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Balligkeit der Bandsägeräder

04.08.2014, 18:14
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44 Antworten

Die besten Antworten

Du möchtest meiner Meinung nach folgende Dinge erreichen:
- Das Band eiert nicht hin und her
- Das Band erreicht seine stabile Position selbständig
- Die Schränkung der Zähne wird nicht beeinträchtigt
- Die Bandauflage wird nicht von den Zähnen zerstört

Diese Ziele erreichst du tatsächlich mit balligen Laufrädern.

Ein Flachriemen (oder ein Sägeband) läuft dann besonders positionsstabil, wenn es auf einem balligen Laufrad läuft. Er läuft brav in der Mitte und haut nicht ab.

Gleichzeitig sorgt das ballige Laufrad dafür, dass die Zähne die mit ihrer Schränkung ja etwas dicker sind als das eigentliche Band geringfügig mehr Platz haben. So werden sie nicht auf der "Innenseite" platt gedrückt. Sonst hättest du am Ende nur noch Schränkung auf der "Außenseite" und das wäre nicht gut für die Schnittqualität.

Gleichzeitig schonst du dadurch die Auflagefläche des Laufrades denn genau wie das Rad auf die Zähne wirkt, wirken natürlich die Zähne auf das Laufrad.

Je schmaler das Band, desto näher rücken der Mittelpunkt des Ballens und die Zähne zusammen.

Du könntest nun die Balligkeit erhöhen oder die Schränkung verringern.

Verringerte Schränkung hat Auswirkungen auf den Abtrag und den Abtransport des Sägematerials.

Erhöhte Balligkeit verringert die Kontakltfläche zwischen Band und Rad. Das wirkt sich negativ auf die Kraftübertragung bei breiteren Bändern aus, die ja besonders gern auch zum auftrennen von stärkerem Material genutzt werden. Du bekommst das Drehmoment einfach nicht "auf die Straße" und das Band wird stehen bleiben obwohl die Räder weiter drehen. Floge: maximaler Verschleiß und minimale Qualität.

Eine höhere Balligkeit macht es auch etwas schwieriger das Band sauber mit der notwendigen Spannung auf zu ziehen. Ist der unterschied zwischen dem oberen und unteren Punkt zu groß kann es passieren, dass ein geringfügig schief aufgelegtes Band seine zentrale und stabile Position nicht selbständig erreichen kann weil es vielleicht schon zu stramm sitzt.

Ich denke die Laufräder der meisten Bandsägen sind ein Kompromiss den man eingehen muss um ein große Bandbreite unterschiedlichster Blätter benutzen zu können. Wenn du eine Säge für einen ganz bestimmten Zweck baust, kannst du natürlich die Balligkeit und auch die Breite der Räder genau auf diesen Zweck hin optimieren.

Beim Selbstbau der Räder würde ich übrigens das Auswuchten für ein nicht zu unterschätzendes Problem halten. Die Drehzahlen sind zwar vielleicht nicht die eines Zyklons aber auf Dauer kann das zu einer ordentlichen Belastung für die Maschine (Räder, Lager und Rahmen) werden.
Hilf mir mal bitte jemand. Ich kann mit dem Begriff "Balligkeit" nichts anfangen.
Wikipedia verwirrt erst recht! Die Google-Bildersuche bringt zwar einiges, jedoch kann ich das nicht mit einem Bandsägeblatt in Verbindung bringen. Vielleicht mag sich jemand plagen und eine Zeichnung machen?

 

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Geändert von RockinHorse (17.10.2014 um 07:24 Uhr)
Danke RockingHorse, das ist mir jetzt verständlich.Das kann aber nicht bedeuten, dass das bzw. die Laufräder gewechselt werden sollten bei unterschiedlichen Bändern, oder doch? Oder lässt sich das mit deren "üblichen" Einstellungen (Spannung, Neigung) ausgleichen?

 

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Geändert von RockinHorse (17.10.2014 um 07:25 Uhr)
Ich habe bei hochwertigen Bandsägen (Kostenfaktor um die 20Tausend Euro) noch keine gewölbten Räder gefunden. Muß sich um eine amerikanische Eigenschaft handeln.

