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Zug Umzug umzug,Möbelwagen,Pannen
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Möbel
von Ekaat
20.02.11 14:50
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  • 15001.500,00 €

Man schrieb das Jahr 1976. Wir wohnten auf einem Kuhdorf am Rande von Hannover. Ich hatte eine neue Stellung in Bremen. Es galt also, einen Umzug zu organisieren. Das fing damit an, daß Teppichboden für die neue Wohnung geliefert wurde, die sich im vierten Stock befand. Ein Fahrstuhl war vorhanden, aber für die Teppichrolle zu klein. Meine Forderung, die Rolle über das Treppenhaus zu transportieren fand nicht den rechten Anklang bei den Lieferern. Die Rolle wurde in den Fahrstuhl gequetscht. Na, geht doch!? Am darauffolgenden Wochenende wurde der Teppich verlegt; dort, wo er transportbedingt im Fahrstuhl geknickt worden war, fanden sich Falten, die auch durch Spannen nicht herausgezogen werden konnten, mitten im Zimmer!! Der Gutachter der Lieferfirma könne leider jetzt auch nichts machen, da wir ja am folgenden Tage bereits einziehen wollten. Man einigte sich auf einen deutlichen Preisnachlaß.
Wir rasten nach Hannover, durch die Begutachtung in unserem Zeitplan zurückgeworfen. Das Meiste war schon gepackt, und es galt, die Nägel und Schrauben aus den Wänden zu entfernen. Als ich den Nagel, der die Notizrolle in der Küche hielt, herauszog, ging die Deckenlampe aus. Ich steckte den Nagel wieder ein und hatte Licht! Mit dem Hammer schlug ich den Nagel bis zum Anschlag in die Wand. Licht war aus. Klopf – Licht wieder an. Nur die Tür nicht so fest zumachen! Nach mir die Sintflut.
Am nächsten Tage sollte der Umzugsfritze um 7:00h kommen. Um 7:30 rief ich dort an, wann denn nun. Der Chef kommt um acht, bis dahin müsse ich mich gedulden. Ich tat, wie geheißen mit wachsender Ungeduld, der sich bis neun in Zorn und bis zehn in Wut verwandelte, die Phasen immer unterbrochen von Telefonaten und Nachfragen vom Vermieter, ob wir den heute wirklich auszögen. Als der Gute das letzte Mal fragte, vermied ich eine Beleidigungsklage nur dadurch, daß es läutete und die Mannen, strahlend vor der Tür stehend, fragten, wo die Klaviere denn stünden. ELF UHR DREISSIG!! Zwei Stunden später war alles, bis auf die Blumen, die wir im PKW transportierten, im Möbelwagen verstaut und wurde Richtung Bremen kutschiert. Endabnahme: Ja, dies und jenes, und das da auch, und überhaupt. Was wollte der Knülch eigentlich?! Wir bedeuteten ihm, daß Alles in den Zustand gebracht worden war, wie wir es übernahmen und gut ist! Da er nicht bereit war, die Schlüssel aus unserer Hand zu nehmen, hängte ich sie über die Türklinke und machte mich mit meiner Frau aus dem Staub.
75 Minuten später waren wir in der neuen Wohnung, hatten den Möbelwagen kurz vor Bremen überholt und waren guter Dinge. Wer nicht kam war der LKW. Zum Glück hatten wir schon Telefonanschluß (das Mobiltelefon gab’s erst zwanzig Jahre später), und ich kontaktierte das Unternehmen. Man wisse auch nicht, wo unsere Fuhre wäre. 1½ Stunden später kamen die dann an, und das Ausladen begann. Beim Transport des Kopfkranzes unseres Wohnzimmerschrankes blieb der Möbelpacker an der Eingangstür hängen und brach einen Splitter von 30cm Länge ab. Derjenige, der gerade den Spiegel des Barfaches in der Hand hatte, wollte das noch verhindern, was ihm mißlang. Ihm mißlang auch das Festhalten des Spiegels. Scherben bringen Glück! Um 23:30h waren wir beide so fertig, daß wir uns auf die Coach setzten. Da mußten wir uns noch einen dummen Spruch von Vorarbeiter anhören! Als die Mannen fertig waren, ging es um die Abrechnung plus Trinkgeld. Ich bezahlte den Umzug und legte den angemessenen Betrag Trinkgeld auf den Tisch mit den Worten: »Verdient habt Ihr es ja nicht...«. Wenn Blicke töten könnten! Aber wir überlebten und der Vorarbeiter nahm das Geld nicht. DM 150,00 gespart!
Danach bin ich noch dreimal umgezogen, aber dieser Umzug war nicht zu toppen!


umzug, Möbelwagen, Pannen
3.5 5 2

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Drahtseile als Nerven getarnt  Stahl  möglichst dick 

Benötigtes Werkzeug

1 Ruhig Blut...

...und warme Unterhosen!

8 Kommentare

zu „Zug Umzug“

Ich als Elektriker find das Verhalten - offen und ehrlich - unverantwortlich - sorry aber der nächste wo diese Wand bearbeitet oder an den Nagel kommt - könnte daran sterben.
Ich schiebs mal darauf, dass du jünger warst und heutzutage sicher verantwortungsbewusster bist.
2011-02-20 15:46:39

Mit sechsundzwanzig Jahren und unter Mega-Streß (den Ausdruck gab's damals auch noch nicht!) verzeihe ich mir das heute auch. Es war übrigens der Null, der da auch langlief, kein Schaltstrom. Prüfung mit Phasenprüfer. So weit dachte ich damals auch schon. Hätt's trotzdem reparieren (lassen) sollen.
2011-02-20 16:50:47

aber trotzdem eine nette Geschichte
2011-02-20 17:35:08

Aber nur solange nett, bis man selber in sowas mittendrin ist!
2011-02-20 17:39:40

Da mit dem Trinkgeld würde Dir wohl hoffentlich heute auch nicht mehr so passieren. Wen jemand kein Trinkgeld verdient hat bekommt er auch keins. Vielleicht war es damals ja noch anders ;)
2011-02-21 08:36:49

Wenn der Nagel unter Strom gestanden hätte, hätte der Eckaat das mit einiger Chance auch gemerkt. Dennoch eine "tolle" Technik!
2011-02-21 12:38:37

Zitat DirkderBaumeister:»Da mit dem Trinkgeld würde Dir wohl hoffentlich heute auch nicht mehr so passieren. Wen jemand kein Trinkgeld verdient hat bekommt er auch keins. Vielleicht war es damals ja noch anders ;) «
Da hast Du recht - gegenüber der heutigen Zeit hatten auch einfache Arbeiter eine Ehre, einen Stil. Ich will nicht verallgemeinern, aber heute sieht es doch so aus: Ich nehm' das Geld, auch wenn ich es nicht verdient habe. Noch schlimmer: Die merken gar nicht, daß sie es nicht verdient haben!
Abgesehen von meiner Lehrzeit habe ich im gesamten Berufsleben nicht einen Pfennig/Cent Trinkgeld erhalten. Ein Engländer sagte einmal in bestem Oxford-English: »Tipping is a bad habit!« (Trinkgelder sind eine schlechte Angewohnheit.)
2011-02-21 20:03:14

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