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Das 15. Türchen

15.12.2014, 07:32
Janinez  




Weihnachten in Reichenbach bei Oberstdorf



Wenn wir zu meinen Großeltern fuhren um Weihnachten zu feiern, war das immer erst mal eine riesen Packelei. In einen VW – Käfer mußten wir 2 Kinder, die dicken Winterklamotten, die Weihnachtsgeschenke – so verpackt, daß wir Kinder das nicht mitbekamen - 1 großer Wäschekorb voll Plätzchen.

Wenn dann alles verstaut war ging es über die verschneite und vereiste Landstraße los, in einem Auto, das keine Heizung hatte und in dem wir so zugepackt waren, daß wir uns nicht rühren konnten. Katastrophal wurde es, wenn eine unterwegs auf die Toilette musste. Nach so 3 -4 Std. Fahrt kamen wir bei Oma und Opa an.

Da es damals noch irre viel Schnee gab, mußten wir die Türe im 1. Stock benutzen, da das Parterre immer im Herbst vernagelt wurde, da eh alles eingeschneit wurde.

Durch die Türe betrat man gleich die riesen Küche mit einem ewig großen Backofen und einem Herd mit fast glühender Herdplatte.

Sobald wir aus den Kleidungsstücken geschält waren bekamen wir köstliche Bratäpfel ja und dann mussten die Sachen in den oberen Stock in unser Zimmer gebracht werden. (Das war so kalt, daß das Bettgestell immer mit Eis überzogen war und das Waschwasser in der Schüssel einfror. Früher mussten wir zur Toilette durch den Garten aufs Herzerlkloo, später wurde eines im Schuppen eingebaut – aber da konnte man durch die Bretter nach draußen sehen und es war auch da bitter kalt. Ach ja das Kloopapier mussten wir immer aus der Zeitung zuschneiden, sobald Opa sie gelesen hatte.

Ab und zu hatte Oma ein Einsehen und hat uns einen Topf raufgestellt und einen Ziegelstein ins Bett gelegt, der vorher im Backofen erwärmt wurde.

In die Stube durften wir nicht, denn da arbeitete das Christkind. Gegen Mittag mussten wir dick vermummt uns auf den Weg machen und die paar km. In das nächste Dorf stapfen, zur Kindermette – der Schnee ging uns oft bis zur Brust und wir Stadtkinder hatten weder Ski, noch Schneeschuhe. Aber im nächsten Dorf war die Bäckerei von der Großtante und bei der konnten wir uns aufwärmen und richtig an guten Sachen satt essen, bevor es in die eisige Kirche ging. Sie gab und meist 1-2 frisch gebackene Semmeln mit, damit wir uns in der Kirche wenigstens ein wenig die Hände wärmen konnten.

Dann im Dunkeln zurück, orientiert haben wir uns im Mondlicht und an den Sternen, ab und zu hatte ein Kind eine Kerze.

Dann dauerte es nicht lange und das Glöckchen läutete in der Stube und da stand er strahlend im hl. Eck – der Christbaum mit uraltem Christbaumschmuck und eine alte Papierkrippe (die sich heute in meinem Besitzt befindet) die schon bei meiner Oma als Kind unterm Christbaum stand. Nach vielen Liedern und Gedichten gab es erst mal Abendessen – ein spezieller Fisch – Kartoffelsalat – den ich so gar nicht mochte.

Dann endlich durften wir die selbstgestrickten Socken und warmen Handschuhe und Jacken auspacken, die wir jedes Jahr bekamen und einen Lebkuchen Nikolaus mit so einem tollen bunten Bild drauf, denn wollten wir gar nicht essen. Dann gab es noch suuper leckere Karamellen (später gab mir Oma das Rezept und ich dachte, die macht das Christkind mit den Engerln) aber nur sehr wenige vielleicht 8 -10 Stück, denn andere Kinder wollten auch noch was. Oma, Opa und die Eltern bekamen selbst Gebasteltes und Gemaltes . Aber das Schönste an Weihnachten war, daß wir an diesen Tagen unten in der Stube auf dem Kachelofen schlafen durften und nicht in unser Eiszimmer mussten.

Die Feiertage konnten wir zur Messe in der Dorfkapelle gehen, die war nur 50 m weg und der Pfarrer gab uns Kindern immer ein Bonbon.

Opa bastelte dann mit uns in der eingeschneiten Werkstatt – bei Kerzen- bzw. Petroleumlicht und so gingen die Feiertage vorüber.

Aber das waren die schönsten Weihnachten. Das Haus steht heute unter Denkmalschutz und es ist samt Mobiliar fast noch genauso erhalten wie es war – nur die Elektrizität wurde nachgerüstet, das Wasser kommt nicht mehr aus der Quelle oberhalb dem Haus und friert auch nicht mehr ein und im Schuppen wurde innen alles abgedichtet und ein Bad eingebaut. In den Zimmern haben wir jetzt Radiatoren stehen.
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Advent, Geschichte, weihnachten Advent, Geschichte, weihnachten
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27 Antworten
Janinez  
sorry irgendwie krieg ich das Bild nicht in groß oben rein

 

Wieder mal eine schöne Geschichte Janinez.

Die stimmt einen so richtig nachdenklich auf frühere Weihnachten.

Für unsere Kinder versuchen wir auch das Erlebnis unvergessen zu machen.

Dieses Jahr spielen die Kommunionkinder das Krippenspiel - zumindest fast alle...
Unserer macht den Josef - da sind wir schon mal gespannt.

 

Woody  
Du meine Güte, ich war echt in Versuchung beim Lesen mir einen Pulli anzuziehen, so kalt wurde mir

Ja damals wars echt "brutal", aber dafür gab es vieles, was heute nicht mehr existent ist.

schönes Türchen und das Bild: der erste Schnee heuer bei dir?

