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Fastunfall durch Materialpfusch

09.02.2011, 00:56
Unsere Firma stellt unter anderem für zwei große Maschinenhersteller Beton-Mischwellen her. Diese Wellen sind dann bis zu 3m lang und wiegen schon mal bis zu einer Tonne.

Heute hatten wir mal wieder so ein Teil (kleinere Ausführung) auf der Drehmaschine, als es in der Maschine polterte. Auf der Seite, auf der die gesamte Welle nur mit einer mitlaufenden Spitze gehalten wird, ist einfach ein ordentliches Stück Material abgefallen. Ohne den Halt der Spitze würde die Welle auf der Seite einfach runter fallen und durch die Drehbewegung mit Glück "nur" das Maschinenbett demolieren.
Zum Glück blieben, nach dem Abbrechen des Materials, noch etwa 2/3 des Zentrierloches stehen und die Welle hatte noch etwas Halt auf der Spitze.

Die genauere Ursache des Materialfehlers kann Ekaat bestimmt erklären.
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ID:	3407  
 
Materialfehler, Metallbearbeitung, Unfall Materialfehler, Metallbearbeitung, Unfall
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4 Antworten
Ekaat  
Klarer Fall: Vergütungsstahl (42CrMo4 bis 34CrNiMo6) und Riß beim Vergüten durch vermutlich Schlackeeinschlüsse im Material. Am Gefüge (ganz kleine Rauhigkeit im Bruch) sieht man (sehe ich), daß es sich um ein martensitisches Gefüge handelt, wie es nach einemr Vergütungsbehandlung vorliegt. Dies ist kein Dauerbruch, sondern ein Gewaltbruch, der allerdings auch durch falsches Einspannen oder rohen Umgang mit dem Material erfolgt ist.
Dieser Bruch sieht so aus, als ob es ein Schalenbruch ist, den man erhält, wenn entweder große Lasten (stark angezogene Zentrierspitze) oder Lasten durch asymmetrische Formgebung (was hier nicht vorliegt) gegeben sind.
Wenn Fehler in der Bearbeitung auszuschließen sind - solche Teile vielleicht aus dem gleichen Material bereits öfter problemlos hergestellt wurden - liegt ganz klar ein Materialfehler vor.
Um allerdings Genaueres sagen zu können, müßte ich das Teil im Original sehen können, und nicht als Foto.

 

Kannst ja herkommen

Also der Bruch muss über ein großes Stück schon älter gewesen sein. Denn man sieht recht deutlich, dass die linke Hälfte schon angerostet ist. Das Abarbeiten vom Material und der Druck der Spitze (warmes Teil wird ja länger) werden dann letztendlich zum Abplatzen des Teils geführt haben.
Die Teile werden bei uns schon seit etlichen Jahren gamacht. Wir scheinen die einzigen Zulieferer für die beiden großen Firmen zu sein. Sowas ist allerdings noch nie passiert. Handelt sich ja schließlich üm "geprüftes" Material.

 

Ekaat  
Geprüftes Material... Hach!! Das Zeugs hat ein DIN-EN 10204/3.1 und alle Welt glaubt nun, daß es auch 100% in Ordnung ist. Auch die Prüfung nach SEP 1921 (Ultraschallprüfung) wird so lax gehandhabt, daß man ihr normalerweise nicht glauben kann. Bei der US-Prüfung hätte eigentlich das Teil durchfallen müssen. Ich wertete die rostroten Flecken als Verunreinigungen nach dem Bruch. Wenn die schon vorher da waren, handelt es sich mit fast absoluter Sicherheit um einen Härteriß. Es ist müßig, die Ursache des Risses zu suchen, mag sie aus einem Schlackeeinschluß oder einem Kerb im Material gekommen sein: Es ist auf jeden Fall das Herstellerwerk verantwortlich. Leider geht der Regress nur auf kostenlosen Ersatz einwandfreien Materials. Die Kosten, die später durch Einrichten und Zerspanung, ggf. auch noch durch Zerstörung eines Werkzeuges entstanden sind, trägt das Werk nicht.

 

Eigentlich sollen sie Ultraschallgeprüft sein - Ha ha.
Wir hatten echt Glück, dass mehr als die Hälfte der Zentrierung stehen geblieben ist. Das Maschinenbett wäre im Eimer und eine neue Maschine sicher nicht mehr finanzierbar.
Bei dem Material frage ich mich eh, was die fabrizieren. Ich verzahne die Wellen zum Schluss immer und manche sind Butter und bei anderen morkle ich nur rum. Bisher hat der Käufer aber nichts beanstandet.

 

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