und zusätzlich eingebaut. Ein Eckregal genauso verstümmelt und die Verbindung zwischen langer Wand und Hifi-Möbel hergestellt.

 

Ekaat  
Es würde mich dringenst interresieren, wie Du mit dem Desaster (ist es doch wohl??) fertig geworden bist. Zu Ikea fällt mir ein Witz ein:
Eine Frau, deren Mann sich für mehrere Tage im Außendienst befindet, kauft einen neuen Schlafzimmerschrank beim Elchen. Sie fühlt sich gut aufgestellt, hat sie doch unlängst eine Kartoffelkiste ganz allein aufgebaut. Nun denn... Der Schrank steht, draußen fährt die Straßenbahn vorbei und der Schrank fällt zusammen. Nochmaliger Aufbau - Straßenbahn - Zusammenfall. Nach dem dritten Mal ruft sie bei Ikea an, am nächsten Tag kommt der Monteur, baut den Schrank auf - die Straßenbahn; na ja, man kennt das bereits. Er baut den Schrank nochmals auf und erklärt der Frau. »Ich gehe jetzt in den Schrank, Sie schließen die Tür, und dann sehe ich mal, was passiert, wenn die Bahn kommt.« So geschieht es. Bevor allerdings die nächste Straßenbahn kommt, erscheint der Ehemann unerwartet im Schlafzimmer, freut sich über den neuen Schrank und öffnet die Tür. - »Was machen Sie denn hier!!??!!« fährt er den Monteur an. Dieser antwortet: »Sie werden es nicht glauben, aber ich warte auf die Straßenbahn...«

 

Woody  
Ich war wirklich mit meinen Nerven am Ende Ecki, das kannst mir glauben. Es war nicht einmal 3 Monate nach dem Tod meiner Mama und ich fühlte mich wie selten in meinem Leben alleine und verlassen.

Du meine Möbel sind von Kika, nicht Ikea. Letztere hätte ich wahrscheinlich nicht so ein Drama gehabt, eher meine Schraubensammlung drastisch vergrößert

 

Ekaat  
Zitat von Woody
Später habe ich dann das TV-Regal noch einmal gekauft, in der Tiefe beinhart gekürzt und als Überbau zwischen die beiden Regale gesetzt. CD-Regale ebenfalls passend gekürzt und zusätzlich eingebaut. Ein Eckregal genauso verstümmelt und die Verbindung zwischen langer Wand und Hifi-Möbel hergestellt.
Jetzt erst habe ich Dein ganzes Elaborat gelesen. Sag' mal: Bist Du mit Epharim Kishin verwandt? Dein Schreibstil, Deine Selbstironie ist so was von erheiternd! Weiter in diesem Stil!

 

Woody  
Ähm nein Ecki, obwohl - rothaarig wär ich ja schon mal und ich besitze alle seine Bücher

 

Ekaat  
Zitat von Woody
Ähm nein Ecki, obwohl - rothaarig wär ich ja schon mal und ich besitze alle seine Bücher
Pardon - Du hast gewonnen!

 

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