 

Janinez  
@ Kneippi - der Junge macht das schon
@ Woody - irgendwie war man früher nicht soo arg verfroren, wir haben im Pulli draußen gespielt ohne Jacke

 

Schaffen wird er das sicherlich - ich habe schon gestaunt, dass er den Text nach zweimaligem Durchlesen auswendig konnte.
Die jetzigen Proben (jeweils nach der Sonntagsmesse) beziehen sich auf das Spiel und die Betonung.

Damit führt er eine Tradition fort, da ich ungefähr in seinem jetzigen Alter (9) mit der Aufführung von "D' Mauslaibla" meine (weihnachtliche) Theaterpremiere hatte...

Leider weiss ich nicht mehr, von wem das Stück ist...

 

Bine  
Hallo Janine
sehr schöne Erinnerungen hast du uns mitgebracht . Also wir hatten es ja schon kalt , aber sooo eisig war es bei uns nie . Ich habe mich immer mit meiner Zwillingsschwester in einem Bett verkrochen , und wir haben uns gegenseitig gewärmt Einer der Vorteile wenn man einen Zwilling hat
Aber sooo viel Schnee das die unterste Tür zugenagelt werden musste und man im 1sten Stock rein ging kenne ich nicht . Den höchsten Schnee den ich kenne war hier in Düsseldorf Kniehoch , dann ist es aber schon viel gewesen .
Danke für die schöne Geschichte

 

Sehr schöne Geschichte und das Bild ist der "Hammer"...

 

Ekaat  
Für das Bild hast Du aber viel Puderzucker benötigt!
Deine Story liest sich fast, wie eine Geschichte von Peter Rosegger. Toll!

 

Eine schöne Geschichte von Dir, die mich auch an meine Kindheit erinnert.
Auch wir hatten ein Herzerlkloo, aber im Stall bei den Schweinen und Kälbern.
Hier gab es noch keinen Schnee, auch nicht so hoch wie Du es beschrieben hast.
Klasse geschrieben, das könnte ich nicht!
Schöne Feiertage wünsche ich Dir!

 

Janinez  
ich danke euch, ja leider haben sich durch den Tourismus die Zeiten dort auch geändert und Schnee gibt es bei Weitem nicht mehr so viel. Es war völlig normal, dass man in den Wintermonaten keine Zäune sah und tlw. in den Baumkronen spielen konnte. Ein Kloo im Stall wäre schon schön gewesen, da wärs wenigstens ein wenig warm gewesen, aber wir sind früher im Nachthemd nur mit einer Strickjacke und barfuß über die Wiese ins Kloohäusl. Für meine Großeltern war das ganz normal und ich glaub sie waren sehr verwundert über ihre verweichlichten Enkelinnen.
@Ekaat ja wenn das Puderzucker gewesen wäre, dann säße ich davor und würde schlecken bis alles weg wäre
@ Bine - dort wurde ja das Erdgeschoss immer mit Felsstein gebaut und darauf mit Holz und so hoch der Felsstein gemauert war, war auch üblicherweise Schnee, also musste im Herbst einfach jedes Fenster von innen und Außen vernagelt werden und auch jede Türe. obwohl auch manchmal der Schnee über Nacht auch noch die obere Türe halb zuschneite, dann waren wir halt einige Tage ans Haus gefesselt - aber jeder hatte damals genug Grundvorräte und die einzigen 2 Wasserleitungen im Haus mussten immer tropfen,damit sie nicht gefroren sind. Aber es war eine schöne Zeit

 

Danke für das schöne Türchen, Janinez.

Tja - an so kalte Zeiten kann ich mich auch noch erinnern.

 

Schönes Türchen, hat Spaß gemacht es zu Lesen und das kenn ich auch noch sehr GUT mit der Zeitung, habe auch noch dabei gelesen, aber auf die Schnelle, sonst hätte ich einen Hammer gebraucht bei minus Grade, aber im Sommer hat die Zeitung gar nicht gereicht ;O)))

 

Janinez  
also ganz ehrlich im Sommer bin ich lieber mal schnell ein Stück den Berg hoch, bis in den Wald und hab mich dort hingesetzt, denn der "Duft" im Häusl war oft schlimmer als in jedem Stall

 

Ekaat  
Ja, an so eine Tür mit Herz habe ich auch noch geruchsintensive Erinnerungen...
Gegenüber der Tür war eine 2,5m hohe Mauer zur Straße. Im Sommer wurde die Tür offen gelassen, aus naheriechenden Gründen, und, um den Mitbewohnern zu zeigen, daß »BESETZT« war. Es kam die Zeit der Heuernte, Oma saß auf dem Thron und draußen fuhr der Nachbar mit seinem Fuder vorbei; natürlich hoch oben auf dem Heu. Sah meine Oma, zog seinen Hut, verbeugte sich und sagte:»Guten Morgen, Frau Neumann!«

 

Janinez  
ja so kann es gehen,,,,,,,unser Häuschen hatte ein Dach, wegen Regen und Schnee. Wenn es so viel geschneit hatte, dass das Häuschen verschwunden war, dann bekamen wir einen Topf und den Inhalt mussten wir dann im Schnee ein Stück den Berg hoch vergraben- da haben wir Nachts lieber ausgehalten und uns dann gleich in den Schnee gesetzt, wobei man da natürlich auch die Bewohner der anderen paar Häuser traf, wobei die Bauern in ihre Ställe gingen und wenn uns keiner sah, sind wir auch beim Nachbarn in den Kuhstall - haben aber lange Zeit nicht begriffen, warum die es immer gewusst hatten..............

 

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