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Messer aus altem Sägeblatt - warum erhitzen?

24.03.2013, 23:31
vor einiger Zeit bin ich irgendwo im Internet über einen Freak gestolpert, der aus alten Sägeblättern Onduliermesser und andere kleine Messer gebastelt hat.
Das läßt mich nicht mehr los.

Ich denke, dass ich das auch irgendwie hinkriege.
Aber ich habe (als Nichtmetaller) einfach nicht verstanden, warum das Metall stark erhitzt und dann wieder abgekühlt wurde. Dieser ganze Prozess ist mir völlig schleierhaft - ich glaube, er hat die Prozedur sogar mehrfach durchgezogen.
Wäre schön, wenn mir jemand kurz erklärt, was es mit dem Erhitzen auf sich hat und welche Blätter (CV, HM, HSS) überhaupt geeignet sind.
TXS
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21 Antworten
Durch das erhitzen des Stahls, bzw. Eisen, unterhalb des Schmelzpunktes können durch verschiedene Temperaturen und die Art des abschreckens verschiedene Zustände des Stahls erreicht werden. Dabei wird das Gefüge, also der kristalline Aufbau verändert um das zu erreichen.

Er kann weich oder hart gemacht werden, man kann aber auch durch Zugabe verschiedener anderer Metalle die Festigkeit oder Leitfähigkeit beeinflussen.

Die von Dir genannten Sägeblätter sind durch Zugabe verschiedener Stoffe quasi erst zu HSS, CV oder HM Stahl geworden.

 

Geändert von bonsaijogi (25.03.2013 um 00:20 Uhr)
Ein Bereich, in dem ich mich als Metaller leider nicht auskenne. Im Prinzip sagt es Jogi schon, man kann dadurch Metalle härter bzw. weicher machen, nur ein Sägeblatt ist doch schon recht hart.
Ich werde heute mal unseren Schmied fragen. Der ist da Spezialist.

 

Schau mal HIER, vielleicht erklärt dir das Video Deine Frage.
Gruss,
Frank.

 

Moin,

Wenn man Stahl zum Glühen bringt und dann abschreckt, wird er gehärtet. Das geschieht dadurch, dass sich beiden hohen Glühtemperaturen ein anderes Kristallgefüge aus den Eisen und Kohlenstoffatomen im Stahl bildet, das bei Normaltemperatur nicht entstehen würde/nicht haltbar ist. Beim Abschreicken wird das andere Gefüge quasi in Normaltemperaturbereich herübergerettet. Das für den Normaltemperaturbereich "falsche" Gefüge kann sich nicht mehr zum "richtigen" Gefüge zurückbilden. Das Gefüge steht unter Spannung.

HSS oder Hochleistungsschnellarbeitsstahl ist ein hochlegierter Stahl, der für Werkzeuge verwendet werden kann, da er härter ist, als ein "normales" Werkstück aus Stahl. Er besteht aus Kobalt, Molybdän, Nickel, Vanadium und Wolfram in verschiedenen Anteilen.

CV steht wahrscheinlich für Chrom Vanadium Stahl, der einen hohen Anteil dieser beiden Metalle bekommen hat.

HM steht für Hartmetall und ist ein gesintertes (bei hoher Temperatur und Druck gebacken) Metallpulvergemisch aus ähnlichen Materialien wie HSS. Hartmetallwerktzeuge sind widerstandsfähiger als HSS.

Es gibt hier auch einen Artikel über die Standzeit. Das passt direkt zum Thema.

Im unendlich komplexen Gebiet der Metallurgie gibt es auf jeden Fall noch unendlich viele Feinheiten zu diesem Thema. Die Profis hier mögen mir verzeihen, wenn ich nur einen kurzen Anriss gebracht habe.

 

Ja aber ein Sägeblatt ist doch schon vergütet. Was will man da noch erreichen? Unser Schmied hatte dazu auch keine Erklärung. Einzige Möglichkeit wären Sägeblätter, bei dene nur die Zähne vergütet waren.

 

Vielleicht will er eine gleichmäßige Härte bekommen. Oder durchhärten. Oder entspannen.

 

Servus!

Ich denke, dass er die Klingen aus dem Sägeblatt Flext und die dabei entstehenden Temperaturen verändern wie oben Erklärt die Eigenschaften.

Um anschließend wieder ein haltbares Ergebnis zu bekommen, wird wiederum gehärtet...

...meine Vermutung...

mfg Dieter

 

Funny08  
Ich habe Hier - ein Forum gefunden welches sich mit so Sachen beschäftigt, auch über das Anlassen von Sägeblättern wird da getextet.