Das um das Rad gelegte Sägeblatt liegt flach auf. Eine Wölbung macht absolut keinen Sinn...

Im übrigen zeigt das Foto keine Bandsäge, sondern einen Bandschleifer...

 

Geändert von Electrodummy (04.08.2014 um 20:27 Uhr)
ich hab mal ne kleine Sizze angehängt:

links ist in schwarz der Querschnitt einer ebenen Lauffläche einer Führungs- oder Antriebsrolle angedeutet, rechts der einer sogenannten 'balligen', die einfach nur leicht gewölbt ist im rechten Winkel zur Laufrichtung des Bandes und der Führungsrolle, die das Band trägt.
Zur Verdeutlichung, wozu sowas nützlich ist, hab ich schematisch den Zug auf das Band (blau) in rot symbolisiert. Vielleicht wird so einfach erkennbar, warum eine ebene Lauffläche immer und unbedingt absolut parallel zur anderen stehen muss, damit das Band nicht auf einer Seite mehr Zug kriegt, als auf der anderen. Bei einer üblichen Bandsäge entsteht schon bei sachgemäßem Gebrauch Druck auf das Band Quer zu den Führungsrollen und das Band wird quer belastet, was bei einer ebenen Auflage zum Ablaufen des Bandes von den Führungsrollen führt.

Die ballige Ausführung zentriert den Antrieb des Blattes auf dessen Mitte und profitiert von der Selbstzentrierung einer solchen Geometrie: Der gleiche Druck, der bei einer ebenen Führung die Neigung des Blattes zum Ablaufen von der Rolle verstärkt, wirkt bei ner balligen Führung rückstellend, was aber in der Praxis durch ausreichend Power im Vorschub leicht überboten werden kann durch zu viel Vorschub. Das nötige Gefühl daführ entwickelt sich mit der Zeit, vielleicht mit jedem Sägeblatt und jedem Material, das man schneidet, neu.
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Name:	ballig.jpg
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ID:	27817  

 

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Geändert von RockinHorse (17.10.2014 um 07:25 Uhr)
Zitat von RockinHorse
Im Amerikanischen wird das "crown" oder "crowning" genannt und bezieht sich auf die Lauffläche der Räder, die an der Oberfläche eine mehr oder weniger große Krümmung aufweisen, wei auf dem beigefügten Image zu sehen ist.

Bildquelle http://www.ncwoodworker.net/forums/showthread.php?t=26448
Dieses Foto zeigt ein Schleifband, kein Bandsägeblatt...

 

Zitat von Electrodummy
Ich habe bei hochwertigen Bandsägen (Kostenfaktor um die 20Tausend Euro) noch keine gewölbten Räder gefunden. Muß sich um eine amerikanische Eigenschaft handeln.

Das um das Rad gelegte Sägeblatt liegt flach auf. Eine Wölbung macht absolut keinen Sinn...
In der Kategorie von 20.000 Euro hast Du sicher recht, aber ich fürchte, um die geht es hier nicht. Keine Ahnung, ob das die Amerikaner zuerst so gemacht haben, aber solche Konstruktionen sind bei kleinen Bandsägen -soweit mir bekannt - nicht unüblich und haben schon ihren Sinn. Dass sowas optimal ist, behaupte ich nicht, versuche nur zu erklären, was das soll, soweit ich es verstehe.

 

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Geändert von RockinHorse (17.10.2014 um 07:26 Uhr)
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Geändert von RockinHorse (17.10.2014 um 07:26 Uhr)
Der deutsche Begriff sagte mir auch nichts. Aber als ich eben "crowning" las, konnte ich mich an ein Video von Matthias Wandel erinnern. Ja, da ist er wieder
Ich find das Thema dort gut erklärt.




Mehr kann ich zu dem Thema leider nicht beisteuern, bin aber auf das Resultat gespannt.

 

Du möchtest meiner Meinung nach folgende Dinge erreichen:
- Das Band eiert nicht hin und her
- Das Band erreicht seine stabile Position selbständig
- Die Schränkung der Zähne wird nicht beeinträchtigt
- Die Bandauflage wird nicht von den Zähnen zerstört

Diese Ziele erreichst du tatsächlich mit balligen Laufrädern.

