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Kupfer und Schrauben? Schrauben ja aber welche?

19.03.2010, 07:36
Hallo Ihr,
ich würde gerne an eine Dachgaube einen Regenmesser montieren.
Nun ist diese Gaube aber komplett mit Kupfer eingeblecht.

Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, das man Kupfer eben nicht mit einfachen Stahl Schrauben oder so behandeln darf, da sonst das Kupfer kaputt wird.

Ist das denn so?

So long
Espyce
 
Befestigungstechnik, Dach, Kupfer, Schraubenarten, Stahl Befestigungstechnik, Dach, Kupfer, Schraubenarten, Stahl
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39 Antworten
Hallo Espyce,

es gibt auch Kupferschrauben mit metrischem Gewinde zu kaufen. Da wärst du auf jeden Fall auf der sichersten Seite. Kunststoff ist nicht so Wetterfest und Stahlschrauben auch verzinkte werden auf Dauer mit dem Kupfer reagieren.

Grüße Stefan

 

Also ist da tatsächliche etwas wahres dran, das man nicht einfach mit einen anderen Werkstoff an Kupfer ran darf.

Und was passiert wenn ich ein "verzinktes Blech" oder "Edelstahl" mit Kupferschrauben an die Gaube schraube? Kann mir dann da auch das Kupfer kaputt werden?



So long
Espyce

 

Ja, das nennt man Elektrochemische Korrossion. Wobei nicht unbedingt das Kupfer korrodiert. Immer das unedlere Metall wird vom edleren zersetzt. Elektrochemische Korrossion ist einfach erklärt, funktioniert wie eine Batterie. Es entsteht Säure die das unedlere Metall zersetzt.

Das alles findet aber nur statt, in Verbindung mit einem Katalysator, in diesem Fall Wasser. Montierst Du die Befestigung für den RM an einer trockenen Stelle, also so dass kein Wasser an die Halterung kommt, hält das eine Ewigkeit.

 

Na eher umgekehrt. Das edlere Metall überlebt. Es fließt ein winzig kleiner Strom vom unedlen zum höherwertigen Metall. Dabei werden kleine Teilchen mitgerissen, die das Material zersetzen. Dauert zwar Jahre, aber so ähnlich funktioniert das.

 

Habe gerade ein paar Schrauben gefunden, die interessant sein könnten. Sie aus Edelstahl verkupert. Schau mal hier.

 

Das wird ja richtig Chemisch hier...

Also ich lasse mir ein Kupferblech biegen auf das ich den Regenmesser schrauben kann.
Und das wiederum schraube ich dann an die Gaube mit Kupferschrauben. Dann bin ich doch auf Nummer sicher wenn ich das jetzt richtig verstanden habe.

Bzw. könnte ich das doch mit Blindnieten auch befestigen, hier dann aber auch wieder Kupfernieten.

So long
Espyce

 

sonouno  
Hallo Espyce...
nennt man Elektrolyse, sehr wichtig im Schiffsbau, das unedlere Metall zersetzt sich
also meisst Zink. Zink wird auch dann als Opferanode eingesetzt, also bewusste anbringung derselben das sich z.B. der V2A Stahl nicht zersetzt.

und das kann manchmal auch richtig schnell gehn, gerade im Flachdachbereich wird da viel falsch gemacht.

grüssle
sonouno

ps: nimm halt nen Kleber !! z.B. PU-Dichtkleber... da tauchen diese Probleme nicht auf
und Kleber ist viel stabiler als Nieten/schrauben (die Titanik würd heute noch schwimmen...hihi)

 

Geändert von sonouno (19.03.2010 um 08:04 Uhr)
Nicht nur im Schiffbau ... viele Warmwasserspeicher haben eine Opferanode aus Magnesium. Man sollte nicht glauben, wie schnell (OK, ein paar Jahre) die kaputt sind.

 

Kupferniete geht natürlich auch und sicher einfach zu händeln.

 

Das edlere Metall zerstört immer das unedlere Metall so kann man sich das ganz gut Merken.

 

bonsaijogi, etwas weiter oben schreibst Du, dass die Korrosion an einer trockenen Stelle nicht auftreten würde. Sofern es sich aber um eine Außenmontage (wie bei dieser Gaube) handelt, dürfte auf längere Sicht wohl schon die hohe Luftfeuchtigkeit an Regentagen als Initial ausreichen - glaubte ich zumindest bisher. Oder startet die Korrosion tatsächlich nur unter direktem (Regen-)Wassereinfluss?