 

Zitat von Ricc
Ja aber ein Sägeblatt ist doch schon vergütet. Was will man da noch erreichen? Unser Schmied hatte dazu auch keine Erklärung. Einzige Möglichkeit wären Sägeblätter, bei dene nur die Zähne vergütet waren.
Eine Vergütung eines Werkstückes ist immer der letzte Schritt. Bei der Bearbeitung habe ich ggf. ein nichtdefiniertes Gefüge. Durch die Wahl der Parameter (Temperatur, Abkühlgeschwindigkei)) in Abhängigkeit von der konkreten Legierung kann wieder ein definierten Zustand eines Werkstücks erreicht werden. Falls für das Bearbeitungsverfahren auch ein klar definiertes Gefüge erforderlich ist, kann auch davor eine thermische Behandlung vorgesehen sein.

 

Eventuell ergibt das einen Sinn. Weichglühen, bearbeiten und wieder vergüten.

 

Ich vermute das er einen Kompromiss herstellt,je härter desto Bruchanfälliger wird das Material,je Weicher desto niedriger die Standzeiten.Ricc hat schon recht,wird so in der Industrie auch gemacht da die Werkzeugmaschinen zur Bearbeitung von Harten Stählen sehr teuer und Empfindlich sind.

 

Zitat von Ricc
Eventuell ergibt das einen Sinn. Weichglühen, bearbeiten und wieder vergüten.
"Spannungsarmglühen" ist hierzu das passende Stichwort.

 

@alle
vielen Dank für eure Hilfe - wird wohl doch eine längere Geschichte, habe aber zumindest grob verstanden, warum diese Prozedur durchgeführt wird.
Besonders interessant: die "Sendung mit der Maus für Erwachsene"
:-)

 

Hallo zusammen, im Prinzip hat Flachkoepper schon das wesentliche wiedergegeben.
Noch einige Hinweise:

Die Härtbarkeit (und die erreichbare Härte) von Stahl hängen vom Kohlenstoffgehalt und den Legierungsbestandteilen ab.

hier gibts eine Beschreibung der Zusammenhänge:
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4rten_%28Stahl%29

Mit "Bordmitteln" wie Schweissbrenner wird man nur mit un- bzw. niedriglegierten Stählen etwas anfangen können!
HSS etc. wird man nur zerstören. HM kann man so gar nicht behandeln, da es ein pulvermetalurgisch (sintern) hergestelltes Material ist, dass man in dieser Zusammensetzung gar nicht erschmelzen kann. Durch den hohen Kobalt-Gehalt wird man es höchstes "verbrennen" wenn man die Temperatur über 900 Grad überhaupt zusammen bekommt!

 

Mein lieber Heinz,

aus Sägeblättern Messer zu fertigen haben wir seinerzeit in Meck/Pom. praktiziert.

Daraus wurden u. a. die Rübenhacken ausgerüstet, sie zeichneten sich bei ihrer Handhabung durch besten und leichtesten Kraftaufwand aus.
Auch den Rasenmähermesser spendierten wir damit an den Enden eine scharfe Schneide.
Die Standzeiten waren beachtlich, was Dich ja auch bewogen hat ähnliche Werkzeuge daraus zu basteln.

Ein großes Missgeschick während dem Studium, beim Abschreiben während einer Klausur erwischt, nutzte der Dozent für dieses Fach bei mir recht geschickt aus.

Für die Abschlussklausur in diesem Fach wünschte er mir viel Erfolg, ohne Hilfe!!!

Also blieb mir nur lernen lernen, mit dem Ergebnis 1 und noch heute kann ich das Eisenkohlenstoff Diagramm fast im Schlaf her beten. Meine Frau im Maschinenbau fit, hat mich da trainiert.
Globulaer Grauguss lamellarer Graugus, härten anlassen, das ganze Programm.

Gebraucht habe ich das in meinem Job zwar nie, aber geschadet hat es nicht.

Somit habe ich schon manche Eisenexperten überraschend verblüfft.
So ähnlich sieht das aus...


http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.lernwerkstoffe.de/beks2.jpg&imgrefurl=http://www.lernwerkstoffe.de/ekd.html&h=600&w=800&sz=168&tbnid=6dUBEQbc30kwUM:& tbnh=89&tbnw=119&zoom=1&usg=__CZUp97DUWpss0O2hvF2A PeUpYNM=&docid=09yJxY1nuLVuyM&hl=de&sa=X&ei=v7pQUY KYMobctAawj4HYBg&ved=0CEIQ9QEwBA&dur=725

 

Geändert von danielduesentrieb (25.03.2013 um 22:35 Uhr)
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