Ein Flachriemen (oder ein Sägeband) läuft dann besonders positionsstabil, wenn es auf einem balligen Laufrad läuft. Er läuft brav in der Mitte und haut nicht ab.

Gleichzeitig sorgt das ballige Laufrad dafür, dass die Zähne die mit ihrer Schränkung ja etwas dicker sind als das eigentliche Band geringfügig mehr Platz haben. So werden sie nicht auf der "Innenseite" platt gedrückt. Sonst hättest du am Ende nur noch Schränkung auf der "Außenseite" und das wäre nicht gut für die Schnittqualität.

Gleichzeitig schonst du dadurch die Auflagefläche des Laufrades denn genau wie das Rad auf die Zähne wirkt, wirken natürlich die Zähne auf das Laufrad.

Je schmaler das Band, desto näher rücken der Mittelpunkt des Ballens und die Zähne zusammen.

Du könntest nun die Balligkeit erhöhen oder die Schränkung verringern.

Verringerte Schränkung hat Auswirkungen auf den Abtrag und den Abtransport des Sägematerials.

Erhöhte Balligkeit verringert die Kontakltfläche zwischen Band und Rad. Das wirkt sich negativ auf die Kraftübertragung bei breiteren Bändern aus, die ja besonders gern auch zum auftrennen von stärkerem Material genutzt werden. Du bekommst das Drehmoment einfach nicht "auf die Straße" und das Band wird stehen bleiben obwohl die Räder weiter drehen. Floge: maximaler Verschleiß und minimale Qualität.

Eine höhere Balligkeit macht es auch etwas schwieriger das Band sauber mit der notwendigen Spannung auf zu ziehen. Ist der unterschied zwischen dem oberen und unteren Punkt zu groß kann es passieren, dass ein geringfügig schief aufgelegtes Band seine zentrale und stabile Position nicht selbständig erreichen kann weil es vielleicht schon zu stramm sitzt.

Ich denke die Laufräder der meisten Bandsägen sind ein Kompromiss den man eingehen muss um ein große Bandbreite unterschiedlichster Blätter benutzen zu können. Wenn du eine Säge für einen ganz bestimmten Zweck baust, kannst du natürlich die Balligkeit und auch die Breite der Räder genau auf diesen Zweck hin optimieren.

Beim Selbstbau der Räder würde ich übrigens das Auswuchten für ein nicht zu unterschätzendes Problem halten. Die Drehzahlen sind zwar vielleicht nicht die eines Zyklons aber auf Dauer kann das zu einer ordentlichen Belastung für die Maschine (Räder, Lager und Rahmen) werden.

 

Zitat von RockinHorse
Ich kenn den physikalischen Effekt der balligen Laufflächen schon mal aus einer früheren beruflichen Sicht, im übrigen ist der Effekt schon seit dem Zeitpunkt bekannt, seit dem bei der einsetzenden Industrialisierung die Maschinen über Transmissionen angetrieben wurden - von daher also schon sehr lange üblich.
Danke, RockinHorse, ich habe so alte Installationen als Praktikant noch in Betrieb gesehen, rechnerisch nachweisen kann ich den Effekt nicht, aber im notfall zeichnerisch plausibel machen, was meine kleinen Sizzen oben nicht tun.

Zitat von RockinHorse
An der Balligkeit von Laufflächen, auf denen Stahlbänder gefördert werden sollen, kommt man also nicht vorbei. Die "Wissenschaft" dabei ist, wieviel kann das Band maximal vertragen (gehärteter oder weicher Stahl) und welches Minumum muss eingehalten werden.
Jo. Ich hab dabei noch nicht viel Erfahrung, weil ich erst seit einigen Monaten ne eigene, kleine, alte Bandsäge habe - kann da also in den Details nicht mitreden.

Fernton hat auch nochmal gut beschrieben, was für ballige Laufräder spricht. Scheint so, als wären die für unsere Verhältnisse (unter 20.000€ pro Maschine) die übliche und sinnvolle Ausführung.

 

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Geändert von RockinHorse (17.10.2014 um 07:26 Uhr)
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