 

Also:

Man sollte niemals auf dem Dach eine Kupferverwahrung (Kamin, Fenster, Gaube etc.) anbringen, solange man noch verzinkte Dachrinnen hat. Man sollte tunlichst auch Dachrinnen aus Kupfer anbringen, da einem sonst die verzinkten "wegfaulen".
Auch in der Sanitärinstallation darf man niemals verzinkte Rohre nach einer Kupferrohrinstallation verwenden, umgekehrt ist das gar kein Problem. Also z.B. man hat von der Wasseruhr bis zu dem Verteiler noch verzinkte Stahlrohre. Bei einer Sanierung kann nach dem Verteiler unbesorgt mit Kupferrohren weiter verlegt werden.
Hat man aber überall schon CU-Rohr, darf man dann nicht mit verzinktem Rohr von da an weiter verlegen ... sonst rostet das verzinkte Rohr durch.

Espyce will einen Regenmesser an einer Gaube anbringen ... ich sehe da jetzt nicht das große Problem, wenn die Halterung mit verzinkten Schrauben an der Kupferverwahrung festgemacht wird, wenn das an einer einigermaßen trockenen Stelle geschieht. Dem Kupfer macht das nichts aus, weil die verzinkten Schrauben unedler sind, die aber wiederrum unzählige Jahre brauchen um zu verrosten. Vorher fällt der aus Kunstoff bestehende Regenmesser aus oder sogar ab, weil sich der Weichmacher im Kunststoff verabschiedet hat.

 

Zitat von Markus B
Sofern es sich aber um eine Außenmontage (wie bei dieser Gaube) handelt, dürfte auf längere Sicht wohl schon die hohe Luftfeuchtigkeit an Regentagen als Initial ausreichen - glaubte ich zumindest bisher. Oder startet die Korrosion tatsächlich nur unter direktem (Regen-)Wassereinfluss?
Ich denke auch, dass die Luftfeuchte bei Korrosion helfen kann. Es kann aber seeeeehr lange dauern. Vielleicht ein Leben lang. Wenn ich aber bei der Montage die Wahl habe, würde ich die 5 EUR mehr ausgeben und auf Nummer Sicher gehen.

 

Ekaat  
Zitat von Markus B
bonsaijogi, etwas weiter oben schreibst Du, dass die Korrosion an einer trockenen Stelle nicht auftreten würde. Sofern es sich aber um eine Außenmontage (wie bei dieser Gaube) handelt, dürfte auf längere Sicht wohl schon die hohe Luftfeuchtigkeit an Regentagen als Initial ausreichen - glaubte ich zumindest bisher. Oder startet die Korrosion tatsächlich nur unter direktem (Regen-)Wassereinfluss?
Reines Wasser (H2O, dest.) leitet Strom nicht. Erst wenn Salze darin gelöst sind, beginnt die Stromleitung. Je höher der Wasseranteil im Verhältnis zum Salz ist, desto weniger Korrosion entsteht. D. h. es korrodiert beim unter-Wasser-setzen nicht so viel, wie bei abtrocknenden Stellen - nur das H2O verdunstet, das Salz bleibt und die Salzkonzentration steigt. Richtig ist, daß bei absoluter Trockenheit mangels Wasser keine Korrosion stattfindet. Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, warum bei Nebel die Korrosion schneller voranschreitet, als bei Regen. Korrosionsversuche finden in Kammern statt, in denen Salzwasser vernebelt wird und nicht das Versuchsobjekt unter Wasser gesetzt wird.

 

Ekaat  
Zitat von kindergetuemmel
Habe gerade ein paar Schrauben gefunden, die interessant sein könnten. Sie aus Edelstahl verkupert. Schau mal hier.
Sicher werden sich die Leute, die diese Schrauuben entwickelt haben, ihre Gedanken gemacht haben.
Ich halte von einem, wie auch immer gearteten, Überzug bei Niro überhaupt nichts. Der Niro rostet nur deswegen nicht, weil sich an der Oberfläche eine sehr dünne, zusammenhängende und feste Chrom-Oxidschicht unter Einfluß des Luftsauerstoffs bildet, der weiteren Korrosionsangriff verhindert. Nun frage ich, wie soll sich diese sog. Passivierungsschicht auf dem Stahl bilden, wenn sie in der Galvanik durch Säure abgebeizt wird und gleichzeitig der ungeschützte Stahl mit Kupfer überzogen wird?
Es gab mal einen schweren Unfall mit Toten in einem schweizer Hallenbad. Die Erbauer wollten es besonders gut machen und schützten die Stäbe, mit denen die Decke abgehängt war, durch einen heiß aufgebrachten Kunststoffüberzug. Es kam, wie es kommen mußte: Die chlorhaltigen Dämpfe aus dem Schwimmbecken durchdrangen die Kunststoffhaut und ätzten das Metall weg (Spannungsrißkorrosion). Irgendwann hielten die Stäbe nicht mehr und die Decke ging im wahrsten Sinne des Wortes baden. Und begrub Menschen unter sich.

 

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